Golden State Warriors

Der fünfte Allstar

Wie kann DeMarcus Cousins den Golden State Warriors helfen?

Freitag Nacht war es endlich so weit, der Moment dem viele NBA-Fans entgegengefiebert hatten, die Rückkehr von DeMarcus Cousins und sein erstes Spiel für die Golden State Warriors. Nachdem die New Orleans Pelicans in der letzten Saison nach seiner schweren Achillesverletzung bessere Ergebnisse einfuhren als mit ihm (21-13 ohne Cousins, 27-21 mit Cousins), stellten einige Beobachter seine Verpflichtung im Sommer in Frage und es kamen auch unter Fans der Golden State Warriors immer öfter Fragen auf. Wird DeMarcus Cousins den Warriors überhaupt helfen können? Wie gut passt ein weiterer High-Volume Spieler, der in all seinen bisherigen Stationen eine ungesund hohe Usage-Percentage hatte und selbst als zweitbester Spieler im Duo neben Anthony Davis immer noch die höchste Usage-Percentage des Teams stellte im Star-Ensemble? Ein Center dessen Defensive vermutlich seine größte Schwäche darstellt, der sehr emotional auf dem Feld ist, des Öfteren mit Technicals und Ejections auffiel und der bei seiner letzten Station sichtlich Probleme mit der hohen Pace von Pelicans-Coach Alvin Gentry hatte? Kann so jemand bei den Golden State Warriors überhaupt funktionieren und wie wird Head Coach Steve Kerr den zweifellos talentierten Big Man einsetzen?

Im Spiel gegen die LA Clippers konnte man einen ersten Vorgeschmack darauf bekommen, wie die Warriors mit ihrem fünften Allstar spielen werden und wie er dem Team, trotz seiner Limitationen, helfen kann. 

DeMarcus Cousins in der Offensive

Zu Beginn des Spiels wurde Cousins sofort in der ersten Possession gesucht, ein simples Post-up gegen Marcin Gortat konnte der wiedergenesene Center allerdings nicht in Punkte umwandeln. Er zeigt jedoch direkt eine seiner Stärken, die bisher bei keinem Spieler der Warriors so ausgeprägt war. Zwar wird Kevin Durant auch teilweise in vergleichbaren Situationen eingesetzt, bei ihm ist es aber nicht die reine Kraft und körperliche Dominanz im Post, die ihn gefährlich macht, vielmehr ist es seine Größe und die Fähigkeit über so gut wie jeden Verteidiger per Fadeaway-Jumpshot abzuschließen. Cousins geht hier aggressiv zum Korb und versucht relativ einfache Punkte in der Zone zu generieren, theoretisch wäre ebenso ein Pass auf Kevin Durant möglich gewesen. Solche Pässe sind für den Big Man auch nicht ungewöhnlich, später aber mehr dazu. 

Vergleichbar mit Kevon Looney und Jordan Bell kann und wird er für die Ballhandler oder Schützen der Warriors Blöcke stellen und hat hier gegenüber seiner Konkurrenten auf der Big Position einige Vorteile. Zum einen ist, beziehungsweise war, Cousins ein guter Offensivrebounder (9.8 Orb%  über die Karriere) und man kann in der zweiten Szene auch sehr gut erkennen, was ihn so stark macht, nämlich seine Physis; mit 122 Kilogramm verteilt auf 2.11 Meter lassen sich harte Screens stellen und man lässt sich beim Weg zum Korb nicht so leicht aufhalten. Zuerst bleibt Rookie Shai Gilgeous-Alexander im Screen hängen, später haben auch Danilo Gallinari und Tobias Harris trotz ihrer Größe Probleme, was gute Scoring-Situationen für Golden State bringt. Zum anderen besitzt Cousins nicht nur die Möglichkeit als Roll-Man zu fungieren, sondern auch als Shooter zum Dreier zu poppen und stellt somit die Defensive vor mehr Aufgaben, als es Kevon Looney oder Jordan Bell können. Auch seine Gravity bei diesen beiden Möglichkeiten wird höher  sein als die der beiden Rollenspieler, dafür war der Big Man einfach zu dominant in den letzten Jahren um hier nur wie ein Rollenspieler verteidigt zu werden. 

Der dritte “Splash Brother”

Auch seine schon angesprochene Stärke als Schütze sollte den Warriors helfen. Vor allem die Lineups zu Beginn des zweiten und vierten Viertels hatten hier in der Vergangenheit häufig das Problem, nur einen wirklich starken Schützen auf dem Parkett zu haben und diesen (Thompson) mit vier schwächeren Schützen oder sogar Non-Shootern zu umgeben, was die Offensive doch sehr leicht auszurechnen machte. Jonas Jerebko, Shaun Livingston, Draymond Green und Andre Iguodala mögen dem Spiel der Warriors in vielen Facetten helfen, was Spacing angeht ist das allerdings nicht mit DeMarcus Cousins zu vergleichen. Dass er es bei den Golden State Warriors schaffen wird seine Dreierquote (34% über die Karriere) zu erhöhen, sollte außer Frage stehen. Die Dreier die er im System der Warriors bekommt, werden wohl deutlich leichter und offener sein, als noch zu seinen Sacramento- oder Pelicans-Zeiten. Die eben angesprochenen Iguodala und Livingston sind fähige Screener und gerade einen absinkenden oder aushelfenden Big, wie in Clip drei und vier, wird Cousins häufig bestrafen können. 

Seine Scoring-Gefahr wird dem Team gerade in den angesprochenen Lineups enorm helfen. Dass Cousins seine Teams offensiv tragen kann, konnte und musste er jahrelang in Sacramento unter Beweis stellen. 

Auch sein Passing und Playmaking kann hier ein weiterer Gewinn für die Warriors sein (4.9 Assists in den letzten zwei Jahren). Schon im ersten Spiel konnte Cousins zeigen, dass er ein  williger Passer ist und die Übersicht besitzt ungedeckte oder cuttende Mitspieler zu finden. Gerade beim amtierenden Champion ist dies fast schon ein Muss für jeden Spieler. Nicht umsonst belegt man seit Jahren einen der Spitzenplätze was Cuts und Scoring durch Cuts betrifft. Cousins sollte hier aus dem  Low-Post oder vom Elbow also auch als Passer genügend Möglichkeiten haben dem Team weiterzuhelfen. 

Defense und Hustle

Die größten Schwachstellen des Big Man dürften nach wie vor die Defensive und sein fehlender Hustle beziehungsweise eine gewisse Trägheit sein, doch überraschenderweise konnte er hier im ersten Spiel nach seiner langen Pause durchaus überzeugen. Zum einen sieht man hier schöne Aktionen in der Defensive und daraus resultierend gute Aktionen im Fastbreak. Einmal kann der Angriff Cousins nur durch ein Foul gestoppt werden, beim zweiten und dritten Clip cuttet Cousins gut zum Korb und wird mustergültig von Andre Iguodala, respektive Kevin Durant bedient. Generell lässt sich bei den Warriors in der Defensive mit Cousins feststellen, dass sie mit ihm eher Drop-Coverage spielen, das heißt er sinkt beim Pick-and-Roll ab und auch ansonsten versucht man es zu vermeiden ihn gegen kleinere Gegenspieler an den Perimeter zu schicken. Auch deswegen wird mit Cousins auf dem Feld sichtbar weniger geswitcht als mit Jordan Bell oder Kevon Looney, obwohl seine Nebenleute in Kevin Durant sowie Draymond Green flexible Verteidiger sind. 

Doch natürlich hat auch DeMarcus Cousins ein paar Fehler bei seiner Rückkehr gemacht, die ein wenig an seine alten Zeiten in Sacramento und New Orleans erinnern. Seine Entscheidungsfindung ist nicht immer optimal. Wie hier im Clip zu sehen sucht er teilweise noch zu krampfhaft den eigenen Abschluss. Außerdem hat er scheinbar noch das ein oder andere Problem mit hartem Kontakt beim Abschluss, wie man auch direkt zu Beginn des Spiels in der ersten Possession sehen konnte.  Auch sein zuvor angesprochener Einsatz, kann Schattenseiten haben, wenn er zu sechs Fouls in gerade einmal 15 Minuten führt. 

Fazit

Generell lässt sich sagen, dass DeMarcus Cousins den Golden State Warriors helfen wird. Das von uns schon häufig bemängelte fehlende Spacing außerhalb von Klay Thompson, Stephen Curry und Kevin Durant sollte klar von Cousins Ankunft profitieren. Speziell die Lineups ohne Stephen Curry und Kevin Durant kann Cousins offensiv deutlich verbessern und als weitere Scoring-Option neben Klay Thompson fungieren. Auch die defensiven Zweifel konnte Cousins im ersten Spiel erstmal ein wenig beseitigen, ob er den gezeigten Einsatz über längere Phasen halten kann, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Die Frage ob DeMarcus Cousins in den Playoffs zu den stärksten Lineups der Golden State Warriors gehören wird, lässt sich so schnell nicht beantworten, aber sein Einstand war in dieser Hinsicht vielversprechend, auch wenn die Playoffs in den letzten Jahren immer mehr gezeigt haben wie wichtig Flexibilität in der Defensive ist. 

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