Conference Call: Novemberausgabe

Hier könnt ihr über die beste Basketballliga der Welt, die National Basketball Association, diskutieren.
Antworten
Benutzeravatar
Jonathan Walker
Go-to-Guys-Redakteur
Beiträge: 1854
Registriert: 27.03.2012, 20:43
Lieblingsteam: Phoenix Suns
Lieblingsspieler: LeBron, Steve, D-Book
Lieblingsposition: Point Forward
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Conference Call: Novemberausgabe

#1

Beitrag von Jonathan Walker » 05.12.2018, 07:00

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus einem Go-to-Guys-Artikel.  Gesamten Artikel lesen.

In der Novemberausgabe des “Conference Calls” spricht Host Jonathan Walker der Reihe nach mit einigen Redakteuren über aktuelle Entwicklungen des abgelaufenen Monats, die wir ins große Ganze der Liga(-historie) einordnen wollen. Diese Beobachtungen auf Liga-, Team- und Spielerebene werden wir dann über den Verlauf der Saison im Auge behalten und gegebenenfalls in kommenden Ausgaben weiter analysieren.


Diesen Monat dabei:


1. Jonathan zur Pace in Offense & Defense 


2. Tom wieder zu Teams mit heißen bzw. kalten ersten zwei Monaten ab 13:07


3. Patrick wieder zu Spielern mit auffälligen Entwicklungen und Streaks ab ab 48:00


4. David wieder zur Rookie Class sowie Hoibergs Entlassung ab 01:20:21


Benutzeravatar
Simon
Go-to-Guys-Redakteur
Beiträge: 721
Registriert: 30.10.2016, 10:10
Lieblingsteam: 76ers, Suns
Lieblingsspieler: Kemp, Nash, Muggsy, Garnett, Durant
Kontaktdaten:

#2

Beitrag von Simon » 05.12.2018, 22:53

Toller Pod :tup: Auch schön lang :mrgreen:
Die Aufzählung der Pace-Stats am Anfang war für mich allerdings etwas schwierig, ist einfach nicht so leicht dir da zu folgen. Da fände ich es besser, ein paar zentrale Erkenntnisse aus den Zahlen zu ziehen und dich darauf zu beschränken.

Zu Ayton: 30% seiner Abschlüsse am Ring sind Dunks. Bei den meisten athletischen Centern/7-Footern liegt dieser Wert bei gut 50% und mehr (z.B. Gobert, McGee, Bamba, Jordan). Diese Zahlen beweisen natürlich noch nichts, Capela und Adams haben z.B. auch eher niedrige Dunk-Raten. Allerdings bestätigt der Eye Test diese fehlende Aggressivität bei Ayton nicht nur, der Eindruck ist sogar noch schlimmer. Gegen die Lakers am Sonntag hat er beispielsweise allein in der ersten Halbzeit mindestens drei Dunks verweigert, die Layups vergeigt und damit 6 leichte Punkte liegen gelassen.

Und an beiden Enden des Feldes deuten leider einige Zahlen auf genau diese fehlende Aktivität/Aggressivität hin: niedrige BLK% und wenige Fouls in der Defense, dazu 67% zugelassene Wurfquote am Ring. Immerhin verteidigt er relativ viele Versuche am Ring (per stats.nba.com), das ist schon mal ein gutes Zeichen.

In der Offense ist es neben den Dunks auch noch die swhr niedrige FTr, im Vergleich zu anderen Bigs wird Ayton sehr selten gefoult. Das ist ja oft ein weiteres Zeichen, dass ein Spieler nicht aggressiv genug den Ring attackiert.

Vieles an Ayton macht wirklich Spaß und Hoffnung, aber das bereitet mir doch etwas Sorgen. Denn üblicheweise sind das Dinge, die man nicht so einfach "lernen" kann. Oder seht ihr das anders?

Mabusian
Beiträge: 222
Registriert: 10.09.2017, 23:10
Lieblingsteam: Dallas Mavericks
Lieblingsspieler: Dirk Nowitzki
Lieblingsposition: SF

#3

Beitrag von Mabusian » 06.12.2018, 10:14

Simon hat geschrieben:
05.12.2018, 22:53
Toller Pod :tup: Auch schön lang :mrgreen:
Die Aufzählung der Pace-Stats am Anfang war für mich allerdings etwas schwierig, ist einfach nicht so leicht dir da zu folgen. Da fände ich es besser, ein paar zentrale Erkenntnisse aus den Zahlen zu ziehen und dich darauf zu beschränken.
Fand ich auch. Wo lest ihr denn die Pace Stats ab?

