Dallas Mavericks

Der alte Mann und der Ball

Die Dallas Mavericks sind überraschend gut in die Playoffs gestartet. Zwar verloren sie das dritte Spiel in Portland heute Nacht, haben aber ihre Pflicht bisher erfüllt und führen in der Serie mit 2-1. Neben Dirk Nowitzki zeichnet sich vor allem Jason Kidd für die Erfolge verantwortlich. Nach einer schwachen Regular Season trumpft Kidd auf. Doch was hat er an seinem Spiel geändert? Wieso scort er so erfolgreich?

Jason Kidd war in der regulären Saison ein eindimensionaler Spieler für die Mavericks. 44,7% seiner offensiven Possessions mündeten in Assists – das ist Ligaspitze. Gleichzeitig bedeutete dies aber auch, dass Kidd fast ausschließlich als Distributor (als Ballverteiler) für sein Team aktiv wurde und nicht als Scorer. Dies mag auch nicht seine Aufgabe gewesen sein, aber er benötigte dringend eine zweite Facette, damit die Mavericks offensiv nicht 4 gegen 5 spielen. In den Playoffs präsentierte sich Kidd hingegen anders und hat eine Scoringmöglichkeit anzubieten: den Dreier. Dies mag nicht allzu verwunderlich sein, schließlich warf Kidd in der Regular Season 2009/2010 42,5% von Downtown – Karrierebestwert. Doch seit der Playoff-Serie gegen San Antonio (nur 32,1%) hat Jason Kidd enorme Probleme, seinen Dreier zu treffen. In der Regular Season 2010/2011 versenkte Kidd nur 34% von Downtown und konnte damit den Mavericks nicht beständig helfen, da er sonst in seinem Offensiv-Repertoire nichts anzubieten hat – außer eben dem Passing.

Assists

Passing, Ballhandling, Courtvision, Basketball-IQ – alles Dinge, die man nicht verlernt. Jason Kidd besaß sie und kann sie noch immer gewinnbringend einsetzen. Er verteilte in der Regular Season über acht Dimes, sowohl über die 80 absolvierten Spiele als auch in den vier Spielen gegen Portland. Doch die Art, wie Jason Kidd den Mitspielern assistiert, hat sich über die Jahre verändert. Ein Blick auf die bisher sieben Spiele gegen Portland soll Aufschluss darüber geben. Dazu wurde das Archiv von Synergy Sports genutzt. Im Folgenden werden die gespielten Assists von Jason Kidd in vier verschiedene Kategorien eingeteilt:

Kategorie 1: Kidd hat den Wurf erarbeitet. Darunter fällt bspw. Penetration und Kickout.
Kategorie 2: Der Mitspieler hat den Wurf erarbeitet. Kidd hat den Ball in der Hand, steht auf der Stelle und passt im richtigen Moment, wenn ein Mitspieler bspw. um einen Block gelaufen kommt.
Kategorie 3: Kidd passt vom Perimeter aus.
Kategorie 4: Kidd passt innerhalb der Dreierlinie.

AssistsKategorie 1:
Kidd erarbeitet
Kategorie 2:
Mitspieler erarbeitet
Kategorie 3:
Pass Perimeter
Kategorie 4:
Pass innerhalb
RS Spiel 163360
RS Spiel 283544
RS Spiel 31459104
RS Spiel 441322
Ø 8 3 55,52,5
PO Spiel 141331
PO Spiel 28*1661
PO Spiel 331221
Ø 5 13,63,61

* Minute 1 fehlt sowohl bei Synergy Sports als auch im ILP. Deshalb fällt der Assist von Kidd auf Marion leider heraus.

Zwei Auffälligkeiten sind zu beobachten: Zum einen liegt es auf der Hand, dass die Blazers den Distributor Kidd wohl einschränken können. In den Playoffs spielt Kidd bisher drei Assists weniger pro Spiel. Zum anderen (und viel entscheidender) ist jedoch die Tatsache, dass Jason Kidd seine Mitspieler nicht einsetzt. Nur ein Assist pro Partie kommt dadurch zustande, dass er einen Wurf für seine Mitspieler kreiert. Kidd ist einfach nicht aggressiv genug. Ein weiteres Indiz für diese Tatsache ist, dass er in den Playoffs ebenfalls nur einen Assist innerhalb der Dreierlinie spielt. Ist Kidd nämlich nicht am Perimeter und penetriert stattdessen, erregt er mehr Aufmerksamkeit der Defensive. In der Regular Season kam hier immer ein Blazer zum Doppeln und Kidds Courtvision traf immer den freien Mann. In den Playoffs ist das nicht der Fall.

Kidd sollte also in Spiel vier vermehrt versuchen, sich näher zum Korb zu positionieren. Die Korrelation zwischen Kategorie 1 und 4 fällt ins Auge. Ein entschlossenerer Jason Kidd verbessert die Mitspieler. Etwas, was er in der Regular Season klar besser löste. Dafür konnte Jason Kidd nun den Dreier in den Playoffs wiederfinden.

Drei-Punkte-Wurf

Quelle: NBA.com/Statscube

Genauer gesagt hat Kidd den „Above the break“-Dreier bisher überdurchschnittlich gut getroffen (wie in der Grafik ersichtlich). Auch ein Dreier kann auf mehrere verschiedene Arten erzielt werden. Steht der Schütze und bekommt den Ball serviert oder kreiert er sich den Wurf selbst, vielleicht sogar aus dem Lauf? Im Vergleich wird zwischen  Spot-Up-Dreiern und anderen Dreiern von Kidd unterschieden. Grundlage sind wieder alle Spiele gegen Portland in dieser Saison.

