Draftprofile 2016

Henry Ellenson

Marquette Golden Eagles

Datenblatt

Name: Henry Ellenson

Geburtsdatum: 13.01.1997

Größe: 6’10”

Gewicht: 230 lbs

Spannweite: 7’2‘‘

Position: Big

Team: Marquette Golden Eagles

 

Überblick

Stärken/Schwächen | Scouting-Logbuch | Spielervergleich | Videos | Wichtige Spiele | Artikelempfehlungen | Statssektion | Trivia | Twitter

Stärken

Schwächen

+ Faceup Game

+ Postup

+ Passing/Handling/Vision

+ Rebounding

– Defense

– Inkonstanz des Wurfs

Scouting – Logbuch

Update 08.03.2016

Henry Ellenson scheint in erster Linie ein heimatliebender Familienmensch zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass der McDonalds All American, U17-Weltmeister ’14 und folglich Fünf-Sterne-Recruit Angebote der College-Blue-Bloods Kentucky und Michigan State ausschlug, um an die Marquette University zu gehen. Versprachen die Wildcats und Spartans viele Spiele im nationalen Fernsehen, potentiell lange NCAA-Tournament-Runs und Trainingsmöglichkeiten gegen andere NBA-Talente unter der Leitung zweier Hall of Fame-Coaches, so bot das College in Milwaukee etwas, das dem ehemaligen Mr. Basketball aus Wisconsin weder Calipari noch Izzo anbieten konnten – die Chance seine wohl einzige Spielzeit im CBB in seinem Heimatstaat gemeinsam mit seinem Bruder als Teamkollegen zu verleben.

Seine Entscheidung dürfte Ellenson trotz suboptimalem Saisonverlauf bis heute nicht bereuen. Marquette schlug sich als eines der acht jüngsten Teams des gesamten Collegebasketballs durchaus beachtlich. Die Golden Eagles lieferten besonders in den Non-Conference-Spielen wie beim Sieg gegen Ben Simmons und seine LSU Tigers gute Leistungen ab, ehe sie in einer wiedererstarkten Big East etwas Lehrgeld zahlen mussten. Das wird letztlich nur für die Qualifikation für das NIT, der hässlichen Schwester des NCAA-Tournaments, reichen. Dennoch konnte sich Ellenson als Anführer dieser Truppe gut entwickeln und wurde im vielseitigen System vom ehemaligen Duke-Assistent Steve Wojciechowski maximal gefördert und gefordert.

Tools

Schaut man sich Henry Ellenson heute an, so wird es einige Beobachter sicher verwundern, dass der Freshman zu Beginn seiner High School-Zeit als eher massiger Center auflief. Mit rund 260 Pfund Körpergewicht stellte er bis 2013 eine enorme physische Erscheinung dar, der nur wenige andere Teenager gewachsen waren. Ellenson hätte wohl auch am College mit dieser Statur einen mehr als passablen Brettcenter abgeben, entschied sich aber während seines Recruiting-Prozesses dazu abzunehmen, um sein basketballerisches Potential zu maximieren – eine gute Entscheidung. Heute läuft Ellenson bei einer Größe von 6‘10‘‘ mit moderaten 230 Pfund Spielgewicht auf und profitiert von dieser Transformation ungemein. Für einen Athleten seiner Länge wirkt er fast schon leichtfüßig, ohne dabei an Kompaktheit verloren zu haben. Mittlerweile ist er nicht mehr ausschließlich in der Zone zuhause, sondern kann durch die hinzugewonnene Mobilität sein Spiel auch am Perimeter aufziehen. Dies eröffnet ihm völlig neue Möglichkeiten und lässt ihn von einem mittelmäßigen Center-Projekt zu einem extrem spannenden Talent für die Vier werden.  

