San Antonio Spurs

Free Stifler!

Als David Robinson 2003 nach dem Gewinn seiner zweiten Meisterschaft mit den San Antonio Spurs seine Basketballschuhe an den Nagel hängte, ging zum einen eine bemerkenswerte Karriere zu Ende, in deren Verlauf Robinson u.a. als MVP (1995) sowie als DPotY (1992) ausgezeichnet wurde, je vier mal ins All-NBA-First-Team bzw. NBA All-Defensive-First-Team gewählt wurde sowie zehn Mal All Star war und schließlich 2009 in die Hall of Fame aufgenommen wurde. Zum anderen bedeutete Robinsons Rücktritt das Ende der „Twin Towers“ und markierte den Beginn der Suche nach einem neuen Big-Man-Partner für Tim Duncan.

Als David Robinson 2003 nach dem Gewinn seiner zweiten Meisterschaft mit den San Antonio Spurs seine Basketballschuhe an den Nagel hängte, ging zum einen eine bemerkenswerte Karriere zu Ende, in deren Verlauf Robinson u.a. als MVP (1995) sowie als DPotY (1992) ausgezeichnet wurde, je vier mal ins All-NBA-First-Team bzw. NBA All-Defensive-First-Team gewählt wurde sowie zehn Mal All Star war und schließlich 2009 in die Hall of Fame aufgenommen wurde. Zum anderen bedeutete Robinsons Rücktritt das Ende der „Twin Towers“ und markierte den Beginn der Suche nach einem neuen Big-Man-Partner für Tim Duncan.

Gesucht: ein neuer Partner für Tim Duncan

Photo: Hjelle (Lizenz)

Der erste Spieler, der sich in dieser Rolle versuchen durfte, war der Slowene Rasho Nesterovic, der in seiner ersten Saison bei den Spurs mit knapp 9 PPG sowie 8 RPG (in 28 Minuten pro Partie) tatsächlich ähnliche Statistiken auflegen konnte wie David Robinson im Jahr zuvor. Im Jahr 2005 kam dann nach einem Trade mit den New York Knicks als weitere Verstärkung auf der Center-Position Nazr Mohammed hinzu, der sich in seiner zweiten Spielzeit in Texas mit Nesterovic den Starterjob neben Duncan teilte, nach der Saison jedoch eine Vertragsverlängerung bei den Spurs ablehnte und zu den Detroit Pistons wechselte. Sowohl Mohammed als auch Nesterovic waren bei den Spurs v.a. für Rebounds und Verteidigung zuständig; offensiv waren beide limitiert.

Photo: Keith Allison (Lizenz)

Auch  Fabricio Oberto und Francisco Elson, die ab der Saison 2006/2007 gewissermaßen die Nachfolge von Nesterovic und Mohammed antraten, waren reine Rollenspieler, wobei der statistisch unauffällige, aber solide und intelligent spielende Oberto eindeutig besser zu San Antonio passte als Elson, der folgerichtig 2008 (zusammen mit Brent Barry und einem Draft Pick) im Austausch für Kurt Thomas zu den Seattle SuperSonics geschickt wurde. Jedoch entpuppte sich auch der v.a. als Verteidiger überzeugende Thomas nur als Übergangslösung, denn er und Oberto wurden Mitte 2009 gemeinsam mit SF Bruce Bowen zu den Milwaukee Bucks getradet; im Gegenzug kam SF Richard Jefferson nach Texas.

Anlaufschwierigkeiten

Kommen wir nun aber zu Tiago Splitter. Ursprünglich hatte man mit dem Brasilianer schon bei der Draft 2006 gerechnet, aber da es kostspielig geworden wäre, ihn aus seinem Vertrag beim spanischen Klub Saski Baskonia (seit 2009 Caja Laboral Baskonia) herauszukaufen, wurde er schließlich erst 2007 an 28. Stelle von den San Antonio Spurs gedraftet. Unter den Spurs-Fans machte er sich jedoch wenig Freunde, als er 2008 einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Baskonia unterzeichnete – dabei muss man allerdings auch bedenken, dass Splitter auf diese Weise rund acht Mal mehr verdienen konnte, als es ihm als NBA-Rookie möglich gewesen wäre.

Im Juli 2010 war es dann soweit: Tiago Splitter setzte seinen Namen unter einen Vertrag mit den Spurs, der ihm über drei Jahre rund 11 Millionen Dollar einbringen wird. Nicht zuletzt aufgrund der langen Wartezeit waren die Hoffnungen, die die Fans in Splitter (von vielen seiner physiognomischen Ähnlichkeit zu einem Charakter aus den American Pie-Filmen wegen mit dem Spitznamen „Stifler“ bedacht) setzten, hoch. Immerhin war der Brasilianer in der abgelaufenen Saison als MVP der spanischen Liga ausgezeichnet worden und hatte mit seinem Team den Meistertitel erringen können.

