Golden State Warriors, Playoffs 2019

Verlieren die Warriors zu oft den Ball?

Level Up #3

Sie sind das wahrscheinlich das beste Team aller Zeiten. Die Golden State Warriors. Der mit Sicherheit beste Shooter aller Zeiten. Ein All-Time-Scorer. Der variabelste Verteidiger der NBA. Und der beste 3-and-D-Rollenspieler.

 

Und dennoch haben sie seit Jahren ein kleines Problemchen und bräuchten ein Level Up.

Denn die Warriors haben nicht nur eine Affinität zu den zahlen 3 und 1, sondern auch ein Turnover-Problem. Und dies bereits seit geraumer Zeit. Seitdem Kevin Durant bei den Warriors spielt, haben sie eine überdurchschnittliche Turnover-Rate, sogar in der legendären 73-9-Saison waren sie minimal unterdurchschnittlich.

 

Das liegt natürlich am passlastigen System von Golden State, aber dies erklärt nicht, wieso man in jedem Jahr klar mehr Fehler begeht als ein durchschnittliches NBA-Team. In den letzten drei Jahren hat man im Schnitt zwei Possessions mehr abgegeben als der Schnitt.

Aber bleiben wir auch ehrlich: Das hier ist meckern auf hohem Niveau, denn die Warriors stellen eine historisch gute Offense und im Normalfall schaden die Turnover auch nicht. Gegen die Clippers ist dies jedoch aus zwei Gründen besorgniserregend: Zum einen hat man auch schon in Spiel 1 21 mal den Ball weggeworfen und gerade, wenn wir gleich auf das erste Viertel schauen, ist das eine Unverschämtheit an Unkonzentriertheit. Zum anderen bedeutet dies auch eine Turnoverrate von fast 20% in dieser Serie – jeder fünfte Ball landte beid en Clippers. In Spiel zwei wurde man dafür bestraft.

Wir schauen natürlich nicht auf jeden Turnover, sondern vor allem auf die unforced Errors – Fehler, die nicht der Gegner provozierte, sondern eigenes Verschulden waren. Zum Beispiel so wie diese Pässe von Draymond Green in Spiel 1: Gleich vier Mal spielt er den lazy pass im ersten Viertel von Spiel 1: Zum einen erreicht er Cousins nicht, dann timt er den Lob zu Durant nur unzureichend und schließlich kann er Iguodala nicht bedienen, weil dieser noch gar nicht vorbereitet war. Die Krönung ist dann der ungenaue Pass aus dem Stand im Halbfeld Richtung Kevon Looney, der sich zwar ungelenk anstellt, aber eben auch gerade unter der Höhe von Drays Pass leidet.

Aber Green ist nicht allein. Steph Curry reiht sich wunderbar in dieses Bild ein: Er spielt ja auch erst sieben Jahre mit Klay zusammen. Da kann diese Miskommunikation schon mal passieren. Er schließt dann mit dieser Unachtsamkeit im Fastbreak ab. Das waren 6 der 8 Turnover, die Golden State produzierte. Sie waren fast alle unforced errors und sind nur schon aus unserem Gedächtnis verschwunden, weil die Clippers sie nicht bestrafen konnten – zum großen Teil auch deswegen, weil es keine Live-Ball-Turnover waren und die Warriors-Defense sich wieder sortieren konnte.

In Spiel 2 hatte man sich in den ersten 17 Minuten übrigens sehr im Griff und fiel erst ab dann wieder in alte Muster zurück. Auch hier trugen Green und Curry wieder zu den Ballverlusten bei, beispielsweise hier: Curry hat hier schon vor dem Ende des Drives seine Entscheidung getroffen: Er will nicht werfen, sondern Cook bedienen. Deswegen zieht er zum Korb, nimmt den Kopf herunter und bemerkt gar nicht, dass  Gilgeous-Alexander gar nicht zur Hilfe kommt. Im Gegenzug können die Clippers mit der Schlusssirene auf 14 verkürzen.

Auch Draymond Green begeht hier – das erste Mal in diesem Video – ein unnötiges Offensivfoul und spielt in der Crunchtime einen absolut riskanten Pass, der den Warriors fast das Spiel kostet.

Hauptakteur war aber Kevin Durant, der dieses Spiel definitiv für die Warriors verloren hat, weil er nicht nur neuen Turnover beging, sondern sich dabei auch aus dem Spiel nahm. In der zweiten Hälfte beging er vier Offensiv-Fouls, alle – objektiv betrachtet – berechtigt und vor allem unnötig. Aber Patrick Beverley kann man vielleicht auch nicht objektiv begegnen. Nach einem ersten Offensivfoul lässt er sich zu einem weiteren gegen den Guard der Clippers provozieren und verzockt mit den Offensivfouls 3 und 4 das Spiel für die Warriors. Gerade das vierte Foul – glasklar und undiskutabel – sorgt für back-to-back-Turnover der Warriors. So bekommen die Clippers erst die Chance, das Spiel endgültig zu drehen.

Golden State braucht sich im Normalfall keine Sorgen zu machen, aber die Exekution lässt zu großen Teilen zu wünsche übrig. Ob es nur darin liegt, dass sie ihre Gegner nicht ernst nehmen oder das passlastige System seinen Tribut fordert, ist schwer zu sagen. Wir sehen sie – trotz des Ausfalls von Cousins – weiter als Favorit auf die Meisterschaft, oder zweifelt ihr etwa?

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