Draft, Fool's Gold

Fool’s Gold 2016: Playmakers

Welche Prospects haben ein zu hohes Bust-Potenzial?

Jahr für Jahr zeigen wir euch mit unserem Draftranking, welche internationalen Talente und CBB-Prospects über die Saison hinweg unser Herz erobert haben. Allen aufgeführten Spielern sagen wir mindestens eine NBA-Karriere als erfolgreicher Rollenspieler voraus. In diesen erlesenen Kreis zu kommen, ist allerdings nicht ganz einfach. Viele auf anderen Draftseiten als Firstrounder gehandelte Talente genügen unseren Ansprüchen nicht ganz. Sie funkeln und glänzen, sind am Ende aber wohl mehr Schein als Sein. In “Fool’s Gold Prospects” erklären wir euch, welche Jungs das in diesem Jahr sind und warum wir sie als Spieler mit zu hohem Bust-Potential einschätzen. Heute die Playmaker:

Demetrius Jackson – Junior – Notre Dame Fighting Irish

Warum Erstrundenhype?

Kein Jerian Grant, kein Problem! Trotz des Abgangs ihres Star-Playmakers erreichte Notre Dame auch in der Spielzeit 2015/16 das Elite Eight. Den größten Anteil an diesem Erfolg kann man Junior Demetrius Jackson zuschreiben. In der Vorsaison noch als Off-Guard an der Seite Grants aktiv, rückte der 21-Jährige in diesem Jahr auf die Eins und agierte mehr als primärer Ballhandler. Für die Fighting Irish fand Jackson in der größer gewordenen Rolle eine effiziente Mischung (118 ORtg bei 24,1 USG%) aus Einsetzen der Mitspieler (25,1 AST%) und eigenem Abschluss (17,6 PpG). Sowohl als Pick’n’Roll-Ballhandler, Isolation-Scorer, Pullup-Spieler oder auch Catch’n’Shoot-Werfer strahlte er große Gefahr aus.

Trotz seiner Größe von 6‘1‘‘ findet Jackson den Weg zum Korb und hat wegen seiner durchtrainierten 195 Pfund Körpergewicht auch wenig Probleme bei Kontakt abzuschließen. Beim Combine zeigte er mit dem zweitbesten Max Vertical Wert von 43,5‘‘, dass er ein sehr explosover Athlet sein kann.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Demetrius Jackson scheint sich neben einem kreierenden Spielmacher wohler zu fühlen. Das zeigte sich im Jahr nach Jerian Grant ganz klar. Ihm geht Playmaking nicht komplett ab, es fällt ihm aber auch nicht so leicht, wie es einem NBA-Einser auf CBB-Ebene fallen sollte. Eine Rolle, in der er eher als Wing oder sekundärer Playmaker agiert, wäre passender für ihn. Dies könnte in der NBA allerdings problematisch werden. Durch seine Körpergröße von 6‘1‘‘ ist er in der Hinsicht leider etwas limitiert. Schon sowieso als eher inkonstanter Verteidiger bekannt, wird er auf dem nächsten Level durch fehlende Zentimeter in noch heftigere Schwierigkeiten geraten und mit Glück eine Position anständig verteidigen können.

In der Offensive ist sein Skillset als Off-Ball-Spieler auch nicht unbedingt herausragend. So muss sein Wurf nach dem letzten Jahr als eher „streaky“ gelten (33 3P%, Career: 38 3P%). Dies senkt sowohl sein Ceiling als auch seinen Floor als Prospect.

Tyler Ulis – Sophomore – Kentucky Wildcats

Warum Erstrundenhype?

Der Sophomore Tyler Ulis ist ein ganz besonderes Playmaker-Talent. Der flinke Aufbauspieler verfügt über grandiose Courtvision, ein tolles Handling und einen hohen Basketball IQ. Als kluger Floorgeneral war er es, der die Kentucky-Offense mit seinen Pick’n’Roll-Reads und seinem Decisionmaking stetig antrieb. Seine Pass-Fähigkeiten war dabei überragend (3,5 A/TO). Aber auch als Scorer tat er sich der Guard hervor (17,3 PpG). Pullups, viele gezogene Freiwürfe (.44 FTr), ein solides Floater-Game (48,6 FG%) und immer mal wieder auch Punkte in Isolation-Situationen (0,98 PPP) ließen Ulis zu einer sehr effizienten Offensivoption werden (128 ORtg bei 23,2 USG%). Eine sehr bissige Defense auf hohem Niveau rundet das Bild eines ziemlich kompletten Playmakers ab.

