Toronto Raptors

Back to Back

Die Toronto Raptors reagieren auf zwei enttäuschende Erstrundenniederlagen – Reagieren sie über?

In den letzten Jahrzehnten konnten sich nur wenige Individuen als große Dinoerlediger manifestieren: Sam Neill, Laura Dern, Jeff Goldblum, Chris Pratt… und Paul Pierce. Die Basketball-Raptoren aus Toronto bewiesen in den vergangenen zwei Spielzeiten, dass sie ähnlich bissig wie Ihre Pixelvorgänger aus den Disneystudios sind. Doch letzten Endes schien Ihre Dominanz in der Regular Season ähnlich eine Mirage gewesen zu sein wie die animierten Filmsaurier. Man scheiterte jeweils mit Heimrecht in der ersten Runde gegen Teams, die Paul Pierce auf die Position des Power Forwards setzten. Wie in einer schlechten Fortsetzung. Die Reaktion darauf ist rabiater als sie zunächst den Anschein macht, denn die Raptors von einst werden wir so wohl nicht mehr sehen.

Die Raptors von einst

Vor einigen Jahren wusste noch niemand, wohin das einzige Team Kanadas hinsteuerte. General Manager Masai Ujiri arbeitete fleißig daran, einstige Hypotheken wie Andrea Bargnani und Rudy Gay gewinnbringend zu veräußern. Seiner Linie aus Denver blieb er dabei treu. Einem Kader aus Projekten wurden Spieler hinzugefügt, die allesamt noch etwas zu bewiesen hatten und kaum als Startertalente galten. Das derzeitige Gesicht der Franchise, Kyle Lowry, war ein pummeliger, mies gelaunter Karriere-Bankspieler, der das Potential für größere Aufgaben zumindest in den Jahren davor bei Houston durch konstant sehr gute Leistungen angedeutet hatte. Dieser gesellte sich zu den jungen Hoffnungen DeMar DeRozan und Jonas Valanciunas sowie den zum Inventar gehörenden Amir Johnson. Um dieses von den Namen her wenig imposante Gerüst wurde ein Rotationstrupp aus zuvor bereits aussortierten, ebenso wenig bekannten Spielern wie Patrick Patterson, Greivis Vasquez, James Johnson und Tyler Hansbrough angesammelt. Ein Veteran wie John Salmons musste auf seine alten Tage seine NBA-Tauglichkeit unter Beweis stellen, während Lou Williams wahrscheinlich als einziger Geld auf die Wette setzen würde, nach seiner schweren Knieverletzungen an seine besten offensiven Zeiten anknüpfen zu können. Dieser zusammengewürfelte Haufen  war noch sonderbarer als Ujiris Nuggets nach Anthony. Bis auf DeRozan wäre kaum einer dieser Spieler eine Wojbomb Wert gewesen, höchstens einen Wojböller. Selbst heute gilt Kyle Lowry trotz zwei Jahren auf All-Star-Niveau bei vielen nicht als Starspieler und wird selten in Top 5 Point Guard-Rankings erwähnt.

Die Raptors waren schon vor Lowrys Ankunft skurril – im negativen Sinne. Im ersten Jahr als startender Point Guard nahm sich Lowry im Scoring zurück und konzentrierte sich auf klassische Aufgaben eines Point Guards. Dazu gehörte insbesondere, bestimmten Spielern aus dem Weg zu gehen. Torontos Anti-Ikone Rudy Gay herrschte über den Ball bei einer USG% von fast 30%, gefolgt von DeMar DeRozan (24,2%) und weiteren suboptimalen Offensivoptionen wie etwa der weiteren Anti-Ikone Andrea Bargnani (23,6%) und Alan Anderson (21,6). Effizienz agierten sie dabei nicht, denn keiner dieser Spieler kam auf ein True Shooting-Ergebnis von 53%. Die Raptors gewannen 34 Spiele.