Benutzeravatar
Simon
Go-to-Guys-Redakteur
Beiträge: 721
Registriert: 30.10.2016, 10:10
Lieblingsteam: 76ers, Suns
Lieblingsspieler: Kemp, Nash, Muggsy, Garnett, Durant
Kontaktdaten:

#4

Beitrag von Simon » 06.12.2018, 10:24

Mabusian hat geschrieben:
06.12.2018, 10:14
Simon hat geschrieben:
05.12.2018, 22:53
Toller Pod :tup: Auch schön lang :mrgreen:
Die Aufzählung der Pace-Stats am Anfang war für mich allerdings etwas schwierig, ist einfach nicht so leicht dir da zu folgen. Da fände ich es besser, ein paar zentrale Erkenntnisse aus den Zahlen zu ziehen und dich darauf zu beschränken.
Fand ich auch. Wo lest ihr denn die Pace Stats ab?
http://stats.inpredictable.com/nba/ssnTeamPoss.php

Benutzeravatar
Tom_Schneider
Go-to-Guys-Redakteur
Beiträge: 83
Registriert: 13.04.2017, 16:22
Lieblingsteam: Golden State Warriors
Lieblingsspieler: Kevin Durant
Lieblingsposition: Small Forward

#5

Beitrag von Tom_Schneider » 06.12.2018, 12:09

Ich würde deine Kritikpunkte weitestgehend teilen @Simon . Allerdings ganz klar bei dem „Lern“ Aspekt widersprechen. Der Mann hat bisher 20 Spiele NBA Erfahrung, der kann noch einiges lernen in jeglicher Hinsicht. Er startet ja laut eigenen Aussagen etwas vorsichtiger und schaut sich das Ganze erst mal an. Kann man ihm anlasten, aber bedeutet auch, dass er selber weiß, dass er noch ne Schippe drauflegen kann hinsichtlich der Aggressivität. Er hat einfach so viele Bereiche in denen er schon tolle Ansätze gezeigt hat, gerade in der Offense (Playmaking, Spielverständnis, Wurf) dass ich ihn da noch in keiner Hinsicht abschreiben würde. Will ich dir auch nicht unterstellen aber unterstreicht nochmal, dass man die bisherigen offensiven Tendenzen auch positiv bewerten kann.

Was die Dunk Rate angeht find ich den Vergleich mit reinen PnR Verwertern, die überhaupt keinen Wurf haben etwas unfair. Auch hier kann man seine Zögerlichkeit kritisieren (hat Jonathan im Pod ja auch getan) aber, dass er weniger dunkt als Spieler die nix anderes können, finde ich irgendwo auch logisch.

Und dass er defensiv Würfe am Ring contested würd ich auch erst mal sehr positiv sehen. Dass die Quoten noch nicht stimmen ist bei seiner Erfahrung und dieser Sample Size noch nicht weiter verwerflich. Ist bestimmt auch keine Hilfe wenn im PnR teilweise Drehtür Guards zur Verfügung stehen und er dann versuchen soll den Karren aus dem Dreck zu ziehen.
So, jetzt hast du mal ein paar alternative Interpretationen.

Benutzeravatar
Simon
Go-to-Guys-Redakteur
Beiträge: 721
Registriert: 30.10.2016, 10:10
Lieblingsteam: 76ers, Suns
Lieblingsspieler: Kemp, Nash, Muggsy, Garnett, Durant
Kontaktdaten:

#6

Beitrag von Simon » 06.12.2018, 14:16

Tom_Schneider hat geschrieben:
06.12.2018, 12:09
So, jetzt hast du mal ein paar alternative Interpretationen.
Ich glaube, wir sind da gar nicht unterschiedlicher Meinung ;)
Tom_Schneider hat geschrieben:
06.12.2018, 12:09
Er hat einfach so viele Bereiche in denen er schon tolle Ansätze gezeigt hat, gerade in der Offense (Playmaking, Spielverständnis, Wurf) dass ich ihn da noch in keiner Hinsicht abschreiben würde. Will ich dir auch nicht unterstellen aber unterstreicht nochmal, dass man die bisherigen offensiven Tendenzen auch positiv bewerten kann.
Meine Kritik bezieht sich ja nur auf einen sehr spezifischen Punkt. Diese positiven Dinge will ich ja gar nicht in Frage stellen.

