Wie gut ist Kyrie Irving wirklich?

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Flashmaster
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Wie gut ist Kyrie Irving wirklich?

#1

Beitrag von Flashmaster » 02.08.2017, 18:00

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus einem Go-to-Guys-Artikel.  Gesamten Artikel lesen.

Am 24.7. diesen Jahres veröffentlichte Brian Windhorst einen Report, in dem mehrere Quellen von einer Trade-Forderung Irvings berichteten. In der Folge dominieren mögliche Trade-Szenarien die News der NBA Offseason. Resultierend daraus stellen sich einige Fragen: Welchen Wert hat Kyrie Irving in der heutigen NBA und damit für einen möglichen Abnehmer? Ist Irving wirklich ein Superstar/eine erste Option und Leader einer NBA-Franchise? Gehört er in die Riege ligaweiter Elite-Ballhandler wie Stephen Curry, James Harden oder Russell Westbrook? 


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Jonathan Walker
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#2

Beitrag von Jonathan Walker » 02.08.2017, 19:12

Erst einmal vielen Dank für diesen tollen Artikel, Nicho! :tup: Spiegelt auch meine Meinung zu Irving nahezu perfekt wider, die ich ja auch im Pod immer wieder kundgetan habe, teilweise auch mit dir zusammen.

Insgesamt habe ich überhaupt nichts an deinem Werk auszusetzen. Trotzdem ein paar kleine Anmerkungen:
Beschränkt man sich nun auf diese Zahlen um die Qualität eines Scorers zu evaluieren, könnte man zu dem Schluss kommen, dass Kyrie Irving ligaweit unter den Top 10 einzuordnen ist. In der Regel sollte bei erhöhter Balldominanz die Effizienz leiden. Mehr Verantwortung bedeutet mehr Belastung und damit oftmals nachlassende Leistungen. Wird diese Kausalkette umgangen, befindet man sich im Tier der Elite-Spieler.
Auch wenn du es mit "mehr Verantwortung bedeutet mehr Belastung" implizierst, so ist mir hier noch einmal wichtig zu betonen, dass sich jede Defense der NBA momentan in erster Linie auf James konzentriert, solange dieser auf dem Feld steht - nicht auf Irving. Was passiert, sobald James das Feld verlässt und Irving noch drauf ist, hast du ja sehr treffend beschrieben: Die Cavs machen weniger Punkte als der Gegner.
Innerhalb der RA schließt er mit 57.6% (Platz 5 unter den Guards) zudem sehr effizient ab. Mit diesen Werten befindet sich Irving zwar nicht auf Prime Tony Parker Niveau, aber auf einem vor allem für Guards sehr hohen Level.
Danke, dass du das herausgearbeitet hast. Dies zeigt unter Anderem, dass Irving eben nicht "der beste 'Finisher' der NBA" ist, oder was da sonst so in Zusammenhang mit Irvings spektakulären Layups kolportiert wird. Wenn er nicht unter den Guards zu absoluten Spitze gehört, wie soll er dann über Wings eingeordnet werden, unter welchen es noch viel effizientere Finisher am Ring gibt? Ist er besser als ca. 80% aller Guards von 0-3 ft. Entfernung (laut Sciria auf Twitter)? Ja. Ist er "der Beste"? Mitnichten.
Der Gegenwert verhielt sich mau. Aufgrund der bestehenden Vertragslänge (2 Jahre garantiert) und dem absolut marktgerechten Salär Irvings sollte der Gegenwert besser ausfallen als der, den die Pacers und Bulls für ihre Stars erhielten.
Butler hat ja auch noch zwei Jahre Vertrag. Gut, der ist schon älter als Irving, aber dafür auch der viel bessere Spieler. Wie schon im Pod angemerkt, sehe ich also nicht, wieso Irving jetzt ein so viel besseres Paket einbringen soll - wo doch jeder weiß, dass er weg will (was bei Butler nicht der Fall war).

