Dallas Mavericks, NBA, Playoffs 2014, San Antonio Spurs

Überraschungen in Texas

Oder: Wann wird die Ausnahme zur Regel?

Die Erwartungen an die Spurs-Mavs-Serie gingen bei praktisch allen Experten in die gleiche Richtung: Das Qualitätsgefälle in der Defense würde den Ausschlag zugunsten San Antonios geben. In den ersten beiden Spielen zeigte sich allerdings das Gegenteil, die Spurs-Offense geriet ins Stocken, nur ein Mavs-Einbruch in Spiel Eins rettete immerhin einen Sieg. Damit stellt sich die Frage: Sind diese Probleme Sonderfälle, oder könnte Dallas die Überraschung schaffen?

Prognosen widerlegt

Konkret schiendirknowitzkisad es, als würden zwei Zahlenpaare den Ablauf der Serie vorherbestimmen: Während zwar beide Teams offensiv in der Regular Season zur Ligaspitze zählen (
DAL 109 Punkte pro Possession oder Platz 4/SA 108,2 und Platz 6
), stehen die Spurs defensiv knapp 20 Plätze vor dem Konkurrenten (101,1 und Platz 4 statt 105,9/22). Auch optisch konnten die Mavs diesen Eindruck selten zerstreuen – das Team war defensiv schlicht bestenfalls durchschnittlich. Auch ein Rückblick auf die letzten texanischen Duelle konnte den Mavs-Fans keine Hoffnungen machen. Nicht nur 2013/4 stand ein 0 zu 4 in der Serie zu Buche, auch in den Jahren zuvor gelang kaum ein Sieg. Sollte also die Serie ‚normal‘ verlaufen, würden die Mavs nicht ausreichend zum Scoren kommen und allenfalls durch außergewöhnliche Performances einzelne Siege erzielen. Entsprechend fiel auch die Prognose aus – nur wenn Nowitzki und Ellis über Regular Season-Niveau scoren könnten, hätte Dallas eine Außenseiterchance.

Star-Scoring

Nowitzki Ellis

Wie hier zu sehen, ist genau das Gegenteil der Fall: Die beiden ersten Offensivoptionen der Mavs treffen bisher unterdurchschnittlich bis desaströs. Während Ellis in Spiel Zwei trotz ausbaufähiger Quoten (8 von 20) ein insgesamt gutes Spiel machte, scort Nowitzki noch nicht annähernd den Erwartungen entsprechend. Zwar wirft er wie auch Ellis mit leicht höherem Volumen, die Effizienz bleibt dabei aber bisher auf der Strecke. Ein Blick nur auf diese – nach zwei Spielen natürlich nur begrenzt aussagekräftigen – Zahlen allein hätte also ein Desaster vermuten lassen. Dass trotzdem stattdessen die Spurs vor Problemen stehen, zeigt den absolut überraschenden Verlauf der Serie.

Stats Duncan Parker Ginobili

Was steckt also dahinter? Auf jeden Fall sind es nicht die Stars der Spurs, die für die bisherigen Probleme verantwortlich sind: Im ersten Spiel trugen Parker und Duncan die Spurs zum Sieg, während Ginobili in Spiel Zwei mit 27 Punkten aus 12 Würfen überzeugte. Abgesehen von den etwas wenigen Würfen Duncans bei der Niederlage findet sich hier wenig zu bemäkeln, mehr exzellente Quoten bei gesteigertem Wurfvolumen sind offensiv kaum zu erhoffen. Entsprechend sind auch die Defensiv-Schemata der Mavs – Marion gegen Parker, Switches auf die Big Men zuzulassen – nicht zwingend der überraschende Erfolg, zu dem sie teilweise gemacht werden: In Parker und Ginobili haben die beiden primären Ballhandler der Spurs vergleichsweise wenige Probleme, obwohl letzterer mit 6 Turnovern in Game 2 seinen Beitrag zu den miserablen 22 insgesamt lieferte.

… ohne Unterstützung

Stats Spurs

Ein Blick auf die Statistiken der übrigen Spurs erklärt dafür etwas mehr. Außer bei den drei älteren Herren liegen die Wurfquoten bei klar unter 50%, selbst mit Einbeziehung von Frei- und Dreipunktwürfen schafft nur Tiago Splitter noch immerhin 51% True Shooting Percentage.
Das Ergebnis: Die Punkte der restlichen Rotationsspieler haben sich im Vergleich zur Regular Season halbiert. In der Ursachenforschung könnte man zuerst auf die Verteidigung der Mavs kommen, die zumindest das Ballmovement der Spurs einschränkt. Im ersten Spiel hatten die Spurs davon nicht komplett zu trennende Probleme aus der Distanz (3 von 17), während im zweiten Spiel die Quoten insgesamt für San Antonio sprachen. Die bereits erwähnten 22 Turnovers geben daher mehr Aufschluss: Die Schwierigkeiten des Spurs-Supporting Cast sind zu einem erheblichen Teil selbst verschuldet. Auch die defensiven Matchups zu Spielbeginn lassen kaum einen anderen Schluss zu – Ellis und Calderon sind für Leonard und Green zuständig. Damit hat Leonard etwa einen Größenvorsprung von deutlich über 10 Zentimetern, kommt aber praktisch nicht zu Korberfolgen in der Zone. Gegen einen bekanntermaßen unterdurchschnittlichen Verteidiger, der zudem außerhalb seines Spielertyps verteidigen soll, sind solche Werte nicht akzeptabel.

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Kawhi Leonards Shotchart Spiele 1+2

Es ist also klar, dass die Spurs mehr Leistung insbesondere von ihren kleineren Spielern erwarten können und müssen, Diaw und Splitter verteidigen immerhin Nowitzki erfolgreich. Natürlich ist der Beitrag der Mavs nicht komplett zu vernachlässigen, insbesondere die Bankspieler haben einen erheblichen Beitrag geleistet. Devin Harris war wohl in beiden Spielen der beste Mav, und trotz Ginobilis Zahlen gewinnt Dallas das Duell der Ersatzleute bisher.

Stats Teams

Interessant ist hier eine weitere Regular Season-Statistik, die eine gewisse Erklärung liefern könnte: Hinter den defensivorientierten Grizzlies und Pacers ließen die Mavs die drittwenigsten Punkte der gegnerischen Bankspieler zu.

Fazit

Damit bleibt: Die bisherigen Spiele sind alles andere als wie erwartet verlaufen. Die Mavs hatten in beiden Spielen längere Phasen – am Anfang beider Spiele sowie am Ende des ersten – praktisch ohne Punkt, die wichtigsten Scorer treffen kaum. Die Spurs warfen in Spiel Zwei immer wieder den Ball weg und konnten ihre Ergänzungsspieler offensiv kaum einbinden. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass sich diese Faktoren wiederholen, aber praktisch nehmen die Besonderheiten den ersten Spielen die Aussagekraft für den Rest der Serie. Beide Teams dürften klares Verbesserungspotential sehen, wenn Nowitzki und Ellis beziehungsweise Leonard und Co. wieder treffen, ändert sich die Serie komplett. Es sind also die Coaches gefragt, bei Popovich und Carlisle eine vielversprechende Aussicht. Den Spurs dürfte daran gelegen sein, die Serie zu normalisieren, während die Mavs wohl zu Recht weiter an möglichst überraschenden Spielen arbeiten – um dann eventuell am Ende auch ein überraschendes Ergebnis mitzunehmen.

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