5-on-5, NBA

5-on-5: Die NBA vor dem All-Star-Break

In-Season-Moves, Playoffrennen, RoY

Die NBA-Saison schreitet uneinholbar voran und mehr als die Hälfte der Saisonspiele sind bereits bestritten worden. Kurz vor dem All-Star-Break ist dies Grund genug für die Redaktion, um auf die bisherigen Geschehnisse und in die Zukunft zu blicken.

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Was war der bisher schlechteste In-Season-Move in dieser Saison?

Dennis Spillmann: Dass die Detroit Pistons weiterhin an Coach Maurice Cheeks festhalten und ihn nicht bereits gefeuert haben. Detroit hat im miserablen Osten nur 40% seiner Spiele gewonnen und das liegt nicht daran, dass sie nicht genug Talent besitzen, sondern zu großen Teilen, dass sie ihre teuerste Off-Season-Akquisition Josh Smith so falsch wie möglich einsetzen. In den drei Lineups, in den Smith am meisten genutzt wird, werden die Pistons jeweils ausgescort. Das liegt daran, dass Smith in 2 von 3 Lineups den Small Forward gibt (so wie in 57% der Zeit, in der er auf dem Feld steht), in der dritten Lineup spielt er neben Greg Monroe, nicht neben Drummond.
Die einzig erwähnenswerte Lineup mit Drummond und Smith auf Big (und Jennings, Stuckey, Singler auf Small) dominiert den Gegner mit durchschnittlich 8,3 Punkten auf 100 Possessions. Wer nicht erkennt, dass Josh Smith auf Big gehört – und damit defensiv weit mehr Impact hat als auf dem Flügel -, sollte kein NBA-Team coachen.
(Anm. d. Red.: Cheeks ist gestern entlassen worden.)

Jan Karon: Beim Trade von Jordan Crawford verkauften sich die Boston Celtics stark unter Wert. Crawford war primärer Ballhandler in Boston und seine Statistiken mögen dadurch inflationär und überhöht sein. Sicherlich wollen die Celtics tanken, und gewiss machte Rajon Rondos Rückkehr Crawford ersetzlich. Dennoch: Wir haben es hier mit einem fähigen Basketballspieler zu tun. Einem Guard, der in 31 Minuten 13 Punkte, sechs Assists und drei Rebounds beisteuern konnte. Crawford war definitiv wertvoller als Joel Anthony, ein Zweitrunden-Pick, der auf Miamis Bank vergraben war, sowie eine Handvoll wertloser Zweitrunden-Picks. Golden State gewann bei diesem Trade einen legitimen Ballhandler, der Steph Curry und Klay Thompson entlasten kann, während Boston sich vorwerfen lassen muss, nicht ansatzweise legitimen Gegenwert erhalten zu haben.

Artur Kowis: Nach der Entlassung Cheeks’ bleiben zwei Organisationen im Osten, die ähnlich planlos und mit mehr Niederlagen auf dem Konto als nötig umher dümpeln: Die Cleveland Cavaliers und Washington Wizards. Auch hier sollte man das Coaching hinterfragen. Mike Brown gelingt es weder, eine Offensive mit Kyrie Irving als Antrieb zu entwickeln, noch scheint er als Typ “player’s coach” in der Lage, Ruhe und Disziplin in einen dysfunktionalen Kader zu bringen. Als defensiver Coach agiert eine von ihm betreute Mannschaft nun das zweite Jahr in Folge in der Verteidigung unterdurchschnittlich. So langsam müssten den Cavaliers die Pro-Brown Argumente asugehen. Ähnliches gilt für Randy Wittman. Die Wizards sind zwar nicht das Offensivwrack des letzten Jahres (schlechtestes ORTG 2012-13 mit 100.2), jedoch agieren Sie auch  dieses Jahr deutlich unterdurchschnittlich. Die hohe Rate an Dreiern, besonders aus der Ecke ist sicherlich auch ein Verdienst von Wittmann, jedoch ist das unansehnliche Mid-Range Geballere ebenso ein typisches Merkmal dessen Stils, und dazu eine Verkennung des Potentials um das Guard-Duo John Wall und Bradley Beal.

Julian Lage: Der Wert an sich war gar nicht so schlecht, aber die Situation der Cavs – vor und nach der Transaktion – macht den Luol-Deng-Trade zu meinem Sieger in dieser wenig schmeichelhaften Kategorie.
Cleveland hielt mit dem Trade an der Route Playoffs fest, obwohl weder die spielerischen Leistungen noch die Bilanz Grund dazu gaben. Auch nach dem Trade veränderte sich nichts zum besseren, die Folge: Deng wird die Cavs aller Wahrscheinlichkeit nach am Ende der Saison verlassen und damit nur Assets gekostet und die Draftposition verschlechtert haben. Die Entlassung von GM Chris Grant war die logische Folge, nachdem sein Rettungsanker so ins Leere griff.

Jonathan Walker: Kobe Bryants vorzeitige Vertragsverlängerung über $48.5 Mio. und zwei Jahre im November. Kobe hatte zu diesem Zeitpunkt noch einige Wochen Reha nach seinem Achillessehnenriss vor sich. Niemand wusste, wie er zurückkommen würde. Mittlerweile wissen wir, dass Bryant nicht annähernd in alter Form zurückkehrte (ORtg 84!) und sich nach sechs Spielen erneut verletzte. Warum die vorzeitige Verlängerung? Die Lakers haben nächsten Sommer Capspace und wollen neue Starpower nach Los Angeles locken. Diesen Capsspace beschnitten sie vorzeitig um $23.5 Millionen Dollar, völlig ohne Not. Gegen wen wurde geboten? Es gab keine Konkurrenz und es hätte im Sommer wohl auch genauso wenig welche gegeben. Man hätte sich jedoch dann ein besseres Bild von Bryant, dem Team und der Situation machen können und dann in Ruhe verhandeln und entscheiden können. Diese Chance wurde verpasst, was rational nicht erklärbar ist.

Was war der bisher beste In-Season-Move in dieser Saison?

Dennis Spillmann: Der Trade der Memphis Grizzlies für Courtney Lee. In Memphis dachte man wahrscheinlich zunächst, dass man mit Jerryd Bayless den besseren Scorer abgibt und diesen gegen einen Verteidiger eintauscht, aber selbst das Scoring hat Lee mehr als kompensiert. Neben der Verteidigung gibt er den Grizzlies das Element, das nach der Verletzung von Quincy Pondexter ihr größter Mangel war: Spacing durch den Dreipunktewurf. Lee trifft in Memphis knapp 41% seiner Versuche und agiert allgemein hocheffizient. Dies freut die Grizzlies so sehr, dass sie Lee mittlerweile über 30 Minuten (10 mehr als Bayless) in der Rotation einräumen.

Jan Karon: Wenngleich Rudy Gay dieser Tage viel Liebe erhält und seine Leistungen sich in Sacramento tatsächlich stark verbesserten, bin ich großer Fan des Trades von Masai Ujiri. Gay war Gift für ein Team, das seine erste Offensivoption in DeMar DeRozan und seinen Anführer in Kyle Lowry gefunden hatte. Ein schwarzes Loch, das Würfe und Possessions beansprucht, aber nicht ansatzweise so effizient wie seine Backcourt-Kollegen ist. Seit Gay weg ist, sieht man jedoch, dass weniger – wie bekanntlich so oft – mehr sein kann: Die Raptors haben seit dem 8. Dezember 20 ihrer 32 Spiele gewonnen, DeRozan legt im Kalendarjahr 2014 25.3 PpG, 5.1 RpG, 5.2 ApG bei einem Offensivrating von 117 auf. John Salmons’ Vertrag läuft aus, Greivis Vasquez und Patrick Patterson zeigten sich als legitime Backups. Letzterer wirft 51/47/74 seit seiner Ankunft in Kanada. Für die Toronto Raptors stellte der Trade Gays nicht nur finanzielle Entlastung dar, sondern verbesserte in bester “Addition by Subtraction”-Manier sogar das Teamgefüge.

