Denver Nuggets, Playoffs 2019

Nikola Jokics Probleme

Was fehlt dem Big der Nuggets?

Nach einer überraschend erfolgreichen Regular Season 2018/19 konnten sich die Denver Nuggets erstmals seit 2013 wieder für die Playoffs qualifizieren. Getragen von einer starken Offensive (113 Ortg, Platz 6) rund um Nikola Jokic und einer erstaunlich guten Defensive (108.9 Drtg, Platz 10), erreichte man in der Western Conference den zweiten Platz. Trotz der guten Platzierung in der Regular Season wurden die Denver Nuggets laut Medienberichten von vielen Offiziellen als einfaches Matchup in der Postseason gesehen. Neben den Zweifeln an der Defense der Nuggets und speziell Nikola Jokic, sah man auch die Abhängigkeit von Jokic in der Offensive als mögliches Problem in den Playoffs.

Nachdem man in Spiel eins als bestes Heimteam der Liga direkt den Heimvorteil verlor, konnte man diesen im vierten Spiel der Serie zurückgewinnen. Im zweiten Spiel in Denver lag man zwischenzeitlich auch mit 19 Punkten zurück, kämpfte sich aber im vierten Viertel vor allem dank Jamal Murrays verrücktem Shotmaking zurück und entschied das Spiel für sich. Spiel drei wurde beim heimstarken San Antonio mit 108:118 verloren. Nach diesen vier Spielen lässt sich konstatieren, dass in Denver einiges noch nicht nach Plan verläuft. Vor allem Nikola Jokic stellt hier gleich in mehrerlei Hinsicht ein Probleme dar. Bevor heute Abend in Spiel fünf eines der beiden Teams wieder in Führung geht, sollen in diesem Artikel die Probleme des serbischen Centers genauer untersucht werden. 

Defensive – Im Playoff Setting ein Problem?

In der Defensive ist Jokic keine Stärke, trotz des neuen Verteidigungsschemas, das Mike Malone vor der Saison um den hüftsteifen Big Man herum implementierte, hat er hier einige Probleme. Wie zuletzt im All-NBA Podcast angesprochen, spielen die Denver Nuggets seit dieser Saison gegen das Pick and Roll häufig, indem sie mit dem Big Man hedgen, das heißt Jokic sinkt nicht ab, sondern geht auf den Ballhandler zu und versucht diesen unter Druck zu setzen, bis sich der Guard/Wing um den Screen gekämpft hat und seinen Gegenüber wieder übernehmen kann. Dies führt zu sehr vielen Rotationen und Helpdefense vom ganzen Team und kann im Playoffsetting mit einem guten Gampelan ausgenutzt werden. Die San Antonio Spurs würden hier konstant zu guten Gelegenheiten kommen, doch die Nuggets können teils ungestraft von ihren Matchups weghelfen, da San Antonio zu wenig Shooter hat, um das zu bestrafen.

Zudem ist Jokic einfach nicht schnell genug. Zwar hat er gute Reflexe und kommt durch seine erstaunlich flinken Hände öfter zu Strips und Steals (2.4 Deflections/game und 1.4 Steals/game, jeweils Platz 4 unter allen Centern in der RS), doch seine fehlende laterale Geschwindigkeit und seine Probleme gegen kleinere Spieler effektiv zu verteidigen machen ihn am defensiven Ende zur Schwachstelle. Gerade wenn er mit Geschwindigkeit attackiert wird bekommt Jokic Probleme. Dies nutz vor allem Derrick White bisher aus. Dieser schließt bisher häufig in Korbnähe ab und kann hier gerade über Cuts oder Drives zu Punkten kommen. 

Offensive – In Effizienz sterbend?

Doch trotz seiner Schwächen am defensiven Ende ist Nikola Jokic in dieser Serie bisher vor allem in der Offensive ein Problem. Zwar sehen seine individuellen Werte sehr gut aus: 132er Ortg, 59.6% TS und 9.3 Assists/Game erzeugen hier das Bild eines enorm effizienten Spielers, der Traum eines jeden go-to-guys Redakteurs, möchte man meinen. Doch Jokic hat in der Offensive ein ganz klares Problem, nämlich sein fehlendes Volumen. Seine Usg% ist gerade einmal die dritthöchste im Team. Hier muss auch der Coaching Staff eingreifen: Jokic ist der beste Offensivspieler dieser Serie, nimmt allerdings nur die viertmeisten Abschlüsse. Bei Points per Game liegt er bisher in den Playoffs ligaweit auf dem 19. Platz, nur knapp vor Komplementärspielern wie Jayson Tatum, Eric Bledsoe oder Montrezl Harrell. Vergleicht man ihn hier zum Beispiel mit Joel Embiid, zeigt sich ein krasser Unterschied zwischen den beiden. Während Embiid ebenfalls gute Effizienzwerte auflegt (122 Ortg, 60.2% TS) kann er im Gegensatz zu Jokic eine USG% von 37.7% vorweisen und auf 100 possessions gerechnet, nimmt er 8 FGA mehr als Jokic.

Generell ist die Passivität Jokics ein Problem für sein Team. Dazu zählt auch das Verweigern offener Dreier. Diese Szene veranschaulicht das ganze recht gut:

Hier muss Jokic mehr Dominanz zeigen und weniger selektiv sein, was den eigenen Abschluss angeht. Er ist mit Abstand der beste Offensivspieler, in der Serie gegen die San Antonio Spurs, wird er dieser Rolle aktuell aber nicht gerecht (weniger FGA als Aldridge, Murray und DeRozan). Es gibt in jedem Spiel etliche Situationen, in denen Jokic einen offenen Dreier hätte und diesen verweigert und lieber zum Drive ansetzt oder einen Pass spielt. Zwar lag die 3pt% bei Nikola Jokic diese Saison nur bei 30.7%, allerdings muss er hier als Scoringoption Gefahr ausstrahlen, da es für gegnerische Teams sonst leichter wird Denver zu verteidigen. Aber auch ansonsten fehlt es dem Center offensiv an Durchschlagskraft, er sollte hier öfter seinem eigenen Abschluss vertrauen und als Superstar auch öfter an der Linie stehen. Mit seiner FtR von 33.3% steht er in den Playoffs bisher auf Rang 43, hinter Patty Mills, Davis Bertans. DeMar DeRozan, Paul Millsap, Jakob Poeltl und Rudy Gay. 

Fazit

Defensiv wird es für Nikola Jokic fast unmöglich in den Playoffs  einen positiven Impact zu liefern, am offensiven Ende gibt es für ihn jedoch einige Möglichkeiten seinem Team zum Sieg zu verhelfen.

Ein höheres Aktivitätslevel und mehr Abschlüsse für den Big Man sollten hier ein Ansatz sein, den er auch im letzten Spiel schon umsetzen konnte (22 FGA, davor 12.6/G). Nicht jeder Spieler hat ein Talent dafür so viele Freiwürfe zu ziehen wie James Harden und Joel Embiid, aber Jokic kann scoren und muss das auch.

Kaum einer seiner Mitspieler kann sich konstant eigene Würfe kreieren und die Denver Nuggets sind darauf angewiesen, dass Jokic seine Mitspieler im richtigen Augenblick bedienen kann oder eben selbst punktet. In den nächsten Spielen wird sich entscheiden, ob Nikola Jokic sein Team wirklich tragen kann oder ob es einem gut gecoachten Team gelingen kann ihn offensiv einzudämmen und die Nuggets so zu bezwingen. 

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