NCAA Previews 11/12

Bonus Preview: Gonzaga Bulldogs

Gonzaga Bulldogs, West Coast Conference

2010/2011: 25-10 NCAA Tournament: 2nd Round.

Nach einer Saison, in der man mit großen Erwartungen startete, von vielen zu den besseren Teams des Landes gezählt wurde und mit mehrere Hochs und Tiefs zu kämpfen hatte, bevor man doch wieder in das NCAA Tournament einzog, wollen die Gonzaga Bulldogs jetzt eine konstantere Runde spielen.

Es lief bei weitem nicht rund in der letzten Saison, denn Hoffnungsträger Elias Harris entwickelte sich eher zurück als alles andere und konnte die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen.

Ebenso wie er war auch das gesamte Team ziemlich unkonstant und konnte erst zum Ende der Saison einen Rhythmus finden, welcher immerhin noch eine Teilnahme – die elfte in Folge – am NCAA Tournament erlaubte und erst in Runde zwei von Jimmer Mania und dessen Brigham Young Cougars gestoppt wurde.

Für diese schmerzhafte Niederlage kann man ab jetzt mindestens zwei mal pro Saison Revanche nehmen, denn dank des verrückten “Team–Conference-wechsle-dich”-Spiels innerhalb der NCAA hat es Brigham Young jetzt in die West Coast Conference, welche schon über ein Jahrzehnt von den Bulldogs dominiert wird, gespült.

Wer ging?

Ein großer Verlust dürfte der von Senior Guard Steven Gray sein. Dieser glänzte, vor allem vorige Saison, als unheimlich konstanter und guter Punktesammler, der vor allem durch den Distanzwurf für Räume sorgte. Zudem war er ein sehr guter Vorbereiter und half damit immer wieder dem Team aus den schwierigsten Situationen. Diese knapp 14 Punkte, 4 Rebounds und 4 Assists wird das Team schmerzlich vermissen und auffangen müssen.

Neben ihm wird Starting Point Guard Demetri Goodson nicht mehr zur Verfügung stehen. Der blitzschnelle Aufbauspieler entschied sich dafür, eine andere Laufbahn einzuschlagen, und widmet sich ab jetzt als Kick-Off Returner dem Football-Team der Baylor Bears. Zwar konnte er sich nie so richtig durchsetzen, aber dennoch war er immer gut dafür, den Gegner mit seiner Defensive und Schnelligkeit unter Druck zu setzen und so dem Team einiges an Energie zu verleihen.

Goodsen nutzt seine Schnelligkeit jetzt, um Kickoffs für die Baylor Bears zurück zu tragen.

Als dritter Abgang ist Mangisto Arop zu nennen. Der Forward hatte eine ordentliche Freshman Saison, in der er vier Punkte und vier Rebounds pro Partie auflegte. Daraus folgte die Hoffnung, dass er einer derjenigen sein könnte, der den nächsten Schritt macht und eine wichtige Säule des Teams wird. Dem war, vorige Saison, aber nicht so und daher ist Arop schon der fünfte – nach Andy Poling, Grant Gibbs, Bol Kong und GJ Vilarino -, der aus den eher bescheidenen Recruiting Classes 2008 und 2009 die Flucht aus Spokane antrat.

Wer kam?

Wieder einmal hat Mark Few den Mannschaftsteil verstärkt, der fast immer für die Zags spricht: Es handelt sich dabei um die Guards, die nach den Abgängen von Gray und Goodson Verstärkung benötigten, und diese durch ein Trio erhalten.

Zuerst ist Shooting Guard Gary Bell zu nennen. Der aus Kent, Washington stammende Bell ist ein Schütze vor dem Herren und könnte, mit der Zeit, in die Fußstapfen von Steven Gray treten. Immer in der Lage für Punkte zu sorgen und von außerhalb zu treffen, ist er zudem mit einem guten Auge ausgestattet und daher ein Spieler, der ein Doppeln des Gegners mit dem Pass zum freien Mann bestraft.

Der nächste Guard ist der Kanadier Kevin Pongos, der viel Spielzeit auf der Position des Point Guard sehen dürfte, da Demetri Goodson nicht mehr da ist. Als guter Point Guard ist er natürlich in der Lage, das Spiel ordentlich aufzubauen und seine Mitspieler in Position zu bringen. Im Gegensatz zu Goodson ist er jedoch ein guter Schütze, was Doppelteams gegen andere Zags bestrafen dürfte.

Der dritte Guard unter den Freshman ist Kyle Dranginis aus dem Bundesstaat Idaho. Der ungefähr 1,95 m große Guard kann beide Guard-Positionen spielen und sowohl die Mannschaft in der Offensive leiten, als auch selbst für Punkte sorgen. Wer Mark Few kennt, weiß, dass er solch variable Guards schätzt und Dranginis sicherlich von Point Guard bis Small Forward alles spielen lassen wird, je nachdem, wie das Matchup aussieht.

Wer bleibt?

Es verbleiben eine Menge an talentierten und nun eingespielten Spielern, die zeigen wollen, dass sie es besser als im Vorjaher können.

An erster Stelle ist hier der deutsche Nationalspieler Elias Harris zu nennen, der vorigen Sommer noch als First Round Pick der NBA gehandelt wurde und in der letzten Saison einen großen Schritt zurück machte. Der Forward kann sowohl unter den Körben als auch weiter außen spielen, und mit seiner Athletik sowohl offensiv als auch defensiv dem Team helfen. Er ist zudem derjenige, den man als „X-Faktor“ bezeichen kann, denn nur wenn er eine überdurchschnittliche Saison spielt, können auch die Bulldogs um mehr als nur die NCAA Tournament-Teilnahme mitspielen.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist Senior Center Robert Sacre. Der 2,13 m Mann aus Kanada ist ein echter Low Post-Spieler, der unter den Körben aufräumen und sowohl offensiv für Punkte als auch defensiv für Rebounds und gute Teamverteidigung sorgen kann. Sacre feierte vorige Saison endlich den schon lange erwarteten Durchbruch und zeigte immer wieder, dass kaum ein Spieler in der NCAA in der Lage ist, ihn im Low Post zu halten. Zudem ist er, vor allem für einen Center, ein sehr guter Freiwurfschütze – er trifft über 80 Prozent seiner Würfe – und kann somit immer wieder für einfache Punkte sorgen, da er kaum im Eins-gegen-Eins ohne Foul gehalten werden kann.

Ganz wichtig wird zudem Shooting Guard/Small Forward Marquis Carter sein. Der WCC Newcomer of the Year und Turnier MVP des WCC Tournaments stieß erst spät in der letzten Saison zum Team, nachdem er vorigen Sommer erst vom Junior College nach Gonzaga transferierte. In seinen Einsätzen zeigte er, dass er dem Team die nötigen Impulse und Ruhe geben kann, denn als einer der älteren Spieler war er immer da, wenn es wichtig war, und wird auch dieses Jahr wieder eine Menge an Verantwortung übernehmen müssen.

Neben diesen drei Spielern wird es auch wichtig sein, dass Sam Dower den nächsten Schritt in seiner Entwicklung macht und den Frontcourt um Sacre und Harris unterstützt. Weitere Unterstützung kann man von der unheimlich tief besetzten Bank erwarten, von der Combo Forward Kelly Olynik zusammen mit Freshman Guard Gary Bell für Punkte sorgen sollte, und auch der deutsche Power Forward Mathis Mönninghoff seine Einsatzzeiten erhalten wird.

Zudem zeigte John Stocktons Sohn David in der vorigen Saison, dass er sich von seinem alten Mann einiges abgeschaut hat und ebenfalls in der Lage ist, ein Team zu führen und freie Würfe für seine Mitspieler zu kreieren.

Stärken/Schwächen

Die größte Stärke der Zags sollte eine altbekannte sein: Die Rede ist von der Tiefe des Teams, welche es Mark Few wieder einmal erlauben wird, viel zu rotieren, schnell zu spielen und Druck in der Defensive ausüben zu lassen, da er einfach genügend Spieler hat, um dies umzusetzen.

Die Jungs werden also wieder ein irres Tempo spielen und guten alten Gonzaga Basketball zeigen können, bei dem der Gegner durch die Halle getrieben wird und irgendwann die Puste verlieren soll. Zudem können viele Spieler den Unterschied ausmachen und so sind die Zags nicht wirklich auszurechnen.

Was eine Stärke sein kann, kann sich auch schnell ins Gegenteil umschlagen und so ist es gut möglich, dass sich kein Spieler herauskristallisiert, der in den wichtigen Situationen die Verantwortung und somit die Rolle von Steven Gray aus der Vorsaison übernimmt. Auch anzumerken ist, dass man sich auf Steigerungen und konstante Leistungen von Spielern wie Harris, Carter und Dower verlassen muss und zudem recht jung auf den Aufbaupositionen aufgestellt ist.

Ausblick

Wie eigentlich immer ist es Mark Few auch dieses Jahr gelungen, eine Mannschaft zusammenzustellen, die ins NCAA Tournament einziehen und als die Mannschaft gelten sollte, die es innerhalb der WCC zu schlagen gilt. Das Team ist wieder einmal unheimlich tief besetzt und gibt ihm die Möglichkeit, auf Verletzungen oder Formschwächen einzugehen, ohne großartig an Qualität zu verlieren.

Gelingt es zudem Harris wieder, das Leistungsniveau seiner Freshman-Saison zu bringen, während Sacre am Vorjahr anknüpft, Carter seine Erfahrung spielen lässt und auch noch der ein oder andere Neuzugang einschlägt, dann sind die Zags ein Team, mit dem zum rechnen ist, und welches kein Team – auch keines der Titelanwärter – gerne spielen möchte.

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1 comment

  1. Smido83

    Kann man nach 2 Spielen schon ein erstes Fazit ziehen? o_O
    Ich mache es einfach mal! 😀

    1. Robert Sacre hat anscheinend noch einen Schritt nach vorne gemacht! Zwar ist die Trefferquote für einen Center noch ausbaufähig, aber das macht er allemal durch seine Freiwurfquote wieder weg! Die zieht er ohne Ende und verwandelt sie bombensicher! Daher kommen auch schon 37 Punkte bei nur 5 verwandelten FG auf sein Konto… Defensiv ist er zusätzlich der wichtigste Anker und der beste Rebounder!

    2. Harris scheint wieder besser in Form zu sein! Troz der Kadertiefe spielt er jedes Spiel nahezu durch und hat dabei wieder sehr ansprechende Quoten! Vor allem im Rebounding ist er Gold wert und fängt zusammen mit Sacre über 40% der Rebounds im Team! Die Freiwurf- und 3 Punkt Quoten sind aber noch verbesserungswürdig! Steigert er diese noch, könnte aus ihm auch wieder ein Topspieler der Liga werden!

    3. Bisher ist Kevin Pangos ein absoluter Glücksgriff! Er hat überragende Wurfquoten, vor allem von außen! Wer mit 9 verwandelten 3 Punkt Würfen im 2. College Spiel seiner Karriere einen Schulrekord aufstellt… das schafft nicht jeder! Sollte er so weiter treffen, dann wird er noch unglaublich wichtig werden! Obendrein hat er auch noch ein gutes Auge für die Mitspieler!

    4. Carter ist dafür momentan noch sowas wie eine Enttäuschung! Er wirft und wirft… trifft aber nix! Gerade mal 20% aus dem Feld bisher. Wenigstens trifft er die Freiwürfe relativ ordentlich, wodurch man ihn nicht als kompletten Ausfall bezeichnen kann!

    5. Auch Hart spielt alles andere als gut… 2/9 aus dem Feld bisher, für insgesamt nur 3 PPG… wirklich nicht gerade gut! Wenigstens hat er dafür als SF/SG eine ordentliche Ausbeute wenns um Rebounds geht!

    Der Rest spielt solide in der Rotation, auch wenn man momentan die Ausgeglichenheit und Tiefe im Team noch nicht sehen kann! Bell bekommt zwar auch seine Minuten, aber deine Wurfquoten sind auch nicht überragend! Trozdem bin ich mal gespannt, ob er demnächst mal für Carter starten darf!

    Sollten Sacre/Harris/Pangos ihre Form halten UND Hart/Carter ihr Zielwässerchen wiederfinden, dann könnte diese Mannschaft durchaus weit kommen und könnte sich zu einem “Favoritenschreck” entwickeln! Der Einzug ins Tournament dürfte, selbst bei momentaner Lage daher wirklich kein Problem darstellen!

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