NBA, Sacramento Kings

Rudy & The Kings

Eine frühe Bestandsaufnahme

Eine Woche nach dem Trade von Luc Richard Mbah A Moute für den bisher enttäuschenden zweiten Draftpick des Jahres 2012 wurden die Sacramento Kings ein weiteres Mal auf dem Markt aktiv. Pete D’Alessandro, General Manager der Kings nahm seinem ehemaligen Mentor Masai Ujiri den aufgrund der ineffizienten Spielweise oft gescholtenen Rudy Gay von den Händen und vervollständigte den neuen, untypischen Frontcourt der Kings um Hauptfigur DeMarcus Cousins, Derrick Williams und Rudy Gay, welchen Coach Mike Malone als Stretch-4er sieht.

Nachdem Dennis Spillmann und Jonathan Walker vor kurzem einige Ideen zum Gay-Trade, z. B. zwecks der zukünftigen Vertragssituation Gays, ausgetauscht haben, schauen wir heute auf die ersten Spiele Rudys im lila Trikot, wie er den Kings bisher helfen konnte und welchen Eindruck er neben dem jungen, erweiterten Kern um Cousins, McLemore, Thomas und Williams macht.

Gay und die Offensive der Kings

Das Spacing der Kings gibt Spielern wie Gay und Cousins, die oft auf einer Seite des Feldes isoliert werden – wie erwartet – nicht viel Raum zur Entfaltung, was auch daran liegt, dass mit Ben McLemore und Derrick Williams zwei junge Spieler mit limitierter Vielseitigkeit hohe Minuten abgreifen. Diese Szenen sehen häufig so aus:

spacing_1 spacing_2

Anders wie etwa Bradley Beal oder Klay Thompson zeigt McLemore kaum die Fähigkeit, auch im Halbfeld mit dem Ball in der Hand aktiv zu werden und schnelle Entscheidungen zu treffen. Er nimmt zwar 32% seiner Würfe am Korb, jedoch besteht mehr als 50% seiner Offense aus Spot-Up- und Transition-Situationen. Innerhalb von 2,5 Metern trifft McLemore eher schwache 55%. Stöbert man durch die neuen StatVU-Statistiken, zeigt sich, wie extrem passiv McLemore in Sachen Ballbesitz ist. Im Monat November gab es nur acht Spieler, die bei 15+ Minuten Spielzeit pro Spiel seltener am Ball (4,0 min “time of possession per game” und weniger) waren. McLemore ist außerdem der einzige Guard unter diesen Spielern und bekommt zum Teil deutlich mehr Touches als andere Spieler dieser Liste wie etwa Bismack Biyombo, der „Birdman“, Mason Plumlee (BRK, nicht PHX) oder Ian Mahinmi. Interessanterweise ist auch Teamkollege Travis Outlaw Teil dieser Liste.

Die Paarung aus unkonstantem Wurf, kaum Penetrationsgefahr und schwächerem Abschluss am Korb teilt sich der Rookie McLemore außerdem mit Derrick Williams. Den Kings fehlten demnach gerade auf den Flügelpositionen Spieler mit Kreativität und Vision, die einen Thomas oder Cousins entlasten könnten, und als Brücke zu McLemore, Williams und Thornton dienen, die von dieser Kreativität profitieren können. Hinter Isaiah Thomas (6,7 Drives per Game) und Greivis Vasquez penetrierte tatsächlich big man DeMarcus Cousins vor dem Gay-Wechsel am häufigsten bei den Kings (2,5 Drives per game – gefolgt von John Salmons mit 2,2 Drives per game).

