Milwaukee Bucks, Playoffs 2019

Brook Lopez – Heimlicher Held der Bucks?

Wie einflussreich ist der Center von Milwaukee?

Die Serie zwischen den Bucks und den Pistons dürfte vermutlich bereits gelaufen sein und stellt sich bisher als eine der einseitigeren im Playoff Angebot der NBA dar. Sie kommt damit ebenso unspektakulär daher wie die Statline eines gewissen Centers der Milwaukee Bucks.

Brook Lopez liefert bisher 11 Punkte, 4,5 Rebounds und 2 Blocks bei einem 122er Ortg. Das sind Werte, die den gemeinen NBA Fan vermutlich eher kalt lassen. Die zwei Blocks lassen einen zwar aufhorchen, es ist allerdings längst bekannt, dass diese nicht den defensiven Einfluss eines Spielers abbilden können. Schauen wir uns also mal die Statistiken seines Matchups an. Andre Drummond erzielt bisher 15 Punkte/g bei einem Ortg von 98 und einer offensiven Reboundrate von 8%. Um das mal ins Verhältnis zu setzen: In der regulären Saison schaffte Drummond es auf 17 Punkte bei einem Ortg von 113 und 17% Oreb%. Doch inwiefern sind Drummonds Leistungen auf Lopez zurückzuführen der in der Saison recht ähnliche werte wie in der Serie bisher auflegen konnte, sprich gerade einmal 5 Rebounds pro Spiel? Schauen wir uns seine Rolle im Team mal etwas genauer an.

Offensiv liefert Lopez Spacing um Giannis und zieht den gegnerischen Big nach draußen. Da diese oftmals die Ringbeschützer des Teams sind öffnet er somit das Feld und verschafft seinen Mitspielern mehr Platz unter dem Korb. In der Serie trifft er bisher 4 Dreier pro Spiel bei 38% FG. Dadurch ergeben sich trotz seinem geringen eigenen Scoring Volumen viele Möglichkeiten für seine Teammates. Außerdem trifft er schnelle Entscheidungen. Wenn er nicht den Wurf nimmt bewegt er oftmals sofort den Ball weiter. UND: er nimmt nicht nur weit offene Ecken Dreier, sondern auch tiefe Würfe von top of the key. Das hilft gerade Antetokounmpo enorm und hat auch der Bucks Offense einen Push gegeben, der sie diese Saison in die Top 3 befördert hat. Er ist zudem nach wie vor ein guter Finisher unter dem Korb. Zwei Drittel seiner Würfe sind zwar Dreier, aber er nimmt ansonsten überwiegend Abschlüsse in Korbnähe: Dort trifft er 77% seiner Abschlüsse und auch von 3-10 Fuß sind es beachtliche 46%. Lopez hat immer noch ein versatiles Post Game und kann sowohl gegen Mismatches als auch gegnerische Bigs für einfache Punkte sorgen,

In der Defense ist sein Impact vermutlich ebenso wichtig. Man verteidigt mit ihm auf dem Feld auf einem elitären Niveau (103 Drtg). Die Bucks haben als Team in dieser Saison einen gewaltigen Sprung gemacht in der Verteidigung: Nachdem man letzte Saison noch zum Mittelfeld der Liga gehört hat ist man jetzt ein klares Top 3 Team. Das ist unter anderem auch auf Lopez zurückzuführen. Doch was bringt er dem Team konkret?

In erster Linie Ringschutz. Die Bucks haben mit Giannis und Lopez gleich zwei elitäre Rim Protector und verhindern so den effizientesten Wurf im Basketball exzellent. Mit Lopez im Lineup spielen sie überwiegend Drop Coverage. Das heißt der Big Man sinkt im Pick-and-Roll extrem ab und verhindert in erster Linie den Drive zum Korb. Diese Strategie geht jedoch mit einem gewissen Tradeoff einher. Da der Guard am Perimeter auf sich allein gestellt ist, ergeben sich oftmals freie Wurfgelegenheiten aus der Mitteldistanz oder sogar von hinter der Dreierlinie.  Die Bucks lassen die meisten Dreierversuche in der kompletten NBA zu und die zweit meisten langen Zweier. Das ist wie Coach Bud jedoch bereits mehrfach erklärte, fester Bestandteil ihrer Strategie, da sie vor allem above the break Dreier abgeben, mit denen sie leben können. Gegen ein Shooting schwaches Pistons Team ist das natürlich kein Grund zur Sorge, gegen ein mit Perimeter Spielern gespicktes Team wie die Celtics könnte es allerdings schon eher zum Verhängnis werden. Dennoch gibt ihnen der Erfolg bis hierhin Recht. Ein weiterer Grund für ihre hervorragende Defense ist ihr stark verbessertes Rebounding. Letztes Jahr war man das schlechteste Defensiv Rebounding Team der Liga, dieses Jahr belegt man den dritten Platz. Nun werden sich einige fragen wie Lopez hier mit seinen kümmerlichen 5 Rebounds ein wesentlicher Faktor sein will. Die Antwort ist darin begründet, dass Defensivrebounding eine Frage des Teamverbunds ist. Das ist übrigens auch der Grund warum ich persönlich Rebound Zahlen an diesem Ende nicht allzu hoch bewerte. Um den Rebound zu sichern müssen alle mitziehen, wer ihn dann letztendlich einsammelt ist eher zweitrangig. 

Das wird vor allem am Beispiel von Lopez sehr gut deutlich. Dieser ist in der Top 3 bei den defensiven Box Outs pro Spiel. Das bekommt gerade auch Andre Drummond zu spüren, wie eingangs skizziert. Während Lopez alles dafür tut um ihn am Rebounden zu hindern sammelt Gainnis die Bälle ein und pusht damit in die Transition. So kommt der Grieche auf bisher 24 Drebs in 2 Playoff Spielen. Dafür kann er sich bei Lopez bedanken der mit seinem Basketball IQ an beiden Enden des Feldes viele Dinge fürs Team macht, die letztendlich in keinem traditionellen Box Score erscheinen. Deswegen muss man ihn trotz Bledsoe und Middleton wohl für die Diskussion um den 2. wichtigsten Spieler der Bucks im Kopf behalten. Er könnte sich als der heimliche Schlüssel für einen tiefen Run der Milwaukee Bucks erweisen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sein defensiver Impact in bestimmten Matchups, wie beispielsweise gegen die Celtics, etwas geringer sein wird.

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