Set Play, Toronto Raptors

Marc Gasol bei den Toronto Raptors

Set Play #5

Genau wie ihre Konkurrenten aus Milwaukee und Philadelphia haben sich die Toronto Raptors zur Trade-Deadline noch einmal verstärkt: Per Trade kam der 34-jährige Marc Gasol aus Memphis.

Ein spannender Faktor dabei ist, dass Gasol den Raptors ein Spielerprofil mitbringt, das so zuvor kaum im Kader stand. Pascal Siakam, Jonas Valanciunas und Serge Ibaka haben alle ein sehr unterschiedliches Skillset, als Passgeber aus dem Low- oder Highpost ist jedoch keiner von ihnen auffällig geworden. Anders dagegen Gasol: Er führt die Liga mit 8,6 Elbow-Touches in dieser Kategorie an. Zum Vergleich: Die Raptors als komplettes Team kommen mit 11,2 Elbow-Touches pro Spiel (Platz 23 ligaweit) gerade einmal auf unwesentlich mehr. Gasol erlaubt es Toronto also, das Spiel über Phasen auch über einen aufpostenden Big Man aufzuziehen – die Raptors sind ein gutes Stück variabler geworden. Aber wie genau wollen die Raptors Gasol nutzen? Schauen wir uns einmal ein Set-Play aus Gasols allererstem Spiel für die Raptors an, in dem Gasol vornehmlich um den Highpost herum agiert.

1) Das Play startet mit Gasol an der Birne. Mit ihm auf dem Feld stehen Fred Van Vleet, Norman Powell, Patrick McCaw und OG Anunoby – also Spieler, die sowohl aus der Distanz gefährlich sind, als auch durchaus Playmaking-Fähigkeiten mit sich bringen. Gasol hat also gleich eine ganze Reihe Abnehmer für seine Pässe.

2) + 3) Gasol spielt den Ball auf Van Vleet am Flügel und stellt gemeisam mit Norman Powell einen Staggered-Screen für Patrick McCaw. Dieser erhält den Ball. OG Anunoby besetzt die Weakside-Corner.

4) – 7) Gasol bietet sich jetzt am Highpost an und erhält dort den Ball. Van Vleet und Anunoby laufen auf der Weakside unterdessen einen Exchange. McCaw täuscht ebenfalls einen Block für Anunoby an, wechselt dann jedoch die Laufrichtung und cuttet am Highpost an Gasol vorbei. Gasol übergibt McCaw den Ball, dessen Drive wird von den Knicks jedoch effektiv gestoppt.

8) + 9) McCaw spielt den Kickout zu Norman Powell und verschwindet sofort wieder auf die Weakside. Gasol orientiert sich direkt wieder in Richtung Highpost und stellt einen Screen zur Spielfeldmitte für Powell. Anunoby und Van Vleet laufen wieder einen Exchange.

10) + 11) Die Pick-and-Roll Defense der Knicks ist zu zögerlich, sodass Powell einen Lobpass für Gasol spielen kann. Er erhält den Ball in der Zone, die Helpside kommt zu spät – Buckets.

Hier könnt ihr euch das ganze Play noch Mal im Video anschauen: 

Insgesamt haben wir ein relativ langes Play mit mehreren möglichen Ausstiegen gesehen. Es wird auch klar erkennbar, warum die Raptors ein Top-Team sind und die siebtbeste Offensive der Liga stellen: Die Execution ist über das komplette Play hinweg nahezu perfekt. Betrachten wir nur einmal das Spacing: Vom ersten bis zum letzten Bild sind eigentlich immer drei, meistens sogar vier, Spieler hinter der Dreierlinie postiert. Dazu bleiben diese Spieler nicht stehen, sondern sind immer in Bewegung: Anunoby und Van Vlett laufen etwa gleich zwei Mal einen Exchange, was die Defensivarbeit und die Helpside-Zuordnungen enorm erschwert und die Chance erhöht, dass die Defense einen der beiden am Perimeter „verliert“. Alle Spieler passen außerdem den Ball schnell und uneigennützig weiter.

Auch Patrick McCaw verhält sich ideal und sprintet nach seinem Drive ohne Zeitverlust in die Weakside-Corner. Die entscheidende Hilfe bei Gasol kommt zu spät, weil McCaws Verteidiger erst den Drive stoppen, dann in die Corner sprinten und dann direkt wieder auf die Korb-Korb-Linie rotieren müsste – so etwas ist auf NBA-Niveau beinahe unmöglich (Übrigens ist es auch ein gutes Beispiel für Dinge, die Statistiken schwer erfassen können: McCaw trägt statistisch zu diesem Angriff nichts bei; wäre er jedoch nach seinem Drive stehen geblieben, hätten die Raptors zwei Punkte weniger auf dem Konto. Für solche Dinge brauchen wir nach wie vor den Eye-Test).

Uns interessiert jedoch besonders die Rolle von Gasol. Er hat während dieses kompletten Angriffs einen relativ geringen Bewegungsradius und bleibt eigentlich die ganze Zeit rund um den Highpost lokalisiert. Und das ist auch gut so – Gasol ist kein Athlet mehr wie Pascal Siakam und ist in dieser Zone am gefährlichsten. Trotzdem ist er nicht statisch, sondern drückt dem Play als Fixpunkt klar seinen Stempel auf. Vom Highpost kann er das Spiel auf verschiedenste Weisen beeinflussen, etwa als Passer, Handoff-Spieler, Scorer oder Blocksteller – schaut euch noch einmal die Bilder Nr. 3 und Nr. 9 an und bewundert diese absoluten Bretter, die Gasol da stellt. Er bringt somit tatsächlich eine neue Dimension in das Spiel der Raptors, die vor allem im Zusammenspiel mit der zweiten Fünf ihr ganzes Potential entfalten sollte. Spieler wie Norman Powell, Patrick McCaw oder Fred Van Vleet haben alle das Potential, sekundäres Playmaking zu liefern; mit einem Anker und Passgeber wie Gasol in der Mitte können die Raptors häufig solche langen Plays mit viel Ballmovement spielen.

Toronto kann somit zwischen zwei Stilen hin und her wechseln: Einem klassischeren Stil mit den Stars Leonard und Lowry, der viel auf Isolations und Pick-and-Roll beruht, sowie einem eher egalitären System mit Gasol und der zweiten Fünf. Meine Empfehlung an die Raptors wäre daher klar, Gasol eher gemeinsam mit der Bank aufs Feld zu stellen, wo er seine Playmaking-Fähigkeiten am Besten einbringen kann.

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