Tournament 2011

NCAA-Tourney-Preview: West

Liebe Leser,

Go-to-Guys begrüßt euch zum diesjährigen Preview des NCAA-Tournaments. In den nächsten Tagen werden wir euch jede einzelne Region des Turniers vorstellen, euch die Stärke der Region und das Seeding näherbringen, darüber hinaus die Favoriten, die NBA-Prospects und spezielle Spiele vorstellen, die man im Abschlussturnier des NCAA-Jahres sehen muss.
Den Anfang macht die West-Region des amtierenden Champions, den Duke Blue Devils. Ausgetragen werden die Spiele ab dem Sweet Sixteen in Anaheim, wo vielleicht bald die Sacramento Kings ansässig sein werden. Nach dem Selection Sunday gestern ergab sich folgender Spielplan für die West-Region:

Bracket

Quelle: ESPN Bracket

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Strength & Seeding

Das Teilnehmerfeld im Westen ist sicherlich solide. Mit dem amtierenden Champion hat man ein Team, das nun schon seit Jahrzehnte gute Teams ins Turnier schickt. Duke ist ein verdienter #1-Seed, das dürfte unstrittig sein. San Diego ist dagegen ein #2-Seed, der es im Turnier schwer haben dürfte. Es gibt wohl auch keinen schwächeren #2-Seed im Turnier. Wieso Duke nun diese #2 bekam, ist nicht ganz nachzuvollziehen, da Ohio State als Overall-#1 deklariert wurde. Demnach sollte das stärkste Team auch den schwächsten #2-Seed zugesprochen bekommen. Duke als Champion  würde in einem potenziellen Elite-Eight-Matchup davon profitieren. Doch dies muss erst einmal erreicht werden. Denn die beidne Brackethälften wirken ein wenig unverständlich sortiert. Die obere Hälfte des Westens bietet mit Texas als potentiell stärksten aller #4-Seeds gleich eine richtige Prüfung für Duke, selbst davor ist die obere Hälfte stark besetzt. Arizona und Tennessee sollte man nicht unterschätzen.
Neben den wohl zu hoch gesetzten Azteken auch San Diego sind die Missouri Tigers eher zu tief angesetzt. Die untere Hälfte des Brackets ist jedenfalls deutlich schwächer als die obere und das ohne erkennbaren Grund. Gerade San Diego ist eine Wundertüte,  da die Aztecs bisher noch kein einziges Spiel in einem NCAA Turnier gewonnen haben. Dazu ist eben Missouri zu tief gesetzt, UConn vielleicht einen Seed zu hoch. Duke könnte also vorher weit schwerere Aufgaben vor sich haben als das abschließende Elite Eight im Westen.
Mögliche Upsets ergeben sich durch das vermeintlich nicht richtige Seeding der Teams. San Diego könnte schon in Runde 2 über Penn State oder Temple stolpern, die beide sehr solide Programme sind. UConn hat bis zum Elite Eight eigentlich wenig Konkurrenz, sollte Kemba Walker nicht ausfallen oder ein unterirdisches Spiel haben, denn in Runde 2 wartet unter Umständen der #11-Seed, im Sweet Sixteen dann #7 oder #10. Dabei ist Texas als #4 mindestens auf Augenhöhe mit den Huskies, muss in der schwereren oberen Hälfte aber an Arizona und Duke vorbei – ein ungleich schwierigeres Programm.

Dadurch ergeben sich als Favoriten für das Elite Eight die Duke Blue Devils aus der oberen und die Connecticut Huskies aus der unteren Hälfte des Brackets.

Top Two

Duke Blue Devils

Die Duke Blue Devils sind Mike Krzyzewski. Der Coach des Basketball-Teams geht in sein 100. NCAA Turnierspiel, wenn die Devils in der ersten Runde auf die Hampton Pirates treffen. In 77 von diesen Spielen hat Coach K sein Team zum Sieg geführt. Und so geht der Champion des letzten Jahres wieder als #1-Seed in das Turnier, auch wenn die Ohio State Buckeyes der Overall-#1-Seed sind. Coach K steuert zielsicher auf seinen 900. Sieg in der NCAA zu – eine unglaubliche Marke.

Dabei begann das Jahr der Blue Devils alles andere als gut. Man gewann zwar in gewohnter Weise die Non-Conference-Spiele und schloss letztlich auch mit 30-3 das Jahr ab, für Coach K gab es jedoch – ausgerechnet im Rematch des Finalspiels des Vorjahres gegen Butler – einen Umstand, der das Spiel der Blue Devils maßgeblich verändert sollte: Kyrie Irving verletzte sich am Zeh und fällt seit dem vierten Dezember aus. Der Freshman-Point Guard, der bis zu diesem Zeitpunkt famos aufspielte und ein Kandidat für den Player of the Year-Award war, führte überragend Regie und steuerte 17,4 Punkte und 5,1 Assists pro Partie bei. Nichtsdestotrotz wird Irving weiterhin als #1-Pick gehandelt, wenn er sich zum Draft anmeldet (Go-to-Guys berichtete).

Coach K nutzt die Stärken seines Kaders aus, was bedeutet, dass er das Spielfeld möglichst breit macht, um Platz für Nolan Smith zu schaffen. Dieser entscheidet dann, ob er selbst abschließt, für seinen Backcourt Partner Seth Curry einen Dreipunktewurf oder für Small Forward Kyle Singler einen Mitteldistanzwurf kreiert. Die Offensiven Waffen der Blue Devils sind also am Perimeter zu finden, während die Big Men für den Platz unterm Korb (dies trifft vor allem auf Ryan Kelley zu, der fast zwei Dreier pro Spiel nimmt) oder durch offensives Rebounding (Mason Plumlee greift knapp 2,5 offensive Bretter ab) für den Erhalt der Possession sorgen.

Defensiv schickt Coach K die Perimeter-Verteidiger relativ nah an die Angreifer heran, um den Dreipunktewurf möglichst zu unterbinden. Dabei kommt es den Verteidigern sehr entgegen, dass man Inside gleich mehr als eine Shotblocking-Präsenz hat. Mason und Miles Plumlee sowie Ryan Kelly zeichnen sich für insgesamt 3,5 Blocks pro Spiel aus. Dadurch forcieren die Perimeter-Verteidiger ihre Defense, indem sie eng am Mann verteidigen, Hinter ihnen können notfalls die Shotblocking-Qualitäten der Big Men ihre Fehler wieder ausbügeln.

Für den verletzten Irving musste seitdem Nolan Smith übernehmen, der Senior im Backcourt der Blue Devils. Smith nahm sich der Aufgabe an und ging wie selbstverständlich voran. Wie Irving verteilt Smith 5,1 Assists pro Partie, scort jedoch durch Irvings Ausfall noch mehr, insgesamt sind es 21,3 Punkte pro Spiel. Insgesamt steht das Scoring für Smith auch im Vordergrund. Durch die größere Rolle beim Ballvortrag werden die Spielmacherqualitäten Smiths öfter gefordert, was zu 3,2 Turnovern pro Partie führt. Smiths Scorermentalität hilft dem Team jedoch in vielen kritischen Phasen des Spiels. Er hat ein gutes Midrange-Game, ist von außerhalb aber zu streaky. Smith verfügt über einen schnellen ersten Schritt, ist allgemein beweglich und schnell auf den Beinen und erkennt, wenn sein Wurf nicht fällt. Er hat die Fähigkeit, sein Spiel dann dahingehend umzustellen, dass er zum Korb zieht. Dem Senior fehlt aber letztlich die Größe, um ein idealer Shooting Guard zu sein, auch wenn er einen sehr guten Eindruck in der Defensive hinterlassen hat. Wenn Smith eine Chance in der NBA haben will, muss er weiter an seinen Spielmacherfähigkeiten arbeiten. Trotz des vermehrten Drucks weist Smith eine bessere Assist-to-Turnover-Ratio als im letzten Jahr auf, seine Wurfquote aus dem Feld hat sich ebenfalls verbessert.

