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Know your role: Rim Runner/Rim Protector

Rollenspieler Skills-Check: Was macht diesen Spielertyp aus?
SCREENSHOT: NBA League Pass

Dieser Artikel ist Teil einer kleinen Serie, welche ein paar bekannte Spielertypen der NBA genauer beleuchten soll. Dabei soll das Augenmerk vor allem auf die folgenden Fragen gelegt werden: Warum ist gerade die Kombination der isolierten Skills so wertvoll bzw. häufig? Was sind die Fähigkeiten und Limitationen des Typs? Wer gilt als prototypisches Beispiel? Den Anfang macht der RIM RUNNER/RIM PROTECTOR Big Man.

Was macht gerade die Kombination dieser Skills so besonders?

Man kann sich die berechtigte Frage stellen, warum die jeweiligen offensiven und defensiven Skills in dieser Kombination vorgestellt werden. Sind diese Fähigkeiten denn nicht theoretisch beliebig kombinierbar? Schließlich kann ein Spieler beim Wechsel in die Defense jederzeit Rollen und Verantwortung übernehmen, die sich klar von denen in der Offensive unterscheiden. Die Fragen können zumindest teilweise verneint werden, denn isolierte Talente können sich gewissermaßen ergänzen und sind in ihrem Zusammenspiel nicht nur sehr häufig, sondern auch besonders sinnvoll. Zum Einen ist diese Ergänzung eine logische Folge der Voraussetzungen. Sowohl offensiv als auch defensiv werden für die jeweilige Rollenbeschreibung ähnliche Attribute gefordert. Der Spieler braucht eine gewisse Länge, gepaart mit einem schnellen Sprung und einer allgemein hohen Agilität bzw Geschwindigkeit. Wer offensiv hoch anspielbar ist und kraftvoll aus dem PnR agiert, ist vermutlich eher groß und athletisch. Als Konsequenz verteidigt er deswegen tendenziell größere Gegenspieler, welche sich traditionell eher in Korbnähe befinden und/oder in gegnerische on-ball-Aktionen involviert sind. Soll heißen: Allein schon durch das Matchup kann ein häufiges Reagieren im Pick n Roll sowie die damit verbundene Verteidigung unterm Korb einhergehen. Der Spieler ist gezwungen defensive Verantwortung aufgrund seines physischen Erscheinungsbildes zu übernehmen. Außerdem helfen dem Akteur gewisse kognitive Fähigkeiten an beiden Seiten des Feldes. Er muss in der Lage sein schnelle Entscheidungen zu treffen und einen gewissen IQ im Pick n Roll aufweisen. Wenn jemand genau weiß, wie und wann er die Offense attackieren sollte, dann hilft ihm das in der Defense solche Strategien zu erkennen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Des Weiteren ist häufig die offensive Verantwortung begrenzt, weswegen gerade solche Spieler umso mehr Körner haben, um bei Defensivaufgaben maximalen Einsatz zu zeigen und mental frisch zu sein. Auch das gute Ballgefühl, die gute Koordination und Instinkte beim Fangen des Balles können auf beiden Seiten des Feldes gewinnbringend eingesetzt werden. Wenn ein Spieler den Ball sicher und intuitiv fängt, dann kann er vorne eine Menge Anspiele verwerten und ist, auch mit hoher Geschwindigkeit auf dem Weg zum Korb, in der Lage schnell mit dem Ball zu hantieren. Und hinten kann besagter Spiele seine geschickten Hände nutzen, um nicht nur gegnerische Pässe abzufälschen und mit guten Reflexen zu verhindern, sondern auch im besten Fall abzufangen und so Fastbreaks für das eigene Team einzuleiten. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Fähigkeiten und geforderten Attribute sich bei bestimmten Aufgaben in hohem Maße überschneiden. Auch ist die Aufteilung der Verantwortung mit einer eher überschaubaren Rolle in der Offense und einer zentralen Funktion in der Defense sehr hilfreich, damit der Spieler sich seine Kräfte einteilen kann und sein volles Potenzial ausschöpft. Somit ist es sowohl ein häufiges als auch sinnvolles Zusammenspiel der offensiven und defensiven Aufgaben und hat als Kombination einen unbestreitbaren Wert in der Liga. Nun gilt es im Folgenden genauer zu betrachten, was diesen Typ eigentlich auszeichnet und wo seine Stärken und Schwächen auf dem Feld liegen könnten.

Was macht dieser Spielertyp in der Offense?