Im Jahr darauf wurden die Raptors und Gay nach einer sehr intensiven Trennungsphase voneinander erlöst. Bevor Rudy ein kalifornischer König wurde, durfte er noch 18 Spiele lang den Ball in Toronto nach belieben dominieren. Gay zeigte seine noch hässlichste, eigennützigste Fratze, bombte bei einer USG% von über 30% besonders viele schwere Mid-Range-Würfe und kam auf eine eFG% von kaum zu glaubenden 46,8%. Die Mannschaft verlor 12 ihrer ersten 18 Spiele und blickte in den Schlund einer weiteren, enttäuschenden Saison.
Ebenfalls von Andrea Bargnani befreit, spülten Trades die vorher genannten Rotationsspieler an sowie Rookie Terrance Ross – keine Gruppe, der man zutrauen würde, das Ruder noch rumzureißen. Doch eben dieses Team verlor nur 22 der nächsten 60 Spiele und sicherte sich für die Playoffs Heimrecht. Besonders überraschend war ihre Vielseitigkeit: Die Raptors waren nur eines von vier Teams, die offensiv wie defensiv zu den zehn besten Mannschaften zählten – neben den Oklahoma City Thunder, San Antonio Spurs und … tatsächlich den Los Angeles Clippers. Mit steigenden Spielanteilen steigerte sich Lowry zum All-Star, ohne zu diesem berufen zu werden. DeRozan blieb ein ‘Hit-or-miss’-Spieler, steigerte seine Effizienz bei immer noch zu hoher Usage dank seiner Ballsicherheit und größerer Aggressivität, die ihn öfter an die Freiwurflinie brachte. Hansbrough und Patterson füllten ihre Rollen als stretchender bzw. hustlender Big besser aus als Experimente der Vergangenheit und mit Vasquez bekamen die Raptors einen durchschnittlichen Spielmanager für die Reserve, der einigermaßen auch off the ball agieren kann. 

Und dann kam Paul Pierce. Nach der hervorragenden Saison mit Turnaroud waren die Erwartungen in der kanadischen Metropole riesig. Die Fans betrieben Public Viewing wie es die nordamerikanische Liga noch nie gesehen hat und etablierten das Konzept des Gästeblocks inmitten der tristen Fankultur der noch jungen Brooklyn Nets. Mit der magischen Unterstützung Drakes gelang es Toronto, sieben Spiele lang gegen den Small Ball um Pierce anzukämpfen, der insbesondere einen ohnehin schon angeschlagenen Amir Johnson angreifen sollte.

Eine schmerzliche Niederlage, die den NBA-Playoffs mit den Fans der Raptors ein besonderes Stück Atmosphäre geraubt hat, doch eine überdurchschnittliche Offensive und Defensive in der Regular Season klang vielversprechend. Mit den Neulingen Lou Williams und James Johnson an Bord und immer noch ohne echten Marquee-Namen enttäuschten die Raptors zu Beginn der Saison nicht. 25 der ersten 32 Spiele wurden gewonnen und das Heimrecht für die Playoffs zum zweiten Mal in Folge gesichert. Und dann entschied sich Randy Wittman, Paul Pierce zum ersten Mal in der Saison auf die Vier zu stellen. Der alte Mann deklarierte „Game“.

Was tut eine solche Niederlagenserie trotz solch erfolgreicher Regular Seasons – wenn auch im Osten – mit einer Franchise? Oberflächlich betrachtet verlief die Offseason der Raptors eher ruhig. Es wurden hauptsächlich Rollenspieler ersetzt und die größeren Namen ignoriert. Neuzugang DeMarre Carroll verdient durch die Vorphase der Cap Explosion wie ein Superstar, bewies sich bei allem Wohlwollen jedoch „nur“ in einem günstigen System als exzellenter Rollenspieler, der auf beiden Seiten des Feldes brauchbar ist. Dies ist bereits sehr viel wert , doch ein „Marquee-Signing“ ist Carroll mit seinem 29 Jahren eben nicht. Ujiri bleibt seiner Linie der “brauchbaren Rollenspieler statt Star auf Teufel komm raus” treu. Gräbt man etwas tiefer, könnte man jedoch meinen, dass die Moves das spielerische Fundament der Raptors erschüttern könnten.

Die Defensive der Raptors … und wie sie sich verändert

Die starke Defensive des Vorjahres erwies sich 2015 als Fluke, denn die Raptors belegten im Defensivrating einen miesen 25. Platz. Diese Schwäche war ein Grund für den Sweep durch die Washington Wizards in der ersten Runde der Playoffs. In vier Spielen ließen die Kanadier 110 Punkte pro 100 Ballbesitzen zu. In der Regular Season hätte dies den Wert der Minnesota Timberwolves unterboten und so den schlechtesten defensiven Wert der Liga beduetet.

Für das schlechte defensive Abschneiden der Raptors wurde hauptsächlich die aggressive Verteidigungstaktik verantwortlich gemacht.