Transition

Der Fastbreak gehört zu Ellensons großen Stärken. Der Big schaltet bei Ballgewinnen schnell um, weiß welchen Weg er in solchen Sitationen einzuschlagen hat und präsentiert sich dadurch  als verlässliche Anspielstation:

Er kann Schnellangriffe nach eigenem Rebound sogar selbst initiieren. Den Blick stets zum anderen Korb gerichtet, bringt Ellenson Outletpässe an den Mann oder nutzt sein starkes Handling, um als Ballhandler zu attackieren. Dabei ist er nicht so dynamisch wie ein Ben Simmons, trotzdem aber eine nicht zu unterschätzende Kraft, die das Spiel jederzeit beschleunigen kann:

Faceup

Den größten Teil seiner offensiven Arbeit verrichtet der Big aus dem Faceup heraus. Ihm fällt es durch seine Beweglichkeit und seine Fertigkeiten als Dribbler recht leicht im direkten Duell gegen schwerfälligere Gegenspieler zum Korb zu kommen oder Closeouts zu attackieren. Am Ring angekommen, kann er Kontakt noch immer recht gut wegstecken. Einzig der Abschluss gegen sehr lange Verteidigungsreihen will manchmal nicht gelingen und lässt ihn mit nur soliden 61 FG%@Rim dastehen:

Auf College-Ebene konnte Ellenson teilweise sogar aus dem eigenen Dribbling kreieren:

Wurf

Diese einfachen Wege zum Korb eröffnet ihm vor allem sein Wurf. Trotz unterdurchschnittlicher Dreierquote (27,6 3P%) respektieren gegnerische Verteidigungen seinen Schuss, da sie wissen, dass er zu diesem Zeitpunkt zumindest aus der Mitteldistanz schon einen ernstzunehmenden Schützen darstellt (43,7 FG% 2P Jumpers). So kann er Anspiele im Mid- und Highpost ungemein sicher und schnell via Wurf im Korb unterbringen:

Als Pick’n’Pop-Partner ist er zu jeder Zeit gefährlich:

Ellensons Dreier hat sich noch nicht als Konstante manifestieren können. Dies scheint aber nicht an schlechter Technik oder fehlendem Wurftalent (73,7 FT%) zu liegen. Vielmehr müssen nach der Transformation vom Innen- zum Außenspieler wohl nur mehr Wiederholungen her, um den Distanzwurf wenigstens auf einem durchschnittlichen Niveau festigen zu können. An der Wurfbewegung per se gibt es wenig auszusetzen:

Besonderen Mut macht dabei auch Ellensons augenscheinliches Gefühl für Spacing. In diesen Szenen weiß der Big ganz genau, wann er seine Postposition aufgeben muss, um Verteidiger-Verbände unter dem Korb aufzulösen und mit seinem Weg an die Dreierlinie potentielle Drivinglanes zu öffnen. Passenderweise bekommt er danach jeweils den Ball und trifft den Distanzwurf:

Da ich in Ellensons Wurf durchaus Potential sehe, kann an dieser Stelle nur die Auswahl seiner Abschlüsse kritisiert werden. Er hat den Hang, sich zu sehr auf seinen Schuss zu verlassen und geht dem etwas anstrengenderem Zug zum Korb oft aus dem Weg. Zwar lässt sich der Fakt, dass der Freshman nur 26 Prozent seiner Würfe am Korb nimmt, zum Teil auch mit seiner Rolle im Team begründen, die ich im nächsten Abschnitt erklären werde. Allerdings sind andererseits auch solche faulen Abschlüsse aus der langen Zweier-Distanz mit Gegenspieler im Gesicht Schuld an dieser Zahl. Ellenson muss dringend eine bessere Balance finden, um effizienter zu agieren. Derzeit leidet seine Feldwurfquote arg unter solchen Entscheidungen (44,4 FG%):

Postup

Ellenson wird bei Marquette nicht übermäßig oft in Korbnähe eingesetzt. Dies liegt aber nicht an plötzlich zurückentwickelten Postskills, sondern eher an dem Fakt, dass zur besten Fünf der Golden Eagles mit Luke Fisher ein echter Brettcenter gehört, der den variableren Ellenson in seiner offensiven Rolle klar nach Außen drängt. Dennoch ist in den Szenen in unmittelbarer Korbnähe zu sehen, dass sich der Freshman auch mit weniger Kilos auf den Rippen noch immer gut in der Zone zurechtfindet. Ellenson besticht durch ein gutes Gefühl für Positioning und weiche Hände. Postentries aller Art hält er sicher fest. Er verfügt nicht über das größte Arsenal an Moves, brilliert dafür aber mit einem guten Touch und der Möglichkeit mit beiden Händen abzuschließen:

Aus dem Postup heraus kann er aber auch schnell in Wurfmodus schalten und den Jumper selbstbewusst verwandeln:

Passing

Starke Courtvision und sehr gut ausgebildete Passfähigkeiten (11,3 AST%) stellen die letzten Schmankerl dar, die Ellensons Offensivspiel hervorragend abrunden.

