NBA, Oklahoma City Thunder

What will Sam Presti do?

Draft, Trades und Free Agency rund um die Oklahoma City Thunder

Die vergangene Saison wird wohl als die bitterste Spielzeit der Franchise-Geschichte in die Historie der Oklahoma City Thunder eingehen. Schon vor dem Start erlitt Superstar und Team-Captain Kevin Durant einen Fußbruch, von dem er sich bis April nie so recht erholen sollte und folglich nur 27 Spiele bestritt. Und wäre das noch nicht genug, erlitt praktisch jeder Spieler eine oder mehrere langwierige Verletzung, die schlimmsten sicherlich der Co-Star Russell Westbrook (Handbruch), Serge Ibaka (Knie-OP), Steven Adams (ebenfalls Handbruch) und Rookie Mitch McGary (mehrere Fußverletzungen). Das Team konnte so nie in seinen Rhythmus finden, zumal es während der Saison Ärger mit 6th-Man Reggie Jackson um dessen Status gab und in der Folge zwei größere Transaktionen getätigt wurden: Jackson, Lance Thomas, Ish Smith, Grant Jerrett und der langjährige Starting-Center Kendrick Perkins mussten das Team verlassen, neu dabei sind seit Januar bzw. der Trading-Deadline Dion Waiters, Enes Kanter, DJ Augustin und Kyle Singler. Doch auch mit den Neuzugängen und trotz phänomenaler Leistungen des wiedergenesenen Russell Westbrooks wurden die Playoffs knapp verpasst. Anschließend wurde mit Scott Brooks der Trainer entlassen, der das Team zu dem gemacht hatte, was es heute ist – im positiven wie negativen Sinne. Eine durchaus kontroverse Entscheidung, die jedoch schon hier erörtert wurde und deswegen im weiteren Verlauf dieser Betrachtung nicht näher behandelt werden soll.

Nun steht, vor allem vor dem Hintergrund von Kevin Durants Vertragsfreiheit im Sommer 2016, die vielleicht wichtigste Offseason seit dem Umzug nach Oklahoma City bevor. Nach der allgemeinen Meinung müssen die Thunder schon mindestens ins Finale kommen, um ihren Superstar zum Bleiben zu bewegen. Ob das der Realität entspricht, sei einmal dahingestellt. Dennoch wäre es fatal, ein weiteres Jahr mit einer Mannschaft zu verlieren, deren Superstars gerade den Zenit ihres Schaffens erreichen. Wie sollte GM Sam Presti also in Richtung Draftday agieren?

Der Coach

Vor der Betrachtung der Mannschaft sollten wir uns jedoch mit der wichtigsten Personalie des Sommers beschäftigen, die als einzige schon entschieden ist. Als Nachfolger für den entlassenen Scott Brooks verpflichtete Presti den Coach der Florida Gators, Billy Donovan. Der 50-jährige Donovan gilt als einer der profiliertesten und erfolgreichsten Coaches der NCAA. Nach 17 Jahren in Florida und den Meisterschaften 2006 und 2007 wollte er jedoch noch einmal eine andere Herausforderung annehmen und akzeptierte das Vertragsangebot der Thunder. Natürlich birgt es ein gewisses Risiko, für ein Team mit Championship-Ambitionen einen Trainer zu verpflichten, der bisher noch in keinem einzigen NBA-Spiel auf der Bank saß. Die Transformation vom College-Coach in die NBA hat schon öfters funktioniert, ist aber auch einige Male ziemlich in die Hose gegangen. Andererseits wird auch in der NCAA Basketball gespielt. Klar, man hat dort nicht die dominanten Starspieler wie bei den Thunder und die Fluktuation der Spieler ist naturgemäß sehr hoch. Der Sport ist aber derselbe. Billy Donovan ist außerdem – das darf keinesfalls vergessen werden – immer noch ein sehr, sehr guter Coach. Er wird leichte Anpassungen vornehmen müssen; z.B. wird seine Strategie der Verteilung der Scoringlast in der NBA allgemein und bei den Thunder im Besonderen schwer beizubehalten sein. Andere Vorzüge Donovans wie seine Fähigkeit, Spieler zu entwickeln und stets ein gutes Verhältnis zu ihnen zu haben oder auch die Defensivstärke seiner Teams werden sich leicht in die NBA mitnehmen lassen. Als vorteilhaft wird sich dabei erweisen, dass Presti Donovan mit dem kürzlich in New Orleans als Cheftrainer entlassenen Monty Williams einen erfahrenen Coach als Lead-Assistant zur Seite gestellt hat.

