Oklahoma City Thunder

Enes Kanter – Fluch oder Segen für die Thunder?

In einem Drei-Team-Trade mit den Utah Jazz und den Detroit Pistons wurde Enes Kanter am Tag der Trading-Deadline zu den Oklahoma City Thunder transferiert. Seitdem liefert Kanter vor allem in der Offensive und an den Brettern immer wieder überzeugende Leistungen ab und scheint den Thunder auch eine Präsenz im Lowpost zu geben.

In einem Drei-Team-Trade mit den Utah Jazz und den Detroit Pistons wurde Enes Kanter am Tag der Trading-Deadline zu den Oklahoma City Thunder transferiert. Seitdem liefert Kanter vor allem in der Offensive und an den Brettern immer wieder überzeugende Leistungen ab und scheint den Thunder auch eine Präsenz im Lowpost zu geben.

 

Offensive

Enes Kanter konnte in seinen bisherigen Spielen für Oklahoma vor allem in der Offensive überzeugen. In knapp 30 Minuten erzielt der Türke etwas mehr als 17 Punkte pro Spiel bei sehr starken Quoten. Dabei hat sich in erster Linie seine Wurfauswahl deutlich verbessert. In Utah nahm Kanter 28% seiner Abschlüsse aus einer Distanz von mehr als 16ft (in etwa 5 Meter) traf diese allerdings mit nur 30 Prozent sehr schlecht. In Oklahoma schließt Kanter deutlich öfter in Korbnähe ab, knapp 65 Prozent seiner Abschlüsse finden direkt am Ring statt (Zum Vergleich: Utah 45%).

 

Pick and Roll/Pick and Pop/Dribble Handoffs

Seit der Verletzung von Serge Ibaka ist Enes Kanter für Russell Westbrook die erste Option als Blocksteller im Pick and Roll. Dabei bevorzugt Kanter den Abschluss in Korbnähe. Selbst wenn er aus dem Pick and Pop in die Mitteldistanz abrollt und dort den Ball bekommt sucht er häufig noch den Drive in die Zone. Mit 1.07 PPP (Points per Play) schließt Kanter als Roll-Man sehr effizient ab. Weiterhin interessant zu beobachten ist, dass die Thunder desöfteren Westbrook aufposten und dies dann in ein Pick and Roll mit Kanter übergeht (siehe Video).

 

Post-ups

Auch mit dem Rücken zum Korb agiert Kanter bei den Thunder (1.00 PPP) deutlich effizienter als bei den Utah Jazz (0.89 PPP). Ein Grund dafür könnte sein, dass Scott Brooks die Post-ups für Kanter sehr gut vorbereitet und er so sehr tief im Lowpost angespielt werden kann. Dies ist sehr gut in der ersten Szene im folgenden Video zu sehen. Weiterhin auffällig ist das Kanter seine Mitspieler deutlich bereitwilliger einsetzt als noch in Utah. Er hat sowohl ein Auge für zum Korb cuttende Mitspieler als auch die Übersicht aus einem Double-Team den Ball passen. Sein Assistschnitt hat sich von Utah zu Oklahoma fast verdreifacht.

 

Offensivrebounds

Knapp 27% aller Abschlüsse von Enes Kanter kommen nach Offensivrebounds. Seit der Türke in Oklahoma ist, arbeitet er an den offensiven Brettern wie kaum ein anderer Spieler in dieser Liga. Pro Spiel holt er sich 5.0 Offensivrebounds, auf 100 Possessions normiert 8.3. Damit ordnet er sich zwischen DeAndre Jordan (7.1 ORebs/100Poss.) und Andre Drummond (9.1 ORebs/100Poss.) ein. Schon vor dem Wurf seiner Mannschaftskollegen erarbeitet Kanter sich unter den Brettern eine gute Position und kann sich dank seiner Physis und Länge dann auch oft den Offensivrebound sichern.

