Oklahoma City Thunder

Oklahoma City Thunder – Rise together? (1/3)

Freitag, 30. April 2010, Oklahoma City – Die heimischen Thunder verlieren das sechste Erstrundenmatch und damit auch die erste Playoffserie der eigenen Geschichte mit 4:2 gegen die Los Angeles Lakers. Es war ein unglaublich spannendes Spiel, auf beiden Seiten mit großer Intensität geführt. Erst mit der Schlusssekunde fand der Tipin-Versuch von Pau Gasol nach einem Fehlwurf von Kobe Bryant seinen Weg in dem Korb. Für die meisten Franchises wäre eine solch knappe Niederlage ein Grund, Trübsal zu blasen. Doch dieser Abend ist anders. Die Mannschaft um Superstar Kevin Durant ist anders. Und auch die Thunder-Anhänger sind anders, feiern sie ihr Team doch trotz der Niederlage mit stehenden Ovationen bis weit nach der Schlusssirene. Es war die Belohnung für die überraschenden 50 Siege aus der regulären Saison und einen aufopferungsvollenen  Kampf gegen den amtierenden (und auch späteren) Champion aus L.A..

Photo: Lorianne DiSabato (Lizenz )

Konnte man aus Thundersicht die letzte Saison als “Erfolg” einstufen? Den Stempel “erfolgreich” verteilt schließlich jeder anhand der eigenen Erwartungen. Niedrige Erwartungen erleichtern das Ausrufen eines “Erfolgs”, hohe Erwartungen haben den gegenteiligen Effekt. Wer kann schon von sich behaupten, für die Thunder 50 Siege in der regulären Saison prognostiziert zu haben? Niemand hatte das Team ernsthaft auf der Rechnung. Die Erwartungen waren niedrig, erst Recht in den Playoffs gegen die Lakers. Mithin fällt es ziemlich leicht zu sagen, dass die Thunder eine erfolgreiche Saison gespielt haben. Dies hat sich jetzt jedoch schlagartig geändert. Erste kleine Erfolge vergrößern den Hunger auf mehr Erfolge im rasanten Tempo: die Erwartungen steigen, nicht nur beim Team selbst (niemand will als “one hit wonder” gelten), sondern auch – wenn nicht sogar in extremerer Form – bei den Anhängern einer Franchise, die typischerweise zur Übertreibung neigen. Die Frage wird sein, ob das Team um Kevin Durant mit der eigenen Erwartungshaltung und dem höheren Druck zurecht kommen kann. Sind die Thunder gewappnet für eine Durststrecke, die bei einer so jungen Truppe unweigerlich kommen kann?

Immer wieder durfte man in letzter Zeit lesen, dass die Thunder einen “vorbildlichen” Rebuild durchgeführt haben sollen. Beispielsweise wurde auf realgm.com ein Artikel mit dem Titel “Nets uses OKC’s Modell of Success” veröffentlicht. Doch was steckt überhaupt hinter dieser Formulierung? Was ist dieses “Erfolgsmodell”, was viele in den Thunder sehen (wollen)? Und die viel wichtigere Frage lautet wohl: Ist die Formulierung “Erfolgsmodell” überhaupt gerechtfertigt? Denn ohne Erfolg kein “Erfolgsmodell”, das sollte klar sein. Deswegen wird sich dieser Artikel mit folgender Fragestellung beschäftigen:

Wie bauten die Thunder (respektive die Sonics) das heutige Team auf und wie erfolgsverspechend ist diese Strategie wirklich? Dazu wird der Rebuild von Grundauf beleuchtet. Aufgrund der Komplexität des Themas und Länge der  zugrunde liegenden Zeit (Rebuild-Dauer von 3 Jahren) bietet sich eine Artikelserie an. Angefangen mit:

(1) Aller Anfang ist schwer (2007-2008)

Wenn man versucht, die Strategie der Thunder zu charakterisieren, bietet sich ein Blick in die Vergangenheit an. Jedes Projekt hat einen Anfang, einen Startpunkt. Den Startpunkt der Thunder könnte man auf den 7. Juni 2007 legen (die OKC Thunder hießen damals noch Sonics und waren in Seattle zu Hause). An diesem Datum wurde Sam Presti vom neuen Eigner der Seattle Supersonics, Clay Bennett, als neuer General Manager eingestellt. Mit gerade einmal 31 Jahren sollte er auf Anhieb der jüngste GM der NBA sein. Ziel war ein Neuaufbau, denn die damaligen Seattle Supersonics hatten sieben Wochen zuvor eine miese Saison beendet: 31:51 Bilanz, Platz 5 in der Northwest-Division und Platz 24 NBA-weit.

