Draftprofile 2020

Tyrell Terry

Stanford Cardinal
Quelle: Youtube

Stanford Cardinal

Datenblatt

Name: Tyrell Terry

Geburtsdatum: 28.09.2000

Größe: 6’1” 

Gewicht: 170 lbs. 

Spannweite: ??

Position: Playmaker

Team: Stanford Cardinal

Stärken

Schwächen

+ Shooting

+ Playmaking-Potential

+ Offball-Potential

– Frame

– Defensive Limitationen

GTG SHORT

 

ATHLETIK / INTANGIBLES:

* Solider Athlet, der sowohl genug Geschwindigkeit und Sprungkraft mitbringt, um auf NBA-Level bestehen zu können. Weder ein herausragender Leaper noch ein nicht zu stoppender Transition-Attacker. Kam trotzdessen zu immerhin vier Dunks in seinen 31 Partien.

* Stanford gilt als eine der akademisch anspruchsvollsten, amerikanischen Universitäten außerhalb des elitäten Ivy-League-Kreises und legt diese Messlatte auch für seine Student-Athletes an. Dies ist zumeist nicht zum Nachteil der Cardinals-Athleten, wenn wir den Blick auf die Lopez- oder Collison-Twins werfen oder sportartübergreifend Andrew Luck und Richard Sherman betrachten.

* Daran anknüpfend wurde schon berichtet, dass Terry in Pre-Draft-Zoom-Meetings den Rekord in einem durch NBA-Franchises herausgegebenen Basketball IQ-Test gebrochen hat. https://therookiewire.usatoday.com/2020/06/16/tyrell-terry-broke-a-record-for-a-basketball-iq-test-given-by-teams/

* Schon einer der älteren Freshmen der Klasse. Wird Ende September bereits 20 Jahre als und ist damit knapp ein Jahr älter als Anthony Edwards oder Killian Hayes.

* Seine Pre-College-Erfahrung ist durchwachsen. Spielte kaum im AAU-Circle, wurde deshalb von Recruiting-Services nicht sonderlich hoch geführt und war etwas unterrekrutiert. Andererseits lief der für die US-Nationalmannschaft 2018 beim Albert-Schweizer-Turnier auf und spielte bspw. gegen Mit-Draftee Deni Avdija. (Zugegebenermaßen senden die USA nur selten ihre A-Auswahl zu diesem Event.)

* Terry ist als 6’1’’-Guard für die immer größer werdende Playmaker-Position in der NBA sicherlich etwas undersized. Verlässliche Angaben zu seiner Wingspan fehlen. Zu diesem Zeitpunkt ist von einer leicht positiven Armspannweite auszugehen. Allerdings ist ihm seine Größe im Vergleich zu anderen kleinen Point Guards zu glauben. Er wird nicht künstlich, wie ein Allen Iverson bspw., über die magische 6‘0‘‘-Marke geschoben.

– Während seine Länge als ausreichend bezeichnet werden kann, muss Terry unbedingt an seinem Gewicht arbeiten. Aktuell wird er zwischen 160 und 170 Pfund gelistet. Durch noch fehlende Muskelmasse wirkt er eher jugendlich. Eine Stärkung seines Frames würde ihm in vielen Bereichen helfen, auch wenn ihm seine recht schmalen Schultern nicht unendlich viel Platz für Muskelaufbau geben.

 

OFFENSE:

+ Absolut elitärer Shooter. Sowohl Volumen als auch Effizient passen. Terry lieferte mit 8,8 3PA/100 Poss, 40,8 3P% und 89,1 FT% großartige statistische Wurf-Indikatoren.

+ Auch die Variabilität hinter seinem Wurf scheint zu passen. Ist ein guter Spotup-Schütze mit starker Range. Tödlich aus der Ecke, mit jeweils über 50 3P% aus der Corner. Liefert tolles, vielseitiges Movement-Shooting, durch welches er enorm viel Druck auf Defenses ausüben kann. Nutzt Screens und Relocation-Konzepte sehr gut. Hatte teilweise Szenen, in denen er allein durch seine Offball-Bewegung die Aufmerksamkeit mehrerer Verteidiger auf sich zieht. Kann auch Pullup-Würfe sehr konstant treffen.

+ Seine Wurf-Bewegung ist sehr flüssig und zumeist ausbalanciert. Der Release ist schnell genug, um auch auf dem nächsten Level auch gegen athletischere Defenses jederzeit seinen Dreier anbringen zu können. Wird aktuell noch für sein vorstehendes rechtes Bein kritisiert, welches besonders bei Pullup-Würfen mit nachgestellten Kicks darauf hindeutet, dass es an Kraft in unteren Körperhälfte fehlt. Letztlich sind dies aber höchstens kleinere Anpassungen, die Terry vornehmen muss.

+ Konnte seine Gravity als Shooter auch am College schon für Cutting-Actions nutzen. Body-Fake in Richtung Dreierlinie und frei ist der Weg zum Korb. Scheint in seinen Bewegungen abseits des Balles in solcher Hinsicht ein gutes Gefühl für das Spiel und Spacing zu haben.

* Ist besonders als PnR-Ballhandler aber auch als Playmaker allgemein zwar qualifiziert, aber nicht elitär (20,3 AST%). Zum einen ist seine Handling/Burst-Kombination nicht gut genug, um Defenses konstant mit dem eigenen Drive unter Druck setzen zu können und die Mitspieler in den entstehenden Räumen einzusetzen. Zum anderen sticht mit Blick auf die vielen größeren Playmaker dieser Klasse mal wieder einmal hervor, dass einem 6‘1‘‘-Guard nicht so viele Passing-Winkel offenstehen, wie sie dies für 6‘7‘‘-Wings tun. Dementsprechend wird er wohl allerhöchsten Anforderungen an einen NBA-Primary nicht gerecht. Seine Vision und immer wieder aufblitzenden Advanced-Reads sind aber noch immer überdurchschnittlich.

* Sein Ballhandling ist absolut ausreichend, um sich zu fast jeder Zeit einen mehr oder minder freien Pullup-Wurf erarbeiten zu können. Es fehlen ihm aber weiterführende Moves, um Gegenspieler in längeren Isolation-Situationen mit aneinandergereihten Bewegungen aus dem Konzept zu bringen und mit Leichtigkeit den eigenen Weg zum Korb zu ebnen.

* Hat ein recht breites Finishing-Repertoire auf dem Weg zum Korb und am Ring. Trifft Floater und nutzt das Brett zu seinem Vorteil. Durch seine fehlende Masse setzt ihm Kontakt aber sehr zu. Er will diesen aber nicht um jeden Preis vermeiden. Für seine körperlichen Limitationen sind aber sowohl Effizienz (60,4 FG%@Rim) als auch seine Freiwurfrate (.33 FTr).

– Ohne einen übermäßig explosiven ersten Schritt stellt sich die Frage, wie effektiv Terry auf NBA-Level als Driver sein kann.

 

DEFENSE:

+ Besitzt ein gutes Positioning, bewegt seine Füße gut und findet schnell den Kontakt zum Mitspieler in Onball-Situationen. Auch auf dieser Seite des Feldes scheut er physisches Spiel nicht. In vielen Szenen fehlt es einfach an mehr Stärke und den nötigen Kilos, um ein ihm angehangenes Foul oder ein Abprallen vom Gegner in einen Stopp zu verwandeln. Athletische Entwicklung könnte seinen Impact nachhaltig verändern.

+ Offball überzeugte er zumeist auch mit soliden Rotationen und nettem Gefühl für Hilfe. Sein Spielverständnis zeigt sich über gezogene Charges oder erfolgreiche Steals (2,5 STL%).

– Dennoch wollten wir Terrys Defense nicht mehr hypen, als sie es verdient. Seine klaren Limitationen zeigen sich auch klar mit Blick in die Statistiken. Eine Konversation, die zuletzt für Mannion geführt wurde, gilt auch für ihn: NBA-Prospects verbuchen auch als Guard zumeist mehr Blocks als seine zwei Rejections in 31 Spielen.

– Wird wohl in der NBA ebenso wie am College die meisten Possessions abseits des Balles beginnen. Kommt nur selten als effektiver Point-of-Attack-Defender infrage. Beschneidet das Lineup-Building dadurch nachhaltig.

– Könnte mit seiner unvorteilhaften Mischung aus leichtem Frame und (wahrscheinlich) kurzen Armen ein attraktives und ergiebiges Ziel für Guards mit Postup-Games darstellen.

 

Overall

Tyrell Terry fällt in die Kategorie kleiner Guard, die es nur in Ausnahmefällen schafft, in der NBA Fuß zu fassen. Selbst enorm erfolgreiche CBB-Playmaker wie Trey Burke seiner Zeit scheitern an den hohen Anforderungen, die die Ballhandler-Position mittlerweile stellt. Grob heruntergebrochen scheint es zwei Möglichkeiten zu geben, sich als Spieler um 6‘0‘‘ in der Liga zu halten. Talente können ihre Längennachteile (neben trotzdem herausragenden Basketballskills) über starken Frame ausgleichen, wie es bspw. Jameer Nelson oder ein Fred VanVleet geschafft haben. Diese Möglichkeit scheint für Terry selbst in einem NBA-Strength-Programm nicht in ausreichendem Maße zu bestehen. Glücklicherweise für den Cardinals-Freshman scheint es auch für kleinere Leichtgewichte noch eine andere Option zu geben – einen elitären Sprungwurf.

Diesen scheint er wohl ohne Frage zu besitzen und sollte sich durch seinen spacingbietenden Dreipunktewurf einen Rotationsplatz in jedem Team erarbeiten können. Selbst bei schleppendem Muskelaufbau ist wenigstens das Athletik-Level eines Seth Curry erreichbar. Mit seinem hervorragenden Shooting, seinem IQ und seinem erfahrenen Auftreten, wäre es nicht verwunderlich, wenn er ähnlich einem Landry Shamet schon recht früh in seinem Rookie-Contract einen Beitrag auch für gute Teams leisten kann. Positionstechnisch listen wir ihn hier als Playmaker. Ideal wäre Terry aber wohl als Offball-Guard neben einem größeren Playmaker eingesetzt, der zwar auch mal sekundäres Playmaking liefern kann und ggf. sogar mit der Bank-Unit mehr Onball-Aufgaben übernimmt. Für erfolgreiche Teams kommt er aber wohl nur als Steve Kerr, Daniel Gibson, Eddie House-Typ auch in der Crunchtime auf das Feld. Um Starter-Impact liefern zu können, müssten sich seine Skills, wie bei einem Trae Young, außerordentlich gut übertragen oder er physisch einen deutlichen Sprung machen.

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