BBL, Taktik

Wie Bamberg ALBA Berlin mit einem Spielzug auseinandernahm

Foto: Daniel Löb

Göttingen. Bayreuth. Bonn. Ulm. Crailsheim. Trier. München. Hagen. Braunschweig. Oldenburg. Quakenbrück. Ludwigsburg. Tübingen. Frankfurt. Dies sind die 14 Teams, die in dieser Saison alle schon gegen ALBA Berlin verloren haben – mit einem Abstand von insgesamt 259 Punkten (18.5 im Schnitt). Die Frage, welches Team ALBA schlagen könnte stellte sich nicht mehr. Es ging nur noch darum, ob es überhaupt noch eine Mannschaft schaffen könnte. Die Antwort wurde dann am 2. Weihnachtsfeiertag gegeben, als die Brose Baskets die Hauptstädter aus der Halle schossen (98:69). Wir sind dem Einbruch von ALBA auf den Grund gegangen…  

 

Selten hatte man Sasa Obradovic in dieser Saison so wütend wie an diesem Nachmittag gesehen. Doch der Ärger war dabei nicht auf die Referees bezogen, sondern auf seine eigene Mannschaft. Diese ließ sich über 40 Minuten den Schneid abkaufen und fand zu keinem Zeitpunkt in’s Spiel. Der Grund dafür war die extrem schwache Defense. Wenn der Gegner 98 Punkte auf das Scoreboard bringt, gewinnt man in der Beko BBL nur ganz selten ein Spiel. Das weiß auch Obradovic und so konnte mit der Defense-Leistung seiner Truppe einfach nicht einverstanden sein.    

 

Die Verteidigung des Pick&Roll’s  

 

Die größten Probleme hatte die Berliner-Verteidigung an diesem Nachmittag, wenn es um das Block und Abrollen ging. In meiner ALBA-Analyse noch gelobt, fand diese im Spiel gegen Bamberg praktisch nicht statt. Alle Berliner wirkten müde und langsam, was die Verteidigung des starken Bamberger P&R’s unmöglich machte. Alex King sprach es nach dem Spiel im Interview aus: „Wir rotierten viel zu langsam.“ Genau dies ermöglichte den Franken offene und einfache Würfe, was die Feldwurfquote nach oben schnellen ließ.  

Ein gutes Beispiel ist diese Pick & Pop-Situation direkt zu Beginn. Brad Wanamaker und Josh Duncan laufen das Pick & Pop auf der linken Seite des Courts. Duncan lässt sich zurückfallen, um dann den Pass vom Bamberger PG zu empfangen und abzuschließen. Auffällig ist, wie sich die komplette Berliner Defense auf Wanamaker konzentriert und keiner Duncan im Auge hat. Der Pass hätte sogar genauso gut zu Trevor Mbakwe kommen können, der war nämlich ähnlich frei.

 

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Der Fehler liegt hierbei nicht darin, dass ALBA schlecht rotiert hat, da sie ja hier sogar sehr gut rotiert haben, sondern darin, dass zu viele Spiele sich auf einen Gegenspieler konzentrieren. Wenn Jamel McLean den Drive von Wanamaker stoppen will, muss nicht gleichzeitig noch Marko Banic aushelfen. Sogar Reggie Redding stand noch unter dem Korb, um einen möglichen Korbleger zu verhindern. Bei dieser Defense ist nun der komplette Bereich zwischen Freiwurf- und Dreipunktlinie frei und Duncan bedankte sich mit einem offenen Wurf. Kein Wunder also, dass Duncan am Anfang alles traf.  

 

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Eine weitere Szene, die Nachlässigkeiten in der Verteidigung des Pick & Roll’s bei ALBA Berlin offenbarte, spielte sich Mitte des ersten Viertels ab. Es beginnt mit ganz normaler Flex-Action, also Screen-the-Screener, auf Bamberger Seite. Ryan Thompson stellt erst einen Block für Duncan, der dann auf die linke Seite des Courts abrollt und dort sogar eine gute Low-Post-Position hätte und von Karsten Tadda angespielt werden könnte. Passiert dies nicht, kommt die Screen-the-Screener-Action. Also Thompson, der gerade einen Block gestellt hat, bekommt nun einen Block von Mbakwe, um seinem Gegenspieler auf dem Weg zur Dreierlinie zu entkommen.  