Klar, nach 20 Spielen ist das alles noch reine Spekulation. Aber: Fallen dir/euch denn Spieler ein, die am Anfang der Karriere als eher "lethargisch" galten und das später ins Gegenteil umkehren konnten? Simmons hatte das "Problem" am College, aber in der NBA war ab Spiel 1 klar, dass man sich da keine Sorgen machen musste. Auch wenn das natürlich eine völlig andere Nummer ist, aber als Negativbeispiel fällt mir da sofort Jahlil Okafor ein :mrgreen:
Tom_Schneider hat geschrieben:
06.12.2018, 12:09
Was die Dunk Rate angeht find ich den Vergleich mit reinen PnR Verwertern, die überhaupt keinen Wurf haben etwas unfair. Auch hier kann man seine Zögerlichkeit kritisieren (hat Jonathan im Pod ja auch getan) aber, dass er weniger dunkt als Spieler die nix anderes können, finde ich irgendwo auch logisch.
Ich habe mir ja nur den Anteil der Dunks an den Abschlüssen direkt am Ring (0-3 ft.) angeschaut. Das hat nichts damit zu tun, wieviele Würfe die Spieler abgesehen davon aus größerer Entfernung nehmen. Insofern ist der Vergleich schon zulässig, denke ich.

Benutzeravatar
David Krout
Beiträge: 12
Registriert: 26.05.2016, 14:39
Lieblingsteam: Celtics
Lieblingsspieler: Rondooooo
Lieblingsposition: Guard

#7

Beitrag von David Krout » 06.12.2018, 15:14

Hey Simon,

ich würde auch eher davon ausgehen, dass er diese Art Spieler bleiben wird. habe mir mal die Rookie Saison von Cousins angeschaut (der ja ähnliche Probleme mit sich bringt/brachte), und finde das sieht gar nicht mal so anders aus.

https://www.basketball-reference.com/pl ... 01&y2=2011

Bei Cousins waren, wenn ich mich nicht verrechnet habe, sogar nur knapp unter 20% seiner Abschlüsse am Korb Dunks. Da Ayton aber nicht so sehr aus der Midrange chucked und trotz der Tatsache, dass er öfter dunken sollte er seine Würfe am Korb derzeit ja trotzdem mit 75% trifft, habe ich was seine offensive Effektivtät angeht eigentlich wenige Bedenken. Ist vielleicht manchmal ärgerlich wenn er einen Layup nimmt statt zu dunken, aber er bleibt dennoch ein elitärer Offensivspieler.

Defensiv finde ich in diesem Vergleich aber auffällig, dass Ayton noch ne Ecke mieser aussieht. Cousins konnte ja immerhin seit Karrierebeginn gut Charges nehmen. Soweit ich weiß steckt das nicht in Ayton's Repertoire, zumindest hab ich es noch nicht gesehn. Spielervergleiche sind natürlich auch immer problematisch, aber denke Cousins passt ganz gut da er einer der wenigen offensivgepolten Centers (Vielleicht sogar der einzige? Eventuell noch Pau Gasol aber seine beiden letzten Allstars fand ich persönlich Unfug :p) mit gravierenden defensiven Mankos ist der in den letzten Jahren auf Allstar Niveau performen konnte.

Benutzeravatar
STAT
Beiträge: 1387
Registriert: 17.07.2014, 13:53
Lieblingsteam: Las Vegas CasinoSuns
Lieblingsspieler: Robert Sarver
Lieblingsposition: Owner

