Draft, Tournament 2015

NCAA Tournament-Preview ’15-Part I

Regionen und Seeding

Mal wieder verging ein ereignisreiches Collegebasketball-Jahr wie im Flug. Gerade noch über Preseason-Rankings, die letzten Transfers und bedeutensten Coaching-Wechsel des Sommers unterhalten, klopft jetzt schon das NCAA-Tournament an die Tür. Nach den vier Playin-Games morgen und übermorgen beginnt am Donnerstag der reguläre Big Dance mit seinem 64 Mannschaften starken Feld. Es wird in sechs Spielrunden der Titelträger der Saison ausgespielt. Wir werden euch bis dahin mit allen Informationen versorgen, die ihr braucht, um optimal auf diese drei Wochen Madness vorbereitet zu sein. Beginnen wir mit einem Blick auf das Seeding des Turniers und einer Analyse der einzelnen Regionen.

Das Tournament 2015 – ein Überblick

Vorhersehbar – mit diesem Wort würde man wohl die Saison 2014/15 bezeichnen. Besonders gemessen an den vielen Überraschungen, die die Sportwelt sonst für seine Beobachter bereithält, wussten wir schon vor Beginn der Spielzeit verhältnismäßig viel über die Richtung, die dieses Collegebasketball-Jahr einschlagen würde. Gleich elf Teams, die in der Preseason in der Top 15 der Rankings standen, stehen auch nach Regular Season und den Conference Tournaments noch in dieser elitären Gruppe.

In einer Spielzeit, in der sich zeigte, dass nicht die beste Recruitingclass sondern die vielleicht beste Returningclass aller Zeiten die Wildcats-Träume vom 40-0 Wirklichkeit werden lassen könnten, fühlte sich die Saison oft nach „Und jährlich grüßt das Murmeltier“ an. (Und ja, die Returnees Horford/Noah/Brewer/Green nach dem Florida-Titel ’06 wohl besser.) Coach K gewann wieder eine Menge Spiele und sackte als erster D-1-Coach überhaupt seinen 1000. Sieg ein. Bill Self gewann mit seinen Kansas Jayhawks zum elften Mal in Folge die Big 12. Mit dieser Leistung könnte er sich sofort eine Statue vor die Halle zimmern lassen, da er mit dieser Title-Streak in einer Major Conference gerade etwas liefert, das seit den John Wooden-Bruins nicht mehr erreicht wurde und wohl auch nach ihm nie wieder passieren wird. Wisconsin-Trainer Bo Ryan ritt wie erwartet ein Veteran-Team inklusive des Preseason-Player of the Year-Kandidaten Frank Kaminsky zu einer souveränen Big Ten-Championship. Jay Wright tat es ihm in der Big East gleich und wurde auch mit seinen Villanova Wildcats dem unangefochtenen Favoriten-Status aus dem Sommer gerecht. Gleichzeitig gab es auch im Westen nichts Neues. Mark Few bastelte mit seinen Gonzaga Bulldogs wie gewohnt eines der stärksten Midmajor und konnte dabei nach Turiaf, Harris, Olynyk, Pangos und Karnowski mit dem Litauer Sabonis den nächsten International als wichtige Stütze in sein Programm einbinden. Selbst in der Pac-12 wurden alle Erwartungen erfüllt und mit den Arizona Wildcats ein sehr verdienter, aber auch sehr vorhersehbarer Champion gekrönt.

Nun mag man meinen, dass dies ein auch eher langweiliges Tournament versprechen könnte. Dem ist aber nicht so. Dass es während der Saison wenige Überraschungen gab, bedeutet eigentlich nur, dass nur ganz wenige wichtige Teams enttäuscht haben/Fanbases enttäuscht wurden. Nur die Anhänger der Syracuse Orange (Verletzung von NBA-Talent Chris McCullough, Postseason-Ban wegen einieger NCAA-Verstöße), der Michigan Wolverines (Verletzung vom potentiellen Lottery-Pick Caris LeVert) und die der Florida Gators (fehlende Leistung der Sophomores nach unzähligen Abgängen von Seniors, Verletzung von Michael Frazier) können sich wirklich beklagen. Aber da wo Leid ist, da ist auch Freude. Ihren Platz nahmen direkt die drei Teams Maryland, Notre Dame und Utah inklusive der Austrian Sensation Jakob Pöltl ein, die unerwartet auf höchstem Niveau aufspielen konnten.

