Gedanken

Die guten Seiten des Lockouts…

Allein diese Überschrift sorgt bei vielen NBA-Fans für die Bildung von Schaum im Mundraum. Die Aussperrung in der amerikanischen Profiliga soll über gute Seiten verfügen? Derselbe Lockout, der bereits für eine Vielzahl abgesagter Spiele gesorgt hat, den Fans die Möglichkeit nimmt, hitzige Debatten über die Entscheidungen von General Managern zu führen, und für Basketballnerds (fast) einem Zölibat gleichkommt.

Die meisten Leute teilen eher die Meinung, die unter anderem auch Derrick Rose, der ‘Most Valuable Player’ der vergangenen Saison, vertritt:

“There’s no reason why billionaires and millionaires should be arguing about money,” he said. “There are other things in this world that we should be arguing about, but money shouldn’t be the problem.” [Sports Illustrated]

Bevor Rose bei den Chicago Bulls zum wertvollsten Spieler der National Basketball Association ausgezeichnet wurde, war er Point Guard bei den Memphis Tigers.

“Rose wurde von den Bulls gedraftet und hat bisher für kein anderes Teams gespielt. Außerdem trägt die Mannschaft aus Memphis den Namen ‘Grizzlies’…” mag der gewöhnliche NBA-Fan an dieser Stelle denken. Falsch wäre der Gedanke nicht – nur ist hier nicht die Rede von der NBA, sondern von der NCAA, der National Collegiate Athletic Association. 2008 gelang Rose an der Seite von Chris Douglas-Roberts und Joey Dorsey der Ritt bis ins NCAA-Finale, wo man sich aber den eigenen Freiwurffähigkeiten, Mario Chalmers und den Kansas Jayhawks geschlagen geben musste.

…und was hat der Lockout mit der NCAA zu tun?

Einiges. Die NCAA profitiert von den Problemen in der NBA. Die NBA-Fans, die dem College-Basketball bisher wenig Beachtung geschenkt haben, können ebenfalls davon profitieren:

I. Wenn der Lockout weiterhin fortschreitet und die NBA-Arenen leer bleiben, werden die Basketballfans nach einer Ersatzdroge Ausschau halten, um die Sucht nach dem orangenen Leder zu stillen. Es liegt daher nahe, einfach bei der NCAA einzuschalten, die diese Woche offiziell in die Saison startete. Man sollte weniger über die Aussperrung in der NBA jammern und stattdessen diese Gelegentheit nutzen, den Amateur-Sport besser kennenzulernen. Vermeintlicher Amateur-Sport – bei den generierten Umsätzen geht diese Titulierung nicht einfach von den Lippen. Man hat die Chance, spätere NBA-Spieler und NBA-Stars zu begutachten, und teamorientierten, engagierten Basketball zu bestaunen, bei dem spektakuläre Highlights aber auch nicht zu kurz kommen. Manch einer würde sogar soweit gehen und von ‘ehrlichem Basketball’ sprechen, da sich keine millionenschweren Diven über das Parkett bewegen, sondern junge Männer, die um ihre Zukunft spielen.

II. Bei einigen NCAA-Stars, die sich Anfang des Jahres ihre Gedanken über einen möglichen Wechsel in die NBA gemacht haben, könnte der (damals noch drohende) Lockout dazu geführt haben, dass sie sich gegen die NBA-Draft und damit gegen den Wechsel in die Profiliga entschieden haben. Für bspw. Harrison Barnes, Swingman an der University of North Carolina, einer der Favoriten auf den NCAA-Titel 2012 und vermutlicher Top3-Pick in der nächsten Draft, Jared Sullinger, dominanter Power Forward der Ohio State University sowie Perry Jones, die körperliche Ausnahmeerscheinung von der Baylor University, war der Lockout sicherlich einer der Hauptgründe, ein weiteres Jahr an der NCAA zu verbringen. Die Spieler sind nur drei Beispiele von vielen Underclassmen (Freshmen, Sophomores, Juniors), die dem College-Basketball erhalten geblieben sind und somit das aktuelle Talentlevel quantitativ und qualitativ steigern. Die NCAA 2011/12 ist so stark, wie lange nicht mehr.

III. Bei der Tarifverhandlung 2005 wurde sich u.a. über eine Altersregelung in der NBA geeinigt, indem das Mindestalter auf 19 Jahre gesetzt wurde, sodass Spieler von der High School seitdem grundsätzlich nicht direkt in die NBA wechseln können. Wenn man von Ausnahmen wie Brandon Jennings absieht, sind die Spieler zwangsläufig ans College gewechselt und haben somit mehr Talent in die Liga gespült. Bei der aktuellen Tarifverhandlung könnte das Mindestalter erneut erhöht werden (um ein weiteres Jahr). Herausragende Freshmen, wie der bereits erwähnte Derrick Rose oder aktuelle Spieler wie John Wall, DeMarcus Cousins oder Kyrie Irving, würden nach einer College-Saison nicht bereits verschwinden. Wenn die Spieler nicht nach Europa oder ähnliche Ligen wechseln würden, wäre das berüchtigte ‘One-and-Done’ Geschichte – zum Vorteil der NCAA und der Zuschauer.

Wie man an diesen Beispielen sieht, endet der Einfluss der CBA-Verhandlungen nicht an den Grenzen der NBA. Über diese Grenzen hinaus kann er sogar positive Effekte erzielen.

Aussperrung? Kein Problem!

Der Aufruf an dieser Stelle. Da die NBA derzeit euer Basketballzeitkontigent nicht komplett oder zu einem großen Teil beanspruchen kann, nutzt die Chance, euch mit der NCAA auseinanderzusetzen. Viele Fans haben der NBA den Rücken gekehrt oder eine zweite Liebe entdeckt, nachdem sie College-Basketball-Blut geleckt haben. Vielleicht könnt ihr euch für Traditionsmannschaften wie North Carolina oder UCLA begeistern, vielleicht werden aber auch die Teams der deutschen Jungs Elias Harris und Mathis Mönninghoff (Gonzaga Bulldogs) oder Niels Giffey (Georgetown Hoyas) eure neuen Favoriten. Checkt das NCAA-Archiv bei Go-to-Guys, wo ausführlich die Top 16 College-Teams vorgestellt wurden. Und bei Fragen stehen euch unsere NCAA-Experten jederzeit zur Verfügung.

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1 comment

  1. Smido83

    Klasse Beitrag, der genau auf mich zutrifft! ^^

    Vor diesem Sommer habe ich mich eigentlich garnicht mit der NCAA auseinandergesetzt! Ich kannte die “großen Teams” vom Namen her und natürlich wusste ich auch bei den NBA Größen wo bzw. wie gut sie am College gespielt haben!

    Nun habe ich mich diesen Sommer und Herbst, vor allem wegen euren sehr guten Berichten zu den wahrscheinlichen Top Teams genauer mit der Liga beschäftigt und bin begeistert! Das Spiel ist schnell, bietet ordentliche Action und macht einfach Spaß! Auch habe ich mein Team gefunden,welches mich sowohl von der Art des Spiels, als auch von den einzelnen Spielern selber begeistert! Und es hat mich im ersten Spiel mit dem 108:58 auch alles andere als enttäuscht! ^^

    Alles in allem kann ich für mich selber sagen, dass der Lockout etwas wirklich Gutes hatte!

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