Orlando Magic, Playoffs 2019, Toronto Raptors

DJ Augustin schockt die Toronto Raptors

Die Heldentaten von Kawhi und DJ Augustin
Screenshot: NBA League Pass

Die Orlando Magic sorgen in der ersten Nacht der NBA Playoffs für eine faustdicke Überraschung und schlagen die Toronto Raptors mit 104-101. Wir erleben den ersten Showdown der Post Season: Unsere Protagonisten sind Kawhi Leonard und DJ Augustin. Begleiten wir sie in unserer Film Session nochmals durch die letzten 100 Sekunden in dieser Nacht bei ihren Crunchtime Heroics!

Den ersten Punch teilt Leonard aus, der mit der Andeutung eines Drives Jonathan Isaac verlädt und dann per Step Back Dreier zum 99-99 ausgleicht.
Auch den zweiten Schlag bekommt Kawhi. Die Raptors begeben sich zur Weakside und eröffnen so die Isolation für Leonard, der gegen Aaron Gordon zum Korb zieht. Gordon hatte den ganzen Abend über akzeptabel gegen Leonard verteidigt, bleibt auch vor ihm, doch die Offense des Superstars der Raptors ist zu gut: Toronto führt mit zwei Punkten.

Enter: DJ Augustin. Der Guard agiert am Perimeter und Nicola Vucevic will eigentlich zu einem Screen hochkommen, Evan Fournier zieht Kawhi Leonard fast bis zur Mittellinie heraus und verschafft Augustin zusätzlichen Platz. Augustin wartet gar nicht auf Vucevics Pick und nutzt die Bewegung des Centers als decoy, um zum Drive gegen Danny Green anzusetzen. Ross rotiert von der strong- zur weakside, während Aaron Gordon einfach hofft, dass er genügend Gravity hat, um Siakam an sich zu binden. Lowry verfolgt nicht Ross, sondern versucht den Drive von Augustin zu stoppen, während Siakam sich zu spät entscheidet, von Gordon wegzuhelfen: Augustin kommt zu einem schwierigen Layup, der das Spiel ausgleicht.

Protagonisten-Wechsel: Leonard erhält im Halbfeld den Ball und nutzt den guten Screen von Lowry, um das ganze Feld vor sich zu haben. Er penetriert in die Zone und liest die Defense der Magic perfekt: Danny Green bindet Ross und zieht ihn aus der Zone, während Vucevic schon zur Hilfe kam und Fournier sich entscheidet, doch beim cuttenden Siakam zu bleiben. Gasols Eckendreier ist zwar in der Regular Season nicht genutzt worden, aber der Big hat 36% seiner Dreier getroffen und der Wurf verfehlt nur knapp. Es war das richtige Play, was leider nicht belohnt wurde.

Zurück zu Augustin, der schon an der Mittellinie von Green aufgenommen wird. Vucevic orchestriert die Offense, Gasol versucht Green darauf vorzubereiten, was jetzt kommen soll. Fournier und Gordon setzen sich in Bewegung, nur um auf denselben Spots anzukommen. Die Raptors jedoch nutzen diese Aktion zum Switch, sodass sie statt Green nun Leonard vor Augustin platzieren können, ihren besten Verteidiger. Vucevic nimmt dies besorgt zur Kenntnis und stellt letztlich einen Screen, um Augustin freizubekommen. Nun kommt es zur Miskommunikation, die diesen Spielzug zu einem erfolgreichen für die Magic machen wird: Gasol und Leonard sind sich nicht einig, ob sie switchen, und bleiben beide bei Vucevic, was Augustin richtig liest, direkt oben an die Birne geht und den Dreier aus dem Dribbling versenkt! 104-101. In einer perfekten Welt hätte Vucevic die Aktion 2-3 Sekunden später gestartet, denn so bleiben den Raptors noch 3,4 Sekunden auf der Uhr.

Das letzte Sideline-out-of-bounds-Play dieses Spiels: Gasol und Green laufen eine Decoy-Action, während Siakam zur Weakside in die Ecke geht, um Platz zu kreieren. Leonard versucht sich von Gordon zu lösen, bekommt den punktgenauen Pick von Gasol gestellt, um angespielt zu werden. Isaac verschläft den Switch, Gordon kämpft sich durch den Pick, ist auch an Leoanrd aber kann die Wurfbewegung gar nicht beeinflussen. Muss er auch nicht, weil Leonards Dreier ein Airball wird!

So bleibt der Dreier von Augustin das spielentscheidende Play, obwohl Leonards Heldentaten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben sollten.  Augustin stößt die Serie weit auf und die Magic entführen das erste Spiel aus Toronto. Die Raptors kennen dieses Szenario allerdings. Wir sind gespannt, was als nächstes passieren wird.

  • 14
  •  
  •  
  •  
  •  

6 comments

  1. Marc Petri

    Bezüglich “es war das richtige Play” beim Gasol-Dreier aus der Ecke:

    Ja, Vooch wird offensichtlich am defensiven Ende sicherlich ernster genommen als noch vor einigen Jahren, aber den muss Kawhi (gerade weil er ziemlich heiß war zu dem Zeitpunkt und er aus der Distanz eigentlich hochprozentifg trifft) aus Sicht der Raptors doch selbst nehmen.

    Aber ja, in der Retroperspektive war es das richtige Play :D ;)

  2. Poohdini

    Ganz interessant fand ich die Situation vor Augustins erstem Layup. Warum in 3 Teufels Namen lässt sich Leonard fast bis zur Mittellinie von Fournier herausziehen? Seit wann hat Fournier Curry Range? Bleibt er an der Dreierlinie stehen, traut sich Augustin garantiert nicht, den Drive überhaupt erst zu probieren.

  3. Marc Petri

    Da lässt sich Kawhi auf jeden Fall einen Schritt zu weit rauslocken.

    Wobei man auf Seiten der Raptors ganz sicher davon ausging, dass Fournier in solchen Situationen die erste Option sein wird (das war er in den letzten Wochen nämlich in vergleichbaren Situationen). Auch wenn er diese Saison sehr gute Clutch-Werte auflegt und auch wenn er neben Ross der einzige Magic-Spieler ist, der einen Schritt hinter der Dreierlinie stehend noch Gefahr ausstrahlt, darf das in der Form nicht passieren.

  4. Coach K

    Ganz interessant fand ich die Situation vor Augustins erstem Layup. Warum in 3 Teufels Namen lässt sich Leonard fast bis zur Mittellinie von Fournier herausziehen? Seit wann hat Fournier Curry Range? Bleibt er an der Dreierlinie stehen, traut sich Augustin garantiert nicht, den Drive überhaupt erst zu probieren.

    Gebe dir vollkommen recht, teilweise hat auch Green schon an der Mittellinie “angepresst” gegen DJ. Besonders in der zweiten Hälfte.
    Das ging schon im dritten Viertel los das auch Siakam oder Kawhi weiter draußen starken Druck ausübten auf die Ballhandler.

    Ich kann mir nur so vorstellen das man der Meinung war das dieser Druck ausreicht und man Fournier in dieser Szene nicht zutraut die richtige Entscheidung zu treffen wo der Ball hin muss.

  5. Dennis Spillmann

    |Author

    Ganz interessant fand ich die Situation vor Augustins erstem Layup. Warum in 3 Teufels Namen lässt sich Leonard fast bis zur Mittellinie von Fournier herausziehen? Seit wann hat Fournier Curry Range? Bleibt er an der Dreierlinie stehen, traut sich Augustin garantiert nicht, den Drive überhaupt erst zu probieren.

    Ich denke, dass Kawhi hier versucht hat Fournier zu denyen, um Augustin zu einem Move zu zwingen. Er hat wahrscheinlich Fournier als gefährlicher eingeschätzt.

  6. Poohdini

    Das dachte ich mir. Sorry, die Frage war rhetorischer gemeint als sie vermutlich rüber kam. Deny Defense ist so eine Sache. Finde ich nur dann sinnvoll, wenn man den Gegenspieler nicht verteidigen kann, dann verhindert man, dass dieser überhaupt in Kontakt mit dem Ball kommt. Gerade jemand wie Kawhi muss, falls der Ball da hin geht, einen Fournier verteidigen können….


Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben