Draft, Gedanken

Sullinger bleibt ein Buckeye

Nach der bitteren Niederlage im Sweet Sixteen hat Ohio State Forward Jared Sullinger erklärt, sich nicht für die kommende Draft im Sommer 2011 anzumelden, sondern für seine Sophomore-Saison nach Columbus zurückzukehren. Wie ist diese Entscheidung zu bewerten?

Rein aus finanzieller Sicht kann man dieses Versprechen Sullingers, sich nich zur diesjährigen Draft anzumelden, absolut nicht gutheißen. Er wäre nach seiner sehr starken Freshman-Kampagne ein sicherer Top 10 Pick in diesem zugegebenermaßen recht schwachen Jahrgang geworden. Aus Mangel an wirklichen Alternativen hätte es unter Umständen sogar sein können, dass Sullinger als einer der ersten drei Spieler im NBA-Greenroom sein Teamcap bekommen hätte. Geht man von diesem Fall aus, hat der junge Buckeyes Spieler in diesem Sommer auf rund 16 Millionen Dollar verzichtet, um ein weiteres Jahr am College zu bleiben. Er lässt also viel Geld und damit die finanzielle Sicherheit seiner Familie links liegen. Auch die Möglichkeit, jetzt schon unter professionelleren Bedingungen zu spielen, zu trainieren und betreut zu werden, nimmt er nicht wahr. Warum tut er dies? Droht eine ähnliche Entwicklung wie bei Elias Harris?

Um diese Fragen zu beantworten, muss man diese Geschichte von mehreren Seiten beleuchten. Zunächst ist zu sagen, dass Sullinger aus einer Mittelschicht-Familie kommt und nicht, wie so viele andere junge Basketballtalente, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und jetzt unbedingt die NBA Millionen benötigt, um seiner Mutter ein eigenes Haus zu kaufen. Er hat auch ohne einen Profivertrag eine gewisse finanzielle Sicherheit. Des Weiteren ist anzumerken, dass das junge Talent in einem basketballverrückten Haushalt aufgewachsen ist, der für eine enge Bindung zu Highschool- und College-Basketball gesorgt hat. Sein Vater ist seit 11 Jahren als Coach an der Northland High engagiert und seine beiden älteren Brüder Julian (Kent State) und JJ (Ohio State) waren beide für 4 Spielzeiten an ihren jeweiligen Colleges aktiv. Jared Sullinger sieht diese Menschen als Vorbilder und möchte ihnen zeigen, dass er auf dem College-Level erfolgreicher sein kann, als er es diese Saison war. Seine Aussage:

„I’m going to be an Ohio State Buckeye next year. This isn’t why I came here, to come in here and see my seniors in here crying. I came here to win a national championship.”

unterstreicht dies. Er möchte das Leben an der Uni noch weiter genießen und hat eventuell sogar einen Abschluss ins Auge gefasst, der ihn noch weitere Jahre in Columbus verweilen lassen wird. Wer kann es ihm verdenken?

Spielerisch hat Sullinger sein Potential auf dem Collegelevel noch nicht vollkommen ausgeschöpft. Es ist zu erwarten, dass sich der Power Forward im nächsten ein ernstzunehmendes Midrangegame aneignen wird. Dies hat damit zu tun, dass OSU-Coach Thad Matta einen Center rekrutiert hat, der McDonalds All American war, Amir Williams. Dieser wird Sullinger den Platz im Lowpost wohl ein wenig streitig machen und den Forward zwingen, mehr über den Highpost zu agieren und sein Spiel auf diese Weise zu erweitern.

Auch sportlich ist diese Entscheidung kein so großer Beinbruch, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Die Parallele zu Elias Harris, die eventuell von einigen Leuten gezogen wird, bietet sich als mögliches Szenario für Sullingers Werdegang einfach nicht an. Harris wäre durch einen große Hype seitens vieler Experten im letzten Jahr wohl in der ersten Runde der Draft gezogen worden. Allerdings entschied er sich gegen einen Aufstieg zu den Profis und für ein weiteres Jahr mit den Bulldogs aus Gonzaga. Diese Entscheidung war denkbar schlecht für ihn. Nach einer Seuchensaison 2010/11 muss Harris nun darum bangen, in der Zukunft wenigstens noch als Secondrounder in die NBA zu gelangen. Bei Sullinger ist die Sachlage anders. Sein Skillset wird meiner Meinung nach, ähnlich wie bei Tyler Hansbrough, auch nach einem bis drei weiteren Collegejahren noch so sehr gefragt sein, so dass er einen Platz in der ersten Draftrunde und somit einen Vertrag, der ihm mehrere Millionen Dollar einbringen wird, sicher hat. Seine Draftposition wird zugegebenermaßen nicht so hoch sein, wie sie es in diesem Sommer gewesen wäre. Aber welchen Unterschied macht es für eine NBA-Karriere, ob man an #3 oder #23 gezogen wurde?

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