Artur Kowis: Memphis Grizzlies, James Johnson und Courtney Lee. Für eine Mannschaft, die so nah an der Tax wirtschaftet, ist es besonders schwierig, produktive Spieler zu finden. Die Grizzlies landeten bereits im Dezember einen Glückstreffer mit James Johnson. Der 26-jährige, der für das Minimum unterschrieb, scort in 22 Minuten pro Spiel effizient und ist innerhalb des Teams unter den Top 3 in AST%, STL% und BLK%.
Der Vertrag Lees ist zwar etwas lang und teuer, dennoch sah der Trade bereits auf dem Papier nach einem Upgrade aus. Zumal Bayless’ Arbeit in der Rolle als spacender und scorender Guard nicht reichte um seine defensiven Defizite zu kaschieren, welche in der Zeit ohne Marc Gasol als weiteres Problem der Grizz offensichtlich wurden. Lee hingegen spielte die Rolle als Off-Guard in Boston in diesem Jahr endlich ordentlich, bekam dieses jedoch nicht die Minuten, die ihm zugestanden hätten.

Julian Lage: Rudy Gay und Wurfquoten galten lange Zeit als erklärte Feinde, sogar die Stat-Sheets soll der Großverdiener aus Torontos Umkleide verbannt haben. Entsprechend überrascht es, dass er trotzdem Kern eines Trades für beide Seiten positiven Trades wurde: Masai Ujiri setzte seine Aufräumaktion in Toronto fort und erlaubte dem Team dank ‚Addition by Substraction‘ einen deutlichen Aufschwung. Effizientere Spieler wie Kyle Lowry übernahmen die teilweise über 30 Würfe Gays.
Noch erstaunlicher ist allerdings, dass Gay in Sacramento aufblüht, wie Hassan Mohamed in seinem Artikel beschrieb. Ein Playoffplatz im Westen wird zwar auch kommende Saison schwer zu erreichen, aber die Kings hatten wenig zu verlieren.

Jonathan Walker: Die Toronto Raptors entließen nach ihrem Deal mit den Sacramento Kings DJ Augustin, woraufhin sich die Chicago Bulls den Guard sicherten. Nach Roses erneuter Verletzung sollte ausprobiert werden, ob dieser nicht in die Fußstapfen von John Lucas und Nate Robinson als Instant Offense von der Bank treten könnte. Augustin lieferte prompt das (13.8 PPG und 5.7 APG; ORtg 110; 55.5 TS%) und überzeugte sogar als Starter für einige Spiele, die Kirk Hinrich verletzt ausfiel.  Das Wichtigste: Die Bulls gewannen derweil 16 Spiele bei 12 Niederlagen, nachdem sie 9-13 gestartet waren. Alles zum Preis von $650.215 für den Rest der Saison.

Wer belegt im Osten die letzten Playoffplätze?

Dennis Spillmann: Boston, Cleveland, Philadelphia, Orlando und Milwaukee haben keine Ambitionen mehr; Indiana, Miami, Atlanta, Toronto, Washington, Chicago und Brooklyn sehen gefestigt genug aus, um die Playoffs zu erreichen. Charlotte ist der größte Wackelkandidat. Detroit könnte den Platz einnehmen, wenn sie Josh Smith fast komplett auf die 4 schieben; ansonsten könnten die Knicks sich ein Erstrunden-Aus ergaunern.