Photo: Keith Allison (Lizenz )

Ray Allen und Rashard Lewis, die beiden Stars des Teams, fehlten verletzungsbedingt insgesamt 47 Spiele.  Die Mannschaft spielte eine miserable Verteidigung (Platz 25 bei der defensiven Effizienz [Wenn ich im folgenden von defensiver oder offensiver Effizienz spreche, meine ich die Effizienz-Statistiken von Stats-Guru John Hollinger]), was nicht überrascht, wenn man sich die damalige Rotation anschaut (mehr dazu gleich).

Der einzige Lichtblick der Saison war der, dass die Sonics im Mai Glück in der Draft-Lottery hatten und den zweiten Pick zugelost bekamen, gleichbedeutend mit Center Greg Oden oder Foward Kevin Durant als potenziell neuem Franchiseplayer. Da sich die Portland Trailblazers zu 99,9% für das Ausnahmetalent auf der Centerposition entscheiden würden, war für Presti und den Rest der Organisation klar, dass die Sonics Kevin Durant ergattern würden. Also galt es, das Team neu auszurichten. Für Presti bedeutete es, einen ziemlich radikalen Umbruch einzuleiten. Nur zwei Jahre später würde vom einstigen Kader der Sonics 2006/2007 nur noch ein einziger Spieler übrig sein: Nick Collison. Doch der Reihe nach. Verschaffen wir uns zunächst einen Überblick über die damalige (vertragliche) Situation im Roster:

Player 2006/20072007/20082008/20092009/2010
Ray Allen14,611,57016,000,00018,388,43018,776,860
Rashard Lewis9,350,649
Danny Fortson6,595,990
Chris Wilcox6,250,0005,750,0006,750,000
Earl Watson5,400,0005,800,0006,200,0006,600,000
Damien Wilkins2,700,0002,900,0003,100,0003,300,000
Nick Collison2,501,0705,750,0006,250,0006,250,000
Luke Ridnour2,425,8786,500,0006,500,0006,500,000
Mohamed Sene1,958,6402,105,5202,252,400
Robert Swift1,887,6002,601,1133,579,131
Johan Petro1,006,8001,077,120
Mickael Gelabale0,802,0000,802,000
Mike Wilks0,798,112
Rest (unerheblich)
Summe56,931,964

Tabelle 1: Sonics Salary Ende 2006/2007

Wie oben bereits angedeutet, hatte der Kader nur eine sehr bescheidene Qualität.  Allen und Lewis waren die besten Spieler mit ganz gegenteiligen vertraglichen Voraussetzungen. Der Vertrag des Einen (Allen) lief noch eine halbe Ewigkeit, der Vertrag des Anderen (Lewis) lief aus. Letzterer war aufgrund seines Free Agent-Status’ ziemlich begehrt in der NBA. So war ein weiterer Verbleib nicht gerade wahrscheinlich, was jedoch den Sonics in die Karten spielte, bekamen sie doch mit Kevin Durant mehr als nur Ersatz für dieselbe Position. Ray Allen würde bald 32 Jahre alt sein. Wenn der beste Spieler des Teams immer mehr abbaut (bei steigendem Gehalt), sind das nicht gerade perfekte Voraussetzungen für einen Rebuild.

