NBA, New Orleans Pelicans

Der Wert eines Blocks

Wie sehr hilft Anthony Davis' Shotblocking den Pelicans?

Anthony Davis ist der Star der neuen Saison. Seine Boxscore-Werte und die Dominanz, mit der der Forward die Pelicans auf einen Playoff-Platz zu führen versucht, beeindrucken die ganze NBA. Besonders hervorgehoben werden dabei seine 3,5 BPG, zurzeit Ligahöchstwert. Von vielen wird er als Elite-Ringbeschützer angesehen, als jemand, der ein Team defensiv zusammen halten kann. Doch stimmt das? Ist Davis das Defensivmonster, zu dem er gemacht wird, oder springt er nur in der Gegend rum und blockt Würfe?

3,5 BPG mögen zunächst erst einmal furchteinflößend wirken. Deutlich weniger Angst machen den gegnerischen Spielern allerdings die folgenden zwei Zahlen: Davis lässt am Ring, also im Bereich 0-3 ft, einen gegnerische Wurfquote von 51,6% zu. Der Ligabeste in dieser Kategorie, Roy Hibbert, schafft überragende 38,5% (mindestens 5 GP, 10 MPG und 4 am Ring verteidigte Würfe pro Spiel). Die zweite Statistik bezieht sich zwar aufs Team, aber es fällt natürlich auch auf den angeblich besten Verteidiger der Franchise zurück, wenn die Pelicans im DRtg Platz 21 belegen.

Wie lässt sich jedoch die Diskrepanz zwischen Blocks per Game und der gegnerischen Wurfquote am Ring erklären? Hierzu sollte man die Lokalisation der Blocks von Davis betrachten. Als Referenz wird hierbei der oben genannte Roy Hibbert genutzt. Ebenfalls dargestellt ist Davis’ Teamkollege Ömer Asik, der ebenfalls als sehr guter Ringbeschützer bekannt ist und bei der gegnerischen Wurfquote am Ring auf 40,8% kommt. Die Bezeichnung „am Ring“ entspricht hierbei der Entfernung 0-3 feet – die sogenannte Restricted Area. Die Zahlen bei den einzelnen Entfernungen beziehen sich auf den prozentualen Anteil der dort erfolgten Blocks:

Spieler

Blocks gesamt

% 0-3 ft.

% 4-10 ft.

% 11+ ft.

% 3P

Hibbert

36

58 %

33 %

8 %

0 %

Davis

42

33 %

40 %

14 %

12 %

Asik

10

80 %

20 %

0 %

0 %

Eine tiefergehende Videoanalyse ergab zudem, dass Hibbert und Asik bei fast all ihren Blocks in der Entfernung von 0-3 feet einem ihrer Teamkollegen zu Hilfe eilen. Davis hat bei diesem Kriterium deutlich niedrigere absolute Zahlen aufzuweisen und auch das Verhältnis Helpdefense bei Blocks in einer Entfernung von 0-3 ft. zu alle Blocks in einer Entfernung von 0-3 ft. ist bei ihm deutlich niedriger.

Bei der Betrachtung der Zahlen fällt vor allem auf, wie selten Davis im Vergleich in der Restricted Area blockt. Die meisten seiner Blocks spielen sich in der Zone ab, immerhin noch 26 % außerhalb davon. Asik und Hibbert dagegen blocken fast gar nicht außerhalb der Zone und am meisten innerhalb der Restricted Area. Gerade Asik weist hier mit 80% eine riesige Quote auf, die natürlich auch durch die bei ihm recht kleine Sample Size zustande kommt.

Ein weiterer interessanter Aspekt des Shotblockings ist, ob es dem Verteidiger gelungen ist, mit dem Block die Possession der angreifenden Mannschaft zu beenden. Es geht also um die Wirksamkeit des Blocks.  Hierbei ist die Quote wichtig, mit der ein Block vom eigenen Team gereboundet wurde. Bei Davis liegt diese Quote bei 66%, Hibbert kann 72% aufweisen, Asik hat mit 90% die beste Quote der drei.

Soweit die Zahlen. Doch was sagen diese über die Defense von Anthony Davis aus?

Zunächst einmal muss klar gestellt werden, welche Zahl am wenigsten für die Bewertung seiner Defense relevant ist. Diese Zahl ist die der Blocks pro Spiel. Warum ist das so? Eigentlich ist die Schlussfolgerung relativ einfach: Block ist nicht gleich Block. Zum einen ist es durchaus von Bedeutung, was für einen Wurf ein Spieler blockt. Laut Prof. John Huizinga produziert ein Layup 1,54 PPP, ein Jumpshot dagegen nur 1,04 PPP. Vereinfacht kann man sagen: Layups werden meist in der Restricted Area geblockt, Jumpshots außerhalb davon. Man kann nun berechnen, wie viele Punkte Hibbert, Davis und Asik jeweils durchschnittlich pro Block verhinderten:

Spieler

BPG

Verhinderte Punkte pro Block

Verhinderte Punkte pro Spiel

Hibbert

2,8

1,330

3,720

Davis

3,5

1,205

4,210

Asik

1,3

1,440

1,872

Es zeigt sich, dass besonders Asik sehr viele Punkte pro Block verhindert, da er die größte Anzahl seiner Blocks in der Zone verbucht. Bei Hibbert ist die Zahl etwas geringer, bei Davis fällt sich noch einmal deutlich ab. Hier zeigt sich eine erste Schwäche in der defensiven Wahrnehmung des Anthony Davis: Er blockt zwar viel – doch seine Blocks sind für das Team nicht so wertvoll wie z. B. die seines Teamkollegen Asik. Zudem muss man berücksichtigen, dass Davis vor allem für seine Blocks zwischen Dreierlinie und Zone oftmals ein hohes Risiko eingeht, da er gewissermaßen „durch die Gegend fliegt“ und so Gefahr läuft einem Pumpfake zum Opfer zu fallen, was wiederum der Verteidigung seines Teams immens schadet. Durch seine Athletik erreicht er zwar mit dieser Taktik viele Blocks, aber er verursacht auch einen hohen Kollateralschaden. Daneben schafft er es bisher nicht unbedingt, dort Blocks abzuliefern, wo sie wirklich wichtig sind: direkt am Ring.

Eine weitere Zahl belegt, dass es auch um seine sonstige Defense am Ring nicht allzu gut bestellt ist. Wie schon erwähnt, erlaubt Davis dem Gegner am Ring eine Wurfquote von 51,6%. Im Vergleich zu Hibbert oder Asik ein lächerlich schlechter Wert. Erschwerend kommt folgender Umstand hinzu: Davis wurde in dieser Saison nur zu einem Prozent seiner Spielzeit als Center eingesetzt, wo er gegen die wirklich großen Jungs der NBA mithalten musste, wo ihm schlicht die Masse, Größe und Kraft fehlen. Wie oben ausgeführt, eignet er sich zurzeit nur begrenzt als Ringbeschützer und Anker einer Defense, eben weil er zu oft im Halbfeld unterwegs ist, anstatt sich um den unmittelbaren Umkreis des Korbes zu kümmern. Die Defense der Pelicans leidet darunter, wenn Davis den Anker geben soll. Ist Davis auf dem Feld, beträgt das DRtg des Teams 104,6.
Omer Asik dagegen taugt deutlich besser als Anker, mit ihm auf dem Feld liegt das DRtg der Pelicans bei 99. Insgesamt jedoch sind die Pelicans ligaweit an Platz 21 im DRtg. Asik ist ein anerkannter Verteidiger – hätte er mit Davis einen weiteren starken Verteidiger an seiner Seite, müsste New Orleans zwingend deutlich besser in dieser Statistik sein.

Hierzu kommt außerdem die Problematik der Beendigung der Possession. Bei Davis’ Ausflügen ins Halbfeld gelangten die Pelicans nur in ca. 62% der Fälle nach dem Block in Ballbesitz. Blockte Davis dagegen in der Restricted Area, lag der Wert bei guten 80%. Davis’ Flugeinlagen schaden also auch an diesem Punkt dem Team. Der Forward sollte sich lieber auf die Restricted Area konzentrieren, wo er mehr Punkte pro Block verhindert und außerdem sein Team nach einer erfolgreichen Wurfabwehr wieder öfter in Ballbesitz kommt. 

Fazit

In den Medien und der allgemeinen Wahrnehmung wird Anthony Davis gerne als bockstarker Verteidiger präsentiert. Die oberflächlichen Boxscorezahlen machen dem gemeinen NBA-Fan diesen Schluss ja auch fast zu einfach. Mit Abstand Führender in der Block-Statistik? Mit 21? Der Junge muss gut sein.

Die tiefergehenden Zahlen belegen jedoch etwas anderes. Ja, Anthony Davis mag durch seine Athletik ein guter Shotblocker sein. Aber: Er erkauft sich diese Zahlen durch Gambling im Halbfeld. Zudem sind die Pelicans 21. im DRtg. Die vielen Blocks von Anthony Davis helfen ihnen zurzeit also auch nicht wirklich. Die Indiana Pacers, das Team von Roy Hibbert, liegt im Gegensatz dazu auf Platz 9 – und das, obwohl Frank Vogels Truppe einige schwerwiegende Ausfälle zu verkraften hat. Wäre Davis wirklich so gut, dann müsste sein Team um einiges besser sein, gerade mit anerkannt guten Verteidigern wie Asik oder Jrue Holiday als Teamkollegen.

Natürlich hat Anthony Davis enormes Potential, auch als Verteidiger, gerade durch seine Schnelligkeit und Athletik. Bis zum Defense Player of the Year ist es für ihn allerdings noch ein langer Weg, bei dem er sich besonders als Anker bewähren muss. Doch Davis ist jung und mit seinem Talent scheint Vieles möglich. Trotzdem ist das noch alles Zukunftsmusik.

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4 comments

  1. Tobias Berger

    Good Job, Sebastian!

    Gibt es Splits für die Spiele ohne Asik? Oder hab ich die jetzt übersehen? (Und ja, Samplesize. Waren ja glaube ich nur 4-5 Spiele bisher.)

    Seine Rolle in der Defense wäre ohne einen zweiten Ringbeschützer ja theoretisch eine andere –> weniger Gambling, was Blocks weiter weg von Korb angeht.

    Meine Vorahnung wäre, dass die Zahlen nicht viel besser aussehen, da ihm bei aller Athletik sicher noch etwas Strength fehlt, um in der Zone besser dazustehen. Man muss außerdem dazu sagen, dass Davis auch am College schon die Tendenz hatte einfach alles zu swatten und damals schon sehr gern bspw. Dreierschützen blockte. Trotzdem war er wohl in der Saison auch der beste Ringbeschützer und gewann den DPotY-Titel ’12. Was in der NCAA gut funktioniert auf dem neuen Level nicht mehr so einfach. Bei den Pros müsste er sich anscheinend mehr zügeln, was seine weiten Ausflüge angeht, wie du es schön beschreibst.

  2. Dennis Spillmann

    Ohne Asik sind 38% der Blocks direkt am Ring. Da verändert sich nicht so viel. Man muss aber auch sehen, dass mit Ajinca ein nomineller Center neben Davis startete und sich die Rolle gar nicht so sehr verändert hat, wie du vielleicht annimmst.

  3. Sebastian Seidel

    Ohne Asik sind 38% der Blocks direkt am Ring. Da verändert sich nicht so viel. Man muss aber auch sehen, dass mit Ajinca ein nomineller Center neben Davis startete und sich die Rolle gar nicht so sehr verändert hat, wie du vielleicht annimmst.

    Naja starten und viele Minuten sehen ist ja dann doch nochmal ein Unterschied. Nach meinem persönlichlichen Eindruck/Gefühl hat Davis schon deutlich öfter auf Center agiert/agieren müssen, als Asik nicht gespielt hat.

  4. Dennis Spillmann

    Die Blocks haben sich ja auch leicht in Richtung Ring verschoben. Mir ging es nur darum, dass Davis’ Rolle sich nicht so sehr veränderte wie evtl. angenommen. Man hätte ja auch direkt mit Ryan Anderson neben ihm beginnen können. Bkref fand aber fast immer einen nominellen Center neben Davis, der auch ohne Asik sehr aktiv ist und nicht nur am Ring parkt.


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