Photo: delima (Lizenz)

Splitters Start bei den San Antonio Spurs war jedoch denkbar ungünstig, da er aufgrund einer Verletzung sowohl das Trainingscamp als auch die Preseason verpasste. Aufgrund der dadurch fehlenden Eingewöhnungszeit sowie der hohen sportlichen Belastung, der Splitter im Sommer 2010 ausgesetzt war (Super-Four-Turnier, Basketball-WM), durfte es daher nicht verwundern, dass Spurs-Coach Gregg Popovich (der ohnehin als ein Trainer gilt, der dazu tendiert, Rookies zu Beginn eher wenig Spielzeit zu geben) Splitter zunächst nur sporadisch einsetzte. Und tatsächlich stand der Brasilianer im ersten Drittel der Saison gerade einmal 11,2 Minuten pro Spiel auf dem Parkett, machte dabei im Schnitt 4,2 Punkte, holte 2,2 Rebounds und warf 50,8% (TS%: 54,8) aus dem Feld bzw. 59,1% von der Freiwurflinie. Hochgerechnet auf 36 Minuten wären das in etwa 13,5 PPG und etwas mehr als 7 RPG. Diese Statistiken sehen allenfalls solide aus, rechtfertigen aber an sich sicherlich keine Lobeshymnen. Was ist also über den Basketballer Tiago Splitter zu sagen, nachdem ein Drittel seiner ersten NBA-Saison vorüber ist? Was macht er bislang gut, was schlecht, und was kann man von ihm im Laufe der Saison noch erwarten?

Stärken und Schwächen

Mit Statistiken (auch den Advanced Stats) wird man in diesem Fall nicht sehr weit kommen, da die Anzahl von Minuten, die Splitter im ersten Drittel der Spielzeit absolviert hat, mit 236 (nach 27 Spielen) schlicht zu klein ist, um daraus vernünftige Schlüsse ziehen zu können (zum Vergleich: Blake Griffin, der spektakuläre Rookie der Los Angeles Clippers, stand bislang 1059 Minuten auf dem Parkett).

Tiago Splitters größte Schwäche ist bisher eindeutig sein Offensivspiel. Über einen Wurf im eigentlichen Sinne verfügt er nur rudimentär, weswegen es kaum überraschen kann, dass rund 65 % seiner Wurfversuche im Low Post stattfanden. Doch auch in Korbnähe strahlt er keineswegs Sicherheit aus. Häufig versucht er es mit Hakenwürfen oder Flip Shots, die jedoch wenig souverän wirken und zudem meist zu tief angesetzt und daher potenziell leichte Beute für Shotblocker sind. Obwohl er über eine exzellente Fußarbeit verfügt, gelingt es ihm darüber hinaus im Eins-gegen-Eins zu selten, sich unter dem Korb einfache Würfe zu erarbeiten. Immerhin scheint der Brasilianer ein brauchbarer Pick-and-roll-Spieler zu sein, doch ließ sich dieser Sachverhalt bislang nur erahnen, da er meist in der Garbage Time eingesetzt wurde und dann mit unterdurchschnittlichen Spielmachern wie George Hill oder Chris Quinn vorlieb nehmen musste. Auch die Reboundarbeit von Splitter ließ bislang zu wünschen übrig. Eigentlich gelingt es ihm recht häufig, sich in eine gute Reboundposition zu bringen, nur sichert er sich dann vergleichsweise zu selten auch tatsächlich den Ball.

Splitters Stärken liegen eindeutig in der Verteidigung. Seine bereits erwähnte hervorragende Fußarbeit und sein hoher Basketball-IQ machen ihn zu einem guten Pick-and-roll-Verteidiger, der trotz seiner Unerfahrenheit im Spielsystem der San Antonio Spurs selten Rotationen verpasst und dazu noch ein Talent dafür hat, Offensivfouls zu provozieren. In der Mann-gegen-Mann-Verteidigung konnte Splitter zwar nicht immer überzeugen, doch auch in dieser Hinsicht ist er dank seiner Größe und Schnelligkeit eindeutig besser als beispielsweise DeJuan Blair oder Matt Bonner. Sucht man nach einem vergleichbaren Spieler der Spurs aus den letzten Jahren, so fällt einem der Name Fabricio Oberto ein. Nun ist Splitter allerdings sowohl talentierter als auch jünger als der Argentinier (zu dem Zeitpunkt, als Oberto sich den Spurs anschloss). Optimistisch gesehen kann man sagen, dass Tiago Splitter das Potenzial hat, der beste Defensiv-Big-Man zu sein, den Tim Duncan seit den Tagen von David Robinson neben sich gehabt hat.

