Draftprofile 2020

Patrick Williams

Florida State Seminoles
Quelle: Youtube

Datenblatt

Name: Patrick Williams

Geburtsdatum: 06.08.2001

Größe: 6’8” 

Gewicht: 225 lbs. 

Spannweite: 6’11”

Position: Wing/Big

Team: Florida State Seminoles

Stärken

Schwächen

+ Shooting-Potential

+ Playmaking-Potential

+ Defensives Playmaking

+ Frame und Alter

 

– Self-Creation

– Touch am Korb

– Shotselection

 

ATHLETIK / INTANGIBLES:

+ Der Freshman bringt mit 6‘8‘‘ Körpergröße und 6‘11‘‘ Armspannweite eine gute Länge mit, die ihm auch auf NBA-Niveau erlaubt gegen viele Spielertypen zu bestehen.

+ Wirklich beachtlich ist der muskelbepackte Frame, den sich Williams schon so früh in seiner Karriere erarbeitet hat. Seine 225 Pfund verteilen sich auf einen bereits sehr austrainierten Körper mit breiten Schultern. Verfügt über viel Core-Strength, die ihm in vielen Facetten seines Spiels hilft. Das Florida State-Strength-Department hat wieder einmal gute Arbeit geleistet. Als High School-Senior wog Williams nur 180 Pfund.

+ Für seine Statur ist der Seminol sehr agil und ein fluider Athlet. Verfügt über genug Beweglichkeit und Agilität, um als toller Floorrunner und aktiver Press-Verteidiger hervorzustechen. Dies ist für Spieler mit seinen Ausmaßen nicht selbstverständlich.

* Ist der jüngste Spieler dieser Draftclass, der die College-Laufbahn eingeschlagen hat. Nur die „Internationals“ LaMelo Ball und Aleksej Pokuševski sind noch jünger als er.

* Der 18-Jährige erfuhr während seiner Zeit an der High School einen enormen Wachstumsschub. Spielte in der Middle School noch als 6‘0‘‘-Playmaker und eignete sich dadurch einige Perimeter-Skills an, von denen er heute noch profitiert.

* Grundsolide in den Bereichen Geschwindigkeit, Explosivität und Sprungkraft, der durchaus auch Above-the-Rim-Play mitbringt. Versuchte bspw. in 29 Spielen 32 Dunks, obwohl er knapp 22 Minuten pro Spiel sah. Ist aber kein elitärer Athlet, der Spiele nur mit seinen körperlichen Voraussetzungen dominieren kann.

* Wirkt charakterlich recht gefestigt. Kam als Toprecruit in einem tiefem Top-Team nur von der Bank, ging in dieser Rolle aber auf. Spielt mit viel Energie und wirkt kommunikativ auf dem Court. Wurde am Ende der Saison mit dem 6th-Man-Award der ACC, einer der besten Conferences des Landes, ausgezeichnet.

– Könnte durch Arbeit an Fußarbeit und Hüftflexibilität noch an lateraler Geschwindigkeit gewinnen, die ihm besonders in der Defense neue Möglichkeiten erschließen würde. Als Grund für seine mangelnde Spritzigkeit wird an mancher Stelle seine zu sehr auftrainierte Oberschenkelmuskulatur genannt. 

 

OFFENSE:

+ Agierte trotz klarer Bigman-Größe für die Seminoles zumeist als Perimeter-Spieler, der mit einer Vielzahl von Aufgaben betraut werden konnte. Dies spricht für sein generelles Skill-Level.

+ Williams verfügt über einen soliden Sprungwurf, den er vor allem als stationärer Shooter anbringen kann. Sein Eckendreier wirkt sicher und auch aus dem Pick’n’Pop dürfte er in der NBA Gefahr ausstrahlen. Er setzt seine Füße sehr schnell und konstant. Seine Bewegung wirkt sehr flüssig und endet in einem recht hohen und damit schwer zu blockendem Release. Auch wenn sowohl Dreiervolumen als auch -quote am College noch nicht vollends überzeugten (0,6 3PM/G bei 32 3P%), stimmt seine Freiwurfquote von 83,8 FT% mit Eye-Test überein. Williams bringt einen guten und damit wohl einfach weiterentwickelbaren Shooting-Touch mit.

+ Die positive Wahrnehmung zu seinem Jumper stammt auch aus der Beobachtung, dass Williams ein unterbewertet guter Pullup-Schütze ist. Dem Forward fällt es leicht, nach ein, zwei harten Dribbling abrupt und dennoch balanciert abzustoppen und teilweise selbst mit wenig Platz über seine Gegenspieler Midrange-Sprungwürfe einzustreuen.

+ Für einen Spieler seiner Größe lässt der Freshman immer wieder hervorragende Vision und starke Passing-Skills aufblitzen. Dies ist wohl klar seiner Vergangenheit als Playmaker zuzuschreiben. Williams hat ein Auge für den Schützen in der Weakside-Corner oder kann in Transition einen Live-Dribble-Assist mit seiner linken Off-Hand spielen. Dies sind Fähigkeiten, die nur wenige 6‘8‘‘-Spieler besitzen.

+ Teilweise lief Williams gar das Pick’n’Roll als Ballhandler und überzeugte als geduldiger Passgeber, der mit gutem Gefühl für Timing teilweise seine Abroll-Partner offenpasste. Dies soll nicht heißen, dass davon auszugehen ist, dass er in der NBA zu einem offensivem Fokuspunkt und Advanced-Playmaker avanciert. Dennoch ist es spannend zu sehen, dass der Seminol über den IQ und die Fähigkeiten verfügt auch als Ballverteiler Druck auf die Defense ausüben zu können.