Noch eine Anmerkung zu deiner Umschreibung der USG%: Die zeigt meines Erachtens nur höchst indirekt an, wie viel ein Spieler "den Ball in Händen hält". Per Definition misst sie ja nur die Abschlüsse des Spielers, also genommene Würfe (auch die gefoulten) plus Ballverluste. Um viele Angriffe abzuschließen, muss man den Ball ja nicht unbedingt viel führen. Man kann der größte Ballhog sein und den Ball jeden Angriff 20 Skunden dribbeln, aber wenn man am Ende (erfolgreich) zu einem Mitspieler passt, der dann wirft, sieht man das kein bisschen an der USG%. Aber das nur am Rande.
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Sebastian Hansen
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#3

Beitrag von Sebastian Hansen » 03.08.2017, 00:32

Für die Zeit, die man den Ball in der Hand hat, gibt es ja 1 Metrik. Müsste man mal für Irving nachlesen.
Die Mecs in 2014:
Guard: Lance Stephenson, Randy Foye
Guard: Dwyane Wade
Forward: Chandler Parsons, Mike Dunleavy
Forward: Josh McRoberts
Center: Dwight Howard, Spencer Hawes

kdurant35
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#4

Beitrag von kdurant35 » 03.08.2017, 05:39

Jonathan Walker hat geschrieben:
02.08.2017, 19:12
Der Gegenwert verhielt sich mau. Aufgrund der bestehenden Vertragslänge (2 Jahre garantiert) und dem absolut marktgerechten Salär Irvings sollte der Gegenwert besser ausfallen als der, den die Pacers und Bulls für ihre Stars erhielten.
Butler hat ja auch noch zwei Jahre Vertrag. Gut, der ist schon älter als Irving, aber dafür auch der viel bessere Spieler. Wie schon im Pod angemerkt, sehe ich also nicht, wieso Irving jetzt ein so viel besseres Paket einbringen soll - wo doch jeder weiß, dass er weg will (was bei Butler nicht der Fall war).
Den potentiellen Gegenwert im Vergleich zu Butler wird mmn sehr interessant. Ich stimme dir zu, dass Butler der bessere Spieler ist. Werbetechnisch seh ich Irving jedoch klar vorn. Für viele Teams die das sportliche nicht als alleinige Priorität sehen macht ihn das eventuell sogar für den wertvolleren Spieler.

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Flashmaster
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#5

