NBA

Draft Team Needs 2019

Alle Teams der Top 10

Wie in den letzten Jahren gibt es wieder ein Gegenstück zum Draft Power Ranking: die Team Needs. Die Idee dahinter findet sich in der ersten Ausgabe:

Das Go-to-Guys Draft Powerranking unterscheidet sich von den üblichen Mockdrafts vor allem dadurch, dass die Spieler nur nach der prognostizierten Qualität gerankt sind. Um eine möglichst große Aussagekraft bezüglich der spielerischen Möglichkeiten der Prospects zu erhalten, sind Team Needs nicht Teil des Rankings. Dieser dreiteilige Artikel setzt hier an und stellt das Gegenstück dar, eine Darstellung der Voraussetzungen und Rebuild-Pläne der Teams ohne Betrachtung der Draft Class.

Das mag auf den ersten Blick sinnlos erscheinen: Wie kann man das Draftverhalten eines Teams ohne die Draftees beschreiben? Und tatsächlich gibt es Fälle wie etwa 2012 Anthony Davis, wo jede Franchise zugreifen muss – unabhängig vom bisherigen Kader, den Plänen für die kommenden Jahre oder anderen Faktoren. Oft ist das Talentlevel jedoch vergleichbar, wie auch die Kategorien des GtG-Rankings zeigen. Hier werden dann die Voraussetzungen und Ziele der Franchise interessanter, die Draftstrategien unabhängiger von den Spielern. Die Grundlagen sind bereits hier dargestellt, für diesen Artikel wird ein etwas ausgeweitetes System eingesetzt: Zu den Kategorien der Entwicklung des Spielers (Upside vs. NBA-Ready) tritt noch die Möglichkeit Trade (siehe auch hier).

Dieses Jahr gibt es eine Analyse aller Teams mit Top 10-Pick:

New Orleans Pelicans: Pick 1 und 4

Nach Diskussionen seit Anfang des Jahres ist jetzt klar: Anthony Davis darf tatsächlich zu den Lakers wechseln, die Pelicans bekommen dafür jede Menge junges Talent. Als wichtigster Teil des Pakets ist wohl der vierte Pick anzusehen, der aber nicht einmal das beste Asset der Pelicans im aktuellen Draft ist. Denn die Lottery meinte es gut mit dem von Davis‘ Tradeforderung gebeutelten Team und hievte sie an die Spitzenposition. Die Kombination aus erstem und viertem Pick soll jetzt die Franchise für die kommende Generation bestmöglich aufstellen.

Das wichtigste für den Rebuild ist ein Talent mit Franchise-Player-Potential. Auch wenn mit Jrue Holiday noch ein ehemaliger All Star im Kader steht, müssen mit dem ersten Pick die langfristigen Perspektiven im Fokus stehen. Das heißt: Ganz klar sollte der bestmögliche Spieler gewählt werden, auch wenn mit Brandon Ingram und Lonzo Ball jetzt zwei weitere hoch gepickte Talente im Kader stehen. Beide konnten sich noch nicht so überzeugend präsentieren, dass man sich bei diesem Pick zu sehr von ihren Stärken und Schwächen beeinflussen lassen sollte. Dazu kommt, dass beide in der abgelaufenen Saison gesundheitliche Probleme hatten und Ingram nur noch ein Jahr unter Vertrag steht.

Mit dem vierten Pick muss man allerdings schon eher auf die dann vorhandenen Spieler Rücksicht nehmen. Ist es beispielsweise sinnvoll, ein weiteres Talent mit einer Größe im Bereich von 6-6 bis 6-9 zu ziehen? Im Zweifel riskiert man, dass derjenige sich nicht gegen die etwas erfahrenere Konkurrenz durchsetzen kann und sich deshalb einen Stammplatz auf der Bank sichert. Außerdem muss Pelicans-Manager David Griffin darauf achten, dass dem Team nicht die Distanzschützen fehlen, was weder für Ball noch Ingram eine Stärke darstellt. Trotzdem sollte natürlich ein Spieler mit hoher Upside die erste Wahl sein, der sich mit dem jungen Kern weiterentwickeln kann.

Tendenz: BPA für Pick 1 dürfte keine Frage sein, bei Pick 4 sollten die Pelicans auf die Balance zwischen Fit und Upside achten.

 

Memphis Grizzlies: Pick 2

Die Grizzlies waren bis vor wenigen Tagen in einer recht ähnlichen Situation wie die Pelicans: Ein erzwungener Umbruch, ein verbliebener Star (Mike Conley beziehungsweise Jrue Holiday) und zusätzlich einige schlechte Verträge. Immerhin konnten sie in Jaren Jackson Jr. letztes Jahr bereits einen sehr interessanten Spieler ziehen, der zudem zu den Jüngsten seiner Draftclass gehörte. Die Aussichten für einen echten Rebuild sehen also nicht schlecht aus.

Der nun bekannt gewordene Trade von Mike Conley hat deutlich gemacht, dass die Grizzlies dazu bereit sind. Das vereinfacht die Draftentscheidung, weil der Team Fit so an Bedeutung verliert. Jackson hat gezeigt, dass er auf beiden Big-Positionen denkbar ist, spielt in dieser Hinsicht also keine so große Rolle. Die übrigen jungen Spieler wie der gerade ertradete Grayson Allen, Delon Wright aus dem Gasol-Trade und die positive Überraschung der vorletzten Saison Dillon Brooks sind alle nicht so talentiert, dass man sich mit dem zweiten Pick nach ihnen richten sollte.

Entsprechend ist klar, dass die schwierigsten Entscheidungen für die Grizzlies bereits hinter ihnen liegen. Die beiden ehemaligen Franchise Player wurden abgegeben, jetzt ist die nächste Generation gefragt.

Tendenz: Memphis wird einfach den BPA wählen.

 

New York Knicks: Pick 3

Die Knicks haben mit dem Porzingis-Trade einen wichtigen Umbruch ebenfalls schon hinter sich, ein weiterer könnte in diesem Sommer anstehen. Der vor wenigen Jahren noch als kommende Franchise Player gefeierte Porzingis wurde in erster Linie aus finanziellen Gründen abgegeben: Die Mavs nahmen auch die schlechten Verträge von Tim Hardaway Jr. und Courtney Lee auf, so dass New York diesen Sommer etwa 70 Millionen Dollar unter dem Salary Cap sein könnte. Allerdings müssten zwei Maximum-Spieler zu den Knicks kommen wollen, damit der Cap wirklich sinnvoll genutzt werden kann. Das ist nicht unbedingt anzunehmen, beeinflusst aber die Überlegungen zum Draft.

Das Problem ist hier das Timing. Am Draft Day wissen die Knicks – zumindest offiziell – noch nicht, welche Free Agents sie Anfang Juli verpflichten können. Für welches Szenario plant man also? Ein sehr junger Spieler mit hohem Potential wäre in einem Win Now-Team vermutlich überfordert. Einen dritten Pick verwendet man aber ungern für einen College-Senior mit begrenzter Upside für mehr als eine Rollenspielerkarriere.

Tendenz: Vermutlich versuchen die Knicks einen Kompromiss zu finden, der für alle Möglichkeiten passt. BPA und das Eingeständnis, dass die besten Free Agents andere Ziele im Blick haben, wäre aber vermutlich die bessere Entscheidung.

 

Cleveland Cavaliers: Pick 5

Die Cavaliers haben noch diverse Spieler aus den Contender-Jahren im Kader, so dass sie in der nächsten Saison deutlich über dem Cap sind. Allerdings dürfen sie kaum auf sportliche Erfolge hoffen. Die meisten der Verbliebenen sind überbezahlt, zusätzlich hat das Team noch weitere schlechte Verträge für Assets aufgenommen. In anderen Worten: Der klassische Rebuild ist gefragt. Dass auch aufgrund der neuen Lottery-Odds trotz der zweitschlechtesten Bilanz nur der 5. Pick nach Cleveland ging, erschwert diese Aufgabe jedoch. Außerhalb der Top 3 bedeuten Spieler mit großem Talent praktisch immer auch hohes Bust-Potential. Wer umgekehrt den vermeintlich sicheren Pick wählt, verzichtet oft auf Upside.

In der Situation der Cavs ist mit einem sicheren Pick jedoch wenig zu gewinnen. Den Cavs fehlt auch aufgrund der durchwachsenen Rookie-Saison des letztjährigen 8. Picks Collin Sexton das Potential im Kader. Mit einem guten Starter wäre ihnen also nicht geholfen, auch wenn in Kevin Love noch ein ehemaliger All Star im Kader steht.

Tendenz: Die Trades der letzten Monate haben es gezeigt: Die Cavs sind im Rebuild. Daher dürften sie den bestmöglichen jungen Spieler mit Upside wählen.

 

Phoenix Suns: Pick 6

Für die Suns ist die Situation eine ganz wesentlich andere als bei den bisher besprochenen Teams: Es geht im Draft nicht mehr unbedingt um die Suche nach einem möglichen Franchise Player, da in Devin Booker und DeAndre Ayton schon zwei Kandidaten dafür im Kader stehen. Natürlich ist ein potentieller weiterer Star immer wünschenswert, eine Konsolidierung des aktuellen Talents durch den passenden Fit aber wichtiger.

In der abgelaufenen Saison wurde deutlich, dass die größte Lücke der Suns auf der Position des Spielmachers zu finden ist. Das Problem: Gerade junge Point Guards benötigen oft Zeit, um sich an die NBA anzupassen und die Zahl ihrer Fehler zu reduzieren. Diese Geduld aufzubringen ist angesichts von Jahren ohne Playoffs und eines jungen hungrigen Stars in Devin Booker nicht einfach.

Daher kommt statt einem Draft nach Team Fit auch ein Trade des Picks in Frage. Das wäre sicher auch mit Schwierigkeiten verbunden, da der Spieler in die Altersstruktur der Suns passen sollte. Top-Talente in Bookers Alter, also Anfang 20, sind aber selten verfügbar. Zudem ist ein solcher Trade keine Garantie für die Playoffs. Daher spricht einiges dafür, dass die Suns sich weiter gedulden sollten.

Tendenz: Die Suns sollten nach Team Fit gehen und einen Spieler ziehen, der zu Booker und Ayton passt. Das muss nicht zwingend ein Playmaker sein, als Point Guard wäre auch ein Veteran Free Agent sinnvoll. Allerdings ist durchaus denkbar, dass die Ungeduld von Suns-Besitzer Robert Sarver einen Trade begünstigt.

 

Chicago Bulls: Pick 7

Was es bedeutet, an 7 zu picken, wissen die Bulls mittlerweile ziemlich gut: Sowohl Lauri Markkanen 2017, als Teil des Jimmy-Butler-Trades, als auch Wendell Carter Jr. 2018 wurden an dieser Stelle aufgerufen. Die Entscheidung für die beiden Big Men dürften die Bulls auch noch nicht unbedingt bereuen, trotz einiger Verletzungsprobleme zeigten sie bereits gute Ansätze. Markannen erfüllt eher das Profil eine Stretch Big und Scorers, während Carter Hoffnung auf ein komplementäres Allround-Game weckt.

So weit, so gut – nur ergeben sich daraus für den diesjährigen Draft einige Probleme. Erstens sehen beide Spieler nicht wie ein Franchise-Player-Talent aus, was mit dem 7. Pick vielleicht auch zu viel verlangt wäre. Dieser Umstand ändert sich jedoch auch beim diesjährigen Draft nicht. Zudem sorgen zwei talentierte Big Men dafür, dass es nicht gerade sinnvoll ist, einen weiteren zu ziehen. Nachdem die Bulls aber auch von Zach LaVine viel zu halten scheinen und zur Deadline im Februar noch für Otto Porter tradeten, sind die vier großen Positionen praktisch besetzt. Die Auswahl so einzuschränken, ist sicher nicht optimal. Den Team Fit zu ignorieren und den Draftee von Anfang an in eine schwierige Situation zu bringen, erscheint jedoch noch weniger sinnvoll.

Tendenz: Die Bulls sollten und werden aller Wahrscheinlichkeit nach ihre größte Lücke füllen, indem sie nach Team Fit einen Playmaker draften.

 

Atlanta Hawks: Picks 8 und 10

Für die Atlanta Hawks lief die abgelaufene Saison sportlich gesehen eigentlich wie nur zu erhoffen: Es war von Anfang an klar, dass das Team nicht um die Playoffs mitspielen würde. Trotzdem konnte man streckenweise ansprechenden Basketball zeigen und die beiden wichtigsten jungen Spieler Trae Young und John Collins entwickeln. Die 29 Siege reichten dann jedoch nicht für eine der schlechtesten Bilanzen, und auch die Lottery brachte kein Glück. Daher sind es nur zwei Picks am Ende der Top 10 geworden, der eigene und der aus Dallas, das Resultat des Young-Doncic-Trades.

Das erschwert die Aufgabe für GM Travis Schlenk logischerweise. Wer nicht bei Young sehr optimistisch ist, dem dürfte das Fehlen eines Franchise Players auffallen. Die beiden Picks sind diesbezüglich nicht sonderlich hilfreich – höchstens in Kombination. Für die Hawks wäre es interessant, beide Assets zu kombinieren, um einen Top 4-Pick zu erhalten, falls sie das Talentlevel dort entsprechend hoch einschätzen.

Tendenz: Ein Trade für einen höheren Pick wäre zwar sinnvoll, aber dafür müsste ein zweites Team mitspielen. Falls sie selbst mit 8 und 10 draften, dürften die Hawks einen Mittelweg zwischen Talent und Fit wählen.

 

Washington Wizards: Pick 9

Zwischen den beiden Hawks-Picks haben die Wizards einmal das Wahlrecht. Nach der nicht nur aufgrund von John Walls Verletzung enttäuschenden Saison stellt der Pick wohl nur einen kleinen Trost dar. Der Kader wirkt abseits von Bradley Beal ziemlich enttäuschend – Stichwort: Ian Mahinmi und Dwight Howard –, nur einige mehr oder weniger interessante Restricted Free Agents wie Tomas Satoransky und Thomas Bryant sind noch in Erwägung zu ziehen. Die Trades von Kelly Oubre und Otto Porter in der letzten Saison haben diese Situation nicht verbessert. Für das Management ist die Entscheidung, was mit dem Pick passieren sollte, entsprechend schwierig – zumal die Suche nach einem GM noch läuft: Nuggets-Präsident Tim Connelly hat sich trotz intensiven Werbens durch Wizards-Besitzer Ted Leonsis für einen Verbleib in Colorado entschieden.

Tendenz: Die verfahrene Situation der Wizards macht eine Prognose schwierig. Vermutlich werden sie schlicht aus Mangel an sinnvollen Alternativen einen Spieler ziehen, der möglichst gut neben Beal passt.

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