Wie wird sich das Spiel der Thunder nun verändern? Die Ziele des neuen Trainers sind natürlich auch bei der weiteren Zusammenstellung des Teams wichtig. Zunächst wird Donovan – wie schon angemerkt – seinen Fokus wohl auf das Installieren einer starken Defense legen. Das Spielermaterial dafür steht im größtenteils in zur Verfügung. Die Thunder waren an sich schon immer ein Defensiv-Team und werden das auch bleiben. Offensiv hat Donovan die Absicht, wie schon bei den Gators eine mehr auf Drive-n-Kick und Passzirkulationen ausgelegte Marschroute zu installieren. Auch hier sollte das Spielermaterial dafür verwendbar sein, man bedenke z.B. Westbrooks-Drive-Fähigkeiten. Anderseits wird auch klar sein, dass die Verantwortung, die auf den Schultern der Stars liegt, in Zukunft vielleicht etwas gemindert wird. Natürlich, Westbrook und Durant werden weiterhin die meisten Würfe bekommen und auch in den entscheidenden Situationen den Ball bekommen. Donovan weiß, dass er sich auf die zwei verlassen kann, allerdings ebenso gut, dass es manchmal sinnvoller ist, etwas teamorientierteren Basketball zu spielen. Hier werden sich die zwei Superstars etwas anpassen müssen, was aber kein großes Problem sein sollte. Neben den spielerischen Veränderungen wird es leichte Veränderungen und deswegen eventuell Anpassungen bei der Spielerentwicklung oder einzelnen Aspekten wie z.B. dem Shooting geben. Neben Brooks wurden auch Rex Kalamian und einige andere Assistants entlassen. Neu ist wie schon angemerkt Monty Williams, zudem sollen sich die Thunder um die Dienste des ehemaligen Detroit-Trainers Maurice Cheeks bemühen.

Das Team

Nachdem die meisten Fragen rund um die sportliche Leitung geklärt sind, kann sich Sam Presti voll und ganz um die Aufstellung einer konkurrenzfähigen Mannschaft kümmern. Natürlich wird er sich dabei auch an den Vorlieben seines neuen Coaches orientieren, allerdings waren einige Probleme der letzten Saison nicht nur auf Verletzungen, Anpassungsprobleme oder Coaching zurückzuführen, sondern auch auf strukturelle Schwächen im Kader. Beispielsweise konnten einige Spieler, die eigentlich gute Rollen spielen hätten sollen, nie eine gewisse Konstanz erreichen, vor allem sind dabei Jeremy Lamb und Perry Jones zu nennen. Allgemein schien der Kader zu vollgestopft mit zu vielen eindimensionalen oder inkonstanten Spielern zu sein. Natürlich braucht ein NBA-Team Spezialisten wie Andre Roberson oder Enes Kanter, die ja beide unterm Strich auch einen positiven Impact hatten, aber wenn die Leistung am schwächeren Ende des Feldes teilweise an Arbeitsverweigerung grenzt und das gleich bei mehreren Spielern im Kader, dann ist das nicht gut für das Team. Bei den genannten Spielern wird die Antwort sicher individuelles Training und Entwicklung heißen, bei einigen anderen eventuell das Ende ihrer Karriere im blau-orangen Jersey. Gesucht werden also Rollenspieler, die zu Durant und Westbrook passen und gleichzeitig ins monetäre Profil der Thunder passen, sprich: nicht zu teuer sind.