Der Rim Runner und Protector zeichnet sich offensiv besonders durch eine Eigenschaft aus, die in jedem Team geschätzt wird: Effizienz. Die Punkte werden vornehmlich als Roll Man im PnR erzielt und die Abschlüsse sind in der überwiegenden Mehrheit der Fälle Dunks und Layups, wobei Länge und Athletik zwei häufig anzutreffende Attribute darstellen. Clint Capela, der offensiv sehr häufig in dieser Rollenbeschreibung agiert, kann hier ein paar Werte vorweisen, die diese Eigenschaften unterstreichen. So belegt er als Roll Man unter allen qualifizierten Spielern den ersten Platz mit einem äußerst beeindruckenden Wert von 1,34 Points Per Possession. Hierbei kommt ihm eine weitere wertvolle Fähigkeit zu Gute: Clint Capela hat eine hervorragende Hand-Augen-Koordination, sowie tolle Instinkte auf dem Weg zum Korb. So ist er in der Lage schnell zu reagieren und ein breites Spektrum an Pässen zu fangen und zu verwerten. In dieser Szene sieht man, wie mühelos er ein hohes Anspiel verwertet und durch sein geschicktes Timing quasi nicht zu verteidigen ist:

Aber auch wenn der Ball schlussendlich nicht in seinen Händen landet, bereichert der Rim Runner die Offense ständig. Durch das Stellen von guten Blöcken und die potenzielle Gefahr hoch anspielbar zu sein liefert er vertikales Spacing und schafft Räume für den Ball Handler auf dem Weg zum Korb. Am Perimeter stehende Mitspieler werden durch das gut getimte Abrollen des Big Man oft frei, weil die zuständigen Verteidiger unter dem Korb aushelfen wollen. Wenn die Verteidiger wiederum an ihren direkten Gegenspielern kleben, dann entstehen einfache Scoring Gelegenheiten in der Zone. Bei diesem Videobeispiel erzielt Steven Adams, der ebenfalls ein begnadeter Roll Man ist (1,22 PPP), ein And-One gegen seinen ehemaligen Teamkollegen Enes Kanter:

Spieler wie Capela und Adams helfen ihren Mitspielern zudem insofern, dass sie den Ball nicht in ihren Händen brauchen, um effektiv zu sein. Wenn sie nicht angespielt werden, dann beschäftigen sie dennoch die Defense und wenn sie den Ball bekommen, versuchen sie in der Regel schnellstmöglich abzuschließen oder weiterzupassen.

Ein weiterer hilfreicher Skill dieses Typen ist der Offensiv Rebound. Bedingt durch die körperlichen Attribute und die Laufwege befindet sich der Rim Runner häufig in Korbnähe und kann sich dort mit cleverem Positioning und gutem Hustle zweite Chancen für das Team erkämpfen. Die beiden bereits genannten Kandidaten Adams (Platz 3 bei der OReb%) und Capela (Platz 6) können hierbei als Paradebeispiele dienen.


Nun stellt sich vielleicht die Frage, warum man diese Spieler als Rollenspieler deklariert, wo sie doch scheinbar mit allerlei offensiven Talenten gesegnet sind. Die Antwort ergibt sich aus ihren Limitationen, welche sie gewissermaßen in ihrem Potenzial beschränken. Zum einen hat der klassische Rim Runner keinen zuverlässigen Jump Shot und somit auch keine Range um von außerhalb der Zone zu punkten. Er schadet dem Spacing des Teams und wird am Perimeter quasi nicht verteidigt. Deswegen MUSS er in der Zone agieren und es ist klar, dass dies bei der Teamzusammenstellung Einschränkungen bedeutet. Das Shot Chart von Clint Capela zur abgelaufenen Saison unterstreicht diese Beobachtungen recht deutlich:

Capela hat fast ausschließlich in der Zone abgeschlossen und konnte dadurch entsprechend effizient agieren (beste eFG% der Liga). Wenn man den True Shooting Wert hinzuzieht, ergibt sich jedoch ein weiteres Problem, das teilweise bei diesem Spielertyp vorhanden ist, und zwar die schlechten Freiwurfquoten. Capelas TS% ist um 0,2 schlechter als seine eFG% und seine FT% beträgt magere 56%. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, es ist für ihn um einiges besser aus dem Spiel heraus abzuschließen, als an die Linie zu gehen. Den gegnerischen Teams ist dieser Umstand ebenfalls bewusst und so kann es Teil der Strategie sein, diesen Spielertyp in bestimmten Situationen absichtlich zu foulen und die Freiwürfe billigend in Kauf zu nehmen. Neben dem fehlenden Wurf hat der Rim Runner oft ein weiteres Problem, welches gerade im Halbfeld zum Tragen kommt: Er ist nicht in der Lage, für sich selbst einen Wurf zu kreieren oder mit dem Ball in der Hand etwas vernünftiges anzufangen, geschweige denn ihn auf den Boden zu setzen. So sind die Resultate solcher Versuche meistens ernüchternd wie in der folgenden Szene zu erkennen ist: Rudy Gobert, ein weiteres Beispiel für diesen Typus , versucht aus dem Post Up heraus Punkte für sein Team zu erzielen:

Doch nicht nur als Scorer sind Spieler wie Gobert und Co bestimmten Einschränkungen unterlegen. Auch als Passer sind sie teilweise überfordert und suchen auf dem Weg zum Korb vornehmlich den eigenen Abschluss. So lassen sich bestimmte Strategien entwickeln, um sie teilweise einzudämmen, auch wenn sie sich nie ganz stoppen lassen. Außerdem sind sie immer ein Stück weit abhängig von den Ballhandlern, mit denen sie gemeinsam auf dem Feld stehen. Gerade Capela profitiert hier natürlich von der exzellenten Qualität eines James Harden sowie eines Chris Paul. DeAndre Jordan, der vergangene Saison den Abgang von CP3 zu bedauern hatte, kann diesen Aspekt recht gut belegen. In den letzten 3 Jahren mit Paul wies er eine deutlich höhere Effizienz auf als nach dessen Abgang (über 70% eFG vs 65% letzte Saison). Jedoch ist dieser Effekt auch wechselseitig bedingt, da die Ballhandler sich natürlich ebenfalls die Fähigkeiten ihrer Roll Men zu Nutze machen können. Gerade Harden versteht es wie kein Zweiter, seine Mitspieler zu bedienen und dennoch einen hohen Scoring Output aus PnR Situationen zu generieren. Nachdem die Offense des Rim Runner and Protector nun detailliert ausgeleuchtet wurde, lohnt sich ein Blick auf die andere Seite des Feldes:

Was macht dieser Spielertyp in der Defense?

Unter dem eigenen Korb zeichnen sich Spieler wie Adams und Gobert vor allem durch eine Aufgabe aus: Sie sollen diesen beschützen und mit allen Mitteln verhindern, dass der Gegner zu einfachen Punkten kommt. Sie versuchen mit ihrer Länge und Athletik die Würfe ihres Gegenspielers zu erschweren und im besten Fall sogar zu blocken. Gobert gewann in der vergangenen Saison den Defensive Player of the Year Award, weil er in dieser Hinsicht brillierte und häufig Aktionen wie diese aufs Parkett brachte:

In der Szene schafft er es sogar kurzzeitig, zwei Gegenspieler gleichzeitig zu verteidigen. Nachdem Mitchell am Block kleben bleibt, muss er den Passweg zu Whiteside zu verteidigen und schafft es trotzdem noch mit einem schnellen Schritt den Wurf von Dion Waiters ins Aus zu blocken. Gobert und Capela zeigten in der vergangenen Saison tolle Block-Werte (jeweils ca 2/G) und agierten auch in hohem Volumen am eigenen Korb. Hierbei ist es wichtig nicht nur die zugelassene Quote zu betrachten, sondern auch die Anzahl der verteidigten Versuche. Denn nur wer gute Help Defense spielt bringt sich überhaupt in die Situation viele Würfe der Gegner  contesten zu können. So verteidigte Capela laut nba.com die meisten und Gobert die drittmeisten Würfe der Liga und sie ließen dabei  vergleichsweise unterdurchschnittliche Quoten (Capela 57% bzw Gobert 52%) zu. Als Big Man den Korb zu beschützen und zuverlässige Help Defense zu spielen, erfordert einiges an Einsatz und die Fähigkeit das Vorhaben eines Angreifers früh zu antizipieren. In dieser Szene hilft Gobert in genau dem richtigen Moment von einem guten Shooter weg und blockt den Wurf aus dem Post auf spektakuläre Art und Weise.