 

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Nachdem Thompson den Ball am Perimter erhalten hat, entsteht sofort ein neues Pick & Roll mit Mbakwe. Hier machen die Albatrosse dann zwei große Fehler. Erst kommt Leon Radosevic unverständlicherweise auf der linken Seite des P & R’s sehr hoch und bringt sich damit gleich in eine schlechte Position. Denn Thompson sieht das und wählt nicht die linke Seite von Mbakwe, sondern die rechte.

 

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So hat Thompson Radosevic auf dem falschen Fuß erwischt und der Big Man der Albatrosse hätte Schwierigkeiten dem Bamberger auf dem Weg zum Korb zu folgen. Doch auch Alex Renfroe macht seine Arbeit nicht sauber: Er will unter dem Block von Mbakwe her gehen, was Thompson natürlich den nötigen Platz schafft, um den völlig offenen Dreipunktwurf zu versenken.  

 

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Genau denselben Fehler macht Reggie Redding dann später auch gegen Janis Strelnieks. Duncan setzt einen einfachen Screen auf der linken Seite des Courts. Redding will unter diesem her gehen, doch Strelnieks schafft sich schnell Platz, empfängt den Pass von Wanamker und versenkt den offenen Wurf von Downtown. Wenn man bedenkt, dass Ryan Thomspom (2/3 Dreier) und Janis Strelnieks (4/6 Dreier) beide gute Schützen von „beyond the arc“ sind, ist diese ALBA-Defense schon fahrlässig.  

Um zu sehen, wie es besser gemacht wird, zeigen wir hier ein Beispiel aus der Pick & Roll-Defense von den Brose Baskets Bamberg. Daniel Theis und Josh Shipp müssen hier ein Block und Abrollen von Reggie Reding und Jamel McLean verteidigen. Gut zu sehen ist, dass Shipp auf jeden Fall über dem Screen hergeht, ob den Wurf von Redding auf jeden Fall zu verhindern. Theis rückt nicht hoch raus, sondern bleibt etwas tiefer, um Redding den Drive zu versperren.  

 

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Nun baut sich Theis vor Redding auf und nimmt ihm so jegliche Wurfchance. Dies hält er aber nur so lange, bis Shipp wieder vor seinem Mann angekommen ist, um ihn zu verteidigen. Dann konzentriert sich Theis wieder voll und ganz auf McLean, da ansonsten der Weg zum Korb für McLean frei wäre.  

 

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Nun ist Shipp wieder vor Redding und somit in der perfekten Position, um dem Berliner Pass UND Wurf wegzunehmen. Theis rückt wieder näher an McLean ran, damit er bei einem noch möglichen Anspiel die Chance hat, den Wurf von McLean zu verhindern.  

 

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Insgesamt muss man aber zu dieser Szene auch noch festhalten, dass das Spacing der Albatrosse hier alles andere als gut ist und sie sich somit gegenseitig die Chance nehmen Freiräume zu schaffen. Das Post-Up von Alex King macht hier nur wenig Sinn, sodass wenige Bamberger hier viele Berliner auf einmal verteidigen können. Irgendwie symptomatisch für den Nachmittag der Hauptstädter.    

 

Das HORNS-Set  

 

Besonders auffällig war ein Spielzug, den die Bamberger immer und immer wieder spielten und genauso oft auch erfolgreich abschlossen. Der Beginn war dabei immer im HORNS-Set. Das heißt: Ein Ballhandler ganz oben, die zwei Big Man auf Höhe der Freiwurflinie und die zwei Flügel in den Ecken.  

 

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Brad Wanamaker, der in diesem Fall der Ballhandler ist, entschied sich dann für eine Seite und bekam den Block gesetzt. Hier entschied er sich für die linke Hälfte des Courts und bekam somit einen Screen von Elias Harris. Dies wurde dann eine Block & Abrollen-Situation, in dem Harris zum Korb abrollt. Daniel Theis, der andere Big Man, ging dagegen in Richtung Dreipunktlinie, um seinen Gegenspieler vom Korb fern zu halten. Sollte Theis‘ Gegenspieler, in diesem Fall Leon Radosevic, sich nun dafür entscheiden Help-Defense zu spielen und somit Harris beim Abrollen zu stören, würde Wanamaker einen Pass zu Theis an der Dreierlinie spielen. Genau das passiert hier und Theis kann den offenen Dreier versenken.  

 

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Genau dasselbe Set wird beispielsweise im letzten Viertel nochmal erfolgreich abgeschlossen. Hier entscheidet sich Wanamaker für die Mbakwe-Seite, weshalb schon sicher ist, dass Duncan es sich wieder an der Dreipunktlinie gemütlich machen wird.  

 

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Wanamaker und Mbakwe laufen das Block & Abrollen und Radosevic ist in einer solch schlechten Position, um es zu verteidigen, sodass McLean zwangsweise aushelfen muss, um einen Dunk des Bamberger Centers zu stoppen. Somit eröffnen sich für Duncan wieder Freiräume und Wanamaker spielt den Pass zurück an den Perimeter.  Splash.  

 

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Einer der besten Spielzüge dieses Nachmittags entstand ebenfalls wieder aus diesem HORNS-Set. Diesmal waren vier von fünf Bamberger involviert, was das Play noch ansehnlicher machte. Wieder starten die Jungs von Andrea Trinchieri in der üblichen HORNS-Aufstellung.  

 

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Wanamaker entscheidet sich dann für die Seite von Daniel Theis und da McLean rotiert, um das Abrollen von Theis zu stoppen, kommt der Pass zurück an die Dreierlinie zu Duncan.  

 

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Da McLean aber hier schnell unterwegs ist, kann er denn offenen Wurf verhindern und zwingt Duncan dazu den Ball noch mal zu dribbeln bzw. zu passen. Der Foward der Brose Baskets bringt nun Ryan Thompson auf der rechten Seite des Courts in’s Spiel. Da dieser ein guter Ballhandler ist, läuft er sofort das nächste Pick & Roll mit Duncan. Duncan rollt schnell ab, sodass die Albatrosse rotieren müssen und nun Renfroe gegen Duncan haben.  

 

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Der Aufbauspieler macht aber noch einen guten Job, um den einfachen Pass von Thompson zu Duncan zu verhindern. Mit McLean direkt vor der Brust, sucht Thompson nun eine Anspielstation und findet sie in Daniel Theis. Der deutsche Big Man bietet sich wunderbar auf Höhe der Freiwurflinie an, um den Pass von Thompson zu empfangen.  

 

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Theis macht das Play in der Folge dann perfekt. Da Duncan von dem wesentlich kleineren Renfroe verteidigt wird, der dazu noch in einer äußerst schlechten Position ist, spielt Theis einen wunderbaren High-Low-Pass, den Duncan dann nur noch verwerten muss (in diesem Fall: Foul). Das ist Bamberger Basketball at its best!    

 

Die ALBA-Offense  

 

Nur einmal zuvor hatten die Jungs von Sasa Obradovic diese Saison weniger als 70 Punkte erzielt – beim 68:58-Sieg über Bayreuth. Gestern war die Offense nicht der entscheidende Faktor für die Pleite, trotzdem wirkte sie längst nicht so frisch wie noch in den Spielen zuvor. 13 Ballverluste verdeutlichen, wie schlecht die Abstimmung in dieser Partie war. Die Spielzüge wurden nicht zu Ende gelaufen, viele Drives waren schrecklich uneffektiv und die besten Albatrosse diese Saison wie Redding oder McLean fanden nie Zugriff auf das Spiel. Häufig sahen die offensive Sequenzen so aus. Vier Spieler standen nur,  Spacing war in großen Teilen gar nicht vorhanden und mehr als ein Pick & Roll kam am Ende nicht heraus.  

 

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Auch wenn es Mithat Demirel nicht als alleinige Entschuldigung gelten lassen wollte: Es war zu erkennen, dass die Berliner mental und physisch extrem müde waren. Einfachste Sets, wie hier ein Pick & Roll von Redding und King endeten in einem Ballverlust. Hier rechnete Redding damit, dass das Ganze ein Pick & Pop werden würde und King zur Dreierlinie abrollen würde.  

 

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Somit war es eigentlich nur die logische Folge, dass die Hauptstädter ohne Chance gegen extrem starke Bamberger bleiben würden. Auch wenn es Obradovic anfangs extrem geärgert hat, es war eine verdiente Niederlage, die in so einer langen und anstrengenden Saison zu erwarten war.    

 

Fazit

 

War das der endgültige Schub für die Brose Baskets? Dieser Sieg sollte den Bambergern viel Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben geben. Sie zeigten in großen Teilen exzellenten Basketball und spielten ihre Spielzüge gut zu Ende. So entstanden immer wieder offene Würfe, die Shooter wie Thompson oder Duncan nur selten verfehlen. Auch der Auftritt der zweiten Garde mit Theis, Harris oder Strelnieks machte Lust auf mehr. Sollten sie diese Leistungen konstant abrufen können, muss mit dem Serienmeister der vergangenen Jahre auch dieses Jahr wieder gerechnet werden…    

 

Alle Recht an den Bildern liegen bei der Telekom.

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