Kaum eine Mannschaft ‘hedgte’ häufiger bei Pick & Rolls als die Toronto Raptors. Quelle: Vantage Sports

Wie Matthew Way von bballbreakdown zeigte, verteidigte kaum eine Mannschaft laufintensiver als die Raptors, ohne dafür das nötige Personal zu haben. Dazu kommt, dass Jonas Valanciunas ein immer noch weniger fahrener, defensiv noch nicht gefestigter Center ist. Häufig wurden die inzwischen abgewanderten Guards Lou Williams und Greivis Vasquez für die Defensivmisere verantwortlich gemacht. Die Lineup-Daten zumindest können diesen Verdacht nicht zweifelsfrei bestätigen:

Raptors_Lineups

Lineups mit Williams/Vasquez überzeugten nicht nur, sondern waren sogar die stärksten der Raptors. Offensiv wie defensiv hatten die beiden meistgenutzten Kombinationen Top-Ergebnisse. Ligaweit gehörte die Lineup Hansbrough-Patterson-Ross-Williams-Vasquez dem Net Rating nach sogar zu den 30 besten Lineups, dicht gefolgt von der Lineup Hansbrough-Patterson-Johnson-Williams-Vasquez. Als einzige Lineup in Toronto ließen sie deutlich weniger Punkte pro 100 Ballbesitzen zu als der Durchschnitt der Raptors von 104,8.

Ob der Abgang der von vielen als Sündenböcke auserkorenen Vasquez und Williams die defensiven Probleme lindert, ist also fraglich. Auffällig ist, dass Ujiri in dieser Offseason Spieler verpflichtete, die mit der Ausnahme von Luis Scola als Defensivspezialisten bekannt sind und das Feld von der Guard- bis zur Big-Position abdecken: Cory Joseph, DeMarre Carroll und Bismack Biyombo. Auch Rookie Delon Wright gilt als defensiv versierter Spieler, wie Tobias Berger anmerkte. Glauben die Raptors trotz der schlechten Ergebnisse des letzten Jahres an ihr kompliziertes Defensivkonzept, machen diese Verpflichtungen Sinn. Bei all ihrer Qualität wird man diese Art von Verteidigung mit Louis Williams und Greivis Vasquez nicht dauerhaft ausführen können. Joseph und Carroll sollten schnell und athletisch genug sein, die defensiven Vorgaben nach einer Eingewöhnungsphase kompetent auszuführen. Ebenso Biyombo. Der Afrikaner ist mobil genug, um auch auf der Vier zu spielen, was aufgrund seines beschränkten Skillsets in der Offensive nicht realisierbar ist. Biyombo könnte jedoch alternativ für Jonas Valanciunas am Ende von Spielen eingesetzt werden. Neben dem Paar Carroll und Patterson auf der Drei und Vier bzw. einem der Beiden auf der Vier ergeben sich interessante Defensivoptionen, die gegen bestimmte Gegner switchen könnten. So sollte auch genügend Spacing vorhanden sein, vor allem wenn der schlechteste Schütze, DeMar DeRozan, der primäre Ball Handler ist.

Die Offensive der Raptors … und wie sie sich verändert

Vor allem die Offensive benötigt nach der Offseason eine Neuplanung. Gegenüber dem Vorjahr präsentierte sich Toronto 2014-2015 noch bissiger und stellte laut Offensive Rating hauchdünn hinter den Cavaliers den viertbesten Angriff. Wie schon das starke Hedgen in der Defensive war die Offensivstrategie eine für die moderne NBA eine eher ungewöhnliche.

In Dwayne Caseys Offensive stachen individuelle Aktionen hervor. Nur bei den Thunder und Phoenix Suns wurde ein kleinerer Anteil an Körben assistiert. Nach den Portland Trailblazers und Los Angeles Lakers verwandelten die Raptors die meisten unassistierten Dreipunktewürfe. Diese Tendenz zum eigenen Kreieren zeigt sich auch bei den Play Types. Fast 28% der Abschlüsse Torontos kamen in Isolationen oder durch Aktionen der Ball Handler. Dieser Wert wurde nur durch die Cleveland Cavaliers und Dallas Mavericks überboten. Dabei gehörten die Raptors bei diesen Play Types auch zu den effizienteren Teams. Von Mannschaften, bei denen >20% der Offense aus ISOs und Ball Handler-Aktionen generiert wurden, erzielten nur die Los Angeles Clippers, Houston Rockets und Cavaliers mehr Punkte pro Ballbesitz. 

Isolationen spielten eine besonders große Rolle. Als einzige Mannschaften hatten die Raptoren gleich vier Spieler unter den 50 Spielern, die am häufigsten in Isolation gingen. Gemessen am Ligadurchschnitt agierten sie alle überdurchschnittlich effizient:

ISO

Louis Williams war dabei ein kleiner Superstar. Nur LeBron James, James Harden und Tyreke Evans brauchten mehr Ballbesitze in Isolationen auf. Im Gegensatz zu vielen ISO-Spielern wurde Williams dabei zwar öfters von Bankspielern verteidigt und dennoch ist seine Effizienz von 0,97 Punkten pro Ballbesitz überragend. 