Insgesamt können wir in diesem Jahr also eine enorme Qualität und vor allem auch viele bekannte Gesichter im Tournament begrüßen. Dies allein wird einen spannenden Turnierverlauf bedeuten, bei dem immer einige Überraschungen garantiert sind – vorhersehbar war gestern.

Midwest – Road to Cleveland

kansasjayhawksKentucky als Overall-#1-Seed hat keine einfache Region erwischt. In ihrem oberen Teil steht mit West Virgina ein Gegner bereit, der schon John Wall und Demarcus Cousins 2010 in einem Elite Eight zu bezwingen wusste. Bob Huggins wird seine Spieler genau mit dieser Geschichte motivieren. Auch Maryland und Purdue können den Wildcats mit ihren Stars Trimble/Layman und Hammonds zumindest etwas NBA-Talent entgegensetzen. Die beiden Colleges überraschten wegen dieser Spieler in ihrer Liga Big Ten und könnten sich als potentielle Stolpersteine erweisen.

Noch spannender wird es aber mit dem Blick auf die untere Hälfte dieses Turnierarms. Auch hier finden sich eine Menge Teams mit enormer Talentdichte. Texas überzeugt mit einem der größten und tiefsten Frontcourts des Landes und hat schon im direkten Matchup mit Kentucky bewiesen, dass sie zumindest physisch mithalten können. Kansas hat zwar wegen Verletzungen und Suspendierungen gerade etwas Probleme unter dem Korb, könnte dies aber locker durch die grandiose Flügelzange Selden/Oubre ausgleichen. Notre Dame, eine Top 5-Offense dieses Jahr, spielte die beste Saison seiner Geschichte und sammelte den ersten Titel in seiner neuen Conference ACC ein. Aber auch die Final Four Teilnehmer von 2013, die Wichita State Shockers dürfen mit ihren talentierten Backcourt VanVleet/Baker nicht unterschätzt werden.

West – Road to Los Angeles

Der Westen hat vom Selection Committee auch viel Talent zugelost bekommen. Wisconsin-Fans wird dies nicht freuen. Sie müssen für ein potentielles zweites Tournament-Wochenende nicht nur an die weitentfernte Westküste reisen, um ihrem Team in der Halle die Daumen zu drücken, sondern sehen sich in ihrer Hälfte des Turnierarms schon direkt mehreren gefährlichen Mannschaften gegenüber. Arkansas spielt nicht nur eine sehr unangenehme Press-Verteidigung. Sie können zusätzlich in Bobby Portis auch einen ähnlich starken Starspieler wie Frank Kaminsky aufbieten. UNC als potentielles Sweet Sixteen-Matchup wäre aber auch nicht einfach. Die Tar Heels besitzen, bis auf konstantes Shooting von hinter der Dreierlinie, in ihrem Team voller talentierter Athleten eigentlich alles, was es für einen Run im März braucht.

Die untere Hälfte ist zwar in der Spitze nicht so gut aufgestellt, bietet aber vor allem in der Breite einige extrem spannende Teams. Arizona muss als stärkster #2 Seed dieses Jahres gelten und wird in LA nur schwer zu bezwingen sein. Baylor ist eines der toughsten Teams des Landes, das mit Rico Gathers den besten Rebounder der gesamten NCAA stellt. Hinzu kommen gleich drei Teams mit niedrigem Seed, die für Furore sorgen könnten. BYU besitzt eine der ältesten Starting Fives des Landes und konnten zuletzt mit ihrem gnadenlosen Offensiv-System #2 Seed Gonzaga in Spokane schlagen. Georgia State hat als Midmajor zwar keine talentierten Bigmen, kann aber mit der Combo Harrow/Hunter/Ware auf einen Backcourt zurückgreifen, den auch viele Highmajor nicht matchen können. Zuletzt muss der potentielle Top 3 Pick D’Angelo Russell genannt werden, der seine Ohio State Buckeyes in bester Stephen Curry-Manier von ‘08 für einen Lauf schultern könnte.