 

Transition

Kanter hat für einen 2.10 Meter großen Center ein hervorragendes Ballhandling und auch ein gutes Gespür für Outlet-Pässe. Allerdings kann man ihn nicht zu den schnellen und agilen Big Men wie z.B. Blake Griffin, Brandan Wright, DeAndre Jordan zählen, die permanent in jedem Fastbreak mitlaufen. Knapp 1.5 Abschlüsse pro Spiel nimmt Kanter in der Transition.

 

Defensive

In der Defensive hat Enes Kanter extreme Probleme. Die Defensive der Utah Jazz erlaubte auf 100 Possessions 8.8 Punkte weniger wenn Kanter nicht auf dem Feld stand. Auch die Tatsache, dass die Jazz seit dem Allstarbreak mit einem Defensivrating von 92.1 die beste Defensive der Liga stellen, spricht nicht gerade für Kanter. Ein erschreckend ähnliches Bild scheint sich in Oklahoma abzuzeichnen. Steht Kanter auf dem Feld erlauben die Thunder dem gegnerischen  Team auf 100 Possessions 6.2 Punkte mehr. Doch wo genau liegen die Probleme mit Kanters Defensive?

 

Pick and Roll Defense

Eines der grundlegenden Probleme von Enes Kanter ist die Pick and Roll Defense. Im Video (unten) sind einige Fehler, mit überwiegend Szenen aus dem Spiel gegen die Mavericks, noch einmal detaillierter erläutert. Besonders auffällig ist die schlechte Kommunikation die Kanter und sein jeweiliger Mitspieler (überwiegend Waiters/Westbrook) im Pick and Roll haben. Oft scheinen beide nicht zu wissen, was der andere macht. Außerdem scheinen Kanter die Stärken seiner jeweiligen Gegenspieler entweder nicht bewusst zu sein oder er ignoriert sie. So lässt er Nowitzki gleich mehrmals offen stehen (siehe Video). Ein weiteres Problem ist das Kanter häufig völlig überfordert ist, wenn er in die Situation gerät den Drive des Ballhandlers verteidigen zu müssen. Zum einen fehlt es ihm an Schnelligkeit und zum anderen positioniert er sich desöfteren schon vor dem eigentlichen Drive äußerst ungünstig.

Help-Defense/Rim-Protection

Schon ein Blick auf die traditionellen Boxscore-Stats lässt vermuten, dass Kanter mit 0.4 Blocks pro Spiel wohl nicht zu den elitären Ringbeschützern der Liga gehört. Lediglich 5.2 Würfe verteidigt Kanter pro Spiel am Ring, ein für einen Center katastrophaler Wert. Wie im Video unten zu sehen, verweigert Kanter oft defensive Hilfe obwohl er eigentlich in guter Position ist um von der Weakside zu rotieren und den Drive beeinflussen zu können. Von den 5.2 Würfen die Kanter am Ring verteidigt lässt er in 57 Prozent der Fälle trotzdem den Korberfolg zu. Elitäre Ringbeschützer wie Rudy Gobert und Roy Hibbert können hier Werte zwischen 40 und 45 Prozent aufweisen.

Die offensive Vielseitigkeit von Enes Kanter hilft den Thunder enorm den Ausfall von Serge Ibaka zumindest in der Offensive kompensieren zu können, allerdings bereitet er ihnen auch enorme Probleme in der Defensive. Langfristig kann Kanter, wenn er im Sommer in Oklahoma verlängern sollte, sicherlich zu einem sehr brauchbaren Spieler für die Thunder werden. Mit 22 Jahren ist Kanter immer noch in einem entwicklungsfähigen Alter und kann hoffentlich vor allem defensiv noch einen Sprung machen. Das Saisonvorbereitung im nächsten Sommer sollte ihm außerdem weiterhelfen die defensiven Prinzipien der Thunder zu verstehen und sich besser in die Teamdefense einfügen zu können.

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