Er nutzt diese Skills-Combo im Highpost…:

…im Lowpost…:

…und sogar als Driver, wenn die Defense über ihm kollabiert:

Defense

In der Verteidigung reißt Ellenson gelinde gesagt keine Bäume aus. Er kann als Post Defender es Gegnern schon erschweren, in ihre Spots zu kommen und Würfe teilweise mit seiner Länge etwas verändern:

Dabei bleibt es in Ringnähe aber auch oft, da ihm in Sachen Rimprotection Timing, Gefühl und Sprungkraft zu fehlen scheinen:

Hinzu kommen technische Fehler, wie hier beim Positioning:

Seine Blockzahlen sind mit 4,5 BLK% eher unterdurchschnittlich und lassen für die NBA erahnen, dass er nur neben einem echten Ringbeschützer wird auflaufen können. Die von ihm über die Saison gesammelten 47 Rejections stammen meist aus solchen Szenen und versprechen wenig Defensivanker-Potential:

Am Perimeter sieht es ähnlich aus. Ellenson hätte bspw. als Pick’n’Roll-Defender wegen seiner Mobilität schon Potential auf ein überdurchschnittliches Niveau, bringt sich aber durch Stellungsfehler selbst aus der Balance und manövriert seine Teamdefense in schlechte Positionen:

Aber immerhin stellt Rebounding für den Freshman-Big kein Problem dar. Beim Abgreifen von Abprallern beweist Ellenson zumindest am eigenen Korb enormes Talent (24,1 DRB%), da er gute Instinkte mit Timing und Technik verbindet. Ein Blick auf Bilderbuch-Ausboxen nach hartem Positionskampf:

NBA – Position?

Ellenson wird schnelle NBA-Wings nur schwerlich verteidigen können. Andererseits taugt er auch nicht als Ringbeschützer. Dies macht ihn zumindest defensiv zu einem Tweener und stellt Coaches vor Probleme. Der Freshman wird sich deshalb Spielzeit zunächst eher über seine Offense erarbeiten müssen. Dafür ist es aber unerlässlich, dass sich sein Wurf stabilisiert und im Idealfall natürlich auch von hinter der NBA-Dreierdistanz funktioniert, um als klarer Stretch-Vierer auflaufen zu können. Auf Ellenson wartet im Sommer also noch eine Menge Arbeit. Zu negativ muss man aber nicht gestimmt sein. Der Bigman ist erst im Januar 19 Jahre alt geworden und steht damit noch am Anfang der durchschnittlichen Entwicklungskurve eines Bigman-Talents.

Spielervergleich

Ein Big mit gutem Rebounding, ein bisschen Passing, etwas Shooting und wackliger Defense – das ist schon ein Profil, das einem Basketballer einen NBA-Job sichern sollte, sofern er in der Teamdefense versteckt werden kann. Am unteren Ende des Spektrums sollte Ellenson mindestens eine Art Josh McRoberts werden, der als Big mit vielen Skills im richtigen System sehr wertvoll sein kann. Für recht wahrscheinlich halte ich eine Entwicklung hin zu einem Spieler vom Level eines Nikola Mirotic. Der Best Case für Ellenson wäre wohl eine Light-Version von Kevin Love.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

StatsvergleichBigs2016

Videos

Statssektion

High School:

27.2 P / 13.1 R / 2.7 B / 1.7 A als Senior

Awards:

2015 Co-Mr. Basketball (WBCA)
2015 First Team All-State – Div. 2 (WBCA)*
2015 McDonald’s All-American
2015 Gatorade Player of the Year

Twitter

@HenryEllenson13

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