Jan Karon: Okay, vorab: Die Eastern Conference ergibt keinen Sinn für mich.
Miami fährt alle Geschütze auf, um den Threepeat zu erringen, wird sich aber dem Defensivbollwerk der Indiana Pacers stellen müssen. Die Pacers sind eine Franchise, an der eigentlich alles großartig ist: Die Verteidigung um Anker Hibbert ist die beste der Liga, und weist entweder überdurchschnittliche (Hill, West) oder Lockdown-Verteidiger (George, Stephenson, Hill) auf jeder Position auf. Der Franchise um Larry Bird macht es Spaß zuzugucken, ist sie doch das Paradebeispiel für “internal growth”: Stephenson, George und Hibbert wurden allesamt von den Pacers gedraftet und wurden sukzessiv entwickelt. Das Team ist tough und nicht auf den Mund gefallen, hat zuletzt sogar Andrew Bynum unter Vertrag genommen. Jeder NBA-Fan zählt eigentlich nur noch die Tage im Kalendar, bis das passiert, was passieren muss: Die Heat treffen auf die Pacers in den NBA Finals Eastern Conference Finals. Es wird ein Fest. Doch das sind die unübersehbar besten Teams des Ostens, und alles was auf Miami und Indiana folgt, ist absurd, irrsinnig und grotesk.
Keiner weiß, weshalb Atlanta nach season ending injury von Al Horford (und mit legitimen Rotationsspielern wie DeMarre Carroll, Shelvin Mack?! oder Gustavo Ayon?!?!) auf Platz 3 steht. Coach Budenholzer erschuf dieses Jahr fast so etwas wie das Spurs-Modell der Eastern Conference: Er limitierte die Minuten seiner Starter auf 30-35 pro Spiel, installierte disziplinierte Halfcourt-Sets sowie eine durchschnittliche Teamdefense und gab seiner Second Unit viel Spielzeit. Plötzlich wurde(n) aus Scheiße unbrauchbaren Rotationsspielern wie Mike Scott oder Pero Antic Gold brauchbare Rotationsspieler. Normalerweise darf dieses Team (und dessen Talentniveau) unter keinen Umständen auf einem Playoffplatz stehen.
Da die restlichen Ostteams dieses Jahr aber nunmal unfähiger als J.J. Hickson an der Freiwurflinie sind, ist schon mal der Einäugige unter Blinden schnell König. Chicago schafft es jedes Jahr nach Rose-Verletzungen, Teams auf das Parkett zu schicken, die schlichtweg unfähig sind, Punkte zu erzielen, dafür aber durch Defense und Hustle anderen Teams Siege abzwingen können. Wenn jedoch D.J. Augustin deine erste Offensivoption ist, läuft etwas falsch, Tom. Wenngleich die Brooklyn Nets im Kalenderjahr 2014 bei einer Bilanz von 12-5 stehen und mit obskuren Small Ball-Rotationen halbwegs erfolgreich sein können, merkt man an allen Ecken und Enden, dass dieses Team alt ist. Lopez ist out for season, Deron Williams hat seine Form sein drei Jahren nicht mehr gesehen, und nein, auf Dauer ist es nicht sonderlich erfolgsversprechend, die eigene Offensive über Alan Anderson, Andrey Blatche und Shaun Livingston laufen zu lassen. Ach ja, Joe Johnson sollte übrigens unter keinen Umständen All-Star sein. 
Im Zweifelsfall würde ich wahrscheinlich hinter diesen drei Teams ein Fragezeichen sehen. Nicht dass der Rest der Playoff-Anwärter großartigen Basketball spielen würde, aber es reicht eben. Geht es im individuelles Talent, so sollten die Knicks wie auch Pistons noch ein Wörtchen bei den Playoff-Plätzen mitzureden haben. Wo aber bei den Hawks, Bulls oder Bobcats fehlendes Talent durch gutes Coaching kompensiert wird, sind sowohl New York wie auch Detroit die Antithesen. Wie schon gesagt: Der Osten macht mich dieses Jahr fertig; eine Prognose abzugeben, fällt wahrlich schwer.

Artur Kowis: Sprich, welche Sweep-Serien mit Indiana und Miami in den Hauptrollen werde ich mir nicht anschauen? Die bisher überraschend starke Defensive der Bobcats war den letzten Monat über auf dem absteigenden Ast, während selbst Al Jefferson in Bestform die Offensive nicht annähernd auf durchschnittliches Niveau hieven kann. New York und ein hoffentlich bald besser gecoachtes Detroit scheinen lukrative Picks zu sein, genauso gut könnte Charlotte sich über Wasser halten.

Julian Lage: Die Frage könnte vielleicht auch lauten: Wer will außer der Top 5 und Brooklyn überhaupt in die Playoffs? Das Bulls-Management hat mit dem Deng-Trade schon deutlich gemacht, dass die Ambitionen ohne Rose eher niedrig liegen – nur Coach Thibodeau scheint nicht ganz dieser Meinung zu sein. Die Bobcats behalten ihren Pick aller Wahrscheinlichkeit nach, wenn sie nicht in die Playoffs kommen, da zwei bessere Teams aus dem Westen die Top-12-Protection auslösen.
Theoretisch könnten also Knicks und Pistons die Gelegenheit nutzen – wobei Detroit eventuell auch lieber den eigenen Pick (Top 8) mitnimmt. Meine Tendenz geht daher zu Bulls und Knicks.

Jonathan Walker: Es ist schwer vorstellbar, dass ein eigentlich talentiertes Team wie die New York Knicks hinter den Charlotte Bobcats zurückbleibt. Bei allem Respekt für die durchaus starke Defense der Cats (DRtg 103.5, Platz 6!), wären die Playoffs weiterhin eine kleine Sensation. Die Knicks sind zwar weiterhin alles andere als ein funktionierendes Team, haben jedoch im Jahr 2014 bisher immerhin mehr Spiele gewonnen als verloren, was ja schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung ist. Desweiteren hatte New York bislang den schwereren Spielplan als Charlotte. Die Teams auf den Plätzen 1-7 sehe ich für die Playoffs im Osten gesetzt.

Wer belegt im Westen die letzten Playoffplätze?

Dennis Spillmann: OKC, San Antonio, Portland, die Clippers, Houston und auch Golden State sehe ich als Locks an. Dallas sollte die Playoffs schaffen, Denver oder Minnesota eher nicht. Ich traue dem Phoenix-Braten noch nicht so ganz. Der letzte Platz entscheidet sich zwischen Phoenix und Memphis. Hier, denke ich, haben die Grizzlies das bessere Ende für sich.

Jan Karon: Sieht man die ersten sechs Teams als sichere Playoffteilnehmer an, streiten sich die Phoenix Suns, Dallas Mavericks, Memphis Grizzlies, Denver Nuggets und Minnesota Timberwolves um die letzten zwei Plätze. Ich denke, dass die Suns Okafors auslaufenden Vertrag mitsamt eines ihrer vier Erstrunden-Picks für einen gestandenen Bigman (Zach Randolph?, Pau Gasol?) traden werden. Zudem werden sie von Jeff Hornacek großartig gecoached und erwarten Eric Bledsoe nach dem All Star-Break zurück. Ich sehe in Phoenix’ Cinderella Story mehr als ein Strohfeuer – und denke, dass die Franchise aus Arizona die Postseason erreicht.
Den letzten Spot werden die Mavericks ergattern. Sie sind das erfahrenste Team unter den restlich verbliebenen. In Wirklichkeit liegt der Auswahl der Mavericks aber keine wirkliche Begründung zu Grunde, sondern der Wunsch eines Erstrundenduells gegen die Blazers. Terry Stotts und Rick Carlisle könnten sich einfach darauf einigen, auch mal auf Defense in der ersten Runde komplett zu verzichten. “Yo Rick, you still remember how we managed to get on this postseason run 2011?” – “Fo sure, that was great. Wait, I will take a timeout and put José on Damian.”  Aldridge würde als so etwas wie verlorener Sohn nach Texas zurückkehren und sich mit Nowitzki in “Wer nimmt mehr Fadeaway-Mitteldistanzwürfe?” duellieren. Die unterschiedlichen geographischen Lagen bieten eine Menge Raum für schlechte Wortspiele, sodass Hubie Brown als ESPN-Kommentator eine Menge (d)raining threes- und heating up-Witze bringen könnte. Und ja, Dallas wird’s! 