Beitrag von Flashmaster » 03.08.2017, 10:16

Jonathan Walker hat geschrieben:
02.08.2017, 19:12
Erst einmal vielen Dank für diesen tollen Artikel, Nicho! :tup: Spiegelt auch meine Meinung zu Irving nahezu perfekt wider, die ich ja auch im Pod immer wieder kundgetan habe, teilweise auch mit dir zusammen.
Vielen Dank für das positive Feedback!
Jonathan Walker hat geschrieben:
02.08.2017, 19:12
Auch wenn du es mit "mehr Verantwortung bedeutet mehr Belastung" implizierst, so ist mir hier noch einmal wichtig zu betonen, dass sich jede Defense der NBA momentan in erster Linie auf James konzentriert, solange dieser auf dem Feld steht - nicht auf Irving. Was passiert, sobald James das Feld verlässt und Irving noch drauf ist, hast du ja sehr treffend beschrieben: Die Cavs machen weniger Punkte als der Gegner.
Absolut. Der defensive Fokus liegt (zurecht) eindeutig auf James. Insgesamt spielt die Gesamtsituation in Cleveland Irvings Status schon ziemlich in die Karten. Mit erhöhter defensiver Aufmerksamkeit erreicht er wohl lange nicht diese Effizienz. Umso erschreckender, dass er, wenn man die Effizienz beachtet, trotzdem "nur" gut aber eben nicht sehr gut ist. Viele andere Point Guards würden in Irvings Situation statistisch wohl explodieren.
Jonathan Walker hat geschrieben:
02.08.2017, 19:12
Danke, dass du das herausgearbeitet hast. Dies zeigt unter Anderem, dass Irving eben nicht "der beste 'Finisher' der NBA" ist, oder was da sonst so in Zusammenhang mit Irvings spektakulären Layups kolportiert wird. Wenn er nicht unter den Guards zu absoluten Spitze gehört, wie soll er dann über Wings eingeordnet werden, unter welchen es noch viel effizientere Finisher am Ring gibt? Ist er besser als ca. 80% aller Guards von 0-3 ft. Entfernung (laut Sciria auf Twitter)? Ja. Ist er "der Beste"? Mitnichten.
Die Zahlen zeigen klar, dass Kyrie gut aber eben nicht Elite am Ring ist. Man muss ihm aber immerhin zugute halten, dass er durchaus Situationen am Ring durch seine trickery erfolgreich löst, in denen der Rest der Liga eher verzweifeln würden. Das ist wohl auch ein Skill für sich. Mit Elite- Effizienz und Effektivität hat das natürlich wenig zu tun. Beste Finisher der NBA ist einfach Quatsch.
Jonathan Walker hat geschrieben:
02.08.2017, 19:12
Noch eine Anmerkung zu deiner Umschreibung der USG%: Die zeigt meines Erachtens nur höchst indirekt an, wie viel ein Spieler "den Ball in Händen hält". Per Definition misst sie ja nur die Abschlüsse des Spielers, also genommene Würfe (auch die gefoulten) plus Ballverluste. Um viele Angriffe abzuschließen, muss man den Ball ja nicht unbedingt viel führen. Man kann der größte Ballhog sein und den Ball jeden Angriff 20 Skunden dribbeln, aber wenn man am Ende (erfolgreich) zu einem Mitspieler passt, der dann wirft, sieht man das kein bisschen an der USG%. Aber das nur am Rande.
Da hast du allerdings Recht! Meinen Standpunkt unterstützt die USG% zum Glück trotzdem ;) Die Formulierung "hält den Ball in den Händen" ist in dem Zusammenhang wirklich nicht ganz passend. Ich schaue mal nach den Zahlen, die das besser verdeutlichen.
,,Cool story, Glenn.''

Danny Bronson
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#6

Beitrag von Danny Bronson » 03.08.2017, 18:22

Wirklich extrem guter Artikel, danke auch von mir! Absolut lesenswert.

Ich gehe eigentlich in allen Punkten mit, hätte es nur besser gefunden, wenn du den Freiwurf-Absatz etwas mehr gewichtet hättest. Aus meiner Sicht ist das - wie du bereits kurz aufgeführt hast - neben dem Playmaking, die größte Schwäche in seinem Spiel. Außer Curry wären die aufgeführten Guards ohne die höheren FTA, nicht so effizient (Sowohl im ORt als auch im TS%) wie Kyrie. Jemand, dessen FT% bei 90 liegt und der so häufig in Iso-Plays zu finden ist, MUSS 9-10 mal pro Spiel an die Linie. In diesem Punkt ist Kyrie ganz klar eine besondere Schwäche/Unerfahrung zu attestieren, die er zu beheben hat.

Jonathan Walker hat geschrieben:
02.08.2017, 19:12
Auch wenn du es mit "mehr Verantwortung bedeutet mehr Belastung" implizierst, so ist mir hier noch einmal wichtig zu betonen, dass sich jede Defense der NBA momentan in erster Linie auf James konzentriert, solange dieser auf dem Feld steht - nicht auf Irving. Was passiert, sobald James das Feld verlässt und Irving noch drauf ist, hast du ja sehr treffend beschrieben: Die Cavs machen weniger Punkte als der Gegner.
Hier gehe ich überhaupt nicht mit. Der Grund ist, weil eine gute Defense so nicht funktionieren kann. Im Basketball fokussiert sich eine Defense niemals auf nur einen Spieler am meisten, weil das Gesamtkonstrukt einfach in sich zusammen brechen würde, wenn jeder sich neben seinem Gegenspieler und den Plays des Gegners zusätzlich auf James konzentrieren müsste. Das war maximal bei Shaq so, sonst fällt mir kein Spieler der Neuzeit ein, auf den man immer zu achten hatte. Aber das lag daran, weil man ihn ohne Doppeln nicht stoppen konnte.
Ein gewisser Fokus liegt sicherlich auf den jeweiligen Stars des Gegners, aber Kyrie findet bei jeder Defense die gleiche Beachtung wie James auch. Help-Defense ist bei Drives von Kyrie z.B. notwendiger als Help Defense für James wenn er das Spiel aufbaut.
Jonathan Walker hat geschrieben:
02.08.2017, 19:12
[...] Dies zeigt unter Anderem, dass Irving eben nicht "der beste 'Finisher' der NBA" ist, oder was da sonst so in Zusammenhang mit Irvings spektakulären Layups kolportiert wird. Wenn er nicht unter den Guards zu absoluten Spitze gehört, wie soll er dann über Wings eingeordnet werden, unter welchen es noch viel effizientere Finisher am Ring gibt? Ist er besser als ca. 80% aller Guards von 0-3 ft. Entfernung (laut Sciria auf Twitter)? Ja. Ist er "der Beste"? Mitnichten.
Ich denke das Argument, Irving sei der Beste kann nur von irgendwelchen Fanboys kommen. Der neutrale Durchschnittsfan wird ihn eher lediglich unter den Top10 Guard-Finishern listen. Die Statistik zeigt, dass er es nicht ist. Nun gut, dann ist das eben eine falsche Wahrnehmung - okay. Nichtsdestotrotz ist sein Abschluss am Ring beachtlich.

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Jonathan Walker
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#7

Beitrag von Jonathan Walker » 05.08.2017, 12:42

Danny Bronson hat geschrieben:
03.08.2017, 18:22
Jonathan Walker hat geschrieben:
02.08.2017, 19:12
Auch wenn du es mit "mehr Verantwortung bedeutet mehr Belastung" implizierst, so ist mir hier noch einmal wichtig zu betonen, dass sich jede Defense der NBA momentan in erster Linie auf James konzentriert, solange dieser auf dem Feld steht - nicht auf Irving. Was passiert, sobald James das Feld verlässt und Irving noch drauf ist, hast du ja sehr treffend beschrieben: Die Cavs machen weniger Punkte als der Gegner.
Hier gehe ich überhaupt nicht mit. Der Grund ist, weil eine gute Defense so nicht funktionieren kann. Im Basketball fokussiert sich eine Defense niemals auf nur einen Spieler am meisten, weil das Gesamtkonstrukt einfach in sich zusammen brechen würde, wenn jeder sich neben seinem Gegenspieler und den Plays des Gegners zusätzlich auf James konzentrieren müsste. Das war maximal bei Shaq so, sonst fällt mir kein Spieler der Neuzeit ein, auf den man immer zu achten hatte. Aber das lag daran, weil man ihn ohne Doppeln nicht stoppen konnte.
Hm, hier muss ein Missverständnis vorliegen, anders kann ich mir das nicht erklären, was du schreibst. Entweder du verstehst mich falsch, oder ich dich.