* Zeigte auf dem Weg zum Korb nette Flashes mit explosivem erstem Schritt und Spinmoves, ist aber, durch ein noch recht beschränktes Handling, noch weit davon entfernt mehr als ein Straight-Line-Driver und Closeout-Attacker zu sein.

* Sucht auf dem Weg in die Zone nach Kontakt und kommt deshalb sehr beständig an die Linie (.357 FTr). Sein Spiel in der Hinsicht basiert allerdings auf seinen körperlichen Vorteilen. Bewegliche 225 Pfund sind für College-Verteidiger zu oft nur mit einem Foul zu stoppen. In der NBA wird Williams aber gezwungen sein, seinen Bully/Power-Style etwas mehr in Richtung Finesse umstellen zu müssen.

* Könnte als Cutter und Rollman sehr effektiv sein, wurde aber in beiden Facetten nur wenig genutzt. In der NBA dürften diese Bereiche wichtiger für ihn werden. Hier schlummert aber durch seine soliden Hände und offensives Verständnis etwas Potential.

– Am Ring kann er beidhändig abschließen und Kontakt wegstecken. Sein Touch ist aber nur durchschnittlich (62,4 FG%@Rim). Es scheint oft an Konzentration zu fehlen. In vielen Situation ist der Seminol merklich schon bei den meist folgenden Freiwürfen und hat gar nicht mehr den Anspruch, den Wurf aus dem Feld zu verwandeln.

– Seine Wurfauswahl ist stark ausbaufähig. Hat viele Spiele, in denen er zu sehr auf seinen Lieblingswurf – den One-Dribble-Midrange-Pullup – setzt.  Idealerweise wandelt er einige dieser langen Zweier in Versuche von hinter der Dreierlinie um oder findet noch öfter den Weg zum Korb.

 

DEFENSE:

+ Williams ist ein williger und energetischer Verteidiger, der stets im defensive Stance agiert. Ist sowohl onball als auch abseits des Spielgeräts aktiv.

+ Wurde im Seminols-System recht vielseitig eingesetzt. In der Pressverteidigung nutze Coach Hamilton seine Länge und Agilität gern in der Hälfte des Gegners beschäftigten Frontline. Im Halbfeld bekam Williams sowohl Onball-Assignments als auch die Möglichkeit abseits des Balles am Perimeter oder in Korbnähe Einfluss auszuüben. Generell schätze das Team seinen positiven Impact auf dieser Seite des Feldes und ließ ihn als eigentlichen Sixth-Man oft auch Clutch-Possessions spielen.

+ Der Freshman generierte seinen meisten defensiven Wert in Offball-Situationen. Er sitzt ein gutes Gefühl für Rotationen und kann durch Gedankenschnelle und seine Länge immer wieder als Playmaker in Erscheinung treten (2,5 STL%). Auch seine Rimprotection-Equity als Helpdefender ist beachtlich (5,6 BLK%).

* Onball verteidigt er mit viel Engagement, bringt aber durch seine ausbaufähige Fußarbeit weniger Switchability mit, als dies seine rohe Athletik vermuten ließ. Muss ebenfalls an seinen Hüften arbeiten, um mehr als zwei Positionen effektiv verteidigen zu können.  

* Seine Boxout- und Reboundingtechnik sieht solide aus, schlug sich aber noch nicht so sehr in den Zahlen wieder, um diese Skills als Stärke bezeichnen zu können (14 DREB%).

– Typische Freshman-Fehler waren immer wieder zu beobachten. Ist in vielen Situationen zu jumpy und fällt zu oft auf Finten der Gegner herein. Ballwatching und Steal-Gambling bringen ihn oft ins Hintertreffen. Zusätzlich muss er an seiner Closeout-Technik arbeiten.

 

Overall

Patrick Williams gilt als High Risk/High Reward-Spieler in der aktuellen Draft werden. Seine Kombination aus Jugend, dem Status als körperlicher Late-Bloomer und noch sehr unfertigem Spiel lädt GMs sicher zum Träumen ein. Er scheint noch ganz am Anfang seiner basketballerischen Entwicklungskurve zu stehen und könnte deshalb bei konstanten Fortschritten (theoretisch) in Impact-Sphären landen, die für andere Prospects nicht erreichbar sind. Eine ähnliche Homerun-Swing-Denkweise sicherte dem Frosh- und ACC-Edel-6th-Man-Kollegen und Namensvetter Marvin Williams 2005 den #2-Draftspot, der recht vergleichbare Voraussetzungen mitbrachte.

Diese Ansicht wird Patrick Williams wohl in zweierlei Hinsicht nicht gerecht und sollte deshalb neu eingeordnet werden. Auf der einen Seite bringt der Freshman mit seinem IQ und Passing, dem starken Frame als auch seinem Shootingtouch klare Fähigkeiten mit, die auch in der NBA Impact generieren sollten. Zum anderen scheint sein Ceiling aber trotz seines noch sehr rohen Games nicht unbegrenzt zu sein, da sein defensiver Wert als Hybrid-Big beschränkt wirkt und sein Spielertyp selbst bei stetiger Weiterentwicklung, wie sie ein Tobias Harris gezeigt hat, zumeist über zu wenig Selfcreation und Playmaking verfügt, um Star-Level zu erreichen. In einem Medium-Case-Outcome ist dadurch wohl eine spannende Rollenspieler-Entwicklung zu erwarten, wie wir sie im vergangenen Jahr bspw. auch für Chuma Okeke vorhergesagt hatten. Im Idealfall könnte er sich in Richtung Paul Millsap entwickeln.

 

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