Brooklyn Nets, Los Angeles Clippers, Los Angeles Lakers, New York Knicks

Zwei Städte, vier Teams

Wie Clippers und Nets die Basis legten, um ihre großen Nachbarn auszustechen

Blickt man nur auf die sportlichen Aussichten der kommenden Saison, haben Lakers und Knicks wenig gemeinsam. Eines der Teams hat in LeBron James und Anthony Davis zwei Spieler aus der Top 10 der Liga. Die andere Franchise hat wohl nicht einmal einen der 100 besten Spieler vorzuweisen. Die Lakers spielen aller Wahrscheinlichkeit nach um Heimrecht, die Knicks nur um den besten Pick. Trotzdem müssen beide gleichermaßen eingestehen, dass ihre Free-Agency-Pläne nicht funktioniert haben und stattdessen der jeweilige Lokalrivale den Hauptpreis einsammeln konnte. Kevin Durant und Kyrie Irving spielen jetzt bei den Nets, Kawhi Leonard und der schon im letzten Jahr bei den Lakers gehandelte Paul George bei den Clippers.

Die konkreten Faktoren für die Entscheidungen der Stars sind natürlich schwer zu identifizieren. War es Steve Balmers Käseplatte, die Leonard letztlich überzeugt hat? Oder wollte er nur nach Kalifornien, ohne die Nummer zwei im Team zu sein? Wollte Durant wegen Jay-Zs Verbindungen in Brooklyn unterschreiben? Solche Fragen können höchstens die Spieler selbst beantworten. Allerdings ist klar nachzuvollziehen, welche Entwicklungen überhaupt die Voraussetzungen dafür schufen, dass die großen Namen die jeweils historisch kleineren Franchises überhaupt in Erwägung zogen – während sich Knicks und Lakers mit Fehlentscheidungen selbst blockierten.

Management done right

Noch vor wenigen Jahren hätten Nets und Clippers sicher nicht als gut geführte Organisationen gegolten. Ganz im Gegenteil: Unter Billy King und ‚Roc Divers‘ – also Head Coach Doc Rivers als Hauptverantwortlichem auch für Managemententscheidungen – gingen beide Franchises sehr großzügig mit den eigenen Picks um, konnten aber nie die gewünschten Erfolge vorweisen. Während es dank des ‚Lob City‘-Kerns um Chris Paul, Blake Griffin und DeAndre Jordan für die Clippers allerdings immerhin für einige Playoff-Seriensiege reichte, waren die Nets seit dem desaströsen Pierce/Garnett-Trade die schlechteste Franchise der Liga. King musste seinen Posten räumen, stattdessen übernahm der junge Spurs-Schüler Sean Marks das Ruder. Das gelang ihm hervorragend: Praktisch ohne eigene Assets baute er durch das Aufnehmen schlechter Verträge und andere kluge Entscheidungen einen interessanten jungen Kern auf, der es in der gerade abgelaufenen Saison sogar in die Playoffs schaffte. Spieler wie Spencer Dinwiddie, Caris LeVert und Jarrett Allen haben zwar wenig Superstar-Potential, bilden aber einen hervorragenden – und vor allem günstigen – Supporting Cast. Nur so konnten die Nets zwei Slots für Maximum-Verträge öffnen und gleichzeitig sportliche Relevanz demonstrieren.

Die Clippers stürzten wie erwähnt nie so tief ab, haben aber ebenfalls einen praktisch kompletten Umbruch hinter sich. Doc Rivers akzeptierte, dass er nur noch als Head Coach agieren darf, Jerry West wurde von den Warriors als entscheidender Berater für das nach außen blasse Management um Lawrence Frank und Michael Winger angeworben. Noch deutlicher waren die Veränderungen aber im Team selbst: Seitdem Chris Paul im Sommer 2017 seinen Wechsel zu den Rockets erzwang, wurden praktisch alle Spieler ausgetauscht. Griffin schickten die Clippers für Tobias Harris und einige Assets zu den Pistons, Harris wiederum nur ein Jahr später nach Philadelphia. Dabei blieben immer wieder wichtige Assets bei den Clippers, die sie teils in interessante Spieler wie Shai Gilgeous-Alexander verwandelten und sonst die sprichwörtliche Schatztruhe füllten. Noch vor Leonards Entscheidung nutzten sie diesen Sommer ihren Gehaltsspielraum für weitere sinnvolle Verpflichtungen, so etwa Patrick Beverley in der Free Agency und Moe Harkless als Salary Dump von den Blazers beziehungsweise Heat. Dadurch standen dem Team die Mittel zur Verfügung, um Kawhi Leonard in Paul George den gewünschten zweiten Star zu verschaffen – und ähnlich wie die Nets trotzdem einen guten Supporting Cast zu stellen.