East – Road to Syracuse

Diese Region ist die klar schlechteste des gesamten Feldes. Villanova ist zwar ein sehr starkes und ausgeglichenes Team, besitzt aber für einen #1 Seed ungemein wenig echte Starpower. Louisville wurde als #4 in ihrer oberen Hälfte platziert. Dies könnte eventuell als Ausgleichbewegung des Committees gesehen werden. Letztes Jahr noch klar underseeded, müssen die Cardinals in diesem Jahr, als durch die NCAA hier als Top 16 Team ausgezeichnete Truppe, als klar überschätzt gelten. Coach Pitino verlor gegen Saisonende seinen für die praktizierte Ganzfeld-Presse sehr wichtigen Aufbauspieler Chris Jones. Seit dessen Suspendierung war die Defense nicht mehr annähernd so effektiv, wie zu Jahresbeginn. Positive Worte können allerdings noch über Northern Iowa verloren werden. Der Midmajor-Kollege Wichita States aus der MVC bietet mit Seth Tuttle den vielleicht besten Spieler des Collegebasketballs auf, den wir nie in der NBA sehen werden. Anschaubefehl!

Die untere Hälfte überzeugt schon eher, auch wenn die ganz großen Namen fehlen. #2 Virginia wäre so einer gewesen, wenn sie komplett fit in das Tournament gehen würden. Allerdings gilt ihr bester Spieler Justin Anderson noch immer als angeschlagen. Dies beraubt dieses exzellente Defensivteam einer wichtigen Offensivoption. Dies könnte schon in Runde Zwei gegen die, der aktuellen Form nach zu urteilen, als zu schwach eingeschätzen #7 Michigan State Spartans schon zum Problem werden. Wie immer spielt das gute Rebounding-Team von Tom Izzo pünktlich zum März guten Basketball. Hinzu kommen mit Oklahoma und Providence zwei sehr interessante Teams, die mit Buddy Hield bzw. Kris Dunn jeweils einen Elite-Scorer aufbieten können, der Partien im Alleingang entscheiden kann.

South – Road to Houston

Coach K Teaching Character Through Sport AwardDie #1 Duke hat bis in das Sweet Sixteen mit den Gegnern in ihrer Hälfte eine vermeindlich einfache Auslosung erwischt. San Diego State (null Scoring) und St John’s (Suspendierung ihres besten Frontcourtspielers) erscheinen extrem limitiert. Georgetown präsentierte sich als solides Big East-Team, blieb aber abgesehen von einem Sieg gegen Villanova den Beweis schuldig, dass sie wirklich Elite-Programme schlagen können. So könnte man sich im Hinblick auf die Draft ein Sweet Sixteen Duke gegen Utah wünschen. Jakob Pöltl müsste sich gegen Okafor beweisen, während die Blue Devils-Guard mit Utes-Aufbau Delon Wright alle Hände voll zu tun hätten.

 

Die untere Hälfte ist wie so oft als stärker einzuschätzen. #11 UCLA um Draft-Prospect Kevon Looney wird als das Team, dass sicherlich als umstrittenster Teilnehmer dieses Turniers gilt, darauf brennen, sich doch als würdig zu erweisen. In ihrer ersten Runde geht es allerdings gegen keinen Geringeren als NBA-Champ Larry Brown und seine Mustangs, die es auch ohne Emmanuel Mudiay locker in den Big Dance geschafft haben. Das verspicht Spannung. Zudem finden wir in diesem Teil des Turnierarms zusätzlich Offense-Deluxe vor. Davidson, Iowa State und Gonzaga sind nach dem AdjO-Rating jeweils in der Top 10 des Landes. Allein dies verspricht extrem gut anzuschauende Partien im Süden. Die besten Karten im Hinblick auf ein Weiterkommen sollten die Bulldogs haben. Diese bieten neben viel Shooting, das auch die anderen Teams bringen, zusätzlich extrem gefährliche Postscorer in Karnowski und Sabonis auf.

Es folgen in den nächsten Tagen ein Blick auf die echten Final Four-Contender dieser Saison sowie die interessantesten NBA-Prospects in diesem Turnier.

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