Artur Kowis: Wenn Goran Dragic durch den All-Star “snub” noch fokussierter, aggressiver und ein wenig fieser wird, sehe ich nicht, warum man an diesem Hexenwerk aus Phoenix zweifeln sollte – vor allem wenn man Okafors Vertrag in einen weiteren, produktiven Spieler verwandeln kann. Während die Suns hier noch ein Ass im Ärmel haben, müssen die Grizzlies und Warriors unbedingt ihre Defensivanker heil durch die letzten Monate bringen. Dallas muss Nacht für Nacht in der Offensive brillieren, um ihre horrende Defensive zu kaschieren. Es sollte bis zum Schluss zwischen mehreren Mannschaften spannend werden, da sie alle ihre Problemzonen haben. Bleibt Bogut gesund, werden die Warriors ebenfalls einziehen, dazu mag ich die Offensive und das Coaching der Mavericks.

Julian Lage: Das Rennen wird wohl nach Golden State erst richtig interessant, wobei New Orleans und vermutlich auch Denver und Minnesota zu instabil und verletzungsgeplagt sind. Bleiben drei Teams für zwei Plätze: Suns und Mavs haben einen recht komfortablen Abstand zu Platz 9 und stehen etwa 10 Spiele über 50%.
Trotzdem sehe ich die Grizzlies mit guten Chancen: Seit der Rückkehr von Marc Gasol wirkte das Team zeitweise wie der erwartete sichere Playoffkandidat. Wer den anderen kritischen Platz belegt, würde ich vom Tradeverhalten der Suns abhängig machen: Werden Okafors Vertrag und einige Assets noch für Win-Now-Spieler abgegeben, ist Dallas vermutlich raus.

Jonathan Walker: Memphis steht momentan auf dem 9. Platz im Westen, doch dass dieses Team die Playoffs verpasst, erscheint unrealistisch. Die Grizzlies hatten bisher den zweitschwersten Spielplan der Liga (SOS 1.29) und mussten 23 Spiele auf DPoY Marc Gasol verzichten. Seit seiner Rückkehr Mitte Januar gewann Memphis 10 von 13 Spielen und verteidigt wieder auf Topniveau. Auch der Trade für Courtney Lee half. Heißt: Memphis ist besser als seine Bilanz samt Platz 9. Doch besser als welches andere Team, das gerade auf einem Playoffplatz steht? Golden State scheint viel zu talentiert um die Postseason zu verpassen und Phoenix spielt ebenfalls stark, vor allem in letzter Zeit. Mein „odd team out“ sind daher die momentan an 8 platzierten Mavericks, während der Rest (Plätze 1-5 und 10-15) im Großen und Ganzen so bleiben sollte, wie er ist.

Wer sollte Rookie of the Year werden?

Dennis Spillmann: Verdient hätte den Award zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich kein Spieler. Die drei offensichtlichen Kandidaten Carter-Williams, Burke und Oladipo unterbieten sich in ihrer Effizienz und erkaufen sich ihre totalen Zahlen mit viel zu vielen Possessions. Jeder der drei ist mit seiner momentanen Aufgabe überfordert. Dies ist für Liganeulinge kein Einzelfall, weil sie sich erst in der Liga akklimatisieren müssen, aber so desolat war schon seit längerem keine Draftclass mehr. Den Award wird wohl Michael Carter-Williams gewinnen, aber ob in dieser Class überhaupt ein Spieler steckt, der als bester Spieler mal ein Playoffteam anführen kann, darf bezweifelt werden.

Jan Karon: Victor Oladipo. Wie Dennis schon anmerkte, ist in der diesjährigen Rookieclass ein wenig Hopfen und Malz verloren, aber Oladipo ist der Athlet, der sein immenses Potential am öftesten aufblitzen lassen konnte. Würden sich die Magic von Arron Afflalo oder Jameer Nelson trennen – und Oladipo folgerichtig mehr Minuten (-2.6 MpG auf MCW) und Usage-Rate (-2%) geben –, würde die Entscheidung leichter fallen. So aber legt Carter-Williams spektakulärere Zahlen auf, während Oladipo in 40% der bisherigen Spielen von der Bank kam. Dennoch würde ich für Oladipo als Rookie of the Year plädieren: Seine starke On Ball-Verteidigung und das Fehlen von Konkurrenz im 76ers-Backcourt  geben ihm den hauchdünnen Vorsprung.