„Neben sich“ ist in diesem Fall allerdings nicht wörtlich zu verstehen, denn Duncan und Splitter standen bislang fast gar nicht gemeinsam auf dem Parkett. Sucht man nach Gründen für die geringe Einsatzzeit, die dem Brasilianer bisher zuteil wurde, so wird man recht schnell fündig. Zum einen wären da (wie bereits ausgeführt) der anstrengende Sommer sowie die Verletzung, die Splitter die gerade für einen neuen Spieler so wichtige Vorbereitungszeit in Texas kostete. Zum anderen dürfen die Spurs auf den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte zurückblicken, und dieser hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass Splitters teaminterne Konkurrenten Matt Bonner und Antonio McDyess stark aufspielen. Der Scharfschütze Bonner verwandelt in dieser Spielzeit bislang über 51% seiner Dreipunktewürfe. McDyess wiederum, über die letzten Jahre ein Spieler, der meist erst in der zweiten Hälfte der Saison zu seiner Bestform fand, gehört bislang zu den konstantesten Akteuren der Mannschaft. Selbst DeJuan Blair, der zu Beginn der Saison noch mit seiner neuen Rolle als Teil der Startformation überfordert schien, kommt immer besser in Fahrt. Es ist also nicht verwunderlich, dass Coach Gregg Popovich sich schwer damit tut, eine so erfolgreiche Frontcourt-Rotation auseinanderzureißen, um einem Rookie mehr Spielzeit zu ermöglichen.

Ein Plädoyer für Splitter

Warum aber sollte Popovich dies dennoch tun? Nun, die San Antonio Spurs befinden sich im „Win now“-Modus: Der aus Tim Duncan, Manu Ginobili und Tony Parker bestehende Kern der Mannschaft kommt in die Jahre, und man möchte und muss bis 2012 (nach der Saison 2011/2012 endet der Vertrag von Duncan) das Optimum aus dem Team herausholen. Trotz des tollen Saisonstarts fällt es allerdings schwer, an erfolgreiche Playoffs zu glauben, wenn Bonner und Blair gegen große Teams wie die Lakers, Celtics oder Mavericks viel Spielzeit bekommen sollten. Matt Bonner ist ein engagierter und solider Verteidiger, dem es aber für den Low Post an Größe und für den Flügel an Schnelligkeit (v.a. an „lateral quickness“) fehlt. Zudem konnte „The Red Rocket“ bislang nie beweisen, dass er seine Dreier auch in wichtigen Playoffpartien sicher verwandeln kann. DeJuan Blair wiederum ist im Gegensatz zu Bonner zwar ein talentierter Rebounder, wird aber trotz einer großen Reichweite (seine „Wingspan“ beträgt rund 7’3”) wegen seines Größennachteils im Low Post immer ein gewisses Sicherheitsrisiko darstellen. Hinzu kommt, dass Blair auch in seiner zweiten Saison noch viele individuelle Fehler in der Verteidigung unterlaufen.

Tiago Splitter kann die erwähnten Probleme zwar sicherlich nicht vollständig beheben, aber er stellt in den Gebieten, die in den letzten Jahren zum Teil eklatante Schwächen der Spurs-Defensive offenbarten (Größe bzw. Präsenz unter dem Korb, Pick-and-roll-Verteidigung), eine eindeutige Verstärkung dar. Aus diesen Gründen sollte der Brasilianer mehr Einsatzzeit bekommen. Es müssen sicherlich nicht sofort 25 Minuten pro Spiel sein, gerade wenn man an seine schlechte körperliche Verfassung zu Beginn seiner Zeit in San Antonio denkt. Aber spätestens in der zweiten Saisonhälfte sollte Splitter zumindest ähnlich viel (im Idealfall mehr) Spielzeit wie Bonner und Blair bekommen und deutlich öfter mit Tim Duncan zusammenspielen. Andernfalls erscheinen erfolgreiche Playoffs für die Spurs eher unrealistisch – so überragend das erste Saisondrittel auch gelaufen sein mag.

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1 comment

  1. Michael Stuhldreier

    Für Splitter kam wirklich alles zusammen. Erst die Verletzung, weshalb er Preseason und Training Camp verpasste und als er danach wieder fit war überzeugten gerade seine Konkurrenten. Blair hat sich gefangen, Bonner spielte zwischenzeitlich wie vom anderen Stern und überzeugte ebenfalls, dazu spielt McDyess eine sehr solide Saison. Pop hat es nicht einfach da Spielzeit freizuschaufeln. Splitter wird sicher noch seine Chance bekommen, die wird er dann aber auch nutzen müssen.
    Bin ebenfalls der Meinung, dass die Spurs ihn brauchen werden für einen tiefen Playoffrun. Vor allem Blair und Bonner sind gegen starke FC eher weniger zu gebrauchen.

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