Meine Aussage war: Jede Defense konzentriert sich in erster Linie auf James, dann erst auf Irving. Verstehe nicht, was es daran auszusetzen gäbe.
1. Natürlich bezieht sich das auf die Team-Defense. Jeder Defender hat individuelle Aufgaben und Aufgaben im Verbund des Teams, also in der Hilfe, off-ball, beim Rotieren, beim Verlagern.
2. Dass Team-Defenses im Basketball priorisieren ist doch klar und offensichtlich, oder etwa nicht? Das passiert auf allen Ebenen, nicht nur in der NBA. Selbst auf niedrigerem Vereins-Niveau in Deutschland oder im Streetball wird priorisiert, auf wen sich die Defense konzentriert (wenn man Ambitionen hat irgendwas zu gewinnen). Man MUSS als erfolgreiche Defense die Hilfe priorisieren, da die meisten Spieler ihren direkten Gegner oft schlagen können und dann Hilfe gefragt ist, man aber nicht jeden Gegenspieler auf dem Feld gleichzeitig zumachen kann. Oft passiert das sogar automatisch und intuitiv, statt großartig geplant werden zu müssen.
3. Genau so wird es auf dem höchsten Level selbstverständlich auch gemacht. Das kann man in Büchern, Analysen und Interviews nachlesen und beim Schauen der Spiele auch einfach sehen.
4. Das war und ist auch sicher nicht nur bei Shaq der Fall. LeBron gewinnt bei der GM-Survey regelmäßig die Wahl zum Spieler, auf den sich gegnerische Coaches am meisten einstellen müssen. Allein schon die Existenz dieser Fragestellung beweist meine These im Allgemeinen und die das Ergebnis auf LeBron bezogen im Speziellen.
Ein gewisser Fokus liegt sicherlich auf den jeweiligen Stars des Gegners, aber Kyrie findet bei jeder Defense die gleiche Beachtung wie James auch. Help-Defense ist bei Drives von Kyrie z.B. notwendiger als Help Defense für James wenn er das Spiel aufbaut.
Wenn das deine Ansicht ist, werden wir uns wohl nicht einig. Aus meiner Sicht genießt der Drive LeBrons mehr Aufmerksamkeit der Help als Irvings, allein schon weil James eben der sehr viel gefährlichere Finisher ist! Bei halbherziger Help bzw. zu kleinen Helpdefendern schließt James wohl mit 90% am Ring ab, so gesehen z.B. in einigen Spielen gegen die Celtics letzte Saison. Sein Durchschnittswert ist 78% von 0-3 ft Entfernung, wobei er 43% seiner Würfe aus dieser Entfernung nimmt. Das sind abartig gute Werte (Shaqs Karrierewert liegt übrigens auch "nur" bei 74.8%) - und das weiß die gegnerische Defense und versucht es bestmöglich zu verhindern.

Wie würdest du sonst erklären, dass Shooter neben LeBron so viele weit offene Dreier nehmen können? Das ist ein Effekt dessen, dass neben James eigenen Verteidiger und dem Rimprotector eben oft auch noch Hilfe vom Flügel runterkommt bzw. rotieren muss, wenn James zieht. Das passiert nicht weniger, nur weil James auch den Pass sieht und erfolgreich spielen kann. Die Defense wird immer zuerst die einfachen Punkte (am Ring) wegnehmen, da selbst offene Dreier nicht so effiziente Würfe sind wie Layups/Dunks von James gegen nur einen Defender.

Dass Irving am Ring gut (aber sehr viel schlechter) abschließt und die Pässe oft nicht sieht oder spielt, ändert nichts daran, dass James' Drive von jeder Defense als erstes verhindert werden will. Vielleicht ist Irvings Drive dann schon die zweite Priorität. Je besser eine Defense ist, desto mehr Optionen kann sie erfolgreich wegnehmen. Es werden Spieler und Playtypes priorisiert. In den Playoffs, bei besserer Vorbereitung durch die Coaches und Spieler, wird dieser Effekt noch verstärkt.