Artur Kowis: Bei Michael Carter-Williams stimmt die rohe Produktion in all den vielen Minuten, in denen er sich austoben darf. Er wird ROTY und das passt schon.
Währenddessen spielt Steven Adams eine hervorragende kleine Rolle bei einem Contender, in der er viele Dinge offensiv wie defensiv richtig macht, und nebnebei Kendrick Perkins fast bzw. eigentlich ersetzbar macht… gut, für Letzteres bedarf es nicht viel. Bei einem anderen Team würde Adams vielleicht medial stärker im Fokus stehen. Dass er in der offiziellen Rookie Ladder bzw. einigen Redrafts nicht mal gelistet ist bzw. hinter Spielern, die weder in der noch jungen NBA-Karriere noch am College produkiver sind/waren, ist unverständlich. Mein glanzloser Do-Your-Job-ROTY-Award geht an Steven Adams, der auch zu den jüngeren Rookies dieser Draftklasse gehört.

Julian Lage: Dank einiger Highlights zu Saisonbeginn hat Michael Carter-Williams vermutlich den Award fast schon sicher – in der NBA schlägt schließlich Aufmerksamkeit des Öfteren Qualität, wenn es um Ehrungen geht.
Trotzdem wäre Carter-Williams kein unverdienter Sieger, da schlicht die Alternativen fehlen. Trey Burke und Victor Oladipo sind zumindest noch positiv zu vermerken, der Großteil der Lottery-Picks hat aber bisher enttäuscht, allen voran natürlich die Nummer Eins Anthony Bennett. Einen (nur teilweise ernst gemeinten) Kandidaten könnte man noch in Tim Hardaway Jr. finden – allein dafür, sich als Rookie in der New Yorker Chaostruppe mit JR Smith und co. zurechtzufinden.

Jonathan Walker: In der Regel gewinnt diesen Award der Neuling, der reichlich Minuten sowie den Ball bekommt und unter diesen Voraussetzungen einigermaßen gute Zahlen liefert. In dieser Saison standen gerade einmal acht Rookies mehr als 1000 Minuten auf dem Parkett (Oladipo, Carter-Williams, Burke, McLemore, Caldwell-Pope, Antetokounmpo, Thompson und Hardaway), wobei aber nur die drei erstgenannten dieser Spieler eine Usagerate von mindestens 20% erreichen. Das schränkt den Kandidatenkreis noch einmal stark ein. Interessanterweise befinden sich diese drei in gut vergleichbaren Rollen. Für Oladipo spricht, dass er 11 bzw. 12 Spiele mehr als MCW und Burke absolvierte, was bei Ausbleiben weiterer Verletzungen der beiden aber am Ende wohl zu vernachlässigen ist. Ansonsten legt Burke die stärksten Zahlen auf: Höchstes ORtg, niedrigste Turnoverate bei niedrigster Usagerate der dreien und identischer Assistrate wie MCW. Oladipo ist der effizienteste Werfer (51 TS%) und der stärkste Verteidiger des Trios. Carter-Williams bekam vor allem zu Beginn der Saison jedoch ordentlich Hype und dürfte noch immer Favorit sein, auch wenn es dafür spielerisch kaum eine Grundlage (mehr) gibt. Oladipo und Burke müssten jedoch je noch einen Gang zulegen, um sich klar in den Vordergrund zu spielen.

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3 comments

  1. Hassan Mohamed

    Ist es nur mein Gefühl oder bekommen junge Spieler von Jahr zu Jahr weniger Zeit eingeräumt? Früher kamen die Leute mit 3-4 Jahren College-Erfahrung in die NBA und haben trotzdem noch Entwicklungszeit eingeräumt bekommen. Heutzutage scheinen sie drei Wochen Zeit zu haben, Effizienz-Maschinen zu werden. ;)

    Bei Rookies muss man doch erstmal zufrieden sein, wenn sie überhaupt effektiv sind und Zahlen in den Boxscore bringen. Natürlich gibt es solche überragenden Basketballer wie Chris Paul, die als Rookie bereits wie ein abgezockter und effizienter Veteran spielen. Aber die anderen 99%? Zu denen vielleicht auch die beiden aktuell besten Spieler gehören: Durant mit einem ORtg von 100 und einer TS% von 52, James mit einem ORtg von 99 und einer TS% von 49.

    Wie weit waren bspw. Deron Williams, Russell Westbrook, Tony Parker, Steve Nash, Chauncey Billups, Baron Davis, Gary Payton zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere?

    _____________

    @Joni

    Es gibt rationale Gründe für den Vertrag von Kobe Bryant. Du darfst in dem Fall aber nicht aus der sportlichen Perspektive bewerten. ;)

  2. Artur Kowis

    Heutzutage scheinen sie drei Wochen Zeit zu haben, Effizienz-Maschinen zu werden. ;)

    Bei Rookies muss man doch erstmal zufrieden sein, wenn sie überhaupt effektiv sind und Zahlen in den Boxscore bringen. Natürlich gibt es solche überragenden Basketballer wie Chris Paul, die als Rookie bereits wie ein abgezockter und effizienter Veteran spielen. Aber die anderen 99%? Zu denen vielleicht auch die beiden aktuell besten Spieler gehören: Durant mit einem ORtg von 100 und einer TS% von 52, James mit einem ORtg von 99 und einer TS% von 49.

    Ich will nicht unbedingt widersprechen, aber: Sieht man sich die von dir genannten früheren Starpielern/Veteranen, an waren Sie zwar oberflächlich gesehen zwar aucht nicht besonders effizient, dafür in der Regel jünger und hatten bei Einbeziehen der USG% für einen Neuling doch ein passables ORTG. Alter spielt wohl unbestreitbar eine wichtige Rolle. Die Usage/Effizienz-Entwicklung eines 19-jährigen Lebron James/Durant mit ORT von 99/100 bei einer USG% von 28,2 ist eben doch anders zu bewerten als die eines 22/21-jährigen Carter-Williams/Oladipo mit ORTG von 96/94 bei einer USG% von 26/24. Die beiden sind natürlich extreme Beispiele, an denen sich die drei heutigen Rooks nicht messen brauchen… Parker/Westbrook sind da bessere Vergleichsspieler. Parkers Potential war jedoch erkennbar, da er schon als 19-jähriger im Korbzug unaufhaltbar war (46% 2FG% und die höchste 3FGr seiner Karriere, welche seine Werte wohl drückten).

    Nash/Peyton scheinen tatsächlich ‘Outlier’ zu sein, da Sie ähnlich ‘alte’ Rooks waren, jedoch hatten Sie in ihrem ersten Jahr sehr viel kleinere Rollen in der Offense, wodurch ich mich frage, ob Sie in diesen Jahren bei größerer Rolle nicht bereits effizienter/produktiver gewesen wären. Es ist einfach schwer vorstellbar, dass Nash sich im Alter von 26-27 Jahren zu einem Offensiv-Gott entwickelte. Mag vielleicht sogar sein, aber diese Hoffnung braucht man IMO nicht in jeden zweiten 22-jährigen Rookie setzen, vor allem nicht wenn er in diesem Alter bereits in dieser Rolle sich schwer tut.

  3. Hassan Mohamed

    Die Beispiele sollten nicht meine Erwartungshaltung hinsichtlich der aktuellen Rookies widerspiegeln. Die genannten Spieler sind ja allesamt All-NBA-Spieler gewesen und ich habe grundsätzlich eine sehr geringe Erwartungshaltung bei Drafts (mein erster Artikel bei GtG war auch zu einem ähnlichen Thema). Meine Intention war eigentlich nur, dass man keine zu hohe Messlatte für Rookies ansetzen sollte. Es gibt ja genug Rookies, die trotz aller Möglichkeiten überhaupt nicht produzieren konnten, und die Beispiele zeigen ja, dass selbst herausragende Spieler sich zunächst schwer tun können.

    Man wird noch früh genug die Möglichkeit bekommen, sich über die Effizienz der Spieler auszulassen. ;)


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