Die aktuelle Situation

Das Roster der Thunder sieht zurzeit wie folgt aus, die Zahlenwerte sind die Gehälter in $ in den jeweiligen Jahren (RFA = Restricted Free Agent, UFA = Unrestricted Free Agent):

Name

Alter

Position

15/16

16/17

17/18

Russell Westbrook

26

Ballhandler

16,744,218

17,769,374

UFA

DJ Augustin

27

Ballhandler

3,000,000

UFA

 

Dion Waiters

23

Ballhandler

5,138,430

RFA

 

Andre Roberson

23

Wing

2,183,072

3,222,215

RFA

Anthony Morrow

29

Wing

3,344,000

3,488,000

UFA

Jeremy Lamb

22

Wing

3,034,356

RFA

 

Kevin Durant

26

Wing/Ballhandler

21,221,850

UFA

 

Steve Novak

31

Wing

3,750,000

UFA

 

Perry Jones

23

Wing

2,038,206

RFA

 

Serge Ibaka

25

Big

12,250,000

12,250,000

UFA

Nick Collison

34

Big

3,750,000

3,750,000

UFA

Mitch McGary

22

Big

1,463,040

1,526,040

2,430,981

Steven Adams

21

Big

2,279,040

3,140,517

RFA

 

Free Agents: Enes Kanter (RFA), Kyle Singler (RFA)

Draft: Die Thunder besitzen den 14. und den 48. Pick

Rechte an Spielern: Josh Huestis (Wing, 29. Pick 2014), Alex Abrines (Ballhandler/Wing, 32. Pick 2013)

Abgegebene Draft-Picks: Firstrounddraftpicks 2016 (nach Philadelphia) und 2018 (nach Utah)

Betrachtet man den Kader etwas genauer, stellt man fest, dass vor allem auf dem Flügel eine gewisse Unordnung herrscht. Wie schon angemerkt, weisen einige der Spieler auf einzelnen, wichtigen Gebieten eklatante Schwächen auf. Andre Roberson hat große Probleme mit seiner Offensive, Steve Novak und Anthony Morrow sind dagegen in der Defense z.T. anfällig. Dion Waiters, Jeremy Lamb und Perry Jones sind allgemein viel zu inkonstant und haben noch weitere Schwächen in einzelnen Bereichen des Spiels. Der Rest des Personals besteht aus Stars (Westbrook, Durant, Ibaka), guten Rollenspielern (Augustin, Collison) und jungen Bigmen mit starkem Spiel und viel Potential (Adams, McGary). Zusammengefasst haben die Thunder Bedarf an konstanten Two-Way-Flügeln sowie einem weiteren Ballhandler im Backcourt. Von den „Problemkindern“ dürften Morrow und Roberson ihren Job genauso wie der „Rest“ aufgrund ihrer herausragenden Fähigkeiten beim Dreier (Morrow) und in der Defense (Roberson) sicher haben. Der Rest steht für Transaktionen bereit. Für Presti gilt es dabei, ein solides Gesamtkonzept aus den Bereichen Draft, Trades und Free Agency zu finden. Zu beachten ist hierbei, dass Presti Platz im Kader schaffen muss. Zudem wurde dem Draftee des vergangenen Jahres, Josh Huestis, eigentlich ein Platz im Kader für diesen Sommer versprochen. Wie kann der GM das schaffen? Beleuchten wir die einzelnen Bereiche einmal.