Management done wrong

Dass über die letzten Jahre fast alle Spieler ausgetauscht wurden, gilt ebenfalls für die Knicks und Lakers. Allerdings erfolgte kein ganz so klarer Bruch beim Front Office beziehungsweise den inoffiziell in die Geschicke der Franchise involvierten Personen. Die Knicks wurden zwar 2017 den als Manager glücklosen Phil Jackson los, aber der neue Team-Präsident Steve Mills wurde intern befördert und Besitzer James Dolan scheint immer noch erheblichen Einfluss zu nehmen. Die Lakers hatten in den letzten Jahren gleich zwei wichtige Personalwechsel: Erst ersetzte Jeannie Buss Anfang 2017 ihren Bruder Jim als Stimme der Besitzerfamilie. Sie tauschte GM Mitch Kupchak aus und holte Rob Pelinka und Magic Johnson an die Spitze der Lakers. Letzterer hielt es aber nicht lange auf einer offiziellen Position aus und wechselte wieder in die Rolle des inoffiziellen Beraters. Wie diese undurchsichtigen Strukturen zu den aktuellen Problemen beitrugen, lässt sich von außen kaum endgültig beurteilen. Es erscheint jedoch logisch, dass beide Franchises aufgrund der unklaren Linie wiederholt teure Fehlentscheidungen genauso teuer wieder auszubügeln versuchten.

Die bedeutendsten Fehler der Franchises in den letzten Jahren waren je zwei hoch dotierte Verträge für ziemlich mittelmäßige bis kaum noch einsetzbare Spieler. Im berüchtigten Sommer 2016 gaben die Lakers Timofey Mozgov und Luol Deng 64 bzw. 72 Millionen Dollar über vier Jahre. Die Knicks bezahlten Joakim Noah ähnlich viel (72,6), und im darauffolgenden Jahr dem Restricted Free Agent Tim Hardaway Jr. über 70 Millionen Dollar. Je einen der Verträge (Deng bzw. Noah) haben die Teams per Stretch-Waive entlassen und damit ihre Payroll auf Jahre belastet. Der andere Spieler kostete jeweils einen früheren Top 5-Pick in D’Angelo Russell beziehungsweise Kristaps Porzingis – wobei es hier zumindest noch mehr oder weniger brauchbare Assets zusätzlich zurückgab. Trotzdem stellten die vier Verträge somit eine massive Hypothek dar, die Lakers und Knicks in ihrer Handlungsfähigkeit beschränkten. Die Lakers werden diese Saison auch deswegen abseits ihrer Stars so dünn besetzt sein, weil Deng noch 5 Millionen Dollar erhält. Für die Knicks spielt der verbleibende Cap Hit für Noah aktuell aufgrund ihrer sportlichen Irrelevanz keine größere Rolle, aber die schlechteren Bedingungen als bei den Nets dürften die Entscheidung von Irving und Durant mit beeinflusst haben. Die Nets haben zwar selbst noch Deron Williams in den Büchern, aber sonst schlicht die interessanteren Spieler.

But Why?

Die Frage, wieso die beiden Franchises mit den großen Namen in den letzten Jahren wiederholt ähnliche Fehler machten, dürfte sich zu großen Teilen mit genau diesem Fakt beantworten lassen: Aus der Überzeugung heraus, bei gewissen sportlichen Erfolgen sofort die bevorzugte Destination für Free Agents zu sein, versuchten sie diese Relevanz zu erzwingen. Deswegen verzichteten beide Franchises weitgehend auf einen echten Rebuild, bei dem sie etwa schlechte Verträge für Assets aufnahmen. Stattdessen wurde – beziehungsweise im Fall der Knicks: wird immer noch – der Cap Space für mittelmäßige Spieler verwendet. Die Hoffnung auf einen sportlichen Aufschwung erfüllte sich so jedoch nicht. Die Knicks kamen seit Jahren nicht mehr in die Nähe der Playoffs und erhielten zuletzt von den besten Free Agents nicht einmal mehr Meetings. Auch die Lakers konnten nicht die lange mit ihnen in Verbindung gebrachten George und Leonard verpflichten – bei denen sie nach allen Berichten jeweils auf ein überzeugendes Tradeangebot verzichtet hatten, um ihr Glück in der Free Agency zu versuchen. In LeBron James kam zwar der hochkarätigste Name der Liga nach LA, hier waren allem Anschein nach aber die Karrierechancen abseits des Parketts ausschlaggebend. Auch der Trade für Anthony Davis ist kein echter Verdienst des Lakers-FOs, hier hatte LeBrons Agentur Klutch Sports mit Rich Paul die Fäden in der Hand. Ein echter Verdienst von Pelinka und Johnson ist jedoch die übrige Free Agency-Class von 2018, die schon zur Deadline größtenteils wieder abgegeben wurde.

Diese Überlegungen verdeutlichen auch, wieso eine gegenteilige Entscheidung von Leonard beziehungsweise Durant/Irving die Managemententscheidungen der letzten Jahre keinesfalls rehabilitiert hätte. Mit Leonard hätten die Lakers noch größere Probleme mit der fehlenden Tiefe gehabt, da zum Auffüllen des Kaders nur die Minimum-Exception bereitgestanden hätte. Den Knicks wäre es kaum anders ergangen. Sie hatten am 1. Juli keinen günstigen Spieler im Kader, der einem Win-Now-Kader wirklich weiterhilft. Den (vermeintlichen) Talenten wie R.J. Barrett, Frank Ntilikina, Kevin Knox und Dennis Smith Jr. fehlt die Erfahrung. Den Rest des Kaders füllten Fringe-NBA-Spieler. Auch die seitdem verpflichteten Free Agents sprechen nicht dafür, dass das Scheitern bei den Knicks für ein Umdenken gesorgt hätten: Erneut holten sie eine recht willkürliche Mischung aus Veteranen (Wayne Ellington, Taj Gibson) und mehr oder weniger interessanten Spielern Mitte 20 (Bobby Portis, Julius Randle, Elfrid Payton). Stattdessen hätten die Knicks auch Picks für das Aufnehmen schlechter Verträge erhalten können, wie es etwa die Pistons, Grizzlies und auch Clippers in diesem Sommer machten. Bezieht man den Porzingis-Trade mit ein, bezahlten die Knicks zuerst dafür, Courtney Lee und THJ loszuwerden, nur um dann den gewonnenen Cap Space mit Spielern zu füllen, die dem Team kaum mehr weiterhelfen. Dass immerhin keiner der Free Agents einen Vierjahresvertrag erhielt wie zuvor THJ, Noah und die Lakers-Fehlgriffe macht die Entscheidung zwar weniger gravierend, verändert aber nichts an der grundsätzlichen Einordnung.

Fazit

Es erscheint vielleicht immer noch fragwürdig, ein Team mit LeBron James und Anthony Davis mit den Knicks zu vergleichen, die nächstes Jahr zu den fünf schlechtesten Teams der Liga gehören dürften. Aber in beiden Fällen wurde in den letzten Jahren deutlich, dass die Franchises in Sachen kompetentes Management hinter den besten Teams der Liga zurückgeblieben sind. Dass ab sofort zu den bedeutendsten Konkurrenten die innerstädtischen Rivalen gehören, macht die Situation noch unbequemer.

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