Milwaukee Bucks, Playoffs 2019

Giannis – und sonst?

Die kleineren Storylines der Serie

In der Serie zwischen den Bucks und den Celtics konnte Giannis Antetokounmpo in Spiel 3 mit einer starken Performance die Führung im Schlagabtausch der beiden Teams für seine Truppe erkämpfen. Er ist natürlich bisher absolut im Fokus des Matchups und musste sich mit sehr verschiedenen Gegenspielern vonseiten der Celtics herumschlagen. Dabei schaffte der Überathlet es ebenso oft an die Linie zu kommen wie auf den gegnerischen Korb zu werfen (jeweils 50 Attempts). Somit erzielt er momentan ca 28 Punkte pro Spiel und ist zudem klar der beste Spieler der Serie. Außerdem sind seine Aufenthalte an der Freiwurflinie einer der wesentlichen Gründe, warum die Bucks bisher die etwas bessere Offense aufbieten können, obwohl ihre Quote aus dem Feld etwas schlechter ist als die von Boston (Bucks: 52% eFG, Celtics: 53% eFG). Dass der Greek Freak in dieser Serie eine absolute Schlüsselrolle einnehmen würde, war bereits im Vorfeld abzusehen. Ich möchte nun aber auch ein paar Storylines abseits des MVP Kandidaten etwas Aufmerksamkeit schenken:

Khris Middleton liefert bisher 21 Pts/g und traf dabei 13/20 Dreier. Er überzeugte sehr als tertiärer Facilitator der Bucks und kreiert einfache Punkte für andere. So brachte er es bereits auf 12 Ast ( gerade mal einen weniger als Bledsoe und zwei weniger als Giannis). Auch wenn ich hier den Fokus nicht auf letzteren legen will, sei noch zu betonen, dass die Celtics ihm im Halbfeld sehr gut die Pass Optionen wegnehmen, was Middletons Playmaking Verantwortung umso wertvoller macht. Auch der eben genannte Bledsoe hat bisher Probleme in der Serie. Er spielt wie die zweite Scoring Option der Bucks (25,5 USG), forciert dabei aber zu viele schlechte Würfe (12/32 FG) und ist somit zu ineffizient um sein Volumen zu rechtfertigen. Hier müsste der Ball noch öfter in die Hände von Middleton, der seine Abschlüsse bisher mit einem 69er True Shooting verwandeln konnte und damit vermutlich einige böse Erinnerungen bei Boston Fans an die letztjährige Playoff Begegnung wach rufen konnte.

Ein weiterer elementarer Faktor für die Bucks ist George Hill. Gekommen als punktuelle Ergänzung kann der 32 Jährige bisher an Playoff Leistungen längst vergangener Indiana Pacers Zeiten anknüpfen und als mutmaßlich bester Bankspieler der Serie einen unerwartet großen Unterschied machen (147er ORtg). Hill trifft seine Würfe, spielt kluge Pässe, verteidigt engagiert und begeht ansonsten kaum Fehler. Auch wenn die Serie bisher von einigen Garbage Time Minuten in Spiel 1 und 2 geprägt war, ist es bezeichnend, dass er bisher nur eine Minute weniger auf dem Parkett stand als Eric Bledsoe, der nominelle Starting Point Guard. Auch der Ausfall von Brogdon ist so für die Bucks noch etwas mehr zu verschmerzen

Doch damit genug zu Milwaukee. Bei den Boston Celtics konnte bisher abseits von Morris, Horford (der über weite Strecken einen überragenden Job macht) und Brown niemand so wirklich überzeugen. Vor allem die beiden Top Scorer der Regular Season Irving und Tatum tun sich schwer gegen die personell starke Bucks Defense zu Punkten zu kommen. Kyrie Irving erzielte bisher ebenso viele Punkte wie Middleton, brauchte dafür allerdings ca 20 Shooting Possessions mehr! Tatum kam in den ersten 3 Spielen kaum zu guten Wurf Gelegenheiten, wird konsequent von der Dreierline weggelaufen und kommt auf nicht mal 10 Punkte pro Spiel bei miserablen Quoten (42% TS). Zwar ist er defensiv recht stark, aber war offensiv nahezu ein non Faktor.

Ein weiteres Problem in der Serie war bis zu diesem Zeitpunkt die Bank der Celtics. Auch hier konnte man bisher solide defensive Lineups aufbieten, offensiv unterliegt man den Bucks allerdings klar. Die 69 Punkte von Hayward, Rozier, Ojeleye und Baynes können nicht mit den 87 von Hill, Connaughton, Ilyasova und Snell mithalten. Zwar lässt sich dieser Vergleich nicht nur auf diesen einen Aspekt herunterbrechen, die grundsätzliche Problematik wird aber vermutlich trotzdem erkennbar.

Doch welche Lösungen bieten sich nun den Celtics um diese Baustellen nun noch eher zu ihren Gunsten zu nutzen? Zum einen muss mehr Irving&Horford Pick-n-Pop her. Ersterer muss noch viel konsequenter den Korb attackieren. Irving stand bisher erst 12 mal an der Linie, dazu kein einziges mal in den Spielen 1 und 2. Seine spektakulären Pull Ups sind schön und gut, das Team braucht jetzt allerdings zuverlässiges Scoring von ihm. Dazu öffnet der Drive zum Korb mehr Möglichkeiten. Diese sollte insbesondere Al Horford zu nutzen wissen. Der hat bisher nach einem tollen Spiel 1 seine offensive Aggressivitität etwas vermissen lassen und auch wenn er bisher eine gute Serie spielt, sollte er noch mehr auf den eigenen Wurf setzen und die Spielbarkeit von Lopez vehement in Frage stellen. Auch Morris darf gerne noch mehr werfen. Im Gegensatz zu Tatum findet er einige Mittel und Wege, um zu punkten. Die Celtics können offensiv über weite Strecken mithalten, aber müssen ihre besten Scorer noch ein wenig mehr ins Rollen bekommen. Hier ist vor allem Stevens gefragt, die Offense zu optimieren und die entscheidenden Prozent-Punkte zu generieren, um in Spiel 4 zurück zu schlagen. Es steht so oder so viel auf dem Spiel und viele Entscheidungen im Sommer könnten mit dem Ausgang dieser Serie besiegelt werden.

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