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Wirklich wertvoll?

Etwas mehr als ein Viertel der aktuellen NBA-Saison liegt bereits hinter uns. Es ist die Zeit, in der die ersten lauten und heißen Diskussionen beginnen, wer denn der „Most Valuable Player“ der Saison sein könnte. Doch in diesem Jahr verhält es sich etwas anders und es ist merklich ruhiger. Der Grund dafür? Es fehlen schlicht die legitimen Kandidaten.

Die Suche nach der Definition und den Auswahlkriterien

Ausgezeichnet wird der wertvollste Spieler der Liga. Doch was bedeutet der Begriff „wertvoll“ überhaupt? Es steht außer Zweifel, dass der Interpretationsspielraum ziemlich groß ist, schließlich ist „wertvoll“ nicht in Zahlen messbar.

Es wird also der Spieler gesucht, der für den Teamerfolg quasi unverzichtbar ist. Der Spieler, der sein Team auf ein anderes Niveau hievt. Der Spieler, der auch die kleinen Dinge aufs Parkett bringt, die vielleicht nicht in Statistiken auftauchen. Und genau das ist das Hauptproblem. Gute persönliche Statistiken qualifizieren einen Spieler nicht automatisch für den Kandidatenkreis in der MVP-Frage. Es muss also noch andere Kriterien geben, um in den Kandidatenkreis zu kommen.

Ein Blick in die Historie der MVP-Wahl macht eines deutlich: Der Teamerfolg ist ein sehr entscheidendes Kriterium, um überhaupt eine Chance auf den MVP-Titel zu haben. In den letzten 20 Jahren war das Team des späteren MVPs immer ein Team, das mindestens den drittbesten Record der Liga aufzuweisen hatte (die Ausnahme war Steve Nash 2005/06. Die Suns erreichten damals „nur“ den viertbesten Record der Liga). Die Feststellung, dass der Teamerfolg einen großen Einfluss auf die MVP-Wahl hat, verkleinert den Kreis der möglichen Kandidaten schon erheblich.

Die Situation in der aktuellen Saison

Wenn wir nun einen Blick auf die aktuelle Saison werfen und voraussetzen, dass nur Spieler von Teams für den MVP-Titel in Frage kommen, die auch einen entsprechend guten Record haben, ist es schon schwer, einen wirklich herausragenden Kandidaten zu finden.

Schaut man auf die derzeit besten beiden Teams der Liga – die Boston Celtics und die San Antonio Spurs -, ist dort kaum ein einzelner Spieler hervorzuheben. Beide Teams haben eines gemeinsam: Sie sind jeweils perfekt zusammengestellte Teams, ohne den einen herausragenden Star, der das Team alleine trägt.

Bei den Celtics punkten derzeit sechs Spieler im Schnitt zweistellig. Herausragend sind sicherlich die fast 14 Assists pro Spiel, die Rajon Rondo im Moment pro Spiel auflegt, allerdings stechen seine knapp 11 Punkte pro Spiel alles andere als heraus. Er scored auf dem gleichen Niveau wie der 38-jährige Shaquille O’Neal, der dafür über 16 Minuten weniger Spielzeit benötigt.
Topscorer des Teams ist Paul Pierce. Seine  individuellen Statistiken (18,5 PPG/5 RPG/3 APG) stechen in diesem ausgeglichenen Team ebenso wenig hervor, wie die von Kevin Garnett (15,7 PPG/10 RPG/2 APG). Die Celtics sind vor allem aufgrund ihrer Ausgeglichenheit so erfolgreich und nicht aufgrund der überragenden Leistungen eines Einzelspielers. Es ist unmöglich, einen einzelnen Spieler hervorzuheben – und deshalb auch unmöglich, einen einzelnen Spieler zum MVP zu wählen.

