Philadelphia 76ers

JJ Redicks Hand Offs sind einzigartig

Unique Skills #2

Die Playoffs stehen unmittelbar bevor und heute treffen die Philadelphia 76ers im ersten Spiel des Abends auf die Brooklyn Nets. Wenn man an Philly denkt, klingelt es wahrscheinlich zuerst bei diesen vier Namen: Joel Embiid. Jimmy Butler. Ben Simmons. Tobias Harris.. Das fünfte Rad am Wagen bekommt medial allerdings nicht die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Dabei ist JJ Redick ebenfalls außergewöhnlich.

Wenn man an Redick denkt, sieht man vor allem den guten Shooter, der ein paar Dreier aus der Ecke trifft und halbwegs ordentlich verteidigt, wobei er bei den Clippers von Doc Rivers immer auf die Ballhandler angesetzt wurde. Man denkt, dass dies sein Unique Skill sei. Dabei ist das Dynamische in Redicks Spiel eigentlich das, was ihn einzigartig macht, denn seine Würfe aus dem Hand Off sind einmalig!

Ein Blick auf die Effizienz bei Würfen nach einem Hand Off offenbart, dass Redick doch eigentlich gar nichts Besonderes zu sein scheint. Bei Spielern mit mindestens 80 Versuchen in dieser Saison landet er auf einem dritten Platz. Reggie Jackson und Langston Galloway sind knapp effizienter, Landry Shamet und Steph Curry rangieren fast gleichauf.

Heben wir den Filter an und schauen auf 160 Versuche pro Saison (also ungefähr zwei pro Spiel), gibt es plötzlich nur noch acht Spieler in der Liga, die überhaupt so oft in die Situation kommen, aus einem Hand Off abzuschließen. Bei 240 Versuchen ist Redick alleine auf weiter Flur, auch 320 Versuche kann er stemmen. Insgesamt kommt er auf 395 Würfe – oder über fünf pro Spiel. Er erzielt doppelt so viele Punkte wie der Zweite, Jamal Murray, nach einem Hand Off! Und er ist wirklich effizient dabei. Eine durchschnittliche Offensive erzielt im Halfcourt 0,86 Punkte; Redick kommt auf starke 1,10 Punkte pro Possession. Er vereint also Effektivität mit Effizienz und komplettiert damit eine starke Starting Five der Sixers.

Doch wie kommt Redick zu seinen Würfen? Und warum nutzen andere Teams ihre Spieler nicht genau so?

Der Hand-Off ist ein einfacher Spielzug, weswegen er auch so oft von Redick angewendet werden kann: Ein Spieler, hier Embiid, hält den Ball am Elbow und wartet darauf, dass Redick zum Perimeter hochcurlt. Dann erfolgt die Ballübergabe und Redick schließt aus dem Dribbling ab. Das sieht simpel aus und erfordert taktisch auch keine große Synchronizität, aber es erfordert einige Skills, die nur Redick in diesem Maße innehat.

Zum einen muss man sich von seinem Gegenspieler lösen können. Das ist durch Explosivität und plötzliche Geschwindigkeitswechsel oder durch Körpertäuschungen möglich.

Entscheidender ist es aber, dass man nach dem Hand-Off aus dem Dribbling werfen und dabei die Balance halten kann. Das separiert Redick von vielen Schützen. Diese üben zumeist eine Catch-and-Shoot-Bewegung, bei der der eigene Körper zigfach dieselbe Bewegung ausführen muss: fangen, zum Wurf hochgehen, abdrücken. Redick macht dies alles „in traffic“, hat zwar sweet spots, aber muss umdenken, wenn er nicht an diese gelangt. Redick hat es zudem gemeistert, sowohl hinter der Dreierlinie als auch aus der Midrange den Wurf zu treffen und kommt auf ein Verhältnis von nahezu 50:50. Das ist deswegen so wichtig, weil er dadurch noch viel unausrechenbarer ist.