Ich verstehe deinen Einwand also nicht, solltest du ihn so gemeint haben, wie ich ihn gelesen habe. Natürlich konzentriert sich die Defense erst auf James, dann auf Irving. Wenn Irving nicht mehr neben James spielt, wird er das zu spüren bekommen. Auch wenn er momentan sicher direkt nach James auf der Prioritätenliste der Defenses kommen dürfte, ist es ein Unterschied.
Ich denke das Argument, Irving sei der Beste kann nur von irgendwelchen Fanboys kommen. Der neutrale Durchschnittsfan wird ihn eher lediglich unter den Top10 Guard-Finishern listen. Die Statistik zeigt, dass er es nicht ist. Nun gut, dann ist das eben eine falsche Wahrnehmung - okay. Nichtsdestotrotz ist sein Abschluss am Ring beachtlich.
Das hört man nicht nur von Fanboys, sonder regelmäßig von den Kollegen bei ESPN und TNT. Überwiegend natürlich von Leuten, die sich selbst wenig mit der statistischen Grundlage beschäftigen (wollen) - und da auch noch stolz drauf sind. Nichtsdestotrotz haben diese Leute enormen Einfluss auf den Durchschnittsfan, der das dann unreflektiert nachplappert. So erlebe ich es momentan zumindest auf Twitter.
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Poohdini
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#8

Beitrag von Poohdini » 05.08.2017, 14:19

Sehr sehr starker Artikel. Da kann ich mich dem Lob nur anschließen und kann auch kaum noch was produktives zu beitragen. Er hat alles zusammengestellt und ist auch auf einige Punkte eingegangen, die Jonathan und ich schon im Pod besprochen haben.

Auch den einzigen Kritikpunkt mit "Usage = Ball in den Händen halten" wurde bereits von Jony angesprochen.


@Danny Bronson

Ich verstehe auch noch nicht ganz genau, was du meinst, schließe mich im Allgemeinen aber Jonathan in seinen Ausführungen an. Gerade das, was er zu Priorisierungen allgemein und auf die Cavs speziell schreibt, deckt sich mit dem, wie ich Basketball rezipiere. Als Coach baust du deinen defensiven Game Plan so auf, dass du die stärksten Waffen des Gegners versuchst, einzudämmen. Dieser Plan ist meistens auf den besten Spieler ausgerichtet. LBJ genießt zurecht diese Aufmerksamkeit. Es ist auch das, was ich im Pod angesprochen habe: Kaum Mitspieler in der Liga haben so leicht, effiziente Offense zu spielen wie LBJs Mitspieler. Die Defense richtet den Fokus EHER auf ihn und dadurch entstehen zwangsläufig Freiräume. Korver profitiert davon natürlich mehr als Irving, aber auch bei letzterem ist es deutlich zu sehen.
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#9

Beitrag von Danny Bronson » 06.08.2017, 13:54

Jonathan Walker hat geschrieben:
05.08.2017, 12:42
Meine Aussage war: Jede Defense konzentriert sich in erster Linie auf James, dann erst auf Irving. Verstehe nicht, was es daran auszusetzen gäbe.
In erster Instanz erst einmal nicht, mein Problem bei einer solchen Aussage ist jedoch, dass diese suggeriert, dass mein bei Kyrie nicht so konzentriert wie bei James verteidigen muss bzw. dass man Kyrie "vernachlässigen" kann, wenn James den Ball hat.
Dass Team-Defenses im Basketball priorisieren ist doch klar und offensichtlich, oder etwa nicht?