Es ist zu früh, um Aussagen über Gays Effizienz, Usage oder Wurfauswahl in Sacramento zu sagen, jedoch fällt auf, dass Gay als penetrierender, offensiv doch vielseitiger Forward der Kings-Offensive helfen kann, indem er Aufmerksamkeit auf sich zieht und – ganz wichtig – diese Aufmerksamkeit in schnelle, präzise Pässe für die guten Cutter McLeMore und Williams umwandeln kann, wie es sonst keine Spieler neben Thomas und Cousins konstant vermögen:

Gaypass_1

Nachdem Gay hier einen Screen nur antäuscht, um daraufhin in die Zone zu ziehen, bekommt er den Ball in aussichtsreicher Position, während McLemore (Cousins-Screen) und Williams (im Rücken von Morris) zum Korb ziehen. Ähnlich gegen Miami mit einem präzisen Pass für Cousins:

Gaypass_2

Rudy zeigt die Fähigkeit als gedankenschneller Post-Passer neben Cousins auch im Halbfeld, wie etwa hier in Halb-Transition, als er Dwyane Wades Unachtsamkeit gegenüber Jason Thompsons Sprint zum Korb mit einem Bodenpass bestraft:

Gaypass_3

Gay und die Defensive der Kings

Die Kings erzielten vor dem Gay-Trade ein DRtg von 108,7, was zu diesem Zeitpunkt der drittschlechteste Wert war. In dem sehr kurzen Zeitraum, in welchem Gay ein König ist, erzielten die Kings gar ein Defensive Rating von 111,8, der nur von Philadelphias absurdem Tiefstwert von 118,6 „getoppt“ wird. Dabei scheint es, dass die Kings sich durch ihre defensiven Schemen mehr Kopfzerbrechen bereiten als nötig. Mike Malone, der sich letztes Jahr durch seine Arbeit als Defensivkoordinator bei den Golden State Warriors auszeichnete, lässt in auffällig hohem Maße switchen – anders als bei den letztjährigen Dubs. Die Neulinge, die bisher die meisten Minuten abgreifen – Williams und Gay – waren für eine Vielzahl an haarsträubenden defensiven Breakdowns verantwortlich, natürlich auch weil sie mit dem System noch nicht vertraut sind:

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Der erste Frame entstand, nachdem Green einen der Morris-Zwillinge am Elbow fütterte und davor ist, an ihm vorbei zu sprinten wie es meist mehrere dutzende Male in einem Spiel zu sehen ist. Ben McLemore, der Green verteidigt, will diesem brav folgen. Williams hat jedoch die gleiche Idee und Marcus (oder Markieff) Morris eröffnet sich eine Bahn zum Korb. Und ähnlich schlimm:

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Channing Frye trabt hier an P. J. Tucker vorbei in die Strongside Corner. Williams switcht und baut sich vor dem Ballführenden auf, während Gay unentschlossen auf den Ball starrt und Frye in die Ecke entwischen lässt. Durch eine simple Aktion innerhalb der Strongside offenbart sich Phoenix ein völlig freier (Strongside!) Corner-Dreier.

Es wäre nicht fair, Gay und Williams als unintelligente oder gar miserable Verteidiger zu bezeichnen. Durch die wilden Switching-Strategien stellt man sie jedoch vor undankbare Aufgaben, die nicht sein müssten, gerade da beide – vor allem Williams – sich Offensiv noch im System (und der Liga) finden müssen.

Das Fördern solcher Switches scheint der Verteidigung der Kings mehrere Probleme zu bereiten:

1 – Die Spieler verlieren an Fokus und Boden:

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Gay und Williams sind davor, ein potentielles PnR zwischen Omri Casspi und Chandler Parsons zu verteidigen, was sie zum Grübeln bringt. Gay zeigt auf Casspi und schreit etwas in Richtung Williams. Casspi deutet den Screen nur an und verschwindet. Gay folgt ihm, wobei er den Switch anscheinend nicht machen wollte.

Diese Unsicherheit ist bei den Kings auch unter Spielern, die seit Anfang der Spielzeit unter Malone spielen, zu sehen. Die Szene scheint nicht besonders wild, jedoch wird auf NBA-Niveau selbst ein kurzes defensives Zögern/Unordnung recht konsequent bestraft, vor allem wenn es sich – wie bei den Kings – häuft.

2 – Es erlaubt zu viele Mismatches für Spieler wie Williams (Schnelligkeit), Gay, McLemore und Thomas (Größe).