3PASpot-UpAnderes Play
RS Spiel 133/3
RS Spiel 251/20/3
RS Spiel 310/1
RS Spiel 450/40/1
Ø3,54/100/4
PO Spiel 1104/52/5
PO Spiel 263/40/2
PO Spiel 381/60/2
Ø88/152/9

Jason Kidd ist laut dieser Statistik ein sehr guter Spot-Up-Shooter gegen Portland. In der Saison waren es 40%, wenn er bedient wurde, in den Playoffs gar 53%. Alle anderen Dreier, die er nahm (sei es aus dem Pick and Roll oder aus der ISO), konnte Kidd nicht verwerten. Um weiter zu verifizieren, wie gut Kidd den Spot-Up-Dreier trifft, wird nun zwischen contested und uncontested Three unterschieden. Wie verhält sich Kidd, wenn ein Gegenspieler nah genug dran ist, um seinen Wurf zu stören?

Spot-Up
uncontested
Spot-Up
contested
RS Spiel 12/21/1
RS Spiel 21/10/1
RS Spiel 30/00/1
RS Spiel 40/00/4
Ø3/31/7
PO Spiel 13/31/2
PO Spiel 21/22/2
PO Spiel 32/20/4
Ø6/73/8

Ja, richtig gelesen. Jason Kidd trifft 9 von 10 Spot-Up-Dreier gegen Portland, wenn kein Gegenspieler kommt, um ihn zu stören. Das ist eine Wahnsinnsquote und zeigt eindrucksvoll, dass Kidd am Perimeter ernst genommen werden muss. Umso peinlicher ist es, dass die Coaches in Portland das nicht seit Spiel 1 konsequent so verteidigen lassen. Bereits in der regulären Saison wurde klar, dass Kidd den Dreier nicht trifft, wenn ihm ein Gegenspieler auf den Füßen steht. In den Playoffs traf Kidd zwar 3 Dreier gegen zumeist heranfliegende, weil vom Double-Team kommende, Gegenspieler, aber in Spiel 3 hat man ihn konsequenter zugestellt. Das Resultat? 0/4 Dreier gegen den Mann. Auf der anderen Seite aber auch wieder: wenn keiner gegen Kidd hochspringt, dann trifft er den Dreier – 2 von 2.

Fazit

Nie war der Spruch „man ist nur so gut, wie der Gegner es zulässt“ passender als bei den Leistungen von Jason Kidd. Nehmen die Blazers ihm den Drive in die Zone, dann müssen die restlichen Mavericks sich die Würfe selbst erarbeiten. In der Regular Season konnte Kidd mehr Akzente setzen. In den Playoffs kommt Kidd kaum dazu, spielt auch weit weniger Assists und kann beispielsweise die Big Men überhaupt nicht ins Spiel bringen. Kein einziger Assist wurde für Tyson Chandler oder Brendan Haywood gespielt. Zumeist werden Terry, Nowitzki, Marion oder Stojakovic bedient, die sich eine gute Wurfposition (zum Beispiel durch Ausnutzen von Screens) erarbeitet haben und Kidd sie vom Perimeter aus bedient. Die Arbeit bleibt also an Kidds Mitspielern hängen.

Zudem muss man den Portland Trailblazers ungenügendes Scouting unterstellen. Jason Kidd ist ein exzellenter Spot-Up-Shooter, wenn man ihn frei stehen lässt. Und dies auch nicht von überall, da er die Dreier nur “above the break” nimmt. Sobald jedoch ein Gegner vor ihm auftaucht, ist Kidd schlicht ineffektiv(er). Wird der Wurf also konsequent verteidigt, kann man Kidd komplett aus dem Spiel nehmen. Deshalb ist es auch unverständlich, warum der Gegenspieler von Kidd immer zum Doppeln geht, wenn Kidd frei eine solche Gefahr darstellt. Die San Antonio Spurs haben es im letzten Jahr vorgemacht, wie man alle außer Dirk verteidigt, um als Außenseiter eine Serie zu gewinnen. Vielleicht kommt diese Einsicht in Portland zu spät. Jason Kidd kann es nur recht sein.

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2 comments

  1. andi79

    Gute Analyse mit interessanten Statistiken!
    Heute Nacht hatten sie Kidd von Downtown besser im Griff (2-8)
    Zudem hat er 5 turnover produziert(5x so viel wie in den beiden ersten Spielen) und nur 3 Assists. Schade, Dirk und vor allem Terry waren sehr gut drauf und mit einem guten Kidd stände es wohl 3:0.
    Was ist eigentlich mit Chandler los? Heute Nacht schnell Foulprobleme und nur 15Minuten gespielt. Die Spiele davor waren auch nicht besonders von ihm.
    Liegt im Portland nicht oder ist er einfach nicht besser bzw. hat nicht mehr die Form von Anfang der Saison?

  2. andi79 schrieb:
    Was ist eigentlich mit Chandler los? Heute Nacht schnell Foulprobleme und nur 15Minuten gespielt. Die Spiele davor waren auch nicht besonders von ihm.
    Liegt im Portland nicht oder ist er einfach nicht besser bzw. hat nicht mehr die Form von Anfang der Saison?

    Chandler ist offensiv eben extrem abhängig vom Aufbau der Mavs. Jason Kidd spielte in Spiel 5 14 Assists, aber keinen einzigen auf einen Center, sondern nur wieder auf die Scorer des Teams. Terry (5) und Nowitzki (4) bekamen den Löwenanteil (obwohl die beiden sich den Wurf eh selbst kreieren können), danach folgen Marion (3) und Stojakovic (2). Kein Chandler, kein Haywood.
    Defensiv sollte Spiel 5 ja entschädigt haben, wenn die Referees ihn spielen lassen.

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