San Antonio Spurs, Taktik

Die dominanteste Defensive der NBA

Der defensive Moreyball der Spurs
Spurs at Wizards 2/5/14

Die Defensive der San Antonio Spurs befindet sich in dieser Saison auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Mit einem Defensivrating von 96.0 führen sie die Liga mit über drei Punkten pro 100 Possessions vor den Indiana Pacers an. Der Abstand zum Zweiten ist damit in etwa so groß wie der Abstand von Indiana zur vierzehntbesten Defensive der Liga. Was ist das Geheimnis der besten Defensive der Liga?

Defense beginnt in der Offensive

Defensive beginnt bekanntlich in der Offensive. Neben einer vergleichsweise niedrigen Turnoverrate, verzichten die Spurs auch fast gänzlich auf Offensivrebounds. Lediglich 9.3 Offensivrebounds holen die Spurs pro Spiel, dies bedeutet Rang 26 in der Liga. Vor allem die Backcourt-Spieler orientieren sich sehr früh in Richtung Defensive, lediglich Aldridge ist regelmäßig am offensiven Brett aktiv. In der Beispielszene im folgenden Bild ist dies gut zu beobachten: McCallum befindet sich schon außerhalb des Bildes, Leonard und Green orientieren sich ebenfalls früh in Richtung Defensive. Nur Aldridge und Duncan sind in der Nähe des Abprallers.

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Ebenfalls eine herausragende Stärke der Spurs ist die gute Kommunikation in der Transition Defense. McCallum übernimmt hier im Fastbreak Oladipo, obwohl dies eigentlich der Gegenspieler von Leonard gewesen wäre. Leonard erkennt die Situation früh, weist Green hier an, Fournier zu übernehmen und kümmert sich dann selber um Payton.

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Pick&Roll-Defense

Wie im folgenden Beispiel zu sehen ist, sinken die San Antonio Spurs in der Pick&Roll-Defense in der Regel sehr tief in die Zone ab. Dies ist möglich, da sie eine Menge guter On-Ball-Verteidiger, wie Kawhi Leonard, Danny Green oder Patty Mills, haben. Diese kommen extrem gut über die Blöcke und lassen dem Ballhandler dadurch sehr wenig Zeit, um eventuell zu einem offenen Pullup-Jumper hochgehen zu können. Ebenfalls auffällig ist, dass alle Spieler bei dem High Pick&Roll zu diesem frühen Zeitpunkt noch sehr nah an ihrem direkten Gegenspieler dran bleiben.Bildschirmfoto 2016-02-23 um 21.37.09

Im weiteren Verlauf machen die Spurs die Zone dann extrem zu, dabei offenbaren sich in diesem Beispiel nicht nur die Stärken der Spurs-Defense, sondern auch die Schwächen der Magic-Offensive. Aldridge fokussiert sich darauf, den Drive von Oladipo am Zonenrand zu stoppen, Leonard positioniert sich hingegen so, dass der Pass zum abrollenden Vucevic extrem erschwert wird und switcht letztendlich sogar in dieser Situation. Ebenfalls typisch für die Defensive der Spurs ist ein Aushelfen eines Weakside-Defenders beim abrollenden Spieler. McCallum wird dies auch dadurch erleichtert, dass er Payton an der Dreierlinie nicht respektieren muss. Im Gegensatz dazu wird Green, als Verteidiger des Schützen auf der ballnahen Seite, nicht in die Verteidigungsarbeit involviert. Dadurch verringern die Spurs das Risiko, einen offenen Dreier zuzulassen.
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Abhängig vom Gegner passen sich die Spurs aber auch flexibel in ihrer Verteidigungsstrategie an. Ist der gegnerische Bigs sehr wurfstark, so stehen die Bigs in der Pick&Roll-Verteidigung meist deutlich höher.

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Auch bei Sideline-Pick&Rolls ist wieder die enorme Konzentration auf den Ballhandler und das extreme Aushelfen eines Weakside-Verteidiger zu beobachten. Leonard steht bereits weit in der Zone, für den Fall, dass Payton Duncan im Dribbling schlägt. Green deckt währende dessen zwei Shooter gleichzeitig ab und ist inbesondere gefordert, zu Leonards Gegenspieler zu rotieren, wenn Payton an der Baseline durchkommt. Die Spurs-Defensive verlangt einen hohen Basketball-IQ, schnelles situationsabhängiges Reagieren und sehr teamdienliches Verhalten.

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Doppeln bei Post-ups

Auch beim Doppeln von 1-vs-1-Situationen, wie bei diesem Post-up von Nowitzki gegen Aldridge, ist wieder das enorme Verlagern der Verteidigung auf die balldominante Seite und das Help-the-Helper-Prinzip zu beobachten. West kommt zum Doppeln, Green sorgt dafür, dass dessen Gegenspieler Pachulia unter dem Korb nicht angespielt werden kann. Parker kann im Fall der Fälle bei Greens Gegenspieler aushelfen.
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Vielseitigkeit

Die Spurs haben viele Spieler, welche viele verschiedene Positionen verteidigen können. Dies hat den Vorteil, dass sie sehr gut ungünstigen Defensivmatchups aus dem Weg gehen können. Zudem können sie auch in vielen Aktionen switchen, ohne dass sie dadurch einen defensiven Zusammenbruch erleiden.
In erster Linie muss hier natürlich Kawhi Leonard genannt werden. Der Small Forward kann von der Eins bis zur Vier alles verteidigen und wird in der Regel auf den besten Flügelspieler des Gegners angesetzt. Danny Green ist ebenfalls in der Lage, mindestens drei Positionen zu verteidigen und übernimmt in der Regel den gegnerischen Ballhandler. Dies hat den Vorteil, dass Parker als schwächerer On-Ball-Verteidiger oft gegen einen offensivschwachen Spieler oder Shooter gestellt werden kann, der die Schwächen Parkers nicht ausnutzen kann.
Auch von der Bank kommen mit Mills und Anderson zwei weitere vielseitige Verteidiger auf den Flügel- und Guardpositionen. Anderson wird aufgrund seiner fehlenden Athletik oft zu unrecht als schwächerer Verteidiger dargestellt. Was ihm an Athletik fehlt, macht er mit Länge und Spielintelligenz wieder wett.

Auf den großen Positionen bringen die Spurs mit Duncan, Aldridge, West und Diaw eine gute Mischung aus Mobilität und Interior-Defense mit. Duncan ist mit 39 Jahren immer noch einer der einflussreichsten Verteidiger der Liga. Trotz seines hohen Alters ist er keineswegs unbeweglich geworden. Er versteht es vermutlich besser als jeder andere Big der Liga, wie er sich im Pick&Roll zu positionieren hat. West und Diaw sind ebenfalls bewegliche Verteidiger, welche nach einem Switch durchaus auch in der Lage sind, vor gegnerischen Guards zu bleiben. Lediglich Boban Marjanovich fällt hier etwas aus der Reihe. Mit keinem anderen Spieler auf dem Feld haben die Spurs so ein schlechtes Defensivrating wie mit Marjanovich und das obwohl der Serbe durchaus ein solider Ringbeschützer ist. Die fehlende Beweglichkeit ist auch der Grund, warum Marjanovich bisher nur wenig Spielzeit gesehen hat. Der Serbe ist im Post und an den Brettern durchaus eine Waffe. Auf 36 Minuten hochgerechnet erzielt er 23.6 Punkte und 14.9 Rebounds.