Neben Nolan Smith trägt vor allem Kyle Singler – ebenfalls Senior – die offensive Last des Teams. Singler ist ein vielseitiger Flügel, der ein tödliches Midrange-Game entwickelt hat. Sein Threepoint-Shooting aus dem Vorjahr, wo er 40% traf, konnte er aber nicht halten. In dieser Saison sind es nur noch 32,5%. Singler verfügt über lange Arme und eine gute Größe für seine Position. Er ist ein guter Passer, sieht den freien Mann und ist selbstlos genug, seine Mitspieler einzusetzen. Singlers Basketball-IQ ist eine seiner Stärken. Negativ kommen aber die fast typischen Eigenschaften eines weißen Shooters hinzu: Singler ist kein guter Athlet, nicht schnell genug auf den Beinen und muss noch sehr viele Stunden im Kraftraum absolvieren, um in der NBA eine gute Karriere haben zu können.

Der dritte Mann am Perimeter ist Seth Curry, der jüngere Brüder von Warrior Stephen Curry, der ebenfalls die Shooting-Gene seines Vaters Dell geerbt zu haben scheint. Seth netzt 44,2% seiner Weitdistanzwürfe ein und wird von Coach K auch genauso eingesetzt. Über 50% seiner Versuche aus dem Feld sind von hinter der Dreipunktlinie. Die großen Jungs unter den Körben nehmen – wie schon dargestellt – eher die Arbeit in der Defensive auf, anstatt groß offensiv zu produzieren. Mason und Miles Plumlee sowie Ryan Kelly treffen über 50% aus dem Feld, bei Mason Plumlee sind es gar 58%. Beide Plumlees erzielen ihre Punkte aber fast ausschließlich aus Dunks oder Putbacks. Sie haben kein Offensiv-Arsenal. Ansonsten verteidigen sie anständig und ermöglichen es, dem Team in der Defensive aggressiv zu sein. Pro Partie sammeln die drei 17 Rebounds ein, wobei auch hier wieder Mason Plumlee heraussticht. Dieser ist offensiv aber eben auch zu roh, um eine Option zu sein und konzentriert sich auf das, was er kann: am offensiven Brett zu arbeiten.

Die Blue Devils werden im Turnier Probleme bekommen, wenn man sie aggressiv am Perimeter verteidigt und damit das Element des Dreipunktewurfs aus dem Spiel nehmen kann. Was so leicht klingt, ist problematisch, da neben Smith, Singler und vor allem Seth Curry auch mit Andre Dawkins ein weiterer Three-Point-Threat von der Bank kommt. Fallen die Würfe aber nicht, hat das Team keine Alternativen. Einen Low-Post-Spieler gibt es nicht.

Connecticut Huskies

Photo: gtalan (Lizenz)

Kemba Walker all the way. Walker war schon seit den ersten Spielen der Saison im Gespräch, als UConn das Maui Invitational gewann und dabei Kentucky im Finale keine Chance ließ. Walker erzielte 29 der 84 Punkte für sein Team.  Vorher hatte er das Team schon mit 42, 32 und 30 Punkten ins Finale geschossen. Aber auch wenn Walker der überragende Mann im Kader ist, letztlich ist es das Team von Jim Calhoun. Der Coach ist seit 1986 in Connecticut tätig und für das Basketball-Programm verantwortlich.

Ebenso phänomenal wie die Saison begann, so endete sie auch für die Huskies. Nachdem man in der Mitte der Saison mit Problemen zu kämpfen hatte – man gewann von Ende Januar bis Anfang März nur 4 von 11 Spielen – konnte man mit einer wahnsinnigen Energieleistung das Big East-Turnier gewinnen. Hier siegte man in fünf aufeinanderfolgenden Spielen – innerhalb von fünf Tagen (Go-to-Guys berichtete)! Walker nahm das Team kurzerhand auf seine Schultern und erzielte durchschnittlich 26 Punkte in den fünf Spielen.

Calhoun vertraut in der Offensive auf Kemba Walker. Er legt das Schicksal des Teams in die Hände des Point Guards. Dieser bringt den Ball in jedem Angriff – und schließt meistens auch ab. Es ist also nicht verwunderlich, dass außer Walker kaum ein anderer Huskie zweistellige Punktwerte pro Partie aufzuweisen hat (Lamb und Oriakhi überspringen die Grenze äußert knapp). Walker selbst erzielt 23,5 Punkte, assistiert bei 4,3 erfolgreichen Würfen und sammelt nebenbei auch noch 5,3 Rebounds ein. Der Guard lebt von seiner Explosivität, womit er seine Gegner im Dribbling schlägt. Seine Schnelligkeit ist seine große Stärke, wodurch er immer einen Weg zum Korb findet. Walker ist ein exzellenter Athlet, der aus der Penetration seine offenen Mitspieler findet. Zudem lauert er defensiv in den Passwegen und sorgt so für Fastbreakmöglichkeiten seines Teams. Walker ist ein Volume-Scorer. Weder seine Wurfquote aus dem Feld noch von der Dreipunktlinie sind berauschend. Gerade dies könnte seiner NBA-Karriere als Star einer Franchise im Wege stehen. Walker ist zu klein, um als Shooting Guard die Scoring-Last zu tragen.  Seinem Verständnis nach wählt er viel zu oft den eigenen Abschluss als seine Mitspieler einzusetzen. Ein Shooting-First-Guard auf der Eins ist eigentlich prädestiniert für die Rolle des 6th man von der Bank, der ein Spiel übernimmt, wenn Offensive gefordert wird. Schafft Walker es nicht, seine Einstellung dahingehend zu modifizieren, dass er auf das Wohl seines Teams achtet, wird aus ihm nicht mehr als ein Scoring-Threat von der Bank. In diesem schwachen Draft ist Walker aufgrund seiner offensiven Klasse jedoch ein Lottery-Pick und wird im Turnier sicherlich versuchen, seine fantastische Saison fortzusetzen.

Defensiv arbeitet Calhoun  kaum mit einer Zone, sondern lässt Mann-gegen-Mann verteidigen. Ebenso wie Duke können die Guards sich in der Defense darauf verlassen, dass die Big Men die Zone von penetrierenden Guards säubern. Das Trio um Alex Oriakhi, Charles Okwandu und Roscoe Smith bringt es gar auf 4,2 Blocks pro Partie, UConn blockt in ihrer Conference die meisten Würfe. Dies bedeutet auch hier wieder, dass die Verteidiger am Perimeter ihre Gegner bedrängen und zu Ballverlusten zwingen wollen. Zum einen kann man über Kemba Walker den Fastbreak erfolgreich laufen, zum anderen können auch hier wieder Dreier verhindert werden.

UConn ist also abhängig vom Scoring-Guard – ebenso wie Duke von Nolan Smith abhängig ist. Beide Spieler haben gewisse Parallelen aufzuweisen, wobei Walker allein auf weiter Flur steht. Smith hat mit Singler einen weiteren Scorer im Team, Walker ist die erste und zweite Option in Personalunion. Jeremy Lamb spielt eine ordentliche Freshman-Saison, ebenso kann Alex Oriakhi hochprozentig abschließen. Aber der Großteil der Punkte wird dadurch kreiert, dass Walker aktiv auf dem Feld ist.

Interessant ist Roscoe Smith, der zwischen der Bank und der Starting Lineup hin und her tingelt. Er bietet ein relativ unorthodoxes Skillpaket, da er das Feld als Power Forward breiter machen kann, indem er auch knapp zwei Dreier pro Spiel nimmt, dabei aber auch zum offensiven Rebound geht (knapp zwei pro Partie). Smith gilt als guter Verteidiger und ist ein guter Shotblocker.

Zuletzt ist mit Niels Giffey ein Deutscher im Kader der Huskies vorzufinden. Giffey sieht aber nur 10 Minuten pro Spiel, wo er statistisch unauffällig bleibt. Im Big East-Turnier kam Giffey jedes Spiel von der Bank und hatte kaum Einfluss auf den Ausgang der Spiele. Zum Saisonanfang sah dies noch ganz anders aus, als er Ende November in vier aufeinanderfolgenden Spielen mehr als 20 Minuten Spielzeit sah. Giffey trifft den Dreier ordentlich, wird im Turnier aber wohl kaum eine Rolle spielen können.

UConn wird es im Turnier dann schwer haben, wenn man einen (oder zwei) Verteidiger für Kemba Walker findet. In den Niederlagen der Huskies traf Walker keine 35% aus dem Feld. Zudem hat Walker zwar gute, aber keine überragenden Werfer um sich. Kein Spieler der Rotation trifft 40% von der Dreierlinie, wo er die Double Teams gegen Walker bestrafen könnte. Auch bei UConn – wie bei Duke – fehlt offensiv eine Low-Post-Präsenz, die für einfache Punkte sorgt und dem Gegner Fouls anhängt. Oriakhi ist ein limitierter Big, der hustlet und für das Team arbeitet, aber niemand, der ein Spiel offensiv dominieren kann. Er kommt zwar auf 10 Punkte pro Spiel, hatte aber in der gesamten Saison kein Spiel, wo er 20 Punkte für die Huskies erzielen konnte. Wie bei den Plumlees wird Oraikhis arbeiten und am offensiven Brett wüten. Er sammelt dort 3,7 Rebounds ein.

UConn ist Kemba Walker. Ein Off-Day des Stars bedeutet mit ziemlicher Sicherheit das Ausscheiden aus dem Turnier. Bei diesem Bracket könnte dies aber erst im Elite Eight der Fall sein.

NBA-Prospects

Derrick Williams, Arizona Wildcats

Man stelle sich einen Spieler vor, der sich trotz gleichbleibender Spielzeit im Vergleich zum Vorjahr in allen statistischen Kategorien verbessert. Gibt es nicht, oder? Nein, gibt es nicht, denn Derrick Williams‘ Turnoverzahlen haben ein wenig zugenommen. Ansonsten spielt der als Power Forward auflaufende Williams eine wahnsinnige Saison. 19 Punkte und 8 Rebounds bringt er den Wildcats pro Spiel ein, trifft seine Würfe aus dem Feld zu 61% – und seine Dreier auch fast mit der exakt selben Häufigkeit (60%). Dazu besitzt der vielseitige Forward auch ein gutes Ballhandling und einen unbändigen Motor. Ein potenzieller #1 Pick also? Nein, nicht einmal in diesem Draft. Williams ist für einen College-Power Forward zwar groß genug und körperlich vielen seiner Gegenspieler überlegen, aber die Größe von knapp 2 Metern verhindern den ganz großen Wurf. Dabei bringt Williams viele Tools mit, um in der NBA zu überzeugen. Er ist ein solider Athlet, kann sowohl in- als auch outside spielen und den Ball hin und wieder bringen. Er ist ein sehr vielseitiger Spieler, der immer aktiv ist. Aber gerade diese Vielseitigkeit ist auch das Problem Williams‘. Ist er ein Small Forward? Kann er den Dreier in der NBA konstant werfen? Im letzten Jahr waren es statt 60 nur 25%. Oder kann er als undersized Power Forward wie Paul Millsap Einfluss aufs Spiel nehmen? Das wohl auch nicht in dem Maße wie der Utah-Forward. Williams ist zudem schon am College kein auffälliger Shotblocker, verteidigt zwar ordentlich, aber eben gegen College-Gegenspieler. Williams müsste den Tweener-Status loswerden, um ein guter Starter in einem guten NBA-Team zu werden. Spielt das Team jedoch oft Smallball kann Williams die Vier bekleiden, kann mitrennen, werfen, im Low Post sein Glück versuchen und hustlen.

Williams ist definitiv einen Blick wert, denn er ist der effizienteste Spieler der gesamten NCAA. So richtig auf der Rechnung hatten ihn keiner der Scouts. Im Big Board von Chad Ford war er vor der Saison auf 26 gerankt. Nun ist er Fünfter. Williams ist ein legitimer NBA-Spieler und sicherer Lottery-Pick, der auch schon den Körper für die „big boys“ hat.

Kahwi Leonard, San Diego State Aztecs

Leonards Ausgangsposition unterscheidet sich eigentlich nicht allzu sehr von Derrick Williams, wenn man 15,4/10 liest. Leonard ist genau so groß wie Williams. Gleiche Ausgangsvoraussetzungen? Nein, denn Leonard spielt auch bei den Aztecs schon auf dem Flügel und demnach wohl seine NBA-Position. Wie auch Williams ist er eher ein Tweener, der durchaus im Smallball problemlos den Power Forward geben könnte. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Azteken eine sehr hohe Pace spielen und die totalen Zahlen vielleicht doch ein wenig mehr vortäuschen als Leonard wirklich bieten kann.

Leonard ist ein wirklich explosiver Spieler, der mit allem, was er hat, zum Korb ziehen kann und generelle einen wahnsinnigen Motor hat. Er bewegt sich unermüdlich, ist immer aktiv. Nicht zuletzt deswegen ist er ein sehr guter Rebounder für seine Position. Hierbei helfen sicherlich die unglaublich langen Arme Leonards. Ebenso macht er Fortschritte in Bezug auf seinen Körper, der schon mehr in Richtung NBA-ready geht. Leonard hat jedoch das Problem, dass er offensiv (noch) nicht genug Waffen hat, um eine große Gefahr auszustrahlen und somit Gegenspieler zu binden. Außer dem Drive kann Leonard wenig Effizientes in der Offensive beitragen. Es fehlt schlicht ein ausgeprägtes Perimeter-Spiel.

Leonard ist trotz der offensiven Einschränkung ein Lottery-Kandidat für Teams, die einen Slasher auf dem Flügel brauchen, der noch genug Upside bieten kann, um ein kompletterer Spieler zu werden. Defensiv kann er durch seine Kombination aus Schnelligkeit und Länge mehrere Positionen verteidigen. Forsche Experten vergleichen ihn in einigen Aspekten seines Spiels mit Shawn Marion, ohne allerdings den Körper Marions vorweisen zu können.

Jordan Hamilton, Texas Longhorns

Hamilton ist der dritte 6‘7‘‘-Spieler im Bunde, auf den man im Turnier achten sollte. Die Texas Longhorns haben im Small Forward ihren Topscorer dieser Saison. Hamilton ist ein sehr viel klassischerer Small Forward die vorher vorgestellten Prospects. Er ist der Scorer, der zumeist auf dem Flügel gesucht oder gebraucht wird. Hierbei ist er gut ausgebildet und findet viele Wege, um seinen Wurf loszuwerden. Zudem hat Hamilton einen relativ sicheren Dreipunktewurf, er trifft knapp 39% aus dem Feld.  Für seine Position ist er – wie Williams und Leonard – ein guter Rebounder, hat zudem ein gutes Ballhandling. Den Fastbreak rennt er exzellent und tut dies auch gerne. Klingt eigentlich nach einem sicheren Lottery Pick. Das Problem bei Hamilton ist, dass er noch an seinem Passing arbeiten muss, ihm der starke erste Schritt fehlt und mitunter zu eigensinnig agiert. Das führt dann meist dazu, dass Hamilton zumeist keine schlechten Würfe sieht und demzufolge zu viele oder überhastet Würfe forciert. Allerdings ist dies nicht mit seiner Freshman-Saison zu vergleichen, wo Hamilton noch viel verheerender auswählte und schlechte Quoten die Folge waren. In diesem Jahr sieht Hamilton reifer aus, wählt schon bedachter und darf deswegen auch sehr viel öfter abschließen. Hamilton hat den Schritt gemacht, den die Scouts schon im Freshman-Jahr erhofft hatten. Er führt die Longhorns ins Turnier und ist einen Blick wert. Hamilton hat sein Spiel stabilisiert (er hat nur in einem Spiel weniger als 10 Punkte erzielt) und ist der Go-to-Guy der Texaner.

Games to watch

In der oberen Hälfte dürfte der Weg der Texas Longhorns spätestens ab Runde 2 sehr interessant zu verfolgen sein. In Runde 2 würde es zum Duell der Top-Prospects Jordan Hamilton und Derrick Williams kommen, eine Runde später wartet mit Duke dann ein weiteres Duell. Dieses Mal wären Nolan Smith und Kyle Singler (und zu diesem Zeitpunkt vielleicht sogar wieder Kyrie Irving?!) die Gegner.
In der unteren Hälfte ist vor allem zu beobachten, wie sich San Diego State anstellt. Fallen die Azteken schon früh um? Oder kommt es doch für Kahwi Leonard und seine Azteken anders und man kann auf Kemba Walker und die Connecticut Huskies im Sweet Sixteen treffen? Zum nächsten Duell zweier Lottery-Prospects? Schaut hinein.
Übrigens ist alles kostenlos und live hier zu verfolgen: March Madness on Demand! Be a part of it.

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7 comments

  1. Das Pfaff

    So der Upset von Oakland über Texas wäre irre zu wählen?
    Und wen hast du denn dann im Spiel Duke vs. UConn gewinnen?

  2. Ich glaube nicht, dass Texas in Runde 1 verliert, ich sehe die Longhorns eher noch zu niedrig gesetzt. Oakland geseteh ich keine Chancen ein.

    Wenn es wirklich zu Duke vs. UConn kommt, muss Kemba Walker schon wirklich einen Wahnsinns-Tag haben, denn letztlich ist Duke besser besetzt und zu diesem Zeitpunkt evtl. sogar wieder komplett, wenn Kyrie Irving wirklich auflaufen will. UConn fehlt eine weitere Scoringoption, Duke hat 3, mit Irving gar 4.

  3. Hassan Mohamed

    Den Abschnitt über Duke hättest Du Dir sparen können. Die fliegen sowieso in der ersten Runde!* 😛

    *hoffentlich

  4. Silvio Hallbauer

    Ich kann Hassan nur zustimmen. :mrgreen:
    Die Dookies sollten schnellstmöglich rausfliegen.

    Aber Oakland würde ich nicht ganzu Chancenlos gegen Texas sehen, auch wenn die Longhorns sogar das Zeug für das Final 4 haben. Sie sind halt noch sehr jung und das könnte Oakland ausnutzen.

    PS: Feines Preview von dir Dennis.

  5. Generell ist dieses Turnier so ausgeglichen – weil leider nicht hochklassig – besetzt, dass hier fast jedes Team eine gewisse Chance hat. Es gibt nicht ein einziges wirklich großartiges Team, im gesamten Bracket nicht. Natürlich hat Oakland auch eine Außenseiter-Chance, keine Frage. Die hat aufgrund der fehlenden Klasse der “Favoriten” jedes Team. Völlig richtig.

  6. Hassan Mohamed

    Dadurch wird das Turnier aber unglaublich spannend. Kein Vergleich zu bspw. 2009, wo fast jeder wusste, dass die Tar Heels das Ding holen!

  7. Hassan Mohamed

    Duke’s gone fishing! Und Derrick Williams scheint fleißig an seinem Draftstock zu arbeiten…

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