Dies geschieht nach meinem Verständnis in der heutigen NBA nur - und deshalb ist James in all den von dir aufgezählten Punkten vor Irving - auf Basis dessen, wer das Spiel macht bzw. wer der dominante Spieler in einem Team ist. Bei Cleveland ist es James, deshalb sieht es so aus, als richte sich die Defense nach James. Tatsächlich richtet man sich nach den von mir angesprochenen Plays, die jedes Team/Coaching Staff kennt.
Man weiß intuitiv (aufgrund des Abrufens von Erfahrungswerten), dass James dies und jenes macht und deshalb bewegt sich eine Defense auf eine bestimmte Art und Weise. Eine Defense weiß aber auch was passiert, wenn Kyrie den Ball erhält, weshalb es sich dann ebenfalls auf eine bestimmte Art und Weise positionieren muss. Damit möchte ich sagen, dass eine Defense bei Ballbesitz James aufgrund des besseren Playmakings mehr Dinge zu beachten hat, d.h. variabler sein muss, was allerdings nicht heißt, dass Kyrie als Spieler weniger Beachtung erhält bzw. dass für ihn bei Ballbesitz irgendetwas leichter wird. Er spielt nun mal viele ISO-Ball, ob James auf dem Platz ist oder nicht. Und weil er zu den besten Scorern der Liga gehört, wird ihm genau so viel Beachtung geschenkt wie James.
LeBron gewinnt bei der GM-Survey regelmäßig die Wahl zum Spieler, auf den sich gegnerische Coaches am meisten einstellen müssen.
Das ist genau was ich meine. Mal davon abgesehen, dass ich von solchen Umfragen nichts halte, weil hier größtenteils nach subjektiven Eindrücken geantwortet wird, besagt die Antwort für James eben, dass er einfach nahezu alle Angriffe bei CLE einleitet, deshalb dieses "am meisten". Mehr sagt das für mich nicht aus.
Sein Durchschnittswert ist 78% von 0-3 ft Entfernung, wobei er 43% seiner Würfe aus dieser Entfernung nimmt. Das sind abartig gute Werte (Shaqs Karrierewert liegt übrigens auch "nur" bei 74.8%) - und das weiß die gegnerische Defense und versucht es bestmöglich zu verhindern.
Das sind doch absolute Werte. Du könntest dann genau so erwähnen, dass LeBron mehr als doppelt so viele Punkte nach Fastbreaks macht und dass von diesen 78% mehr als 42 Prozent Assisted sind, während Kyrie @Rim lediglich 27 Prozent Assisted bekommt. Das zieht die Percentage natürlich alles nach oben. Ich behaupte außerdem nicht, dass Irving am Ring gefährlicher ist, mir geht's eher darum zu sagen, dass die %am Ring nicht unbedingt die Priorität der Defense bei gegnerischen Drives repräsentiert.
Dass Irving am Ring gut (aber sehr viel schlechter) abschließt und die Pässe oft nicht sieht oder spielt, ändert nichts daran, dass James' Drive von jeder Defense als erstes verhindert werden will. Vielleicht ist Irvings Drive dann schon die zweite Priorität.
Ich behaupte jede Defense versucht Drives von beiden Spielern gleichermaßen zu verhindern. Wie soll diese Priorität denn auf dem Spielfeld überhaupt aussehen? Es gibt Vorgaben, die besagen, dass Lebron und Kyrie Drives zu verhindern sind, aber wie willst du denn das priorisieren? Du kannst als Defense doch immer nur auf bestimmte Plays reagieren (P&R, P&P, ISO etc). Wenn Kyrie denn Ball hat, wird ihm der bestmögliche Verteidiger in den Weg gestellt, um einen Drive zu verhindern. Man weiß, wie gefährlich diese sind. Selbst wenn der nicht trifft entstehen hier 2nd Chance Points oder er kommt tatsächlich auf die Idee zu passen. Für LeBron gilt ebenfalls, dass seine Drives zu verhindern sind - wie also priorisieren? Aus meiner Sicht kann es für eine Defense für zwei solche Topspieler gar keine Prioritätenliste geben.
Natürlich konzentriert sich die Defense erst auf James, dann auf Irving. Wenn Irving nicht mehr neben James spielt, wird er das zu spüren bekommen.
Wie schon versucht zu erklären, richtet sich die Defense meiner Meinung nach eben nach dem Ballhandler/Playmaker und nicht nach James/Irving. Deshalb sehe ich nicht, dass Kyrie ohne James größere Probleme bekommt, sofern seine Rolle ähnlich bleibt. Als primärer Ballhandler wird er gezwungen sein, sein Spiel zu verändern, weshalb es sicher Probleme geben wird. Der Grund wird aber nicht sein, dass er nicht mit James spielt oder weil er mehr Beachtung bekommt, sondern weil er eben kein klassischer Spielmacher ist.

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#10

Beitrag von willis » 14.09.2017, 14:40

Klasse Artkel, vielen Dank!

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