Draft

Das Hier und Jetzt

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11 Meisterschaften, 18 Final Four-Teilnahmen, 54 aufeinander folgende Jahre mit einer positiven Bilanz (1949–2002) und vier perfekte Saisons ohne Niederlage, um nur einige Statistiken zu nennen. Die University of California, Los Angeles, UCLA genannt, gehört zu den erfolgreichsten Basketball-Programmen in den Staaten. Seitdem John Wooden 1964 das erste Mal die Netze abschneiden durfte, ist die Geschichte der UCLA eine der erfolgreichsten der NCAA. Auch nach der Jahrtausendwende konnten weitere Erfolge verbucht werden. Doch es ging bergab mit den Bruins. Zwar wurde drei Mal in Folge das Final Four erreicht (2006-2008), aber trotzdem fehlte es an Konstanz. Zwei Spielzeiten wurden sogar mit einer negativen Bilanz beendet. Insbesondere die vergangene Saison machte Grund zur Sorge. Doch wie wird der Abwärtstrend gestoppt?

Prunkvolle Vergangenheit

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Im Jahr 1948 trat John Robert Wooden seinen Job als Head Coach der UCLA an. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand wissen, welch ein Glücksgriff der Universität damit gelang. Nach 15 Jahren konnte dann endlich der erste große Erfolg mit dem Gewinn der ersten NCAA-Championship gefeiert werden. Insbesonders die Bilanz dieses Jahres war beeindruckend. Es war die erste von vier perfekten Saisons, die Wooden mit den Bruins absolvierte. Doch was daraufhin passierte, war nicht abzusehen. In den folgenden elf Jahren gewann die UCLA neun weitere Meisterschaften! Natürlich war das Team mit Ausnahmespielern wie Lew Alcindor alias Kareem Abdul-Jabbar oder Bill Walton besetzt, was die Leistung des Mannes, der auch „the Wizard of Westwood“ genannt wurde, jedoch nicht schmälern sollte. Nach seiner letzten Meisterschaft im Jahr 1975 trat Coach Wooden ab und hinterließ schier riesige Fußstapfen. Bis heute konnte nur noch ein einziges Mal der Titel gewonnen werden (1994-95 unter Head Coach Jim Harrick).

Nach einer langen Durststrecke konnte in drei aufeinander folgenden Jahren mindestens das Final Four erreicht werden. Head Coach Ben Howland gilt als sehr cleverer und intelligenter Leiter, aber trotz alledem reichte es nicht für den Gewinn eines weiteren Titels. Obwohl der Kader immer mit viel Talent ausgestattet war, gelang es nicht mehr, an die Erfolge anzuknüpfen. Ganz im Gegenteil, die Bruins zogen 2009/2010 nicht einmal in die March Madness ein, was ein herber Rückschlag für alle Beteiligten war.

Aber weitaus härter getroffen wurde die UCLA-Gemeinde durch den Tod von John Wooden, des erfolgreichsten Trainers in der Geschichte des College Basketballs, am 4.Juni 2010 im Alter von 99 Jahren. Irgendwie passte es zu der gesamten Situation und verstärkte den Frust und die Trauer um ein Vielfaches.

Bruins in der NBA

Auffallend viele UCLA Bruins haben es in den vergangenen Jahren in die NBA geschafft. Namen wie Russell Westbrook, Kevin Love, Darren Collison, Jrue Holiday oder auch Trevor Ariza zeigen, was für eine erstklassige Arbeit geleistet wurde. Speziell die ersten beiden zeigten zum Start der regulären Saison 2010/2011 hochklassigen Basketball: Westbrook mit einem neuen Career-High von 43 Punkten und Love mit dem ersten 30-30 Spiel seit Moses Malone (31 Punkte und 31 Rebounds). Mittlerweile gehören sie zur Elite der NBA und zu den Anführern ihrer Teams.

Photo: JMRosenfeld (Lizenz)

Ein weiteres Merkmal ist die erfolgreiche Ausbildung von Guards. Neben den Aufgezählten besuchten auch Jordan Farmar und Arron Afflalo die UCLA. Für beide hat ein neuer Abschnitt in der Karriere begonnen. Afflalo konnte sich, nach drei schwachen Jahren, enorm verbessern (12.3 PPG). Bereits in der Preseason zeigte der 25-Jährige, was für ein Potential in ihm steckt. Als Starter spielt er nun sehr konstant und praktiziert die gute alte Verteidigerrolle, indem er in der Defense seinen Gegenspieler aus dem Spiel nimmt und in der Offense den freien Dreier aus der Ecke trifft (42.6 3P%). Es zeichnet ihn aber aus, dass er auch andere Fähigkeiten einbringt. Neben hohen Quoten aus dem Feld (50.3 %) und von der Freiwurflinie (86 %), greift er sich 4.2 Rebounds in 35.3 Minuten pro Spiel.

Farmar wechselte nach vier Jahren als Laker zu den New Jersey Nets, wo er Teil des Neuaufbaus von Mulitmilliardär Mikhail Prokhorov sein soll. Allerdings ist bei ihm keine auffallende Leistungssteigerung erfolgt. Zwar erzielt der 24-Jährige fast drei Punkte mehr pro Spiel, aber seine Wurfquoten sind deutlich schlechter als in der Saison 2009/2010. Trotzdem ist der Point Guard zufrieden, da er mehr Spielzeit (25.8 MPG) und Aufmerksamkeit bekommt.

Stark verbessert ist auch die Lage von Jrue Holiday und Darren Collison. Im ersten NBA-Jahr durften sie nur als Backups auflaufen und mussten die Rolle als Bankspieler akzeptieren. Seit dieser Spielzeit haben sie das Vertrauen ihrer Trainer bekommen. Zu Beginn hat speziell Holiday viel Lehrgeld bezahlen müssen. Inzwischen kann der 20-Jährige aber durchgängig überzeugen. Sein ehemaliger Kommilitone Collison wurde durch seine Auftritte während der Abstinenz von Chris Paul populär und beliebt. In einem Trade wurde er an die Indiana Pacers abgegeben, wo er nun die Starterrolle übernimmt.

Klein, aber oho

Diese Affinität zu den kleinen Positionen kann auch im aktuellen Kader bzw. in verschiedensten Draft-Previews dargelegt werden. Zwar besetzt der beste Spieler des Teams, Tyler Honeycutt, sowohl die Zwei als auch die Drei, aber die Stärken liegen eindeutig im Backcourt. Malcolm Lee und Lazeric Jones bilden ein Top-Duo und sind enorm wichtig für den Teamerfolg.

Speziell Lee kann mit seinen Fähigkeiten als Scorer das Team tragen. Der Dreipunktewurf und auch der Drive, gepaart mit einer überdurchschnittlichen Athletik, machen ihn zu einem gefürchteten Combo-Guard. Sein Kommilitone Lazeric Jones ist mehr für den Ballvortrag und die Ballverteilung zuständig. Außerdem ist er ein exzellenter Freiwurfschütze.

Photo: Dave Cooper (Lizenz)

Des Weiteren sollten noch die Guards Tyler Lamb und Jerime Anderson erwähnt werden, da beide viel Spielzeit bekommen und als Backups enorm wichtig für die Konstanz der Bruins sind. Während Junior-Point Guard Anderson eher der sichere Playmaker ist (Platz 23 bei Assists in der Pacific-10 bei einem Assists-Turnover Ratio von 2), gehört Freshman Lamb zu den athletischeren Flügelspielern (im ESPN College Basketball Recruiting Ranking auf Rang 28 aller Freshmen geführt ).

Talentiertester Spieler im Team ist jedoch Swingman Tyler Honeycutt. Der 20-Jährige ist sehr vielseitig, hat die „perfekte“ Größe, lange Arme und eine ausgereifte Athletik vorzuweisen. Der Sophomore kann sowohl als Off-Guard als auch als Forward spielen. Bei einem High School Dunk Contest stellte er seine Athletik beeindruckend unter Beweis, indem er mit einem Dunk über sechs Leute souverän gewann. Zwar ist der Sprungwurf nicht seine große Stärke, aber die Wurfbewegung ist sehr flüssig. Defizite gibt es beispielsweise bei seiner Post-Verteidigung. In diesem Fall würden ein paar Kilo mehr nicht schaden, um besser für den Kampf unter den Körben gewappnet zu sein. Natürlich fällt es nicht so stark ins Gewicht wie bei einem Big Man, aber trotzdem fehlt ihm noch die Masse.

Auf der anderen Forward-Position spielt Topscorer Reeves Nelson. 17.6 Punkte und 10.4 Rebounds pro Spiel bei einer Feldwurfquote von 62.1 % können sich durchaus sehen lassen. Der Power Forward schließt mit Vorliebe per Dunk ab, kann aber auch den freien Dreier treffen. Sein Spiel baut auf die unglaubliche Intensität und Energie auf, die er auf das Spielfeld bringt. Allerdings besitzt er auch die Skills, um in der Zone zu dominieren.

Starting Center ist Joshua Smith. Allein durch seine Größe ist der Freshman extrem wichtig für sein Team. Zwar legte er in den ersten fünf Partien nur 7.4 Punkte und 3.4 Rebounds im Schnitt auf, allerdings steht der 18-Jährige auch nur 16 Minuten auf dem Platz. Dementsprechend sind die Zahlen mehr wert als es auf den ersten Blick erscheint.

Als dritter Big Man sollte noch Brendan Lane erwähnt werden, der Nelson und Smith in 24.2 Minuten pro Spiel entlastet.

Prunkvolle Zukunft?

Natürlich kann niemand erwarten, dass die Bruins in dieser Form noch einmal an die erfolgreiche Vergangenheit anknüpfen können, aber trotzdem lechzen die sonnenverwöhnten Kalifornier nach Siegen und Titeln. Doch, um es wieder bis an die Spitze der NCAA zu schaffen, muss noch einiges passieren. An den Beispielen North Carolina, Duke und Kentucky kann man es am besten sehen: Jahr um Jahr werden die besten High School-Spieler des Landes rekrutiert. Speziell hier hatten die Bruins in den vergangenen Jahren das Nachsehen.

Nach der Seuchensaison 2009/2010 (Bilanz: 14 Siege – 18 Niederlagen) kann es nur aufwärts gehen. Das Team ist talentiert und hungrig. Doch das alleine reicht nicht, um bis ins Final Four vorzustoßen. Deswegen versuchen die Verantwortlichen auch schon, vielversprechende Talente für die nächsten Spielzeiten an Land zu ziehen. Insbesondere ab dem Jahr 2012 werden wahrscheinlich einige Top-Recruits (Grant Jerrett, Shabazz Muhammad und Brandon Ashley) das Jersey der Bruins überstreifen. Das klingt wie Musik in den Ohren der UCLA-Fans. Trotz alledem kann nicht von einer neuen Dynastie die Rede sein. Die heutige NCAA ist viel zu ausgeglichen und sehr viele Colleges kommen immer wieder in den Überlegungen der Experten für den Titel in Frage.

Selbst die absoluten Basketballexperten werden noch nie etwas von den rekrutierten Spieler der Class 2012 gehört haben. Doch wer sich genauer mit ihnen beschäftigt, wird schnell merken, dass ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Alle drei gelten als Top Talente auf den großen Positionen. Allein durch ihre Größe und Athletik werden sie dominieren. Zwar kann sich noch viel verändern, aber Shabazz Muhammad gilt als mit-bester Spieler des Jahrgangs. Damit würde ein neuer Harrison Barnes oder John Wall bald an der UCLA studieren. Doch ob der noch sehr junge Flügelspieler sein Potential und Talent wirklich in Leistung ummünzen kann, wird sich erst noch zeigen müssen.

Jerret und Ashley haben sehr einander ähnliche Attribute. Sie spielen ebenfalls als Forwards, sind aber mehr die Spielertypen für den Kampf in der Zone.

Die Chancen der UCLA auf diese drei Akteure stehen gut, doch keiner kann sich zu hundert Prozent sicher sein, dass diese auch wirklich verpflichtet werden können. Am besten stehen die Chancen im Fall von Brandon Ashley, der in Oakland geboren wurde. Durch die Nähe zu seiner Heimat haben die Bruins einen großen Vorteil. Doch an Jerret und Muhammad sind auch andere Top-Colleges wie Kansas, Duke und Kentucky interessiert, was diesen Vorgang nicht unbedingt vereinfacht.

Photo: JMRosenfeld (Lizenz)

Doch zuerst ist es die Aufgabe von Head Coach Ben Howland, dieses Jahr für zählbaren Erfolg zu sorgen. Die ersten Spiele waren durchaus positiv, jedoch wurden die beiden entscheidenden Partien beim anfänglichen Turnier im Madison Square Garden, New York City gegen Villanova und Virginia Commonwealth verloren. Somit wurde die Euphorie abrupt gestoppt. Ein wegweisendes Spiel sollte die Partie gegen die Kansas Jayhawks sein, doch auch dieses Spiel ging denkbar knapp mit einem Punkt verloren (76:77).

Allerdings muss beachtet werden, wie diese Spiele verloren wurden. Durch einen äußerst umstrittenen Pfiff der Schiedsrichter konnte Kansas’ Mario Little seine Freiwürfe nutzen, um das Spiel zu Gunsten der Jayhawks zu entscheiden. Das Spiel hat aber gezeigt, dass die Bruins auf diesem Level mithalten können. Insbesondere der Auftritt von Honeycutt macht Grund zur Hoffnung. Er übernahm Verantwortung und punktete nach Belieben (33 Punkte).

Im weiteren Saisonverlauf warten viele schwächere Gegner, die geschlagen werden müssen. Hier muss die Konstanz und Sicherheit gefunden werden. Wenn dies geschieht und die Bilanz am Ende ausreicht, um an der March Madness teilzunehmen, ist das wichtigste Ziel erreicht. Im März muss dann wieder von Spiel zu Spiel gesehen werden.

Fazit

Der Tod Woodens hat im Sommer alles überschattet. Der Fokus liegt jetzt aber wieder voll und ganz auf der Saison und dem Team. Es müssen Erfolge her, um das Publikum und die eigenen Erwartungen zu befriedigen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Bruins starke Spieler in ihrem Kader hatten und diese auch gut auf die NBA vorbereitet wurden. Jedoch sollte der Erfolg der UCLA im Vordergrund stehen und wichtiger sein. Solange nicht beides gewährleistet ist, muss einiges verändert und verbessert werden.

Die March Madness sollte mit dem vorhandenen Spielerpotenzial erreicht werden. Doch danach wird es schwierig. Das Talent ist vorhanden, um einen Lauf zu starten, aber die Chance stehen eher schlecht. Wahrscheinlicher ist es, dass Howland & Co. bereits in den ersten Runden die Segel streichen müssen.

Doch die Frage zu Beginn war, ob der Abwärtstrend gestoppt werden kann. Dies ist momentan noch schwierig zu beantworten. Zum einen gibt es Hoffnung, dass schon bald wieder einige Top Talente für die UCLA auflaufen, zum anderen ist aber die Frage, wie sicher das ist und ob es ausreicht, einen oder zwei sehr gute Spieler im Kader zu haben. Das beste Beispiel waren die Kentucky Wildcats im vergangenen Jahr (Go-to-Guys berichtete) bzw. sind die North Carolina Tar Heels mit ihrem Talent Harrison Barnes in der noch jungen Saison 2010/11.

Das zeigt, wie schwierig es ist, ein funktionierendes und harmonisches Team aufzustellen. Es wird wieder bessere Zeiten für die UCLA Bruins geben. Wie lange es noch dauern wird, um wirklich wieder zur Elite der NCAA zu gehören, kann aber wohl niemand sagen. Doch es wäre traurig, wenn diese erfolgreiche Geschichte nach dem Tod ihrer Trainerlegende nicht weitergeführt werden kann.

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