#8

Beitrag von STAT » 06.12.2018, 18:37

Simon hat geschrieben:
05.12.2018, 22:53
Vieles an Ayton macht wirklich Spaß und Hoffnung, aber das bereitet mir doch etwas Sorgen. Denn üblicheweise sind das Dinge, die man nicht so einfach "lernen" kann. Oder seht ihr das anders?
Ja Simon, ich sehe es etwas differenzierter, da ich unzählige Beispiele kenne und direkt beteiligt bin/war. Ich kenne z.B. jemanden in diesem Alter, der in einer ähnlichen Situation wie Ayton war. Er war immer das große Talent, aber in der Schule nur Mitläufer, sehr schüchtern und introvertiert. Die Trainer haben ihn immer angezählt, "er müsse doch mal aus sich heraus gehen". In Sportschulen mit hohem Leistungsdruck hatte er immer große Probleme, weil er sich gegen die ganzen Alphatiere nicht durchsetzen konnte. Am Ende litt er sehr darunter. Als er die für ihn richtigen Leute kennen lernte, drehte sich alles um 180 Grad. Er war bereit sich zu ändern und er hatte Hilfe. Heute ist er Kapitän, Leitwolf und Anführer. Vor 18 Monaten war er noch ein verschrecktes Küken. Speziell in diesem Alter gibt es einfach niemals eine pauschale Antwort. Nie! Manche kennen ihre Rolle, andere müssen erst hineinwachsen. Viel mehr ist der junge Kerl von dem ich spreche an dieser Situation gewachsen.

Diese Lethargie bei Ayton (wenn es denn eine ist?) ist vermutlich aktuell ein Teil seiner Persönlichkeitsstruktur. Mittlerweile sind wir auf wissenschaftlicher, psychologischer und metaphysischer Ebene soweit, um heute anders als noch vor 10 Jahren über diese Themen zu sprechen. Die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen ist nicht komplett in Stein gemeißelt, es ist vielmehr ein Leitfaden. Sie ist zum einen das Resultat aus Umfeld, Erfahrungen, Glaubenssätze, bestimmter Muster und zum anderen der Teil den wir mit dem physischen Auge nicht fassen können.

Mit welchen Talenten und Eigenschaften kommt jeder einzelne von uns auf die Welt? Wie viel von diesen Talenten sind ab einem bestimmten Punkt abrufbar und welche Talente müssen erst ausgeschöpft (trainiert) werden? Was wird vor der Geburt festgelegt und was kommt danach in der menschlichen Erfahrung hinzu? Das kann man heutzutage je nach Individuum relativ simpel herausfinden, analysieren und dementsprechend Anpassungen vornehmen. Ob das in Phoenix getan wird, weiß ich nicht. Wenn Igor sagt, er sei für den Effort des Teams nicht verantwortlich, dann darf man die Frage stellen, ob in Phoenix die richtigen Coaches für (lethargische?) Menschen wie Ayton arbeiten.

Es sieht auf den ersten Blick momentan so aus, als ob Ayton‘s Persönlichkeitsstruktur ihn daran hindert „aggressiv“ zu spielen. Deshalb schöpft er vermutlich noch nicht sein gesamtes Potential aus. Es gibt x effektive und effiziente Möglichkeiten seine gesamte Persönlichkeitsstruktur zu verändern und es funktioniert bei jedem. Die Dauer dieses Prozesses ist bei jedem unterschiedlich. Es kommt darauf an wie stark die Konditionierung ist und was bearbeitet werden möchte. Ist es ein tieferliegendes Problem oder eher eine oberflächliche Geschichte? Ist es eine Eigenschaft die Ayton seit seiner Geburt in sich trägt oder hat sich diese Eigenschaft über Jahre hinweg während des Lebens dahin entwickelt? Über welche Form von Lethargie sprechen wir? Menschen neigen dazu, weil sie u.a. über Jahre und Jahrzehnte hinweg programmiert sind, vieles als unbewegliche Einheit anzusehen. Alles ist veränderbar. Selbst der größte Pessimist, Phlegmatiker oder Langweiler kann sich zum Gegenteil erziehen. Dieser Prozess ist nicht schwer zu erlernen. Wenn überhaupt etwas schwer ist, dann der erste Schritt. Bin ich bereit an mir zu arbeiten?

Nun wird es komplizierter:
Kann Ayton mit jahrelangem Coaching, Mentalitätstraining und seinem freien Willen jemals so ein Typ wie Montrezl Harrell werden? Kann Ayton jemals die gleiche Gier wie LeBron oder Ronaldo entwickeln?

In der Wissenschaft ist man sich mit den Zahlen nicht ganz sicher. Man sagt, ca. 90-99% im Alltag läuft unterbewusst ab, d.h. ein Großteil der Entscheidungen wird vom Unterbewusstsein gesteuert bzw. gelenkt. Im Basketball geht es oft um Bruchteile einer Sekunde. Der Spieler muss intuitiv handeln und improvisieren und woher kommt das? => u.a. von Erfahrungen aus der Vergangenheit, also dem Unterbewusstsein. Mit Setplays ist ja das Gleiche. Je öfter ein Play trainiert wird, desto besser funktioniert es ab einem bestimmten Punkt. Die Sache mit der Aggressivität funktioniert exakt gleich, es ist nur ein anderes Gebiet. Je häufiger Person A in Situation B verwickelt ist, desto mehr wird das Bewusstsein mit dieser Thematik konfrontiert, also trainiert.

Der zweite große Teil sind die kognitiven Fähigkeiten von Ayton. Zu was ist sein Geist in der Lage? Was nimmt er in seiner Umgebung wahr? Wie schnell nimmt er seine Umgebung wahr? Wie schnell verarbeitet sein Gehirn bestimmte Prozesse? Wie aufmerksam ist er? Kann er über 35 Minuten auf diesem Niveau konzentriert sein? Wie ist seine Koordinationsfähigkeit? Dieser Teil ist eng mit dem Unterbewusstsein verbunden, weil viele Dinge ineinanderlaufen. Faustformel: Je häufiger etwas erlebt wird, desto mehr wird es die eigene Realität. (Konditionierung)

Der dritte Teil ist das Talent, exakt der Teil den wir haben oder nicht haben. Manche von uns sind gut in A, andere sind gut in B. Diejenigen die gut in A sind, werden trotz jahrelangem Training nie so gut in B wie die anderen sein. => auf Deutsch: wir beide werden keine NBA-Spieler mehr, unabhängig davon wie viel wir trainieren und uns umprogrammieren. Uns fehlt das Talent, selbst wenn wir die größten aggressiven Mentalitätsmonster sind, es reicht nicht.

Vielleicht hat Ayton „von Anfang an“ nicht das Talent „innerer Motor“ wie z.B. von Montrezl Harrell, d.h. Ayton kann machen was er will und er wird nie auf dieses Niveau kommen. Aber eines ist ganz sicher: Ayton kann diesen Zustand trotzdem drastisch verändern, zumindest innerhalb seines eigenen Talentpools. Verbesserungspotential hat jeder Mensch und jeder kann es lernen. Das ist nicht schwer! Schwer machen es sich manche Menschen nur selbst, in dem man z.B. nicht bereit ist sich selbst zu reflektieren, zu ungeduldig ist und zu schnell aufgibt. Wenn man aber mal angefangen hat, kann man trotz starker Konditionierung sehr schnell Erfolge feiern und natürlich Kraft und Motivation daraus ziehen.

Ayton wirkt manchmal als würde ihm alles zu schnell gehen. Das könnte indirekt mit seiner Passivität zu tun haben. Bsp.: wenn das Spiel für Ayton zu schnell wird, verarbeitet sein Gehirn bestimmte Prozess zu langsam und reagiert dann zu spät. Für uns sieht es am Bildschirm dann so aus, als wäre er viel zu passiv. Vielleicht ist die NBA für Ayton zu schnell und der innere Motor ist sowieso eine Baustelle. Dieser Umstand kann dazu führen, dass sich beides potenziert und seine Leistung negativ nach unten zieht. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass er selbst mit jahrelangem Training dieses Defizit nicht verbessern könnte. Dann fehlt ihm diese Form von Talent (IQ) einfach grundlegend. Um das wirklich in Betracht zu ziehen, würde ich allerdings mindestens 3-5 Jahre warten. Dafür ist die aktuelle Sample Size viel zu klein, das Spiel zu komplex und von dem Faktor Mensch/Individuum reden wir besser gar nicht.

Was dagegen spricht:
Ayton hatte an beiden Seiten des Courts sowohl aggressive als auch sehr starke Phasen. Es fehlt bis jetzt die Konstanz, ansonsten wäre er schon brutal gut. Wenn ihm das Spiel zu schnell wäre, dann hätten wir tendenziell wesentlich mehr Schatten als Licht gesehen? Es gibt Indikatoren die für Ayton sprechen und deswegen würde ich hier noch nicht behaupten, Ayton bleibt dieser Spieler der er momentan ist. Es ist noch viel zu früh. Mit mehr Erfahrung und dementsprechend Automatismen könnte er in einem Jahr wie ein ganz anderer Spieler aussehen. Findet diese Entwicklung nicht statt, dann gibt es möglicherweise ein tieferliegendes Problem in seiner Persönlichkeitsstruktur, also die Lethargie bleibt eine Baustelle.

Wir haben ja folgendes bis jetzt gesehen:
Wenn Ayton aggressiv ist, dann funktioniert es vorne und hinten, auch wenn die Sample Size sehr klein ist.

Richtig komplex wird es erst bei Spielintelligenz, Defense IQ, kognitive Fähigkeiten, etc. Archie Goodwin wird sein Leben lang trainieren können und wird trotzdem nie die Spielintelligenz von Chris Paul erreichen. Enes Kanter wird nie so viel trainieren können, um den Defense IQ von Gobert zu erreichen. Da sind einfach von Anfang an gewisse Grenzen gesetzt.

Aber Mentalität, Aggressivität (!) und Effort kann jeder lernen, immer und überall, auch wenn Herr Kokoskov das anders sieht. Manche Menschen bringen dieses „Talent“ von Beginn an mit und für diejenigen ist eine Selbstverständlichkeit, welches sich über das Leben hinweg verstärkt. Das innere Programm wird immer noch stärker geprägt, weil es bereits tagtäglich gelebt wird.

Andere Menschen sind vorne herein vorsichtig, verhalten und zaghafter. Diejenigen müssen erst geschubst werden und benötigen dementsprechend Starthilfe. Da gehört vielleicht Ayton dazu. Er ist momentan nach allem was wir sehen können eher nicht wie Holmes gestrickt. Es ist festzuhalten, dass Ayton selbst im Best Case u.U. kein Montrezl Harrell oder Richaun Holmes werden kann. Das kann ich nicht bewerten. Allerdings kann er sich in diese Richtung entwickeln. „Richtung“ ist hier natürlich relativ. Wo das endet, kann niemand wissen.

Hat Ayton überhaupt das Talent ein super aggressiver Hulk zu werden? Wenn ja, wie viel von dem Talent schöpft er momentan aus? Was will Ayton und wie können die Suns ihm helfen? Solange wir nur über Aggressivität sprechen, ist bei einem 20-jährigen noch alles drin. Er ist doch noch ein halbes Kind und muss nicht nur als Spieler, sondern vor allem als Mensch wachsen und reifen.

Es kann sein die ganze Kritik geht Ayton irgendwann auf den Sack und dann macht es „Klick“ oder er sagt sich, ach wisst ihr was, ich habe meine 50 Mio, ich lege gechillt meine 18/10 auf und ich gehe in vier Jahren wieder auf die Bahamas. Solange ein 20-jähriger Mensch gerade eine ganz neue Erfahrung macht und feststellt: hoppla, jetzt läuft alles nicht mehr so einfach wie vorher, würde ich alles erstmal etwas entspannter sehen. Wenn er nach 70 Spielen oder gar nächste Saison immer noch lethargisch auftritt, dann ist wirklich etwas im Busch. Ayton braucht das richtige Umfeld und Leute die ihn dort treffen wo es ihm weh tut. Wenn er dann uneinsichtig und beleidigt ist, dann sind alle Zweifel berechtigt und werden sich in den nächsten Monaten und Jahren bestätigen.

Josh Jackson zeigt ja auf der anderen Seite wie „gut“ es ist, super durchgedreht aggressiv zu sein. Der ist komplett drüber. Für diese jungen Menschen geht es momentan darum die richtige Mischung und Balance zu finden. Dafür sollten sie Hilfe von außen bekommen…wo wir wieder bei den Suns landen...

Benutzeravatar
Pillendreher
Beiträge: 2242
Registriert: 11.04.2012, 13:31

#9

Beitrag von Pillendreher » 07.12.2018, 10:49

Noch eine Anmerkung zu den Westbrook-Schröder Aufstellungen:

Als Zwei-Mann-Aufstellung steht das Paar sehr gut da: 112.2 ORtG | 98.0 DRtG | +14.3 NetRtG in 218 Minuten per stats.nba.com. Die zitierte "Starter+Schröder" Aufstellung wird im Moment v.a. noch durch ihre Leistung vor Westbrooks Knöchelverletzung "runtergezogen" bzw. es sieht seit Westbrooks Rückkehr um einiges besser aus:

Insgesamt: 116.1 ORtG | 107.2 DRtG | +8.8 NetRtG in 96 Minuten
Vor der Verletzung: 94.4 OrtG | 141.8 DRtG | -47.4 NetRtG in 22 Minuten
Nach der Verletzung: 122.9 ORtG | 95.8 DRtG | +27.2 NetRtG in 74 Minuten

Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt, abre ein 98er DRtG mit diesem Backcourt ist bisher schon viel mehr, als man erwarten konnte. :tup:

Benutzeravatar
Tom_Schneider
Go-to-Guys-Redakteur
Beiträge: 83
Registriert: 13.04.2017, 16:22
Lieblingsteam: Golden State Warriors
Lieblingsspieler: Kevin Durant
Lieblingsposition: Small Forward

#10

Beitrag von Tom_Schneider » 08.12.2018, 10:29

@Pillendreher mit der 2-Mann Aufstellung hast du recht. Es gibt da durchaus auch positive Indikatoren. Ich persönlich nehm halt lieber 5-Man-Lineups sobald ich annähernd die Sample Size hab, weil ich da genauer weiß wer auf dem Platz stand. Und ich hab mich bewusst an dem Lineup orientiert dass die mutmaßlich auch in den Playoffs oder zum Closen von Spielen teilweise verwenden wollen, da das theoretisch ihre beste 5 sein sollte. Dazu rechnet ctg ja die Garbage Time raus. Defensiv würde ich übrigens auch über den Eye-Test bestätigen, dass keiner der beiden groß negativ ins Gewicht fällt. Offensiv ist die Effizienz beider noch etwas ausbaufähig, auch wenn die Lineups mit ihnen als primären Ballhandler sehr effektiv sind (wie angesprochen). Ich hab übrigens vor meinen nächsten Artikel über OKC zu schreiben, wo ich dieses Team etwas genauer sezier und die Analyse über 5 oberflächliche Minuten im Pod hinausgeht.

Benutzeravatar
Jonathan Walker
Go-to-Guys-Redakteur
Beiträge: 1854
Registriert: 27.03.2012, 20:43
Lieblingsteam: Phoenix Suns
Lieblingsspieler: LeBron, Steve, D-Book
Lieblingsposition: Point Forward
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

#11

Beitrag von Jonathan Walker » 13.12.2018, 01:15

Mabusian hat geschrieben:
06.12.2018, 10:14
Simon hat geschrieben:
05.12.2018, 22:53
Toller Pod :tup: Auch schön lang :mrgreen:
Die Aufzählung der Pace-Stats am Anfang war für mich allerdings etwas schwierig, ist einfach nicht so leicht dir da zu folgen. Da fände ich es besser, ein paar zentrale Erkenntnisse aus den Zahlen zu ziehen und dich darauf zu beschränken.
Fand ich auch.
Danke noch für das Feedback. Als ich es selbst gehört habe, habe ich auch direkt realisiert, dass ich das etwas anders aufbauen sollte. Ist notiert. :tup:

Noch zu Ayton: "Lethargie" finde ich zu krass, da es das nicht ist. Ich würde es eher inkonstante Aggressivität oder temporäre Zaghaftigkeit nennen, da er streckenweise ja durchaus aggressiv agiert.

Da diese Spiele (mit mehr Dunks, Blocks und harten Fouls) im Verlauf der Saison häufiger wurden, bin ich da schon noch positiv gestimmt. Er lässt sich da auch stark von der Energie seiner Teammates beeinflussen - im Guten wie im Schlechten. Das kann man einem Rookie vielleicht noch nicht vorwerfen. Aber ich hatte ja auch schon mal im Suns-Thread geschrieben, dass es mir auch ein bisschen Sorgen bereitet. Muss man auf jeden Fall im Auge behalten.

EDIT: Noch ein paar Zahlen via TheTimelinePodcast auf Twitter:

Deandre Ayton (first 18 games): 0.7 blocks per 36, allowing opponents to shoot 69.4% within 6 feet

Deandre Ayton (last 10 games): 1.9 blocks per 36, allowing opponents to shoot 56% within 6 feet
"Come on guys, I'm still developing"

Point Book - Bridges - Jackson - Warren - Ayton

Antworten