Draftprofile 2016

Wade Baldwin

Vanderbilt Commodores

Datenblatt

 

Name: Wade Baldwin IV

Position: Playmaker

[xrr rating=1/4]  (Rollenspieler)

College: Vanderbilt Commodores

College-Erfahrung: Sophomore

 

 

Vor rund 24 Monaten war Wade Baldwin IV ein noch komplett unbeschriebenes Blatt. Keine der größeren Recruiting-Plattformen in den USA hatte den High School-Senior unter den besten 100 Talenten seines Jahrgangs gerankt. Doch den athletischen Guard kümmerte das wenig. In seiner ersten Saison verdiente er sich neben Karl-Anthony Towns, Devin Booker, Trey Lyles und Tyler Ulis einen Platz im All Freshman Team der SEC. Als Sophomore führte er dann schon seine Vanderbilt Commodores als bester Spieler seines Teams in das NCAA-Tournament. Nachdem er sich nun als einer der besten Playmaker des Collegebasketballs einen Namen gemacht hat, fühlt er sich bereit für das nächste Level und möchte auch in der NBA ein paar leere Seiten mit seinen Erfolgen füllen.

Tools

Kaum eine NBA Combine-Vermessung wurde in diesem Jahr so sehnsüchtig erwartet, wie die von Wade Baldwin. Seit Monaten geisterten Gerüchte zu seiner Armspannweite durch die Twittersphere. Eine verrückte 6‘10‘‘-Wingspan, die 2012 schon einmal inoffiziell gemessen wurde, sollte nun endlich als Fakt manifestiert werden. Letztlich übertraf Baldwin mit seiner Spannweite alle Erwartungen. 6’11.25‘‘ stehen zu Buche. Zur Einordnung: Genau dieser Wert wurde beim Combine 2009 für Blake Griffin vermerkt! Zusammen mit 6‘4‘‘ Körpergröße und einem schon sehr austrainierten 200-Pfund-Frame (nur 5,2% Fett-Anteil) dürften die physischen Grundvoraussetzungen des 20-Jährigen dem feuchten Traum eines jeden Athletik-Fetischisten entsprechen. Trotzdem muss allen, die jetzt bei dem Sophomore jetzt an den nächsten (gesunden) Derrick Rose, John Wall oder Russell Westbrook denken, etwas Wind aus den Segeln genommen werden. Baldwin ist in Sachen Geschwindigkeit, Explosivität und Sprungkraft, trotz überdurchschnittlichen Fähigkeiten in all diesen Kategorien, einen Level unter diesem Top-Perzentil der NBA-Guards einzuordnen.

Shooting

Wade Baldwin verfügt über einen gut ausgebildeten Wurf, den er seit zwei Jahren mit großer Genauigkeit trifft. Am College legte er über 68 Spiele 1,2 3PM bei 42 3P% auf. Sein tolles Wurfgefühl untermauerte er mit starken 80 FT%. Es ist beachtlich, wie konstant Baldwin in seiner Technik ist. Er behält stets eine gute Balance, da er fast immer seine Füße gleich setzt und danach den selben Bewegungsablauf durchläuft. Einzig sein Release liegt etwas niedrig, was ihn etwas anfälliger für Blocks werden lässt. Besonders aus dem Catch’n’Shoot brachte der Commodore seine Distanzwürfe mit großer Effizienz unter (1,25 PPP) und zeigte schon öfter echte NBA-Range:

Teilweise deutete er an, dass er sogar als Off-Screen Schütze zu gebrauchen ist:

Aber auch aus dem Dribbling heraus, stellte Baldwin eine ernstzunehmende Gefahr dar. Lassen ihm seine Mitspieler zu viel Platz, indem sie bspw. beim Pick’n’Roll unter dem Screen durchgehen, kann der Sophomore gegnerische Defenses per Pullup bestrafen (0,83 PPP):