Ein identisches Bild sehen wir in San Antonio. Das Team hat im Moment den besten Record der gesamten Liga, doch dieser Erfolg hat viele Väter. In den vergangenen Jahren war der Führungsspieler der Spurs zweifelsohne schnell auszumachen – Tim Duncan. Sowohl offensiv als auch defensiv war er der Anker für das Team aus Texas. In dieser Saison spielt Duncan die wenigsten Minuten seiner Karriere und nimmt im Schnitt mehr als 2 Würfe weniger als seine Mitspieler Tony Parker und Manu Ginobili. Dass er nicht mehr der unumstrittene Führungsspieler ist, wird auch in Spielen wie gegen die Atlanta Hawks deutlich. Ein im letzten Viertel völlig ausgeglichenes Spiel, in dem Duncan nicht eine Minute Spielzeit bekommt. Früher undenkbar, dass der Franchiseplayer in der Crunchtime auf der Bank sitzt, hat Gregg Popovich in dieser Saison keine Probleme damit, Duncan draußen zu lassen, wenn andere Formationen auf dem Feld funktionieren.

So wird das Team in der laufenden Saison mal von Tony Parker getragen, mal von Manu Ginobili – selbst Bankspieler wie Matt Bonner, George Hill oder Gary Neal  sprangen schon in die Bresche, wenn es in manchen Phasen für das Team nicht lief. Ebenso wie die Boston Celtics sind auch die Spurs zu ausgeglichen besetzt, als dass ein ernsthafter MVP Kandidat aus San Antonio kommen könnte.

Zum Kreis der Topteams der Liga gehören auch die Dallas Mavericks. Durch ihre Serie von 12 Siegen in Folge liegen die Mavericks derzeit auf Platz zwei im Westen. Im Gegensatz zu den Teams aus Boston und San Antonio haben die Mavericks DEN einen Spieler im Team, der den Unterschied macht. Dirk Nowitzki spielt eine sehr gute Saison, er erzielt im Schnitt 9 Punkte mehr pro Partie als Jason Terry, dem zweitbesten Scorer der Mavericks. Zudem trifft Nowitzki bisher knapp 56% seiner Würfe und liegt damit 8%-Punkte über seinem eigenen Karriereschnitt – ein überragender Wert.

Bei Nowitzki stimmen auf den ersten Blick sowohl die individuellen Statistiken (24,8 PPG/7,6 RPG), als auch der Teamerfolg. Doch ist er damit ein legitimer MVP Kandidat? Nur auf den ersten Blick, denn schaut man sich die Zahlen von Nowitzki genauer an, fällt schnell auf, dass Nowitzki in fast allen Kategorien  im Vergleich zur Vorsaison abgebaut hat. Er nimmt deutlich weniger Würfe als in den acht Jahren zuvor, er zieht weniger Freiwürfe als in den Jahren zuvor, nie in den letzten 10 Spielzeiten reboundete Nowitzki schwächer als in der laufenden Spielzeit. Seine Assistzahlen liegen unter seinem Karriereschnitt, und nie zuvor produzierte Nowitzki so viele Turnover wie in dieser Saison.

Die Favoriten vor der Saison

Und wie schlagen sich die vor der Saison immer wieder genannten Spieler, wenn es um den MVP der Saison ging?

Die Zahlen von Lebron James sind seit seinem Wechsel zu den Miami Heat – erwartungsgemäß – zurückgegangen. Derzeit scored er knapp 3,5 Punkte  pro Partie unter seinem Karriereschnitt, was aber angesichts seiner Mitspieler auch nicht weiter verwunderlich ist. War er in Cleveland die unumstrittene Nummer eins im Team, hat er in Miami nun mit Chris Bosh und Dwayne Wade wesentlich bessere Mitspieler. Aus diesem Grund nimmt James bisher auch die wenigsten Würfe seiner gesamten Karriere. Mit 24 PPG/6,5 RPG/7 APG weist er trotzdem noch sehr gute individuelle Statistiken auf.  Nach schwachem Start hat sich Miami mittlerweile gefangen und liegt derzeit schon auf Rang zwei in der Eastern Conference. Doch ist Lebron der wertvollste Spieler im Team? Angesichts seiner teils sehr guten Mitspieler ist diese Frage kaum zu beantworten.

Auch Dwight Howard wurde vor der Saison immer wieder als möglicher MVP genannt. Seine Zahlen (21,5 PPG/12 RPG/2 BPG) lesen sich sehr gut. Seine 57,8% Wurfquote sind weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Orlando liegt mit seinen 9 Niederlagen bisher allerdings nur auf Rang 4 im Osten. Zudem hat Howard durchaus sehr gute Mitspieler um sich herum (4 weitere Mitspieler scoren zweistellig pro Partie). Howard ist auch nicht der unumstrittene Leader auf dem Feld, der ein Team in der Crunchtime tragen kann, wie es bspw. Tim Duncan oder Shaquille O’Neal in ihren Glanzzeiten getan haben. Kann man einen Spieler als „wertvollsten Spieler“ bezeichnen, der in der Zeit einer Partie, in der es um alles geht, kaum den Ball in seinen Händen hat? Eher nicht.

Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers ist natürlich auch jedes Jahr ein oft genannter Name. Seine persönlichen Leistungen (26 PPG/5 RPG/5 APG) sind absolut in Ordnung. Doch auch er hat das Problem, dass er starke Mitspieler neben sich hat. Pau Gasol ist mehr als nur eine zweite Option. Seine fast 20 Punkte und über 11 Rebounds pro Spiel sind Zahlen eines Franchise Players. Und hinter diesen beiden steht auch noch der wohl beste Support der Liga, mit Spielern wie Lamar Odom, Ron Artest, Steve Blake, Matt Barnes und dem wiedergenesenen Andrew Bynum. Angesichts einer solchen Tiefe im Kader, ist es unmöglich, die Frage zu beantworten, wie wertvoll Kobe Bryant für das Team der Lakers ist.

Bleiben noch die Spieler übrig, bei denen zwar die individuellen Statistiken gut sind, die aber aufgrund des Teamrecords kaum Chancen auf den MVP-Titel haben werden. Hier sind sicherlich Chris Paul (16 PPG/10 APG/3 SPG), Deron Williams (22,5 PPG/ 9,7 APG), Derrick Rose (24 PPG/8,4 APG) oder auch Amare Stoudemire (26,6 PPG/9,3 RPG) zu nennen.

Ist die MVP-Definition zeitgemäß?

Der Blick auf die aktuelle Saison macht eines deutlich – es gibt eigentlich keinen geeigneten Kandidaten. Die derzeitigen Topteams sind entweder viel zu ausgeglichen besetzt, um einen einzelnen Spieler herausheben zu können, weisen – wie Dirk Nowitzki – bei weitem nicht die überragenden Statistiken auf, wie es auf den ersten Blick scheint, oder aber spielen in Teams, die keinen überragenden Record am Ende der Saison aufweisen werden.

Blicken wir noch einmal auf die MVPs der letzten 20 Jahre zurück. Nur sieben der letzten 20 MVPs wurden am Ende der Saison auch Meister mit ihren Teams – darunter allein 4 Mal Michael Jordan. Die Quote ohne Jordan liegt also bei 3 von 16 (Hakeem Olajuwon, Shaquille O’Neal und Tim Duncan). 3 weitere MVPs führten ihr Team immerhin in die NBA Finals (Charles Barkley, Allen Iverson, Kobe Bryant). Die anderen 10 MVPs scheiterten mit ihren Teams bereits vorzeitig in den Playoffs.

Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage, ob die MVP-Definition noch zeitgemäß ist. Denn, überspitzt gesagt, werden meist Spieler zu MVPs ernannt, die aber nicht in der Lage sind, ihr Team zum Titel zu führen. Wäre nicht aber der Meisterschaftstitel, oder wenigstens die Finalteilnahme, ein aussagekräftiges Prädikat für „wertvoll“? Kann ein Spieler „der Wertvollste“ sein, wenn er am Hauptziel – maximaler sportlicher Erfolg – scheitert?

MVP = Best Player of the League

Die MVP-Definition muss überdacht werden. Die Schwierigkeit der aktuellen Definition ist, dass es nicht zu ermessen ist, wie wertvoll ein Spieler ist. Dadurch werden immer wieder Spieler in den Kandidatenkreis gespült, die regelmäßig daran scheitern, mit ihrem Team auch in den Playoffs Erfolg zu haben und/oder die davon profitieren, dass ihnen eine zweite Option im Team fehlt, wie es beispielsweise bei Dirk Nowitzki der Fall ist.

Deshalb sollte man den MVP-Award dahingehend ändern, dass man den besten Spieler der Liga sucht und auszeichnet, und nicht den wertvollsten. Dieses ist ein großer Unterschied, denn nicht immer muss der wertvollste Spieler auch der beste Spieler sein. Zudem muss der beste Spieler längst nicht auch immer in einem erfolgreichen Team spielen.

Nehmen wir beispielsweise das Jahr 2006. Steve Nash wurde am Ende der Saison als wertvollster Spieler ausgezeichnet. Kobe Bryant wurde mit seinen Los Angeles Lakers zwar nur Siebter im Westen, war aber mit seinen über 35 Punkten pro Spiel zweifelsohne der beste Spieler der Saison. Würde man zudem die 30 Coaches der NBA befragen, welchen Spieler sie für einen Teamerfolg in ihr Team picken würden – Steve Nash oder Kobe Bryant -, wäre die Antwort wohl ziemlich eindeutig.

Würde man in dieser Saison statt dem MVP den besten Spieler der Liga suchen, hätte man jedenfalls nicht die Probleme bei der Kandidatensuche – es wäre Lebron James.

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8 comments

  1. Sorry, aber ich finde nicht, dass der MVP-Award in eine nicht zu prüfende Debatte abdriften sollte, wer der momentan beste Basketballer der Welt ist (wo dann auch wieder von etlichen Leuten diskutiert werden würde, ob es LeBron James ist oder nicht doch Kobe Bryant, wie man dann eigentlich Chris Paul einstufen sollte oder ob Garnetts “Wiederauferstehung” in Verbindungg mit dem Record und der Spielweise der Celtics nicht darauf schließen lässt, dass er eigentlich der beste ist). Ganz abgesehen davon, dass der Award dann recht einseitig verteilt werden würde 😉

    Ich denke, die von dir angesprochene Situation ergibt sich daraus, dass momentan von den fünf besten Teams vier eben um mehrere Spieler aufgebaut sind, während Dallas eben “nur” Nowitzki hat. Aber ist es nicht gerade genau das Argument, das für ihn spricht? Kann man ihm wirklich das Fehlen einer zweiten Option vorwerfen? Oder dass er momentan der einzige Spieler im Team ist, der All Star-Niveau hat? Meinetwegen mögen seine Wurfzahlen nach unten gegangen sein oder er nicht der extrem starke Rebounder sein (was eventuell auch damit zusammenhängt, dass Chandler, Haywood und Marion gute Rebounder sind, ebenso Kidd für seine Position), aber Fakt ist doch, dass er diesem Team überhaupt erst zu dieser Bilanz verholfen hat. Er hat ein gerade zu Saisonbeginn lausiges Team getragen, hat seinen in den USA ramponierten Ruf damit wieder soweit aufpoliert, dass er eben wieder in MVP-Diskussionen gekommen ist und einer der besten Crunchtime-Akteure überhaupt. Nicht, dass ich ein großer Nowitzki-Fan wäre, aber er hätte es momentan meiner Meinung nach am meisten verdient.

    Was dann eben zur Frage führt, wie der MVP-Award gehandhabt werden soll. Er ist momentan eben für die Regular Season da und ich finde das so auch in Ordnung. Man könnte meinetwegen (wie Bill Simmons mal vorgeschlagen hat) darüber diskutieren, ob man den Finals-MVP in Playoff-MVP umbenennt, aber eine Vergabe des MVP-Titels für die “gesamte” Saison würde meiner Meinung nach am Ziel vorbeischießen – hätte ihn dann James auch bekommen, nachdem er in Spiel Fünf und Sechs der Boston-Serie nicht gerade geglänzt hatte? Daher finde ich es in Ordnung so, wie es momentan gehandhabt wird – eben mit der Einschränkung, dass man über die Bewertung der Playoffs vielleicht anders verfahren sollte.

  2. Hassan Mohamed

    Ich habe den MVP-Award immer als Auszeichnung für den “Spieler des Jahres” und den Titel der Auszeichnung bloß als sprachliche Besonderheit (“Most Valuable Player” klingt besser als “Player of the Year”) verstanden.

    Die Bezeichnung “wertvoll” mag wohl dazu geführt haben, dass der absolute Erfolg zu stark gewichtet wird, aber letztlich sind es doch (zuletzt) 123 Medienvertreter, die frei von jeglichen festgelegten Kriterien (bzw. anhand eigener Kriterien) ihre Stimme abgeben sollen. Würden sie wesentlich anders wählen, wenn das Wort “wertvoll” entfernt werden würde? Wenn ich mich nicht täusche, spielt bspw. bei der Wahl “Fussballer des Jahres” der mannschaftliche Erfolg in dem Jahr auch eine ziemlich bedeutende Rolle.

    Ich denke auch, dass man nicht erst auf die Teambilanz und im Anschluss erst auf die Leistung des Spielers schauen sollte, sondern andersherum. Viele Wähler scheinen es auf diese Weise zu handhaben (siehe bspw. die Wahl 2006: Billups im Grunde auf einer Stufe mit Nowitzki, James, Bryant was die 1st-Place-Stimmen betrifft). In meinen Augen kann man hingegen auch MVP-würdig sein, wenn ich Bilanz nicht spektakulär ist. Zu den Möglichkeiten des Teams sollte man dennoch relativ erfolgreich sein – eine völlige Loslösung von der Teambilanz würde ich nicht befürworten.

    Die Gewichtung solcher Punkte ist halt individuell. Unterm Strich lässt die NBA den Wähler hierbei aber auch die freie Wahl.

  3. Vielen Dank für den Kommentar, Malte.

    Die Inkonsistenz des Votings lässt sich an Dirk Nowitzki nunmal mit Abstand am besten festmachen. 2010 erzielte Dirk beim MVP-Voting 55 von 1230 Punkten, darunter keinen einzigen von 123 möglichen First-Place-Votes. Das reichte zu Platz 7.
    In dieser Saison schießt Dirk bisher mit einer unglaublichen Konstanz, aber fällt in allen anderen statistischen Kategorien ab. Sein Offensiv-Rebounding ist überhaupt nicht mehr vorhanden. Es gibt bspw. ligaweit 160 Spieler, die offensiv besser rebounden. Dazu kommt die höchste Turnoverrate seit seiner Rookie-Saison und ein kleiner Rückgang im Passing, sein zweitschlechtester Wert seit sieben Jahren.
    Wieso kann so ein Spieler dann auf einmal ein legitimer Kandidat auf die höchste Auszeichnung der Liga sein, wenn er in vielen relevanten Statistiken selbst abbaut, im Vorjahr aber nur Siebter im MVP-Voting war? Haben alle sechs Spieler vor ihm also auch so dermaßen abgebaut, dass Dirk mit schlechteren Werten (außer dem Shooting, das ist sagenhaft) an ihnen vorbeizieht? Sicherlich nicht.

    Ich denke, dass genau deswegen der Artikel ein guter Aufhänger zum Anregen von anderen Award-Modellen ist, denn die MVP-Diskussion wird durch die bisherige Saison ad absurdum geführt, wenn man den MVP als Auszeichnung für den besten Spieler der Liga sieht – und das wird ein überwältigender Teil tun.

    Momentan ist der Award aber ein “eindeutig bester Spieler in einem sehr guten Team”-Award, für den bspw. LeBron James und Dwyane Wade nicht mehr in Frage kommen, weil sie nun zusammenspielen. Da stimmt die Intention einfach nicht mehr.