Draft

Im Draft verfügt Presti über den 14. und den 44. Pick. Eigentlich hätte der Firstrounder der Thunder schon dieses Jahr nach Philadelphia gehen sollen, doch eine Protection und das schlechte Abschneiden des Teams verhinderten das. Somit hat Presti zum ersten Mal seit 2009 die Möglichkeit, mit dem eigenen Pick in der Lottery wählen zu dürfen. Sollte er sich dabei entscheiden, wirklich einen Spieler zu draften (Trademöglichkeiten unter Einbeziehung des Picks werden später behandelt), gibt es je nach Bedarf verschiedene Kandidaten. Klar scheint, dass in diesem Fall ein Flügelspieler oder ein Aufbau den Weg nach Oklahoma finden würde. Wer es dann wirklich wird, entscheidet sich dadurch, an welcher Stelle Presti letztlich einen Spieler aussuchen darf. Kann er sich mit einem Trade ein paar Positionen nach oben bewegen, sind die Wings Stanley Johnson und – falls es soweit fällt – Justise Winslow sicherlich am interessantesten. Auch für Cameron Payne, dem Presti angeblich ein Versprechen gegeben hat, ihn zu draften, müsste man wohl etwas früher ziehen dürfen als an 14. Sollte es bei der aktuellen Draftposition bleiben, sind neben Payne der Scharfschütze Devin Booker sowie Sam Dekker und Kelly Oubre Spieler, über die Presti verschärft nachdenken wird. Booker, Johnson und Winslow könnten das Shooting der Thunder auf dem Flügel verstärken und den Backup von Kevin Durant geben, während Dekker und Oubre eher mit Athletik und Größe glänzen, zwei Eigenschaften, die bei Sam Presti eigentlich relativ beliebt sind. Cameron Payne sticht als Ballhandler etwas aus der Masse der Wings heraus. Der Guard könnte hinter DJ Augustin zum Backup, aber auch Partner im Backcourt von Russell Westbrook aufgebaut werden. Wen sollte Presti also schlussendlich ziehen? Wie schon dargelegt, sind die Thunder im Bereich Flügel schon relativ gut mit Spielern ausgestattet, gerade auch mit jungen, unerfahrenen Akteuren. In Punkto Ballhandling klafft dagegen hinter Westbrook und Augustin schon eine gewisse Lücke. Die könnte Payne besetzen, weswegen es klug wäre, ihn zu nehmen, sollte er noch verfügbar sein. Ansonsten sollte Presti den BPA der aufgezählten Flügelspieler nehmen – oder den Pick gleich ganz traden.

Trades

Das Szenario „Presti pickt einfach und tut sonst nichts“ ist allerdings das unwahrscheinlichere des Draftabends am kommenden Donnerstag. Durch die Struktur des Kaders ist der GM fast gezwungen, einen oder mehrere Trades zu tätigen. Jeremy Lamb, Perry Jones und Steve Novak sollten aufgrund ihrer doch eher geringen Bedeutung für das Team und ihrer auslaufenden Verträge als erstes zur Disposition stehen. Gerade Lamb gilt außerdem als Spieler, aus dem tatsächlich noch etwas werden könnte, was ihm einen gewissen Wert verleiht. Der Rest des Kaders kann sich wahrscheinlich eher zurücklehnen, einzig Dion Waiters wäre noch für einen Trade interessant, obwohl das Management ihn im Februar erst geholt hat. Auslaufender Vertrag und zum Teil miese Leistungen machen es möglich. Wie immer gilt, dass genaue Trades gerade am Draft-Day schwer vorherzusagen sind, dennoch sollen hier drei Vorschläge exemplarisch getätigt werden:

  1. Der Trade nach oben

Oklahoma erhält: Matt Barnes, Pick #9

Charlotte erhält: Jeremy Lamb, Perry Jones, Pick #14, Pick #48

Laut Gerüchten sind die Hornets an einem Trade nach unten interessiert, um zusätzliche Assets einzusammeln. Diese Assets wären Lamb und Jones sowie der 44. Pick. Gerade Lamb könnte mit seinem Shooting – eine seiner Stärken – dem schwachen Spacing der Hornets helfen. An Position 14 könnten sie dann noch einen Flügel wie Oubre oder RJ Hunter wählen, die an neun deutlich zu früh kämen. Die Thunder dagegen würden mit Matt Barnes einen zuverlässigen, erfahrenen Small Forward verpflichten, der einen guten Wurf besitzt und zudem auch in der Defense seinen Mann steht. Mit anderen Worten: der perfekte Backup hinter Durant. An Position neun wäre Payne wohl außerdem eine sichere Nummer, mit etwas Glück könnte sogar ein zuvor sehr hoch gehandelter Spieler wie Winslow, Hezonja oder Mudiay bis dahin durchfallen. Und als Bonus würde Presti auch noch sein Roster um einen Spieler verkleinern. Nachteil für OKC: es wäre kaum Geld eingespart worden.

  1. Der Trade nach unten

Oklahoma erhält: Terrence Ross, Pick #20

Toronto erhält: Jeremy Lamb, Perry Jones, Pick #14, Pick #48

Ein Szenario für den Fall, dass für Presti keiner der an Position 14 übrig gebliebenen Spieler attraktiv erscheint, umso mehr jedoch jemand wie Hollis-Jefferson, der an 20 erhältlich sein sollte. Dann könnte ein Geschäft mit Toronto interessant werden, die mit einem solchen Trade den Positionskonflikt zwischen Ross und DeMar DeRozen auflösen könnten, indem sie einfach mit ihrem neuen Pick einen großen Flügelspieler draften würden. Ross könnte bei OKC direkt neben Westbrook starten. Er kann werfen und bringt auch defensiv noch etwas Potential mit, auch wenn er das bisher nicht voll ausschöpfen konnte. Lamb und Jones sind Gehaltsfüller und Beigaben für Toronto, gewissermaßen no-Risk, high-Reward-Akquisitionen, da ihre Verträge eh auslaufen.

  1. Der Trade raus aus dem Draft

Diese Möglichkeit ist angesichts der vielen jungen Spieler im Kader und der eindeutigen Win-now-Situation gar nicht mal so unwahrscheinlich. Presti würde dabei den Pick komplett abgeben – formell müsste er aufgrund der Stepien-Rule jedoch erst jemanden draften und dann den Spieler traden. So oder so, folgender Vorschlag:

Oklahoma erhält: Wilson Chandler, Portlands 2016er Firstroundpick

Denver erhält: Pick #14, Perry Jones, Jeremy Lamb, Steve Novak

OKC würde mit diesem Trade drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie würden ihr Roster deutlich verkleinern, bekämen mit Wilson Chandler einen wertvollen Spieler für die Bank und hätten wahrscheinlich (Voraussetzung: Portland kommt in die Playoffs) einen Draftpick in 2016. Besonders Chandler wäre eine Verstärkung für die Bank, das er auf verschiedenen Positionen (SG, SF, PF) einsetzbar ist, einen guten Wurf mitbringt und auch in der Verteidigung kein Schlechter ist. Der Pick gäbe Presti die Möglichkeit, auch 2016 im Draft flexibel zu sein, denn wie wir wissen geht der eigene Pick bei Erreichen der Playoffs nach Philadelphia. Doch warum sollten die Nuggets dem Trade zustimmen? Nun, Denver befindet sich zurzeit in einer Phase des Umbruchs. Ältere, teure Spieler wie Chandler stören da nur, im Gegensatz zu Leuten wie Lamb oder Jones (Novak würde sicherlich entlassen werden). Bleibt der Tausch der Picks. Dieser ist insofern reizvoll, da derjenige der Blazers durch die Protection niemals ein Lottery-Pick sein wird und wahrscheinlich ungefähr bei Position 20-25 landen wird. Talent, das man in den früheren Gefilden der Draft deutlich einfacher bekommt als in den 20ern, ist aber für ein Team im Umbruch immens wichtig. Deswegen sollte Denver über diesen Tausch nachdenken.