Playmaking

In seiner ersten Saison als Fulltime-Playmaker in größerer Rolle (2015: 18,7 USG%, 2016: 25,3 USG) präsentierte sich Baldwin als sehr uneigennütziger und vielseitiger Spielgestalter (33 AST%). Den Fastbreak oder die Semi-Transition-Offense zu führen und schnell richtige Entscheidungen zu treffen ist kein Problem für ihn:

Selbst wenn er als Scorer in Erscheinung treten könnte, hält er die Augen offen und sucht nach freien Mitspielern, die noch effizientere Abschlüsse versprechen:

Aus dem Pick’n’Roll heraus liest er Defenses teilweise hervorragend, kann auch schwierige Pässe aus ungünstigen Winkeln an den Mann bringen und so seine Mitspieler sowohl unter dem Korb als auch an der Dreierlinie bedienen. Er kann ein echter Shot-Creator sein:

Allerdings wirkt Baldwin an anderen Tagen nicht so natürlich in seinen Spielmacherfähigkeiten. Wie etwa bei Marcus Smart  stellt sich dann das Gefühl ein, dass hier ein hochtalentierter Athlet diese Position noch lernt. Das Handling des Commodores wird nicht höchsten Ansprüchen gerecht. Er kommt als Ballführer noch nicht nach Belieben an jede Stelle des Parketts und wirkt so manchmal hilflos, wenn seine erste Handlungsoption fehlschlägt:

Das Timing seiner Pässe ist nicht immer passend:

Dazu versuchte Baldwin teilweise auch zu riskante Anspiele oder telegraphierte seine Pässe schon im Vorhinein, was Possessions zu häufig in Ballverlusten für sein Team enden ließ (18 TOV%):

Slashing

Überraschenderweise ist Slashing nicht auf allen Ebenen die ausgewiesene Stärke Baldwins, obwohl er in der Theorie alle nötigen Tools dafür mitbringt. Ja, der 20-Jährige ist ein Spieler, der sich im hohen Maße Freiwürfe erarbeitet und dann auch verwandelt (.61 FTr, 6x zehn oder mehr FTA in 15/16, 80 FT%). Durch seinen muskulösen Körper kann er sich in vielen Situationen in Richtung Korb sehr gut behaupten, am Ring Kontakt absorbieren und so seine Balance halten:

Dennoch steht laut Hoops-Math nur eine recht beschauliche Abschlussquote direkt am Ring zu Buche (50,4 FG%@Rim). Dies liegt an mehreren Faktoren. Zunächst hat Baldwin teilweise Probleme über Länge abzuschließen, da er nicht über den besten Touch am Ring verfügt. Besonders mit der schwachen, linken Hand lässt er gern einmal Punkte liegen:

Zusätzlich führen seine Handling-Defizite manchmal dazu, dass er seinen Wurf nicht ordentlich vorbereiten kann und sich ohne echte Kontrolle über Ball und Körper in die Zone begibt:

Teilweise scheinen sich diese Probleme schon im Kopf von Baldwin festgesetzt zu haben. Oft entscheidet er sich gegen ein hartes Attackieren des Rings und vertraut lieber auf schnelle Pullups. Eine Entwicklung, der es auf dem nächsten Level entgegenzuwirken gilt:

Ihm sollte es zusätzlich helfen, in einem freieren System zu spielen. Die Commodores kamen nicht oft ins Laufen und fokussierten sich lieber auf eine statischere Halfcourt-Offense (189th in Pace). Eine schnellere Spielweise mit mehr Transition-Situationen und der gewonnene Platz im Halbfeld durch die weiter entfernte Dreierlinie könnten ihm helfen.

