Utah Jazz

Sophomore Scouting: Donovan Mitchell

Screenshot: NBA League Pass

Donovan Mitchell galt wohl als einer der größten Steals der Draft 2017. Nachdem er in den letztjährigen Playoffs als erste Option eines gut gecoachten Utah Jazz Teams sogar die zweite Runde erreichen konnte, wurden in dieser Saison enorme Erwartungen an den gerade mal 22-Jährigen herangetragen. Doch warum konnte er diesen bisher nicht vollständig gerecht werden? Gibt es Bereiche in seinem Spiel die sich bisher klar verbessert haben? Diese Fragen wollen wir uns nun genauer anschauen.

Die Schlüssel in den Händen

Mitchell konnte in der bisherigen Saison mit 23,5 Punkten und 4 Assists bei 2,9 Turnovern durchaus solide Zahlen auflegen. Er agiert in einer größeren Rolle und ist die glasklare erste Option im Angriff. Seine Usage ist deshalb auf 32% angestiegen und hebt sich damit sehr vom Rest der Jazz Spieler ab. Auch als Playmaker war Mitchell in dieser Saison noch häufiger gefragt, da Rubio einige Spiele verpasste und die beiden auch auf dem Feld noch mehr gestaggert wurden. Mitchell verbrachte fast 40% seiner Minuten ohne den spanischen Point Guard, selbiges gilt auch für Joe Ingles, der die heimliche dritte Playmaking-Option des Teams darstellt. So musste Mitchell in einem sehr hohen Umfang für sich und andere kreieren, was seiner Effizienz zunächst etwas schadete.

Und es kam noch ein weiterer Umstand hinzu, der Mitchell diese Saison das Leben erschwert hat: Gegnerische Defensiven haben ihn spätestens seit seinen Playoff Erfolgen auf dem Schirm und, sofern in der Regular Season defensive Adjustments gemacht wurden, waren diese im Gegensatz zu seiner Rookie Saison deutlich mehr auf den Guard ausgerichtet. Doch seit dem All Star Break haben die Jazz, auch dank dem leichteren Spielplan einen Lauf und Mitchell scheint zunehmend besser mit dem Druck zurecht zu kommen. So schafft er es seit der All Star Pause auf ein Ortg von 109, was zwar nur etwa dem Ligaschnitt entspricht, hinischtlich seiner Rolle bei den Jazz aber dennoch ein beachtlicher Wert ist für einen Sophomore.

Utah spielt grundsätzlich ein System, welches Wert auf kluge Ballbewegung legt. Dennoch sind nur 59% von Mitchells Dreiern assistiert, ebenso wie 24% seiner Zweier. Ersteres ist einerseits beeindruckend, andererseits aber auch problematisch: Mitchell ist der einzige Spieler der Jazz, welcher regelmäßig in Iso Situation gesucht wird oder am Ende der Shot Clock kreieren soll. Dies gelingt ihm mit durchschnittlicher Effizienz. Als Spot Up Schütze ist er jedoch elitär und trifft 40% seiner CnS Dreier. Er nimmt allerdings wie bereits erwähnt die Mehrheit seiner Distanzwürfe aus dem Dribbling. Hier muss man sich fragen, ob Mitchell falsche Entscheidungen bei der Wurfauswahl trifft oder er schlichtweg keine andere Wahl hat als solche Würfe einzustreuen. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte. Es lässt sich konstatieren, dass sich die Qualität seiner Würfe im Vergleich zur Vorsaison etwas verschlechtert hat: Er nimmt weniger Abschlüsse am Ring, obwohl er dort mit 60% FG-Quote abschließt. Auch der Anteil seiner Dreier ist einer erhöhten Menge an Würfen aus Floater Range und der klassischen Mitteldistanz (also 10-16 Fuß) gewichen. Allerdings bleibt festzuhalten, dass gerade diese Freiwurf Jumper, wie man sie oft nennt, ein Bereich sind, in dem er diese Saison immerhin deutlich besser trifft, nämlich sehr starke 49%.

Eine weitere Stärke von ihm ist das Zusammenspiel mit Rudy Gobert, mit welchem er auch ca 80% seiner Zeit gemeinsam auf dem Feld steht. Mitchell nimmt 44% seiner Abschlüsse aus dem PnR und liegt hinsichtlich seiner Effizienz im 76er Percentile. Außerdem ist er vor allem aus diesen Situationen heraus in der Lage die Defense unter Druck zu setzen und somit seinen Mitspielern zu Punkten zu verhelfen. Wenn der Gegner Gobert nicht konsequent verteidigt, findet Mitchell ihn mit Leichtigkeit und wenn Hilfe vom Perimeter geschickt wird, spielt er oftmals den richtigen Pass. Mitchell ist kein elitärer Playmaker aber er kann diese Rolle über Phasen hinweg ausfüllen und die Utah Offense profitiert klar von seiner Anwesenheit (+4 on/off Wert beim Ortg).

Klein, aber dennoch zu Großem fähig?

In der Defense macht Mitchell ebenfalls einen guten Job und ist integraler Bestandteil eines sehr gut geölten Systems. Seine 1,5 Steals pro Spiel kann er sich teils durch mutiges Gamblen und teils durch die schier unfassbare Länge seiner Arme erarbeiten. Mitchell hat eine Wingspan von 6-10, ein Umstand der seine eher geringe Körpergröße von 6-3 etwas kaschiert. Dennoch hat er teilweise Probleme als Switch-Verteidiger gegen größere Gegenspieler zu bestehen und auch sein Impact als Help Defender ist begrenzt. Allerdings ist Mitchell trotz beeindruckender offensiver Last aufmerksam im Teamverbund und zeigt grade on ball meist guten Einsatz. Im Pick-n-Roll kann er dank seinem vergleichsweise tiefen Körperschwerpunkt an seinem Mann bleiben und er kommuniziert gut mit seinen Nebenleuten. Mitchell setzt die Strategie seines Teams gut um und schafft es mit Gobert als Ringbeschützer im Rücken auf ein sehr gutes Defensiv Rating von 103 mit ihm auf dem Platz. Dennoch wird sein Einfluss auf die Defense wohl aufgrund seiner Physis eher begrenzt sein, allerdings hat er bereits jetzt bewiesen, dass er fester Teil einer elitären Verteidigung sein kann.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass Mitchell sich trotz seiner durchwachsenen Effizienz verhältnismäßig gut an eine sehr schwierige Rolle gewöhnen konnte. Pünktlich zu den Playoffs scheinen die Jazz ihren besten Basketball zu spielen und konnten 9 der letzten 10 Partien für sich entscheiden. Wie weit es dann in der Postseason für das Team um “Spida Mitchell” gehen kann, wird spannend zu sehen sein und wir bei go-to-guys werden euch natürlich über sämtliche Entwicklungen in der spannendsten Zeit des NBA Jahres auf dem Laufenden halten.

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