Für den gezielten Einsatz solcher Aktionen bedarf es natürlich einiges an defensivem IQ und die schon angesprochenen körperlichen Attribute. Der Rim Protector weiß seine Länge gewinnbringend einzusetzen und stellt die Defense im Pick n Roll, sowie allgemein auf dem Weg zum Korb, vor immer neue Herausforderungen. Er agiert bestenfalls als Kommunikator, der von hinten das Spiel liest und seinen Vorderleuten gezielte Anweisungen gibt, um gegnerisches Scoring zu unterbinden. Außerdem beherrscht er den defensiven Gameplan und weiß, welche Würfe man als Team forcieren möchte und welche es zu verhindern gilt. So fungiert er als Anker der Defense sowie als letzte Verteidigungswand und kann, wie in Goberts Fall, die Spielweise des Gegners durch seine Stärken beeinflussen und limitieren. Jedoch gibt es auch Mittel und Wege seinen Einfluss zu begrenzen und gerade in den Playoffs werden diese auch recht häufig gesucht. Zum einen haben die Big Men aufgrund ihrer gewaltigen Größe teilweise Probleme, nach Switches vor deutlich kleineren und schnelleren Gegenspielern zu bleiben. Während Capela sich hier bemerkenswert gut anstellt, hatte Gobert in der Vergangenheit im 1 vs 1 gegen kleineren Guards Schwierigkeiten. Auch ein Steven Adams wird immer wieder gezielt an den Perimeter gezogen. Zum Anderen besteht aufgrund ihrer hohen defensiven Aktivität eine gewisse Foulanfälligkeit und sie können durch wiederholtes und gezieltes Attackieren vom Feld gespielt werden. Zudem haben sie gelegentlich Probleme, gegen Stretch Bigs zu bestehen, weil sie sich instinktiv in Richtung Korb orientieren und manchmal nicht schnell genug an der Dreierlinie sind um den Wurf zu contesten. Dafür können sie ihre langen Arme und flinken Hände oft nutzen, um Pässe abzufälschen oder sogar abzufangen. Hier ein Beispiel wie Capela einen Pass von Simmons abfängt und direkt den Gegenangriff einleiten kann:

 

Fazit

Der Rim Runner and Protector hat zahlreiche Stärken, die einem Team zu Siegen verhelfen können. Er kann offensiv an der Seite von guten Ballhandlern glänzen und so auch in relativ simplen offensiven Spielsystemen Erfolg bringen. Die Rockets waren vergangene Saison sehr erfolgreich damit, im 2 Man Game von Harden und Capela regelmäßig die gegnerische Defense auszuhebeln und Harden wird sich wohl bewusst sein, dass er seinen MVP Titel neben den eigenen Leistungen auch seinem Roll Man zu verdanken hat. Auch Gobert und Adams helfen der Offense in ihren Teams und bringen gegnerische Defensiven in knifflige Situationen. Jedoch erfordern die Limitationen dieser Spieler auch gewisse Vorüberlegungen bezüglich der Rosterkonstruktion. Man braucht einen sicheren passfähigen Ballhandler und genügend Spacing um das Team herum. Außerdem müssen die Spieler in den Playoffs ihre Freiwürfe treffen um nicht Opfer gegnerischer Hack-a-… Taktiken zu werden.

Defensiv ist der Spielertyp ungemein wirkungsvoll und kann mit seinen zahlreichen Stärken eine Defensive bereichern. In bestimmten Situationen ist er zwar nur eingeschränkt nutzbar, aber die meiste Zeit der Saison verstärkt er sein Team und erschwert das Leben gegnerischer Spieler. Hierbei ist er grundsätzlich nicht auf Hilfe des Teamverbundes angewiesen und funktioniert auch unabhängig von seinen Mitspielern recht zuverlässig. Wie bereits einleitend skizziert, sind derart beschlagene Big Man eine vielfältige Waffe. Sie können ihre Stärken an beiden Enden des Feldes ausspielen und sind geradezu prädestiniert, in dieser Kombination von Aufgaben zu agieren. Auch wenn diese Spieler keine Superstars sind, macht sie ihre Rolle doch zu Angelpunkten ihres Teams. Defensiv sind sie Anker und Schutzwall und haben großen Anteil an der Qualität der gesamten Verteidigung. Offensiv sind sie die Speerspitzen und können, sogar wenn sie nicht selber glänzen, dem Team zuarbeiten und Räume für Mitspieler schaffen.

Der Rim Runner and Protector ist  somit zweifellos ein hilfreicher Spieler und in einigen guten Teams ist eine Personalie mit dieser Rollenbeschreibung anzutreffen. Auch in schlechten Teams, wie den Bulls, weiß man die Präsenz eines Robin Lopez durchaus zu schätzen. Am Ende des Tages bleiben solche Spieler zwar Rollenspieler, wenn sie ihre Fähigkeiten jedoch voll ausschöpfen können, dann sind sie unterschätzte Puzzleteile auf dem Weg zum großen Erfolg.

 

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