  4. Zum Passing, aber das ist unabhängig von Nowitzki zu sehen: Die Statistik ist ohnehin völlig dämlich geführt, da Assists a) nicht unterschieden werden (ob sie z.B. einen wirklich offenen Wurf kreiert haben oder einfach nur zu Nowitzki im Highpost gepasst wurde, der mit schnellem Fadeaway abschließt) und b) eben nur zählen, wennn ein korberfolg kommt. Dass da viel interessantere “True Assist”-Rating wird nur von NBA-Teams intern ermittelt, aber leider nirgendwo sonst – es erfasst einfach nur die offenen Würfe, die ein Spieler mit einem Pass schafft – unabhängig davon, ob dieser dann versenkt wird oder nicht.

    Soll hier aber auch nicht das Thema sein, sondern der Award an sich. Und er wird meiner Meinung nach nicht mehr dadurch ad absurdum geführt, dass Wade und James eher Außenseiterchancen haben – eben weil sie nicht mehr so “wertvoll” sind wie vorher. Wenn man nach dem Begriff MVP an sich geht, muss man dieses Jahr vielleicht wirklich mal ein Exempel statuieren und jemandem wie Deron Williams, Chris Paul oder eben Nowitzki den Award geben – das sind meiner Meinung nach momentan die Spieler, die ihr Team deutlich besser aussehen lassen, als es eigentlich ist. Vielleicht noch Derrick Rose. Die Diskussion, die der Artikel anstößt, ist doch eigentlich dadurch entstanden, dass Bryant 2006 und Paul 2008 den Award nicht bekommen haben.

  5. Coolhand Luke

    Ich halte eine Debatte über die Definition des MVP Awards für unnötig. Erstens wäre es eine Abwertung aller zukünftigen Leistungen, denn sie werden nicht mehr nach dem Schema bewertet, wie es Jordan, Wilt, Kareem etc.pp wurden – es würde der neuen Auszeichnung an Authentizität mangeln, denn jeder PotY würde zu hören bekommen, dass nach den alten Vergaberegeln nicht er, sondern Spieler soundso eben aufgrund des Teamerfolgs besser sei.

    Zweitens bin ich nich damit einverstanden, dass Kobe Bryant 2006 der beste Spieler der Saison war. 35 punkte pro spiel kann jeder Spieler auflegen, wenn er nur permanent selbst abschließt. Kobes Mannschaft ging nirgendwo hin und es war jedem klar, dass Kobe zwar ein klasse spieler war und punkte en masse auflegen konnte, aber letztendlich musste er sich allein in der Western Conference 6 Kollektiven geschlagen geben, in denen es zwar keine 35pps-Scorer gab, dafür aber mehr Spiele gewannen.
    Nash wurde meines WIssens damals relativ unbedrängt mit etwa 250 Punkten vor James MVP.

    Was ich letztendlich damit sagen möchte, ist dass Kobe aufgrund des fehlenden teamerfolges seine persönlichen Statistiken schönen konnte, da es egal war wie die Saison zuende geht. Titelchancen oder chancen auf nen ordentlich Playoff-Run waren eh keine da. (Heute könnte ein Durant/Lebron/Carmelo auch 35 pps auflegen, wenn sie ausschließlich auf scoren aus wären). Oder ein noch besseres Beispiel: Kevin Love legt die meisten double doubles auf und hätte von den Stats her beim besten Spieler der Saison auch ein Wörtchen mitzureden: 21/15,5/2,4 sind ne Hausmarke – nur interessiert sich keiner für die loser-timberwolves – ebenso blake griffin.

    Selbst Chris Bosh war mal im erweiterten MVP-Kreis – vielleicht auch nur aufgrund seiner “Ich will MVP werden”-PR aktion, damit endlich mal mehr als 2 Menschen ein Raptorsspiel sehen – und heute ist meilenweit davon entfernt, weil er spieler um sich rum hat, die wichtigeres vorhaben, als ihm beim auflegen von von 25/11/3 stats zu helfen und die Saison dann spätestens Ende April zu beenden, damit sie in Europa Heimaturlaub machen können.

    summa summarum: Das MVP-Vergabeverfahren ist in sich schon stimmig und bedarf keiner Generalüberholung (im Gegensatz zum Verfahren zur Aufnahme in Springfield, wo anscheinend die Freimaurer die wohl wichtigsten Entscheidungsträger sind). Nash’s MVP Titel von 2006 war völlig unstrittig und im Laufe der restlichen 2/3 der Saison wird sich noch ein geeigneter Kandidat für 2011 herauskristallisieren.