Jedoch sind Isolationen schwierig und eine auf diesen Aktionen basierende Offensive über einen langen Zeitraum nur schwer effizient zu gestalten. Wie für die besondere Defensivstrategie der Raptors benötigt man die richtigen Spieler, die offensiv noch rarer gesät sind als defensiv. Auch dies bekamen die Raptors in den Playoffs zu spüren. Dass die Defensive nicht halten würde, war klar und so bestand die Hoffnung darin, dass die drittbeste Offensive der Regular Season genug punkten würde, um die Serie zu gewinnen. Die drei individuellen Lastenträger Williams, DeRozan und Lowry versagten jedoch im Kollektiv. Jeweils mit einer Usage von über 25% ausgestattet war DeRozan dem TS% nach bei 46% noch der effizienteste Scorer. Kyle Lowry und Lou Williams trafen zusammen 9 ihrer 44 Dreipunktewürfe. Toronto erzielte in vier Spielen gerade mal 96 Punkte pro 100 Ballbesitze, was nur drei Punkte über dem Wert lag, welchen die Philadelphia 76ers in der Regular Season auf den Scoringbogen zauberten.

Mit Louis Williams verlieren die Raptors ein Kernstück ihrer letztjährigen Offense. In der folgenden Grafik sind typische selbst kreierte On-Ball-Abschlüsse (ISO & Ball Handler) der Ab- und Neuzugänge im Backcourt blau dargestellt während Off-Ball-Abschlüsse, die für einen meist herausgespielt werden (Spot-Up, Cut, …) in orange koloriert sind:

Raptors_Ballhandling_Spotups

Vasquez und Joseph deckten offensiv in etwa den gleichen Bereich ab. Beide Spieler waren als Backup Point Guards oft am Ball eingesetzt, dominierten diesen jedoch nicht für ihre individuelle Offensive. DeMarre Carroll agierte im System der Hawks wie so Viele fast ausschließlich off-ball, während Louis Williams hauptsächlich für sich selbst kreierte. Seinen Ertrag alleine wird man in der gleichen Form durch Joseph und Carroll nicht kompensieren können, da sie offensive Spielertypen sind. Folglich sollte es auch schwer sein, den gleichen Basketball zu spielen. Die Offseason-Moves könnten die Abkehr von einem offensiven System verstanden werden, dass einfach zu schwierig zu gestalten ist, wenn man nicht eine Handvoll der besten individuellen Scorer in den eigenen Reihen hat, wie man in den Playoffs gemerkt hat. 

Carroll und Joseph kamen aus teamdienlichen Systemen. Ein teamdienliches System braucht jedoch einen Impuls. Kyle Lowrys Rolle wird sich vermutlich ein weiteres Mal erhöhen und es sollte realistisch sein, dass er diese ausfüllt. DeMar DeRozan ist ebenfalls ein Impulsgeber; bleibt er jedoch mehr Finisher als Creator für andere und bewegt sich weiterhin an der Schwelle zwischen eingeforderter hoher on-Ball Usage und lauwarmen Ergebnissen, könnte er Ujiri vielleicht auch bald dazu treiben, nach Alternativen zu suchen.

Was kann eigentlich Cory Joseph?

So wird Cory Joseph als Backup für Lowry interessanter. Mit seinen 23 Jahren bleibt der Kanadier ein unbewiesener Spieler, der zumindest in den letzten beiden Jahren zusammengenommen knapp 2300 Minuten abgerissen hat. Letztes Jahr spielte Joseph in etwa nur 500 Minuten weniger als Vasquez heimlich ein sehr gutes Jahr. Verglichen mit den beiden Abgängen sind seine Zahlen im Playmaking vielversprechend:

Raptors_playmaking

Joseph hatte weniger Touches und dominierte den Ball seltener als Vasquez, da er oft mit weiteren Kreativspielern wie Ginobili und Diaw in Lineups stand. Hatte er den Ball in der Hand, agierte er im Passspiel ähnlich effizient. Bei den Drives lesen sich Josephs Ergebnisse deutlich besser als die von Vasquez. Auch hier muss ein kleiner Disclaimer hinzugefügt werden: Ein System der Spurs mit besserem Spacing und Voraktionen, welche penetrierende Guards in bessere Position bringt, machte diesen Arbeitsplatz wahrscheinlich einen leichteren. Doch Joseph war kein reiner Systemnutznießer:

Raptors_Wurfauswahl

Trotz günstigerem Spielsystem sah Cory Joseph anteilmäßig an seiner gesamten Offense sogar weniger offene Würfe als Greivis Vasquez und traf bei jeglicher Deckung besser. Vasquez musste etwas häufiger unassistierte Würfe nehmen. Was außerdem für Joseph sprichst, ist die Häufigkeit, mit der er ganz bis zum Korb durchbrach. Vasquez’ Finishing am Korb war zwar auf Ligadurchschnitt, doch er nahm eher weniger Würfe dort – nur 10 mehr als lange Mid-Range Würfe. Seine Drives starben meist in der Pufferzone um die Paint, wo er wie so viele Spieler im 30er-Bereich traf.  Josephs Korbabschlüsse waren sogar seltener assistiert und er brach deutlich häufiger ganz zum Korb durch, wo er bei sehr guten 61% abschloss. Die Sample Size ist bei Josephs kurzem Status als Rotationsspieler noch sehr klein, doch auch diese Daten sollten Fans der Raptors Mut machen, dass Joseph sich trotz seiner Unbekanntheit nicht als Downgrade zu Vasquez in Playmaking und Scoring entpuppt.

Lou Williams’ Abgang wiegt von der Produktion her schwerer und wird nicht zu ersetzen sein, zumindest nicht in der gleichen Form. Der Eins-gegen-Eins-Spezialist feuerte fast die Hälfte seiner Würfe von hinter der Dreierlinie ab. Das ist in etwa der gleiche Anteil an Dreipunktewürfen, wie ihn DeMarre Carroll hatte. Wenn es den Raptors gelingt, diese Produktion aus dem ISO-Bereich zu ziehen und in die Form von Spot-Ups zu transferieren, umso besser.

Fazit

Weiterhin sind die Toronto Raptors eine Ansammlung von Spielern, bei denen man das Gefühl hat, dass sie sich noch nicht vollständig bewiesen haben. Das erschwert die Einschätzung ihrer Leistungsfähigkeit. Das Grundgerüst der Mannschaft hat sich immens gewandelt. Aus einem Offensivmonster bestehend aus Individuen ist eine Mannschaft mit funktionierenden Rollenspielern geworden, die defensiv ein größeres Potential hat. Cory Joseph könnte sich ähnlich wie Kyle Lowry als Spieler entpuppen, dessen Leistungen auf ein noch höheres spielerisches Level schließen lassen als bisher vermutet. Wie einst Lowry deutete er an, dass er ein fähiger, moderner NBA-Spieler ist, der Würfe verwandeln und den Korb attackieren kann. Dwyane Casey steht vor der Herausforderung, sein System umzustellen, um die neuen Teile, allen voran den 29-jährigen Max-Spieler DeMarre Carroll offensiv sinnvoll einzubinden und den Ertrag, den vor allem Lou Williams für sich kreierte auf weitere Schultern zu verteilen. Das wäre auch wichtig, um Kyle Lowry und vor allem DeMar DeRozan in der Regular Season nicht überzustrapazieren. Gelingt das nicht, könnten schnell Zweifel an dieser teuren Verpflichtung laut werden. Denn Carroll wird die Rolle eines für sich selbst Flügelspielers mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausfüllen können.

Neben der Integration von Joseph ist auch die von Biyombo ein Muss, denn nach dem Abgang von Amir Johnson stehen nur ein 35-jähriger Luis Scola sowie die unerfahrenen Ronald Roberts Jr. und Lucas Nogueira als Alternativen auf den großen Positionen zur Verfügung. Auch so sieht alles nach einer kurzen Rotation in Toronto aus, denn die nominelle zweite Reihe aus Joseph – Ross – James Johnson – Scola – Biyombo wird den Erfolg der letztjährigen Banklineups sehr wahrscheinlich nicht imitieren können. Der beste Spieler bleibt ihr Point Guard und ein wahrer, vollkommen verlässlicher Superstar fehlt weiterhin. Die Abkehr von einer Offense, wie man sie sonst nur bei Teams mit solchen Spielern sieht, macht demnach Sinn. Ebenso wie der Fokus auf die Defensivarbeit, vor allem wenn die Strategie eine solch anspruchsvolle ist. Dass diese wie bei den Raptors im ersten Jahr ohne wahre Defensivspieler nicht greift, ist anzunehmen. Nachdem Divisionssieger in der kommenden Saison wahrscheinlich nicht automatisch Heimrecht für die Playoffs zugesprochen bekommen, ist dieser “Threepeat” bei weiteren erstarkten Teams im Osten wie den Charlotte Hornets und Milwaukee Bucks in Gefahr.


Bildrechte: Glenn Simmons via flickr.com (CC BY-NC 2.0)

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben