ratiopharm Ulm, Scouting, Telekom Baskets Bonn

Ulm und Bonn beim Gezeiten Haus Cup in Rhöndorf

Erste Erkenntnisse der Preaseason: Die Ulmer Big-Men, Aaron White und weitere Geschichten der Preseaon

Die Preaseason ist noch jung, sehr jung. Am vergangenen Wochenende starteten viele Teams mit den offiziellen Saisoneröffnungen oder ersten öffentlichen Testspielen vor den eigenen Anhängern in die Vorbereitung auf die neue Spielzeit. Erkenntnisse über das Teamkonstrukt zu gewinnen ist nur schwerlich möglich. Vielmehr geht es bisher meist darum, die Tendenzen der eigenen Mitspieler weiter kennenzulernen und das eigene Playbook sicher durchlaufen zu können. 

Darum ging es auch den Telekom Baskets und ratiopharm Ulm, die beide über das Wochenende in Rhöndorf zum Gezeiten Haus Cup gastierten. Komplettiert wurde das Feld von den Gastgebern, den Dragons Rhöndorf, die in der kommenden Saison in der ProA an den Start gehen, sowie den ECE Bulls Kapfenberg. Die Österreicher sind in der Heimat ein Dauergast in den Playoffs und amtierender Verteidiger des nationalen Supercups. 

Ergebnisse Gezeiten Haus Cup

Samstag, 5.9.2015
ratiopharm ulm – ece bulls Kapfenberg                      83:74
Dragons Rhöndorf – Telekom Baskets Bonn             66:81

Sonntag, 6.9.2015
Dragons Rhöndorf – ece bulls Kapfenberg                 69:87
Telekom Baskets Bonn – ratiopharm ulm                  87:93

Disclaimer: Für die Bonner war es das erst zweite Testspiel und auch die Ulmer befinden sich in ihrem Findungsprozess noch lange nicht am Ende. Die folgenden Erkenntnisse sind dementsprechend mit viel Vorsicht zu genießen, sind sie doch nur die subjektive Wahrnehmung aus einem Wochenende Gezeiten Haus Cup.

ratiopharm Ulm

Bereits vor einigen Monaten hatten wir hier an dieser Stelle über die neue Kaderzusammenstellung der Spatzen berichtet. Auf den großen Positionen bietet sich mit Neumann, Rubit und Morgan eine extrem hohe Flexibilität in Ausrichtung und Spielweise. Leibenath startete mit Morgan und Rubit in die Halbfinalpartie. Die weiteren drei Spots füllten Per Günther, Joschka Ferner und Da’Sean Butler. Carlon Brown und Taylor Braun, zwei wohl wichtige Spieler für die neue Saison, fehlten jedoch verletzungsbedingt bei der Auftaktpartie. 

Leibenath ließ Rubit und Morgan verstärkt aus dem klassischen Horns-Set (beide am High-Post gehen ins Pick&Roll mit Günther) agieren, wobei Morgan tendenziell mehr zum Korb abrollte und Rubit sich an der Drei-Punkte-Linie orientierte. Als vorteilhaft erwies sich, dass alle drei Big Men den Dreier nehmen und auch treffen können, was unter dem Korb große Räume öffnet. Rubit selbst nutzte auch folglich gerne den Pump-Fake aus der Distanz, um anschließend zum Korb zu ziehen. 

Als Rubit nach 14 Minuten das Spiel angeschlagen beenden musste, spielte sich die Kombination aus Morgan und Philipp Neumann in den Vordergrund, bis auch der deutsche Center zehn Minuten später mit einer Knöchelverletzung auf der Bank Platz nehmen musste. Morgan ermöglicht sein Skill-Set, das eigene Spiel dem jeweiligen Kompanion anzupassen. Neben Neumann verlagerte er seine Aktivitäten verstärkt auch auf den Flügel, sofern sich Neumann unter dem Korb in Position brachte. Mit beiden auf dem Parkett wanderte der Ball viel häufiger zu direkten Post-Up Situationen unter den Korb, als dies noch mit Rubit der Fall war. 

Nachdem im Laufe der Partie auch Augustine Rubit und Phillip Neumann mit Verletzungen das Feld verlassen mussten, spielte sich besonders Joschka Fischer in den Fokus. Mit 13 Punkten und fünf Rebounds in 34 Minuten zeigte er mit einem mutigen Auftritt deutlich sein vorhandenes Potential. Fällt der Dreier (1/5 gegen Kapfenberg) konstanter, ist er sicherlich eine gute Option für einige Minuten auf dem Feld. 

Auf den „Positionen“ 1-3 ließen die Ausfälle von Brown und Braun große Erkenntnisse nicht zu. Mehr experimentierten die Süddeutschen mit verschiedenen Lineups. Nicht zuletzt versuchte es Leibenath in einer extrem kleinen Aufstellung mit Günther, Dorsch, Kane, Ferner und Morgan, in der jeder mindestens den Dreier aus der Ecke sicher verwandeln konnte. Viel Spielzeit ging dabei an die junge deutsche Garde um Ferner (34 min), Brembly (8), der sich weitestgehend nicht hervortun konnte, Dorsch und Rohwer (jeweils 8).

Auch Da’Sean Butler versuchte es kurzzeitig neben Neumann unter dem Korb, als Butler seinem Gegenspieler auf der Position Vier mit seiner Schnelligkeit überlegen war. Nichtsdestotrotz ist es recht unwahrscheinlich, dass wir in der kommenden Saison eine solche Aufstellung mit beiden öfters zu sehen bekommen. Wahrscheinlich ist es noch zu früh, um aus diesen Eindrücken viel auf die neue Spielzeit zu übertragen. Auch, weil die Gäste aus Österreich offensiv ohne viel Druck spielten. Häufig nahmen sie frühe Würfe, spielten nur selten ihre Systeme konkret durch, konnten das Spiel gen Ende trotzdem spannend gestalten und in Führung gehen. 

Unzufrieden zeigte sich Leibenath besonders mit der Transition Defense seiner Mannschaft, die häufig die Schützen erst weitgehend unbeachtet ließ und sich im Sprint nach hinten des öfteren als die langsamere Mannschaft erwies.  

Telekom Baskets Bonn

Für die Telekom Baskets Bonn ging es in der Auftaktpartie, wie gewohnt gegen den Kooperationspartner aus Rhöndorf, um den Einzug das Finale. Dabei musste auch Mathias Fischer auf die angeschlagenen Isaiah Philmore (Leiste) und Michal Chylinski (Aduktorenzerrung) verzichten. 

Mit viel Spannung erwarteten die Zuschauer Aaron White. Der 22-jährige US-Amerikaner wurde im diesjährigen NBA-Draft an 46. Stelle von den Washington Wizards gedraftet und gilt bei Vielen nun als Bonner Königstransfer der Transferperiode. Bis zum „potenziellen MVP“ ließen sich die Expertenmeinungen über den Power Forward aufspannen. In den ersten Minuten der Partie ließ er erahnen, über welche weit gefächerten Fähigkeiten er verfügt: Er fing einen Pass am Perimeter ab und vollendete mit dem krachenden Dunk im Fastbreak, traf den Dreier aus der Ecke, blockte den gegen ihn aufpostenden Robin Lodders, fand nach dem Drive den offenen Andrej Mangold jenseits der Drei-Punkte-Linie.
White ist weiterhin jedoch anzumerken, dass er erst frisch vom College kommt und mit dem europäischen Spiel noch nicht völlig vertraut ist. So unterliefen ihm drei Schrittfehler, nachdem er von der Dreierlinie zum Korb ziehen wollte. Entsprechend gab es von Assisant Coach Chris O’Shea in der Halbzeit Nachhilfe in Sachen Schrittfehler und wie sie zu vermeiden sind. In der Folge konnte er dies jedoch schnell abstellen und sich regelkonform zum Korb bewegen.

Ich glaube (Aaron) hat heute gezeigt, was er gut kann: Den Dreier kann er gut werfen, er kann zum Korb penetrieren, ist sehr schnell im Fastbreak, kann springen. Er ist ein sehr interessanter Spieler. Er muss sich noch ein wenig an das europäische Spiel gewöhnen, aber ich denke, es wird sich sehr schnell erklären.
– Chris O’Shea

Auf der anderen Seite zeigte er mit zwei abgefangenen Bällen und der folgerichtigen Verwertung am anderen Ende des Parketts gute Antizipationsfähigkeiten sowie eine hohe Schnelligkeit im Fastbreak, was den Baskets einige leichte Punkte bescherte. 24 Punkte und zehn „Boards“ zeigten am Ende die gute Partie des Bonners in Zahlen auf dem Scouting Report.

So fiel es dem Rookie auch im Finale deutlich schwerer sich gegen ausgewachsene Athleten wie Morgan durchzusetzen. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass er erst seit Beginn der vergangenen Woche mit dem Team trainiere, zeigte sich Headcoach Mathias Fischer sehr zufrieden mit seinem jungen Schützling. 

In der vergangenen Woche hatte Fischer noch die Passqualitäten aus dem Pick&Roll gelobt. Geht er beispielweise mit Klimavicius zusammen aus der klassischen Horns-Aufstellung ins doppelte Pick&Roll, und der Ball wandert vom ballführenden Guard schnell zu White, findet dieser den abrollenden Klimavicius. Dementsprechend, auch da White verglichen mit Klimavicius den Dreier deutlich besser trifft, orientiert er sich nach dem Block tendenziell eher zum High-Post oder gar zur Dreierlinie. 

Dass die Baskets über den Sommer ihre Stützen auf Center (Klimavicius) und Point Guard (Lawrence) hielten, erweist sich nun bereits in den ersten Wochen der Saison als hilfreich. Beide kennen Fischer gut, wobei das Pick&Roll zwischen beiden weiterhin ausgezeichnet harmoniert. 

Hinter der Starting Five aus Eugene Lawrence, Andrej Mangold, Florian Koch, Aaron White und Tadas Klimavicius, lieferten Silas, Rotnei Clarke und Dirk Mädrich wichtige Minuten. Headcoach Mathias Fischer zeigte sich nach vermeidbaren Ballverlusten gnadenlos und wechselt den Schuldigen konsequent aus, waren es doch bereits 12 Ballverluste zur Halbzeit gegen die Dragons. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in die eigenen Set-Plays zu finden, gelang es den Rheinländer stetig besser unter Hinzunahme des eigenen Playbooks zu punkten. Wie auch in der vergangenen Saison, zogen die Bonner viele Optionen aus dem bereits bekannten, kurz zusammengefasst, Zipper Cut in Floppy Action Set-Play: Dieses Grundmuster bietet verschiedensten Spielern diverse Optionen den Korb zu attackieren, da nach dem auftaktgebenden Zipper Cut, statt des Floppy Play auch der Übergang in ein Pick&Roll oder ein Cross-Screen eingeschlagen werden darf.

Weiterführende Erläuterungen zum mitunter wichtigsten Spielzug der Bonner werden im Verlauf der Saison thematisiert.

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