Ein unterschätzter Aspekt ist jedoch das Zusammenspiel mit Embiid. Dieser schirmt nicht nur gut den Ball ab und sorgt für eine bestmögliche Ausgangssituation von Redick, sondern setzt Screens, die Redick die nötige Freihand verschaffen. Hier ist ein Paradebeispiel dafür, dass es eigentlich einen Screen-Assist für Embiid geben muss, weil Redicks Gegenspieler keine Chance hat, diesem nachzueifern.

Nun hatte unser Redakteur Philipp Rück erwähnt, dass Redick absolut abhängig von Embiid sei. Dies lässt sich auch statistisch stützen: Von Ende Februar bis Mitte März kam Redick nur auf 12 Punkte bei einem TrueShooting von 44,5%, bei 29% Dreiern und 29% Zweiern.

Ist Embiid denn so elementar für das Play? Zum einen wurde das Play nicht so oft gerannt, weil man auch in diesem Two-Men-Game eine gewisse Eingespieltheit benötigt. Zum anderen gibt es nicht genügend Auswahl an fähigen Bigs. Ben Simmons ist bspw. noch nicht weit genug, wie exemplarisch diese Szene zeigt: Simmons bedient Redick, damit dieser zu einem Wurf aus dem Dribbling kommen kann, stellt dann aber keinen Screen, sodass Redick genug behindert wird, um zu verfehlen.

Redick selbst ist aber individuell auch stark genug, dass er das Play auch ohne Screen erfolgreich abschließen kann.

Trotzdem fehlt den Sixers ohne Embiid ein geeigneter Partner für Redick. Zu Saisonbeginn hatte man noch Amir Johnson gespielt, der einige solide Screens stellen und Redick somit freibekommen konnte. Auch Mike Muscala nutzte man stellenweise, beispielsweise auch im Verbund mit Embiid für off-ball-Screens, um Redick freizubekommen. Aber nach dem Trade Richtung Lakers ist er ebenfalls keine Option mehr.

Was den Sixers bleibt, ist Joel Embiid. Ist dieser spielbereit ab dem ersten Spiel gegen Brooklyn, dann werden wir den JJ Redick bekommen, der – wie kein anderer Spieler der Liga – durch das Hand-Off einen sehr effizienten Wurf im Halbfeld kreieren kann. Fehlt er, verlieren die Sixers eine Facette ihrer Offensive.

JJ Redick hat einen einzigartigen Skill: Er kombiniert die Off-Ball-Bewegungen des Curls mit der Wurffähigkeit aus dem Dribbling und eröffnet sich so eine weitere Möglichkeit, um neben den anderen balldominanten Spielern koexistieren zu können. Das Besondere ist hier, dass Redick sich all diese Würfe selbst kreiert, indem er sich geschickt bewegt und sich so von seinem Gegenspieler lösen kann. Die Sixers haben dies als Waffe erkannt und helfen ihm, sich freizumachen, indem Redick off-ball Blöcke gestellt bekommt. Redick und sein unique skill geben der Offense der Sixers eine weitere Dimension.

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1 comment

  1. Poohdini

    Richtig, richtig starkes Video. Das sag ich nicht nur, weil ich erwähnt wurde ^^

    Du hast es eigentlich perfekt analysiert. Kann ich nur den Hut ziehen.

    Simmons hat sich aber im Verlauf der Saison gesteigert und immer bessere Screens gestellt. Sollte Embiid ausfallen, hoffe ich, dass sie es trotzdem weiter laufen, dann eben mit Ben.

    Hinzufügen würde ich noch, dass Plays mit Embiid deshalb so erfolgreich sind, weil die zwei mittlerweile viele Konter haben. Ist ein Wurf aus dem ersten Handoff nicht möglich, oder wird der Handoff sogar selbst verhindert, dann entwickeln die beiden sowas wie einen Tanz (Rich Hofmann hat es “Dance” genannt), wo v.a. Redick versucht, durch weiteres rumlaufen, einen anderen Winkel zu bekommen. Oder sie laufen ein inverted PnR.


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