Warum ein Rebuild überhaupt notwendig war, offenbart das übrige Roster mit einer Ansammlung bestenfalls durchschnittlicher Akteure (Collison, Ridnour, Watson), verbunden mit ein paar Projekten im Frontcourt (Swift, Sene, Petro), einem ewigen Talent (Chris Wilcox) und Spielern ohne Talent (Wilkins, Wilks). Wenn man sich die Verträge der Spieler anschaut, neigt man auch nicht gerade dazu, Luftsprünge zu machen. Watson, Ridnour, Collison, Wilcox und Wilkins, vielleicht die besten Spieler neben Allen und Lewis, kosteten der Franchise jedes Jahr ab der Saison 2007/2008 mehr als 26 Mio, fast die Hälfte des damaligen Salary Caps. Für bestenfalls solide Rollenspieler (eher weniger) ist das eine Menge Geld, gerade dann, wenn der Erfolg ausbleibt. Ray Allen führte diese Truppe als Franchiseplayer in den letzten 4 Jahren ein einziges Mal in die Playoffs, kein Ruhmesblatt. Der Kader bestach durch Masse, nicht durch Klasse. Erfolgsversprechend oder zukunftsträchtig? Eindeutig nicht. Bedingt durch die Vertragssituation sämtlicher Spieler, gepaart mit der spielerischen Perpektivlosigkeit war ausschließlich ein Neuaufbau sinnvoll. Dies bedeutete, dass unliebsame Verträge weg, und dementsprechend junges hungrige Talente hermussten.

Kevin Durant war als Talent der Extraklasse sozusagen schon auf dem Weg, doch reichte das? Wenn KD in seiner Prime sein würde, wäre Ray Allen Mitte 30. Zwar immer noch ein guter Spieler, aber kein Vergleich mehr zu der Klasse, die er Anfang bis Mitte der 2000er innehatte. Lewis war auf dem Absprung. Warum also nicht Ray Allen nutzen, der nach seiner 26/4/4-Saison einen relativ großen Marktwert hatte, um Kevin Durant weiteres junges Talent an die Seite zu stellen? Das würde erstens Geld sparen (siehe Allens Vertrag) und zweitens dem Team ein neues Fundament verleihen – eine Perspektive -, was ja gerade der Sinn jeden Neuaufbaus darstellt. Durant würde dann ‘ad hoc’ den Status des Franchiseplayers erhalten, das neue Gesicht eines jungen, talentierten und hungrigen Teams sein. Und Sam Presti ließ nicht lange auf sich warten, einen ersten Schritt in diese Richtung zu gehen.

Der Draft 2007

Draftnacht 2007: zunächst lief alles wie erwartet. Die Blazers wählten Greg Oden, die Sonics Kevin Durant. Was dann folgte, war der wohl spektakulärste Spielertausch des Abends, denn Sam Presti schickte Ray Allen zu Paul Pierce und den Celtics für Wally Szczerbiak, Delonte West und den fünften Pick (Jeff Green). Dass ein Tausch Allens sinnvoll erschien, erläuterte ich bereits. Aber warum tradeten die Sonics Ray Allen gegen einen großen Vertrag (Szczerbiak), einen durchschnittlich talentierten Guard (West) und eines der größeren Talente im Draft, der ausgerechnet auch noch eine ähnliche Position wie Kevin Durant spielte (Jeff Green)?

Gehen wir den Gegenwert mal nacheinander durch: Wally Szcerbiak ist spielerisch zwar kein Vergleich zu Ray Allen, doch sein Vertrag würde eine Saison eher auslaufen (2009) als Allens (2010). Ferner könnte Wally Szczerbiak durch seine Wurffähigkeiten einen soliden Rollenspieler für die Sonics abgeben, gerade nach Allens Abgang, insbesondere falls Free Agent Rashard Lewis die Franchise wechseln sollte (was letztendlich ja auch geschah).  Auch sollte man nicht außer Acht lassen, dass ein großer auslaufender Vertrag immer wertvoller wird, je näher das Ende des Vertrages rückt.  Anfang 2007/2008 schienen mehr als 11 Mio. für die Dienste eines Rollenspielers wie Szczerbiak übertrieben teuer zu sein; später könnte dieser Vertrag jedoch Franchises entgegenkommen, die ihrerseits einen Neuaufbau planen. Kommen wir zu Delonte West: Dieser hatte sich als defensivstarker Comboguard in Boston ausgezeichnet. Seine Flexibilität sollte den Sonics gut tun, auch weil auf der Position des PGs mit Watson und Ridnour keine “Überspieler” (und erst Recht keine guten Verteidiger) zu finden waren. Aus meiner Sicht eine sinnvolle Verpflichtung. Jeff Green rundete – wie bereits erwähnt – das Paket ab. In Georgetown hatte sich Green einen Namen als teamorientierter und flexibel einsetzbarer Forward gemacht, der über große Führungsqualitäten verfügen sollte. In Seattle sollte er mit Kevin Durant das neue “Dynamische Duo” auf dem Flügel bilden. An dieser Stelle sollte man jedoch auch auf die Schattenseite von Jeff Green eingehen. Er ist eigentlich gelernter Small Forward und spielt somit fast dieselbe Position wie Kevin Durant. Letzterer mag zwar im ersten Jahr aufgrund seiner körperlichen Nachteile (zu wenig Muskelmasse) noch die 2 spielen; langfristig werden Durant und Green das Forward-Pärchen bilden und das bedeutet, dass Matchup-Probleme zum Vorteil des Gegners vorprogrammiert sind. Wie stark  sich diese auswirken, hängt vordergründig davon ab, wie gut sich Jeff Green als “gelernter” SF auf der Position des Power Forwards akklimatisieren kann. Zurück zur Bewertung des Trades: Unter Vorbehalt (Green betreffend) lässt sich sagen, dass diese erste große Transaktion von Sam Presti sinnvoll war.

Der Abgang Rashard Lewis’

Ray Allen ist also Geschichte. Kurze Zeit später verabschiedete sich Lewis nach Orlando. Sam Presti schaffte es immerhin noch, einen Sign & Trade auf die Beine zu stellen, soll heißen, die Sonics bekamen noch eine hohe Trade Exception (um die 9 Mio $ [TE]) und einen Secondrounder (2009). Eine TE hat den Vorteil, dass man sie nutzen kann, um einen Spieler zu ertraden, ohne weiteres, eigenes Spielermaterial abzugeben. Es sollte keine Überraschung sein, dass Sam Presti genau das keine drei Wochen später getan hat, indem er Veteran-Center Kurt Thomas und zwei (!) Firstrounder der Suns (2008 und 2010) gegen die besagte TE und den 2nd rounder der Magic (von 2009) getauscht hat. Anhänger der Suns fragen sich wohl heute noch, wie man so fahrlässig mit eigenen Picks/Talenten umgehen kann, nur um ein paar Dollar zu sparen. Sam Presti  soll es egal sein. Unterm Strich hat man aus dem unvermeidbaren Abgang von Free Agent Lewis zwei zukünftige 2nd rounder plus Kurt Thomas gemacht. Letzterer wird den Sonics ungemein helfen, weil sonst auf der 5 nur Projekte herumliefen (siehe oben). Die beiden Picks könnten bald richtig wertvoll werden, Nash würde 2010 bereits 36 Jahre alt sein, Gerüchte um  einen Wechsel Stoudemires gab es auch immer wieder.  Ich denke, das Wort “genial” trifft es perfekt.

PJ Carlesimo wird Head Coach

Kommen wir zum nächsten Move von Sam Presti, und dies ist ein eher unglücklicher. Ich spiele auf die Einstellung von PJ Carlesimo als Headcoach der Sonics an. Wie kam es überhaupt zur Verpflichtung von Carlesimo? Dazu ein wenig Hintergrundwissen: Chairman Clay Bennett war in den 90ern Miteigner der San Antionio Spurs. Sam Presti arbeitete lange unter der Federführung von B.C. Buford als Assistant GM bei den Spurs. Und Carlesimo war mal Assistant Coach bei den Spurs. Sollte das etwa ein Zufall sein? Ich denke, das kann man ausschließen. Bennett und Presti kennen die (erfolgreichen) Strukturen der Spurs und hatten das große Ziel, die Sonics ähnlich aufzustellen. Da kam  der Ex-Spur Carlesimo gerade recht. Darüber hinaus hatte er den Ruf, ein guter Defensiv-Coach zu sein. Da die Verteidigung in den letzten Jahren immer zu Wünschen übrig ließ, war dies eine wohl grundsätzlich nachvollziehbare Entscheidung. An seine Seite holte man noch Scott Brooks von den Denver Nuggets, der sich – wie jeder heute weiß – später als Glücksfall herausstellen sollte.

Gerüchten zufolge versuchte Sam Presti noch den ein oder anderen Spieler zu traden (Wilkins, Ridnour, Watson?), fand jedoch keine Abnehmer. Also beschloss man, dass man den damaligen Kader zunächst so belässt wie er ist, schaut, wie die neuen Spieler zusammenpassen, um möglicherweise im weiteren Verlauf der Saison einen sinnvollen Trade auf die Beine zu stellen. Nach den zahlreichen Transaktionen erscheint mir ein weiterer Blick auf den veränderten Kader samt “salary chart” sinnvoll:

Player 2007/20082008/20092009/20102010/2011
Kevin Durant4,171,2004,484,0404,796,8806,053,663
Jeff Green3,058,2003,287,6403,516,9604,455,988
Wally Szczerbiak12,775,00013,775,000
Kurt Thomas8,091,188
Chris Wilcox5,750,0006,750,000
Earl Watson5,800,0006,200,0006,600,000
Damien Wilkins2,900,0003,100,0003,300,000
Nick Collison5,750,0006,250,0006,250,0006,750,000
Luke Ridnour6,500,0006,500,0006,500,000
Delonte West1,889,760
Mohamed Sene2,105,5202,252,400
Robert Swift2,601,1133,579,131
Johan Petro1,077,120
Mickael Gelabale0,802,000
Summe63,271,101

Tabelle 2: Sonics Salary | Stand: Anfang Saison 2007/2008
rot: Neuzugänge durch Transaktionen/Draft

Was fällt auf? Wenn man die Ausgaben des alten Kaders (siehe oben) + Durant (dieser fehlt oben)  ausrechnet, kommt man auf Ausgaben von 53,456,753 Mio Dollar. Dies bedeutet, nach den ganzen Transaktionen würden die Sonics – zumindest für die Saison 2007/2008 – ca. 10 Mio mehr in das Roster stecken als vorher. Doch das wäre zu kurzsichtig gedacht. Ja, die Sonics gaben damals zusätzlich 10 Mio aus, “erkauften” sich  jedoch damit einige Vorteile: Szczerbiaks Vertrag lief eher aus als Ray Allens, und man bekam Jeff Green; Kurt Thomas kostete 8 Mio (Vertrag lief aus, daher gutes ‘Trade-Asset’), brachte aber  Erfahrung und zwei Erstrundenpicks der Suns. Folge: Kurzfristig gab man zwar ein wenig mehr Geld aus, doch nur, um sich mittel- und langfristig mehr Talent, (finanzielle) Flexibilität und Trade-Assets zu sichern.

Der Verlauf der Saison

Die Geschichte der Saison 2007/2008 ist schnell erzählt. Die Mannschaft hatte in der neuen Zusammenstellung große Probleme in sämtlichen Mannschaftsteilen, die ersten acht Spiele wurden verloren. Durant war als Franchiseplayer und go-to-guy überfordert. Zwar deutete er immer wieder an, über welch großartiges Talent er verfügte, doch in der Summe zeichnete er sich in der ersten Saison-Hälfte meist durch eine sehr schlechte Wurfauswahl und extrem miese Defense aus (typischer Rookie-Fehler: er ließ das Spiel nicht auf sich zukommen). Mit Allen und Lewis spielte das Team eine durchschnittliche Offense (Rang 14 in der Effizienz) und miese Defense (Rang 25); jetzt war beides schlecht (Rang 30 und 26). Coach Carlesimo wollte das Tempo hochhalten, hatte aber keinen PG, der einen Run & Gun-Stil umzusetzen vermochte (Watson und West waren keine Spielgestalter, Ridnour häufig verletzt). Richtiges Setplay wurde vorher nicht einstudiert; auf die wenigen Spielzüge, die das Team beherrschte, hatten sich die Gegner dann auch ziemlich schnell eingestellt. So war es über weite Strecken der Saison eine wahre Zumutung, dem Team zuzuschauen.

Die Saison dümpelte so vor sich an. Ende Januar 2008 stand man mit einer 9:35 Bilanz tief im Tabellenkeller. Die Trading-Deadline rückte immer näher und Sam Presti wurde doch nochmal aktiv: Zunächst wurde Kurt Thomas zu den Spurs geschickt, im Gegenzug kamen Brent Barry, Francisco Elson und ein Erstrundenpick (2009) zu den Sonics. Wir erinnern uns: Thomas kam für die TE und einen Zweitrundenpick (!) von den Suns, die auch noch zwei Erstrundenpicks mitschickten. Mithin machte Sam Presti aus einer (hohen) TE und einem Zweitrundenpick drei Erstrundenpicks und zwei auslaufende Verträge (Barry, Elson). Barry wurde direkt entlassen, um weiteres Geld zu sparen. Elsons Vertrag ließ man im Sommer auslaufen.

Photo: Keith Allison (Lizenz )

Doch dies war nicht alles. Nur einen Tag später nutze Sam Presti den Vertrag von Wally  Szczerbiak (dieser würde 2009 auslaufen) und Delonte West in einem 3-Team-Trade. Die Sonics bekamen Adrian Griffin (Bulls), Ira Newble und Donyell Marshall (beide Cavs). Keiner der drei Spieler würde den Sonics kurzfristig, geschweige denn langfristig, helfen. Warum machte Sam Presti diesen Trade trotzdem? Das Stichwort ist (mal wieder) finanzielle Flexibilität. Aufgrund der 125% Regel, die bei einem Tausch Anwendung findet (sonst wären Trades wohl kaum möglich), sparten die Sonics sofort Geld ein, obwohl die Verträge der Spieler auch erst 2009 auslaufen würden. Im Fall von Newble gelang kurze Zeit später ein Buyout, was wieder Geld einsparte. Trotzdem kann man hier die Frage aufwerfen, ob für einen Spieler wie Delonte West nicht mehr erhältlich war als nur ein wenig Einsparungen beim Gehalt. Solide war der Tausch dennoch.

Die restliche Saison schloss Seattle unwesentlich besser mit 11:27 ab, was wiederum eine Saisonbilanz von 20:62 zur Folge hatte, die zweitschlechteste Bilanz der NBA (hinter den Heat). Es bedarf wohl keiner Erklärung, dass es in dieser Saison eh nicht um irgendwelche Erfolge  im Sinne von Siegen ging. Ziel war, dass man schaute, welche Spieler zueinander passen und welche nicht, finanzielle Flexibilität erreicht, das Team in der Zukunft mit Talent anreichert sowie Kevin Durant und Jeff Green für die eigene Entwicklung massig Spielzeit garantiert. Ich würde sagen, dass Sam Presti  dies  gelungen ist. In wenigen Monaten hat er 13 (!) Picks für die nächsten drei Drafts  gesammelt (teilweise aus Spielern gewonnen, die schon weg waren), Geld gespart und zwei mittelgroße auslaufende Verträge für 2009 kreiert (Wilcox, Marshall, in der Summe ca. 12 Mio), die in der kommenden Saison 2008/2009 einen gewissen Wert haben müssten. Kevin Durant hatte sein überragendes Talent unter Beweis gestellt und wurde verdient Rookie des Jahres. Ridnour (dauernd verletzt) und Watson (schlechter Playmaker, maximal durchschnittlicher Defender) haben bewiesen, dass sie kein Startermaterial für das Team darstellten. Wilcox blieb das ewige Talent und die Centerprojekte (Petro, Sene, Swift) blieben Projekte.  Somit war Sam Presti klar, dass weitere Veränderungen unvermeindlich sein würden. Last but not least hatte man aufgrund der miserablen Bilanz gute Chancen auf eines der Toptalente der Draft 2008 (Derrick Rose oder Michael Beasley). Leider wollte die Lottery nicht so wie Seattle wollte, denn man wurde auf Platz 4 verwiesen. Doch ein Grundgerüst Kevin Durant – Jeff Green – Pick Nr.4 + zig weitere Picks und finanzielle Flexibität liest sich alles andere als schlecht. Es sollte nur eine Frage der Zeit sein, wann das Team anfängt Siege einzufahren.

Von Seattle nach Oklahoma und von PJ Carlesimo zu Scott Brooks; dies soll nur ein kleiner Ausblick sein, worum es beim nächsten Mal im zweiten Teil der Oklahoma City Thunder-Story gehen wird.

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2 comments

  1. Fabian Thewes

    |Author

    Tom (Lemms) schrieb:
    Uih, echt guter Artikel.
    Wann kommt Teil 2, can´t be wait!

    Arbeite bereits daran. Ein bisschen musst du dich noch gedulden. Danke für das Lob. 🙂

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