    PS: mit der these, dass Nowitzki mit schwächeren Statistiken nicht MVP werden kann, halte ich für falsch. Wichtig ist nicht der vergleich zur Vorsaison oder zum Karriereschnitt sondern mit den anderen Spielern – und da kann dirk noch mithalten, auch wenn ich persönlich denke, dass KEvin Durant sich noch kräftig steigern wird und sich den titel krallen wird.

  6. Ich bin der Meinung man sollte den Titel, auch nach seinem Namen vergeben. Sprich, der Spieler der für sein Team am wertvollsten ist, sollte ihn bekommen. Und das macht man halt nicht nur an Statistiken fest!

    ein Nowitzki, Stoudemire, Williams sind die einzigen die mir spontan einfallen, wenn wir über Superstars sprechen, die Ihrem Team in die Playoffs verhelfen ohne wirkliche All-Stars neben sich zu haben (Felton, Jefferson z. B. sind maximal sog. borderline All-Stars) Demnach sind die o.g. die Wertvollsten Spieler ihrer jeweiligen Teams. Meine Meinung…

    Mein pers. Favorit auf dem Award im moment ist Amare, schon alleine weil er in engen Spielen immer im 4. Viertel da ist und die Knicks zum Sieg führt. Das ist in meinen Augen 1000 mal Wertvoller für ein Team als 35 punkte pro spiel zu machen oder 15 rebounds zu holen. Naja mir ist bekannt, dass ich meistens anderer Ansicht bin als viele “experten” 😀

  7. Chris

    Würde man die Kriterien dahingehend ändern, dass ausschließlich der beste Spieler der Saison gekührt wird, dann würde Lebron James seit 2008 permanent einen solchen Award verliehen bekommen. Einschließlich dieser Saison, in der er erneut mit Abstand der beste Spieler ist, wären das 4 POY in Folge. Und da der gute auch erst 26 Jahre alt ist, wird sich das die nächsten Jährchen nicht ändern. Will man sowas?

  8. @Chris: Im Prinzip ist dein Gedankengang genau der Grund dafür, dass es immer wieder MVP-Auszeichnungen gab, nur “um mal jemand anderen” zu küren. Das widerspricht aus meiner Sicht aber eigentlich dem, wofür dieser Award letztlich stehen soll. Es gab immer mal wieder diese Verlegenheitswahlen wie Karl Malone oder Kobe Bryant 2008 als Lifetime-Archievement, nur damit es nicht immer Jordan wird oder Bryant nie einen Award sein Eigen nennen könnte.
    Wenn LeBron James auch weiterhin der wertvollste Spieler der Liga ist (wer hätte denn bspw. gedacht, dass James zu diesem Zeitpunkt der Saison wieder den höchsten PER innehat, obwohl er neben Wade und Bosh spielt?), dann sollte er dafür auch ausgezeichnet werden.
    Wenn man partout James nicht wählen will, könnte es momentan sogar Dwight Howard werden, der die Magic ganz alleine trägt, den zweithöchsten PER (und dadurch resultierend auch die zweithöchsten EWA) hat und damit individuell dominanter als Derrick Rose ist und keinen Spieler vom Kaliber Carlos Boozers neben sich hat.

    Aber wieso sollte man einen Spieler mit der neuntbesten Bilanz der RS ehren, wenn man einen ebenfalls dominanten Spieler vom Eastern Conference-Leader wählen könnte? Nur weil James dann noch einen MVP-Award erhalten würde? Das wären für mich keine ausreichenden Gründe, um James den Award abspenstig zu machen.

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