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Hier deckt Williams Marcus Morris, während Marcus Thornton sich um den schnelleren Guard Gerald Green kümmert. Die Suns tragen den Ball von Seite zu Seite, während Gerald Green und Marcus Williams ebenfalls die Seiten tauschen. Wie vermutet folgt ein Switch zwischen Williams und Thornton. Gerald Greens Explosivität trägt ihn mit Leichtigkeit an Williams vorbei und so zieht er relativ ungestört in die Zone ein, hat “top of the key”, in der Weakside-Corner und unter dem Korb drei lukrative Anspielstationen.

3 – Die Spieler müssen unnötig viel denken.

Gerade unerfahrene Spieler wie Derrick Williams, Jimmer Fredette, Ben McLemore oder unzulängliche Help-Verteidiger wie Thornton und Thomas stellt jeder Ballbesitz eines Gegners vor die Herausforderung, die offensiven Vorlieben gleich mehrerer Spieler im Kopf zu haben, da die Wahrscheinlichkeit, durch einen Switch an sie zu kommen, recht hoch ist. Ob dieser Crashkurs bei den vielen jüngeren Spieler, die viele Minuten spielen, ein schnelleres Lernen verursacht oder sie nur verwirrt?

Gay und Williams sind neu und spielen bisher hohe Minuten, weswegen es nicht verwunderlich ist, dass Sie für einen guten Teil der Breakdowns verantwortlich sind. Inwieweit die Switches in zwei Monaten besser flutschen und ob Malone bis dahin weiterhin so rigoros switchen lässt, bleibt eine spannende Frage. Aber es sind auch alte Bekannte, die defensiv zum Teil grobe Aufmerksamkeitsfehler begehen:

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Hier “hedgt” DeMarcus Cousins hart gegen Gerald Green (wahrlich keine großartige Gefahr als PnR-Ballhandler so weit draußen) nach einem Pick von Miles Plumlee. Und das obwohl die erste Hilfe gegen Plumlee in der Weakside Corner der winzige Isaiah Thomas ist und Derrick Williams den starken Schützen Channing Frye nur einen Pass entfernt verteidigen muss. Der athletische Plumlee marschiert völlig frei in die Zone und ist ein einfaches Anspielziel für Gerald Green, der als Guard mit Forward-Größe auch schwer zu „trappen“ ist.

Fazit

Offensiv bietet das Frontcourt-Duo aus DeMarcus Cousins, Rudy Gay und Derrick Williams bisher eine passable Leistung und erzielt mit McLeMore und Thomas bereits das zweitbeste ORtg aller Lineups, welche die Kings in dieser Spielzeit eingesetzt haben, wenn auch natürlich in kleinem Sample Size. In der Wurfauswahl ist Gay immer noch der gleiche Spieler. Ein Mid-Range-Wurfverbot gab es also nicht und so wirft Rudy weiterhin fröhlich unassistierte, schwere Würfe und ist bei deutlich kleinerer Usage deutlich effizienter als zu Saisonbeginn in Toronto (was auch nicht schwer ist).

Die Kings könnten in Gay und Cousins ein anlagenreiches, kreatives Duo im Post besitzen, während die Entwicklung McLemores als On-Ball Spieler sich als früher X-Faktor herauskristallisiert. Inwieweit Derrick Williams in dieses Konstrukt passt, sollte auch davon abhängen, da er ähnliche Limitationen wie McLemore zeigt. Die größte Sorge bleibt jedoch weiterhin die Defensive. So gut die vorher genannte 5-Mann-Lineup auch bisher im Angriff war, so desaströs verteidigte sie. Obwohl auch hier Wachstum zu erwarten ist, da viele Minuten zuletzt an Team- oder Liga-Neulinge vergeben wurden, die mit der Situation nicht vertraut sind, bleibt  abzuwarten, wie gut diese Gruppe inmitten des ständigen Chaos und der Mismatches, die durch das aggressive Switchen entstehen, verteidigen kann.

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