Salary Cap / CBA

Carmelos CBA-Chaos

Wenn es in dieser NBA-Saison um Vertragsverlängerungen ging, dominierte als Grund dafür zumeist eine dreibuchstabige Abkürzung, die anscheinend alles legitimierte: CBA. Die Verhandlungen über ein neues Collective Bargaining Agreement zwischen der Spielergewerkschaft und der Liga hatte ich bereits ausführlich dargestellt. Womit ich mich schwer tue, ist das Totschlagargument, dass jede Vertragsverhandlung letztlich erfolgreich war, damit die Spieler noch einen hochdotierten Vertrag unterschreiben konnten. Der Anreiz dafür soll gewesen sein, dass der neue Tarifvertrag die gerade abgeschlossenen Verträge in dieser Form nicht ermöglichen würden. Das stimmt höchstwahrscheinlich auch. Dennoch glaube ich nicht, dass die Spieler deswegen verlängert haben. Hier geht es um andere Gründe.

Verlängerung oder neuer Vertrag?

Am Beispiel von Carmelo Anthony möchte ich einmal verdeutlichen, warum der neue Knickerbocker eine Extension anstrebte und nicht Free Agent wurde. Diese Entscheidung hing keinesfalls mit dem neuen CBA zusammen, viel mehr war sie im alten CBA zu finden. Anthony würde 2011 in seine achte Saison gehen und damit momentan ein Anfangsgehalt von $16,324,500 bekommen können. Hätte Anthony nicht bei den Nuggets, sondern bei einem anderen Team unterschrieben, ständen ihm nur 8% statt 10,5% Steigerung des Gehalts pro Saison zu – und dies auch nur über 5 statt 6 Jahre.

Unterschreibt Anthony aber eine Extension seines derzeitigen Vertrags, berechnet sich sein Anfangsgehalt auf Grundlage des Gehalts in seinem letzten Gehaltsjahr. Das sind momentan $17,149,243. Zudem darf natürlich noch einmal eine Gehaltssteigerung von maximal 10,5% (Anthony unterschreibt ja bei „seiner“ (neuen) Franchise) hinzukommen.  Das wären im ersten Gehaltsjahr maximal $18,949,913. Insgesamt kann Anthony bei dieser dreijährigen Verlängerung $65 Millionen Dollar verdienen. Als Free Agent (selbst bei der Beibehaltung des alten CBA) wäre dies unmöglich gewesen.

Als weiteres Beispiel ist Kendrick Perkins anzuführen.  Perkins hat nach seinem Trade zu den OKC Thunder direkt eine maximal mögliche Vertragsverlängerung unterschrieben. Diese soll ihm über 4 Jahre $36 Millionen garantieren. Aber garantiert diese Verlängerung wirklich, dass Perkins genau diesen Betrag erhalten wird? Wahrscheinlich nicht. Die entscheidende Frage hierbei ist also: wie viel von diesem Betrag werden Anthony und Perkins wirklich sehen?

Das neue CBA

In den Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag fallen Schlagworte wie Hardcap (die Franchises haben einen bestimmten Gehaltsspielraum für ihre Spieler zur Verfügung, der nicht überschritten werden darf) oder Gehaltseinsparungen von bis zu 40%. Wie soll dies möglich sein, wenn alle Gehälter festgeschrieben bleiben? Es ist schlicht nicht durchführbar. Schaut man sich das Gehaltsgefüge der Los Angeles Lakers an, stehen auch für die nächste Saison festgeschriebene Gehälter von knapp $90 Millionen im Ausgabenbuch. Bei einem Hardcap, der vielleicht bei $60 Millionen liegen würde, wären die Lakers $30 Millionen über dem Cap. Das kann man aber bei einem Hardcap gar nicht sein, das widerspricht dem Gedanken des Hardcaps. Müssen die Lakers dann Kobe Bryant cutten, um in den Bereich des Hardcaps zu kommen? Sicherlich nicht. Viel wahrscheinlicher ist es, dass alle Gehälter aller Spieler um einen Prozentsatz gekürzt werden. Die Liga will, dass es 40% sind, was von der Spielergewerkschaft verständlicherweise zurückgewiesen wird.

Geht man jedoch – letztlich nur für dieses Rechenspielchen – davon aus, dass tatsächlich durchgesetzt wird, dass die Spielergehälter um 40% gekürzt würden, hieße das, dass Carmelo Anthony eben nicht für $65 sondern nur für $39 Millionen unterschrieben hätte. Perkins Vertrag wäre auch nur $21,4 Millionen wert.

Es ist schlicht naiv, anzunehmen, dass es einschneidende Veränderungen im neuen CBA gibt, aber die bestehenden Verträge davon nicht beeinflusst würden. Wer glaubt denn, dass der neue Maximalvertrag vielleicht bei $9 oder $10 Millionen beginnt, Kobe Bryant aber – aufgrund seines alten Vertrages – in der nächsten Saison $25,2 Millionen Dollar verdienen wird? Dies wird alleine aufgrund eines Umstands nicht passieren, auf den auch in den großen Märkten geachtet wird: der Luxussteuer. Sollte es also keinen Hard-, sondern weiterhin einen Softcap geben, dann wird es folglich auch wieder Steuern geben, die Teams zahlen müssen, wenn sie eine bestimmte Grenze überschreiten. Momentan liegt diese Grenze bei $70,307,000. Wenn ein Team diese Grenze überschreitet, zahlt es für jeden Dollar einen weiteren Dollar „Strafe“. Momentan sind dies für  Jerry Buss $90,381,756 für den Kader. Das heißt, dass er zudem noch $20,074,756 Strafe zahlt. Insgesamt wendet er also $110,456,512 für das Team auf. Eine riesige Summe, aber Buss macht aufgrund der Beliebtheit der Franchise, der Lage und der Erfolge weiterhin Gewinne. Dies würde sich nun verändern, wenn die Verträge weiterhin in unveränderter Form bestehen würden, das CBA aber einen geringeren Softcap vorgeben würden. Ein Beispiel: Der Salarycap liegt momentan bei $58,044,000, wird aufgrund des neuen CBA aber auf $45,000,000 gesenkt. Dementsprechend fällt die Luxussteuer-Grenze auf $54,000,000. Die Lakers haben aber auch in der neuen Saison Verbindlichkeiten von $90,000,000 Dollar. Im alten CBA hätten sie die angesprochenen $110 Millionen zahlen müssen. Im neuen CBA? $126 Millionen aufgrund der veränderten Grenzen. Dies wird einfach nicht passieren. Wenn es signifikante Veränderungen im Tarifvertrag gibt, werden die schon abgeschlossenen Verträge ebenfalls überarbeitet. Alles andere verzerrt die NBA in einem Maße, das sie vielleicht gar an den Rand der Existenz drängt.
Warum haben Anthony, Perkins, Tony Parker oder Joakim Noah dann trotzdem die Verlängerungen unterschrieben? Gibt es denn Vorteile?

Mögliche Vorteile einer Vertragsverlängerung

Im schlimmsten Fall: nein, keine. Der schlimmste Fall für die Spieler würde eintreten, wenn wirklich jeder garantierte Vertrag überprüft und dem dann neuen CBA angepasst würde. Die Verlängerung hätte somit keine Vorteile eingebracht – außer der garantierten Laufzeit.

Allerdings hatte ich schon aufgezeigt, dass eine Verlängerung unter Umständen schon in sich Vorteile gegenüber einem neuen Vertrag hat. Wenn die Gehälter prozentual heruntergebrochen würden, um die Kosten zu senken, ist es trotzdem weiterhin von Vorteil, eine Extension unterschrieben zu haben, denn sie garantiert im Regelfall mehr Geld als ein neuer Vertrag. Zudem kommt ein weiterer Punkt hinzu, der sich eventuell auszahlen könnte: die Gehaltssteigerung. Das neue CBA soll wahrscheinlich auch die prozentuelle Steigerung der Verträge angehen wollen. Hier könnte es sein, dass die alten Verträge ihre ursprünglich ausgehandelten Prozentpunkte behalten würden, was bedeutet, dass es im neuen CBA nicht möglich wäre, 10,5% Steigerung zu vereinbaren, die gerade abgeschlossenen Verträge aber genau diese Progression enthalten.

Der größte Vorteil der Vertragsverlängerung ist aber die Verlängerung der Laufzeit an sich. Das mag bei Carmelo Anthony weit weniger Gewicht als bei Kendrick Perkins haben, aber es ist grundsätzlich äußerst unwahrscheinlich, dass die Laufzeiten der Verträge angetastet werden. Der Verbleib in der Liga, mitsamt einem garantierten Gehalt (in welcher Höhe auch immer), ist der größte Pluspunkt einer Extension zum jetzigen Zeitpunkt.

Zusammenfassung

Kein NBA-Spieler wird alleine aufgrund der Verlängerung aus der Vorsaison ein exorbitant anderes Gehalt erhalten wie ein vergleichbarer Spieler, der erst in der Offseason 2011 seinen Vertrag verlängert. Letztlich ist ungewiss, was der neue Tarifvertrag erbringt. Setzt sich zu großen Teilen die Spielergewerkschaft durch, dann bleiben die äußeren Rahmenbedingungen so wie in den letzten fünf Jahren – der Abschluss eines Vertrages innerhalb der Saison 2010/2011 hätte also keine Vorteile gehabt. Sind jedoch die Teambesitzer die Gewinner der Verhandlungen, werden die Spieler massiv Geld verlieren – auch diejenigen, die erst 10/11 unterschrieben haben.

Wie die Verhandlung des Tarifvertrages auch ausgeht, einen Grund dafür, noch schnell 10/11 zu verlängern, bot das neue CBA nie. Wichtiger waren die Eigenschaften der Extension, die Vorteile gegenüber einem neuen Vertrag boten.

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3 comments

  1. Burki

    Die gleichen Gedanken habe ich mir auch schon gemacht.
    Es scheint aber dennoch eine gewisse Einstellung zu geben, dass bestehende Verträge nicht angegangen werden, obwohl das natürlich grotesk ist. Ich glaube, da wird nicht so nüchtern analysiert wie hier im Blog.
    40% Kürzung, auch wenn es die Verhandlungsstartposition ist, ist natürlich irrwitzig. Da würde ich auch nicht verhandeln wollen.
    Ein Modell, wie man in 5%-Schritten/Jahr über drei bis fünf Jahre das Ganze runterdampft ist da realistischer. Die Inflation spielt ja auch noch mit. Dann sollte das ehr hinhauen. Naja, mal sehen was das wird. Ich befürchte, wir schauen nächste Saison Völkerball der Cheerleaders.

    Klingt zwar blöd, aber die Kürzung nach einem Prozentsatz trifft die Spieler mit Minimum Salary härter als die besser bezahlten Spieler. Die besser bezahlten Spieler brauchen noch 4-10 Jahre nach der Karriere, um Ihre Kohle in Vegas um die Ecke zu bringen. Die schlecht bezahlten Bankspieler werden sicherlich nicht Hyundia fahren und verdienen auf einmal nicht mehr genug um die zwei Hummer, die der Mannschaftskollege Carmelo als Standard ausgerufen hat, unterhalten zu können. Wielange soll das Geld nach dem Karriereende dann noch halten? Ist ja nicht so, dass die Spieler als Bankangestellte anfangen könnten. Der pauschalisierte NBA-Spieler ist nicht wie John Stockton fürs Sparen bekannt.

    Ein Gedanke zum Schluss: Wie bereits in der Szene diskutiert wurde, müssen die Vertragslaufzeiten kürzer werden, um die fetten Currys (jetzt Minnesota) aus der Liga zu vertreiben. Klar gibt es bescheuerte Team-Manager die mittelmäßigen Spieler viel zu krasse Verträge anbieten bzw. die Spieler nach der Unterschrift die Arbeit einstellen, aber der Fehler muss doch nicht fünf Jahre anhalten.
    Vertrag über 2 Jahre und wieder der Anreiz, dass Verlängern beim alten Team besser ist als ein neuer Vertrag beim neuen Team, um zu verhindern, dass jedes Team jedes Jahr völlig anders aussieht, wäre ein Ansatz, den ich gut finde.
    Dazu dürfen die Spitzengehälter nicht mehr 25 mal so hoch sein wie die Minimumgehälter. Wenn die Spieler im Schnitt 5 Mio verdienen, dann sollte ein Superstar maximal das Doppelte verdienen dürfen. Das wäre immerhin noch mehr als das 10fache des Minimumgehalts. Letzteres könnte man auch entsprechend erhöhen.
    Wenn ich das Doppelte verdienen, wie der Sack im Nachbarbüro, dann würde ich mich auch schon wie ein Superstar fühlen …. und das 10fache wie die Putzfrau verdiene ich auch nicht.

  2. Danke für deinen Kommentar, burki.

    Bezüglich deiner Bedenken, dass die Kürzung auch die Minimumverträge trifft, glaube ich, dass es auch weiterhin ein Minimum geben wird, das die Profis verdienen werden. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass das CBA vorschreibt, dass das Gehalt um einen Prozentsatz gekürzt wird, aber das vereinbarte Minimum (wahrscheinlich wieder so um 800-900k) nicht unterschritten werden darf.

    Generell könnten die Stars meinetwegen auch das 25- oder 50-fache des Minimumspielers verdienen, wenn sie es wert sind. Superstars wie James oder Bryant spielen (durch Marketing, TV-Präsenz, Zuschauereinnahmen) deutlich mehr für ihre Franchise ein als sie verdienen.

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