Wie schon angemerkt ist es extrem schwer, Trades genau vorherzusagen. Denn Presti wird versuchen, im perfekten Moment den perfekten Trade abzupassen und wann und was genau das sein wird, ist nicht absehbar. Dass aber ein Trade, der auf die Reduzierung der Anzahl der Spieler und die Verstärkung des Supporting-Casts abzielt, kommen wird, ist relativ wahrscheinlich.

Free Agency

Bleibt als – auch im zeitlichen Ablauf gesehen – letzter Punkt die Free Agency. Prestis Verhalten hier wird im Wesentlichen davon abhängen, welche Entscheidungen er in den Tagen zuvor getroffen hat. Das einzige, was halbwegs sicher ist, ist die bevorstehende Verlängerung des Centers Enes Kanter. Zwar hat der Türke immer wieder defensive Schwächen gezeigt, offensiv harmonierte er aber prächtig mit Russell Westbrook. Und: Presti hat einen Draftpick für ihn abgegeben. Kanter ist Restricted Free Agent, das heißt die Thunder können bei jedem Angebot mitziehen. Nun müsste der Owner Clay Bennett bei einer Verlängerung zwar in jedem Fall die angeblich so gefürchtete Luxussteuer zahlen – doch das hat er in diesem Jahr auch schon und ohne die Absicht, ihn zu verlängern, hätte Bennett kaum diesem Trade zugestimmt. Kanter wird ungefähr 10-13 Millionen $ pro Jahr verdienen und wahrscheinlich einen Fünfjahresvertrag unterschreiben. Im Angesicht des steigenden Caps ist das ein fairer Preis.

Die anderen Entscheidungen werden kniffliger. Kann Presti zum Beispiel einen Flügelspieler der Marke Wilson Chandler per Trade erwerben, würde eine Verlängerung von Kyle Singler – ebenfalls RFA – eher weniger Sinn ergeben. Falls nicht kommt ein weiteres Engagement des Wings durchaus in Betracht und würde wohl zwischen 14 und 18 Millionen $ über drei Jahre kosten.

Alle weiteren Aktionen hängen dann davon ab, wieviel Platz im Kader überhaupt vorhanden ist. Gäbe es noch einen oder zwei freie Rosterspots, wären die ersten Kandidaten sicherlich Josh Huestis und Semaj Christon, die beide bei den Oklahoma City Blue in der D-League spielen und an denen Presti die Rechte besitzt. Huestis, Flügelspieler, würde wohl nur kommen, wenn Singler geht, Christon vor allem dann, wenn hinter Westbrook und Augustin noch ein Platz besetzt werden müsste. Dass die Thunder darüber hinaus noch auf dem freien Markt tätig werden, erscheint dagegen eher unwahrscheinlich. Zu vollgestopft ist der Kader, zu gering der finanzielle Spielraum, zumal die „internen“ Möglichkeiten eben auch vorhanden sind.

Ausblick

Was auch immer Sam Presti am Donnerstag und danach tun wird: sein Ziel wird es sein, in der nächsten Saison ein Team stellen zu können, das um den Titel mitspielen, ja sogar Topfavorit sein kann. Das muss er auch, um Kevin Durant die besten Argumente für einen Verbleib 2016 zu liefern. Deswegen und aufgrund des 2016 deutlich steigenden Caps wird die Luxury-Tax dieses Mal bei der Kaderplanung keine Rolle spielen, sondern klaglos gezahlt werden. Für finanzielle Spielchen ist das nächste Jahr einfach zu wichtig. Ansonsten gilt für Thunder-Fans, besonders bei seinen hervorragenden Leistungen in den Drafts der vergangenen Jahre: Always trust Sam Presti. Der GM wird – hoffentlich – auch dieses Jahr die bestmögliche Lösung finden.

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