Detroit Pistons, Set Play

Blakes Game Winner gegen die Sixers

Set Play #1

In unserer ersten Ausgabe von „Set Play“ wollen wir uns das Play anschauen, das den Pistons in der Nacht auf Mittwoch den Sieg in Overtime gegen die Philadelphia 76ers eingebracht hat.

Als erstes sollte man bei der Betrachtung eines Setplays immer auf folgende beide Dinge achten: In welcher Situation läuft eine Mannschaft das Set? Und mit welchem Personal? Coach Dwayne Casey entscheidet sich in der Situation am Ende des Spiels verständlicherweise dafür, einen Big Man (Zaza Pachulia) für einen weiteren Flügelspieler zu opfern. Somit stehen für Detroit Ish Smith, Reggie Jackson, Reggie Bullock, Langston Galloway und Blake Griffin auf dem Parkett. Luke Kennard erhält trotz des vorhandenen Wurftalents nicht das Vertrauen, er spielte nur 11 Minuten gegen die 76ers.

Interessanter ist da schon die Aufstellung der Sixers. Brett Brown schickte nämlich, durchaus überraschend, Amir Johnson aufs Feld, um den Einwerfer zu verteidigen. An sich ist das eine veritable Überlegung, Johnson ist neben Joel Embiid der längste Spieler im Kader, ich halte dieses Adjustment dennoch für eine Fehlentscheidung. Bei noch über 5 Sekunden auf der Uhr müssen die Pistons nicht sofort abschließen. Es ist noch genug Zeit auf der Uhr, dass sich Johnsons Geschwindigkeitsnachteile bemerkbar machen können – wie es dann auch geschieht.

1) Bullock übernimmt den Einwurf. Die anderen vier Pistonsspieler platzieren sich in einer Reihe auf der Weakside.

2) Jackson und Smith curlen hintereinander um einen Block von Griffin. Das ist reine Ablenkung: Keiner von beiden bietet sich aktiv zum Ball an. Es erfüllt jedoch eine wichtige Aufgabe: Embiid muss zumindest kurz den Curl zum Korb im Auge behalten. So entsteht eine Lücke zwischen ihm und Griffin, die Letzterer nutzen kann, um freizuwerden.

3) Griffin erhält den Ball an der Birne. Die anderen drei Spieler machen das Feld breit: Smith in der Ecke, Galloway auf dem Weakside-Flügel, Jackson im sogenannten „Dunker-Spot“. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass jetzt der relativ kleine Covington der einzige Helpside-Spieler unter dem Korb ist.

4) Bullock täuscht kurz einen Cut zur Baseline an – das reicht in dieser Szene schon, um Johnson aus dem Gleichgewicht zu bringen. Anschließend curlt Bullock in die Mitte, um scheinbar den Handoff von Griffin zu erhalten. Dieser täuscht den Handoff jedoch nur an.

5) Nach dem angetäuschten Handoff splittet Griffin die beiden Verteidiger und penetriert zum Korb. Hier passiert auch der zweite fundamentale Fehler der Sixers-Verteidiger: Johnson und Embiid switchen nicht. Bei Handoff/Pick-and-Roll-Situationen mit zwei Big Men sollte das eigentlich zwingend erfordern – vor allem bei so wenig Zeit auf der Uhr. Griffin hätte nur noch wenig Zeit gehabt, um den langsameren Johnson aus dem Dribbling zu attackieren.

6) Aus Sixers-Sicht ist das Kind in den Brunnen gefallen. Griffin hat freie Bahn zum Korb, in der Zone wartet nur der verhältnismäßig kleine Covington. Layup – And-One – Game!

Fazit

Casey revolutioniert mit diesem Play nicht die Out-of-Timeouts-Lehre, macht aber einen grundsoliden Job. In erster Linie schafft er es, seinem besten (und brandheißen) Spieler, Blake Griffin, den Ball in einer für ihn vorteilhaften Situation zu verschaffen. Griffins größte Stärke im Vergleich zu seinem Verteidiger Embiid ist die Beweglichkeit und das Ballhandling am Perimeter – in der Fake-Handoff-Situation kann er das perfekt einsetzen. Auch die Decoy-Action um Smith und Jackson ist gut gewählt.

Caseys Gegenüber Brett Brown macht dagegen mit der Einwechslung von Amir Johnson einen schwerwiegenden Fehler – manchmal sind es eben solche Kleinigkeiten, die Spiele in der NBA entscheiden.

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