Interior Defense und Rebounding

Wie schon in der Analyse der Pick&Roll-Defense der Spurs zu sehen war, liegt das Hauptaugenmerk der Spurs darauf, Abschlüsse am Korb zu verhindern und Dribble Penetration zu unterbinden. Durch das extreme Verschieben der Verteidigung auf die balldominante Seite gelingt es ihnen, nur sehr wenige Abschlüsse direkt am Korb zuzulassen. In der Restricted Area wird nur gegen fünf andere Teams seltener abgeschlossen. Vor allem Tim Duncan schafft es immer wieder Abschlüsse am Korb zu erschweren. In seinen 25 Minuten verteidigt er sieben Würfe pro Spiel am Ring und hält die gegnerische Trefferquote bei soliden 45 Prozent. Als Team führen die Spurs mit einer Opp FG% von 56.6 Prozent in der Restricted Area die Liga an. Dadurch sehen sich die gegnerischen Ballhandler oft gezwungen, zum gut contesteten Floater ansetzen zu müssen. Sehr viele Abschlüsse gegen die Spurs finden zwar in der Zone, aber nicht in der Restricted Area statt.
Ebenfalls anzumerken ist, dass die Spurs nur sehr wenig zweite Chancen erlauben. Ihre defensive Reboundrate von 79.2% wird in der Liga nur von den Charlotte Hornets übertroffen. Neben den beiden besten Reboundern des Teams, Duncan und Aldridge, arbeitet auch der Rest des Teams exzellent an den Brettern mit. Selbst die Point Guards holen im Schnitt mindestens drei Defensivrebounds pro 36 Minuten. Bei den Flügelspielern sind es auf die 36 Minuten hochgerechnet zwischen 4.5 und 6 Defensivrebounds. Dies ist möglich, da die Bigs der Spurs in der Regel es schaffen, ihren Gegenspieler vom Brett fernzuhalten: Hier gut verdeutlicht durch Duncan und Aldridge, die ihren Körper für den Boxout nutzen. Spieler wie Kyle Anderson oder Kawhi Leonard arbeiten als Small Forwards in der Regel am Brett mit. Maximal ein Spieler, wie in diesem Fall Danny Green, orientiert sich schon frühzeitig in Richtung Offense, um eventuell einfache Punkte in Transition machen zu können:

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Moreyball in der Defensive

Das in der Offensive unter dem Begriff “Moreyball” bekannte Spielprinzip, möglichst viele Abschlüsse am Ring und von der Dreierlinie zu nehmen, lässt sich für die Defensive durchaus auch auf die Spurs anwenden. Kein Team lässt eine niedrigere Quote in der Restricted Area zu als die Spurs. Gegen kein Team der NBA werden weniger Dreier genommen als gegen die Spurs und nur die Warriors lassen eine noch schlechtere Quote zu als die 32.4 Prozent der Spurs. Auch an die Freiwurflinie schickt das Team von Trainer Greg Popovich die Gegner ausgesprochen selten. Trotz Hack-a-Shaq  gehören die Spurs mit 20.2 gegnerischen Freiwürfen pro Spiel auch in dieser Kategorie zu den besten drei Mannschaften.
Dagegen sind die 23.2 Versuche pro Spiel, welche gegnerische Teams aus der Mitteldistanz nehmen, der zweithöchste Wert hinter den Chicago Bulls.

Wandel zwischen den Generationen

Die NBA befindet sich zur Zeit im Wandel. Immer mehr Teams versuchen Smallball zu etablieren, hauptsächlich aufgrund der Möglichkeit in der Offensive, das maximale Spacing zu bieten. Die Warriors und auch die Bucks des letzten Jahres haben gezeigt, dass es auch möglich ist, mit einem klein spielenden Team, über viele bewegliche Spieler, eine der besten Defensiven der Liga zu stellen. Die Spurs haben es geschafft, die perfekte Mischung aus “oldschool” und “modern” zu vereinen. Sie haben ein Team, was in der Defensive sehr beweglich ist, dadurch viel rotieren, aushelfen und wieder recovern kann, aber auch die Spieler, um in der Zone dagegen halten zu können. Symbolisch für die starke Defensive des Teams stehen zwei Spieler der verschiedenen Generationen: Kawhi Leonard und Tim Duncan.

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