So dürfte es niemanden wundern, dass es für den Sophomore nur so Auszeichnungen zu hageln schien. First Team All American, bester Spieler und Verteidiger seiner Conference SEC – dieses Kunststück gelang zuletzt Anthony Davis. Das deutet an, wie besonders Tyler Ulis‘ zweites College-Jahr war.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Leider unterscheiden Anthony Davis und Tyler Ulis in Bezug auf ihre Körpergröße etwa 12 Inches. Der Sophomore-Guard erreicht mit Schuhen gerade so 5‘10‘‘. Dazu ist Ulis ein extremes Leichtgewicht. Er knackt noch nicht einmal die 150-Pfund-Marke. Noch nie wurde ein Spieler gedraftet, der so leicht war wie er. (Zum Vergleich: Isaiah Thomas brachte vor seiner Draft 189 lbs. auf die Waage.) Da hilft es ihm auch nicht, dass er über eine verhältnismäßig lange Armspannweite von 6‘2‘‘ verfügt. Dies muss jedem Scout leidtun, da Ulis über das vielleicht kompletteste Spiel aller Playmaker verfügt und mit einem 6‘3‘‘/180 lbs.-Frame wohl ein sicherer Top 10-Pick wäre. Durch die fehlenden Zentimeter verblassen seine großen Stärken auf dem nächsten Level allerdings etwas bzw. wiegen seine wenigen Schwächen etwas schwerer. So schloss er schon am College nicht immer souverän am Korb ab (57,8 FG@Rim) und hatte in der vergangenen Saison Probleme mit seinem Dreier (34,4 3P%). Playmaking und Shotcreation wird gegen größere und noch athletischere Gegenspieler sicher nicht einfacher. Hinzu kommt, dass er seine Trumpfkarte Defense auch nicht mehr so gewinnbringend ausspielen können wird, wie er dies bei Kentucky noch tun konnte. Seine Energie und tolles Verständnis in der Verteidigung werden ihn nicht davor retten, von nahezu jedem Spieler der Liga aufgepostet werden zu können.

Dejounte Murray – Freshman – Washington Huskies

Warum Erstrundenhype?

Dejounte Murray legte im Schatten der großen Namen Simmons, Ingram oder Murray eine grandiose Freshman-Saison hin, die ihm schon im seinem ersten CBB-Jahr Second Team All-Pac 12-Ehren einbrachte. Der 6‘5‘‘-Playmaker überzeugte vor allem mit stark ausgebildeten Scoring-Instinkten. Der schnelle Guard ist im Fastbreak kaum zu verteidigen. Im Eins-gegen-Eins kann er mit seinen Dribble-Moves und Beweglichkeit jederzeit einen Gegenspieler aussteigen lassen, um danach für einfache Punkte zu sorgen.

Besonders effektiv ist dabei sein Floater-Game aus der Mitteldistanz (45 FG%). Sein Playmaking ist für sein Alter schon auf einem sehr soliden Level angelangt (25,6 AST%). Dazu besitzt er eine Armspannweite von 6‘9.5‘‘, die ihm auch auf NBA-Level ermöglicht, beide Guard-Spots bekleiden zu können. Dies gibt ihm enormes defensives Potential. Teilweise konnte er dieses als opportunistischer Balldieb (2,8 STL%) und guter Rebounder (13,7 DREB%) auch schon umsetzen.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Der Huskies-Freshman ist derzeit ein Spieler, der zu großen Teilen von seiner Athletik lebt und nur wenig durch echte Skills überzeugt. Besonders schwer wiegt, dass er dadurch nicht so einfach einer NBA-Position zugewiesen kann. Seine physischen Voraussetzungen geben ihm Combo-Guard-Potential, sein Mangel an Fähigkeiten machen ihn aber eher zum Tweener. Er hat große Probleme im Halfcourt zu kreieren (0,78 PPP) und richtige Entscheidungen zu treffen (16,3 TOV%), was an seinem verbesserungswürdigen Handling und seinem ausbaufähigen Basketball IQ liegt. Zudem lässt er sich mit seiner Score-First-Mantalität immer wieder zu ineffizienten Abschlüssen aus der Mitteldistanz hinreißen (0,58 PPP für Midrange-Pullups). So fällt es schwer, ihm die Ballhandler-Schlüssel zu einer ambitionierten NBA-Offense in die Hand zu geben (99,7 ORtg bei 25,9 USG%).

Andererseits ist er abseits des Balles auch ein eher problematischer Fit. Sein Wurf bietet kaum Spacing (28,8 3P%). Als Slasher trat Murray trotz seiner Größe nie Erscheinung, da er mit seinen nur 170 lbs. Körpergewicht Kontakt in der Zone noch nicht so gut absorbiert (58 FG%@Rim). Seine Defense ist inkonstant. Deswegen scheint der Weg zum hilfreichen Rotationsspieler trotz großen Potentials noch lang.

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