Defense

Baldwin eilt in der Defense ein riesiger Ruf voraus. Dieser ist auch durchaus berechtigt. War der Sophomore motiviert, konnte er durch seine laterale Agilität vor nahezu jedem Spieler bleiben und so seine Gegner an die Kette legen. Durch seine Mischung aus Größe, Masse und Geschwindigkeit sollte er in der NBA beide Guard-Spots und eventuell kleinere Dreier verteidigen können:

Seine Länge sorgt immer wieder für Ballgewinne und Deflections (Career: 2,7 STL%):

Als Spieler mit enormen Speed, bietet Baldwin starke Recovery-Fähigkeiten, was Coaches zum Experimentieren einladen könnte. Bei Vanderbilt nahm der Playmaker teilweise sehr weite Wege auf sich, um an bestimmten Stellen des Feldes zu helfen:

Allerdings fehlt dem Sophomore das Feuer eines Marcus Smart oder Joakim Noahs. Er möchte nicht in jeder Possession unbedingt einen Fehlwurf oder Ballverlust erzwingen. So kann er teilweise in Momenten erwischt werden, in denen er keine Verteidigungshaltung einnimmt:

Auch defensives Gambling ist manchmal von ihm zu sehen:

Agiert Baldwin in der Zukunft mit mehr Konstanz in der Verteidigung, besitzt er ein enormes Potential. Individuell könnte er als einer der besseren Guard-Defender der Liga gelten. Auf Teamebene ermöglicht er dann durch seine Vielseitigkeit seinem Coach mehr Lineup-Optionen mit schwächeren Verteidigern auf den kleinen Positionen.

Spielervergleich

Als Spieler mit seinen Voraussetzungen sollte Wade Baldwin in Anlehnung an Patrick Beverly oder Kirk Hinrich mindestens ein guter Defensiv-Guard werden, der Dreier treffen und einen kleinen Teil des Playmakings übernehmen kann. Kann ihm auch auf NBA-Ebene mehr Offensivlast übertragen werden, befindet sich schnell in einer Konversation mit den 3&D-Combos Avery Bradley, Marcus Smart und George Hill. Läuft wirklich alles zusammen und er entwickelt sich auf dem nächsten Level noch extrem weiter, könnte er als bulliger Playmaking-Spätzünder den Vorbildern Kyle Lowry und Chauncey Billups nacheifern.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

StatsvergleichPlaymaker2016

Draftaussichten

Baldwin stürzte teilweise in die Late-Firstround-Regionen mancher Mockdrafts ab. Seit dem Combine scheint sein Ansehen aber wieder zu steigen. Für mich hat Baldwin mit all seinen Tools und Skills die Chance in der Zukunft als bester Playmaker der Klasse dazustehen. Ein solcher Spieler sollte deswegen niemals aus der Lottery fallen und könnte sogar schon in der 5-10 Range gezogen werden.

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3 comments

  1. Poohdini

    Schöne Arbeit Tobias.

    Nach den Top 2 mein absoluter Lieblingsspieler in der Draft. Es gibt einfach so vieles an ihm zu lieben. Seine physischen Tools sind schon ja sowieso überragend. In der Defensive hat er das Potential eine echter Elite Verteidiger zu werden. Umso mehr, wenn man überlegt, dass man mit Baldwin sogar theoretisch “hoch”-switchen kann in der PnR-Verteidigung. Er wäre mit seiner Länge, lateralen Geschwindigkeit und dem gut ausgebauten Körper sogar gegen die meisten Flügel kein Mismatch für den Gegner. Aber auch in Kombination mit einem stark verteidigenden Big (Noel-Typ) in der PnR-Defense wäre das unheimlich krass.

    Er trifft den Dreier, hat eine unheimlich große FTar und ist relativ gut dabei, unassistierte Würfe zu erarbeiten und zu treffen. Noch dazu fand ich, dass seine Coaches ihn in Vanderbilt nicht in gute Situationen gebracht haben. Sowohl was Spielstil als auch Teammates angeht.

    Insgesamt wirkt Baldwin auch wie ein Late-Bloomer, er hat sich in nur einem Jahr als Primary Ballhandler massiv verbessert und diese Passage im obigen Scouting Report passt am besten zu ihm:

    “Wie etwa bei Marcus Smart stellt sich dann das Gefühl ein, dass hier ein hochtalentierter Athlet diese Position noch lernt.”

    Welche Red Flags gibt es denn wirklich bei Baldwin? Er kann NOCH kein Full Time Playmaker sein und schließt am Ring noch nicht so gut ab. Letzteres verbessert sich in der NBA bei den meisten Spielern relativ gut, v.a. bei der Länge und Physis Baldwins. Es gibt mehr Platz per se, besseres Spacing und bessere Mitspieler. Die größte Herausforderung wird sein, sein Ballhandling zu verbessern. Aber daran zweifle ich auch weniger, weil er a) noch relativ jung ist (20 Jahre in seinem Rookie Jahr) und b) große Verbesserungen in seinem ersten-Full-time-PG-Job gezeigt hat. Eventuell lässt sich daraus eine Trajektorie ableiten.

    Jeder Spieler hat Flaws und red flags, aber seine sind IMO die, mit denen ich als Franchise am ehesten leben würde. Ich will ihn unbedingt bei den Sixers und hoffe, sie traden sich irgendwie in die #3-#10 range, sonst könnte er weg sein. Würde ich sogar momentan vor Bender nehmen.

  2. kdurant35

    Hui, 3 ist aber sehr gewagt.

    Hab ihn eigentlich frühestens ab 8 auf dem Schirm. Wobei ich den Kings eigentlich nicht zutraue einem Rookie den Aufbau zu überlassen. Bei all den Moves im letzten Jahr verlängern die lieber langfristig mit Rondo ;) .
    Fänd eigentlich die Bucks sehr interessant für ihn. Auch Utah und Chicago hab ich auf dem Schirm. Tiefer wird er wohl kaum fallen.

  3. Tobias Berger

    |Author

    Das Rimfinishing ist schon eine größere Flag. 50 FG%@Rim ist nicht nur nicht gut, sondern schon ziemlich schlecht. Das als fluky Spielzeit abzutun ist nicht so einfach, wenn man sieht, dass der auch als Frosh nicht über 56 FG%@Rim hinauskam. Da muss man echt mal schauen. Aus meiner Sicht fehlte es oft an Touch. Das ist nicht so einfach zu beheben.

    Handling als Baustelle find ich auch immer schwierig. Genau wie der Wurf ist das eigentlich eine Baustelle an der man klar arbeiten kann und so ein klarer Weg zur Verbesserung schon vorgezeichnet ist, wenn sich der Spieler reinhängt. Andererseits gibt es auch einfach oft Limits für jeden Spieler. Kann noch nicht sagen, wieviel besser er werden kann.

    Dritter Punkt ist für mich das Playmaker-Feel. Hab es versucht mit dem Satz zu beschreiben, den du auch schon rausgepickt hast. Baldwin ist nicht schlecht im Spielaufbau, aber es sieht irgendwie nicht natürlich aus. Weiterführende Reads sind (noch) nicht einfach für ihn. Aktuell würde das als Fulltime Playmaker wohl noch recht viele Fehler bedeuten (TOV%!!), auch wenn er teilweise auch schwierige Pässe spielen kann und in der Hinsicht nicht beschränkt ist. Es bleibt aber abzuwarten, ob er höchsten Ansprüchen irgendwann entsprechen kann oder er “nur” ein Spieler bleibt, der einen weiteren aktiveren Ballhandler neben sich braucht und mehr in die Richtung “3&D Combo” geht als langfristig zu einem “Primary Initiator” oder gar “Two-Way-Initiator” zu werden.

    Defense basiert teilweise auch mehr auf Ruf und kleineren gezeigten Sequenzen als auf solider, konstanter Arbeit, wie Smart diese zb am College brachte. Aber das ist ja bei vielen CBB-Spielern so, deshalb würde ich das noch als zu großes Minus sehen.


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