NBA

Know your role? Anti-Rollenspieler

Der Auftakt zur Rollenspieler-Serie bei Go-to-Guys.de

Dieser Artikel ist der Auftakt einer kleinen Serie, die sich mit dem Wert von Rollenspielern in der modernen NBA beschäftigt. Welche Spielertypen kann fast jedes Team gebrauchen? Und warum sind bestimmte Skill-Kombination besonders gefragt? Zu Beginn werfen wir jedoch einen Blick auf die Gegenseite und betrachten Spieler, die aufgrund ihrer spezifischen Fähigkeiten und Schwächen kaum noch eine Rolle finden, in der sie einem ambitionierten Team helfen können.

Wir waren mal Stars…

Derrick Rose, Greg Monroe, Michael Carter-Williams, Brandon Jennings und Jeff Green haben einiges gemeinsam. Sie alle waren Lottery-Picks in der Draft und wurden nach ihrer Debüt-Saison ins All-Rookie-Team gewählt, waren Talente, Hoffnungsträger, vielleicht sogar Stars. Sie  sind im besten Basketball-Alter, zwischen 26 und 31 Jahren. Und sie alle haben in diesem Sommer nur Einjahresverträge zum Minimum bekommen – Jennings wurde Anfang August von den Milwaukee Bucks sogar entlassen und fand anschließend keinen neuen Arbeitgeber in der NBA.

Was macht diese Spieler im Jahr 2018 so unattraktiv? Warum sind die Fähigkeiten, für die sie vor wenigen Jahren vielleicht noch gefeiert und üppig bezahlt wurden, nicht mehr gefragt? Und welche Schwächen lassen Teams  davor zurückschrecken, ihnen eine größere Rolle anzuvertrauen?

Rose und Jennings: Die Anti-Rollenspieler

Derrick Rose kam bereits als Star in die NBA. Mit dem ersten Pick 2008 von den Chicago Bulls gedraftet, erwarteten viele Fans von dem athletischen Guard nicht weniger, als in die Fußstapfen eines gewissen Michael Jordan zu treten. Seit dessen Abschied waren die Bulls in zehn Jahren nur ein einziges Mal über die erste Playoff-Runde hinaus gekommen. Mit Rose sollte sich dies endlich ändern. Bereits in seiner dritten Saison führte der gerade einmal 22-Jährige das Team zu 62 Siegen und in die Eastern Conference Finals (1-4 gegen LeBron James und die Miami Heat) und krönte sich selbst zum MVP der regulären Saison. Dabei war Rose nicht zuletzt aufgrund seiner unbändigen Athletik in der Offensive nahezu unaufhaltsam. Seine 25 Punkte und 8 Assists (27/8 in den Playoffs) legte er mit einer enormen Effizienz auf. Trotz einer Usage von 35 Prozent und zahlreicher zumeist unassistierter Midrange-Würfe (insgesamt 40 Prozent seiner Abschlüsse) brachte er es auf ein individuelles ORtg von 113 und machte die Offense der Bulls ganze 11 Punkte pro 100 Ballbesitze besser.

In den folgenden vier Jahren machte Rose aufgrund mehrerer schwerer Verletzungen gerade einmal 100 Spiele. An das Niveau seiner MVP-Saison konnte er dabei nicht mehr annähernd anknüpfen. 2016/17 schien der inzwischen 28-Jährige im Trikot der New York Knicks endlich wieder vollkommen fit zu sein. Fast die Hälfte seiner Abschlüsse nahm Rose in dieser Saison direkt am Ring und traf diese (für einen Guard) auch endlich wieder leicht überdurchschnittlich (55% FG, 58. Perzentil). So mauserte sich der Guard erstmals seit 2012 zu einem durchschnittlich effizienten Offensivspieler (ORtg 108). Ein Blick auf seine Wurfauswahl offenbart jedoch das zentrale Problem des “neuen” Derrick Rose: Anstatt sein Spiel nach zwei schweren Knieverletzungen anzupassen und nach einer Rolle zu suchen, in der er trotz schwindender Athletik effizient agieren könnte, spielt Rose noch immer wie der “Star”, der er vor sieben Jahren war.

Auch im folgenden Video sucht er jeweils den eigenen, schwierigen Wurf, anstatt seine Mitspieler zu involvieren. Zunächst ignoriert er den weit offenen Kristaps Porzingis im Pick-and-Pop, anschließend Willy Hernangomez im Pick-and-Roll. In der letzten Szene schließt er den Zug zum Korb mit einem schwierigen Floater über einen längeren Verteidiger ab, während Lance Thomas (in der Ecke) und Courtney Lee völlig frei an der Dreierlinie warten.

Seine Usage-Rate liegt weiterhin bei über 25 Prozent, lediglich 23 Prozent seiner erfolgreichen Wurfversuche ging in der Saison 2016/17 ein Assist voraus. Dazu nimmt Rose beinahe die Hälfte seiner Würfe aus der Mitteldistanz. Einen auch nur im Ansatz respektablen Distanzwurf, der ihn effizienter und weniger abhängig von seiner schwindenden Explosivität machen könnte, hat er sich dagegen nicht angeeignet. Im Gegenteil: Traf Rose in seiner MVP-Saison immerhin ein Drittel seiner 4,6 Dreier (pro 36 Minuten), waren es in den vergangenen beiden Spielzeiten gerade einmal 22 Prozent bei spärlichen 1,3 Versuchen. Dennoch funktionierte die Offensive der Knicks mit Derrick Rose überdurchschnittlich gut (ORtg 110), während sie ohne ihn zu den schwächsten der Liga gehörte.

Deutlich weniger effizient war die Knicks-Offense, wenn Backup-Spielmacher Brandon Jennings das Zepter übernahm. Auch er war als Top-10-Pick in die NBA gekommen – wenn auch mit weniger Vorschusslorbeeren als Rose. Seitdem brachte es der Guard in neun Jahren in der Liga zwar auf fast 17 Punkte und 7 Assists (pro 36 Minuten), kann aber keine einzige Saison mit einem auch nur durchschnittlichen Offensivrating vorweisen. Obwohl Jennings im Gegensatz zu Rose mehr als 40 Prozent seiner Würfe von jenseits der Dreierlinie nimmt, plagen beide die gleichen Probleme: Eine hohe Usage bei gleichzeitig niedriger Effizienz und dazu oft haarsträubend schwache Defense. Beide sind für ihre Position unterdurchschnittliche Rebounder, holen kaum Steals und sind abseits des Balles oft unaufmerksam. Keiner von beiden kann effektiv auf größere Spieler switchen. Und weder Rose noch Jennings sind in der Lage, sich regelmäßig durch Screens zu kämpfen.

Mit dieser Kombination aus Volume-Scoring und fehlender Defense sind die beiden Guards beinahe prototypische “Anti-Rollenspieler”. Dabei fehlt ihnen aber ganz einfach die offensive Klasse, um eine solche Spielweise zu rechtfertigen.

Green und MCW: Die Beinahe-Rollenspieler

Im Gegensatz dazu hat Jeff Green auf den ersten Blick einiges zu bieten, was ihn zu einem wertvollen Baustein eines modernen NBA-Teams machen könnte. Trotz seiner hohen Draftposition (5. Pick 2007) galt er – anders als Rose oder Jennings – nie als potenzieller Star, der ein Team als herausragender Scorer anführen würde. Green sollte ein Premium-Rollenspieler werden und brachte dafür alle Voraussetzungen mit: gute Länge und Athletik, einen vielversprechender Sprungwurf, überdurchschnittliches Ballhandling und Playmaking vom Flügel und die Bereitschaft, offensiv wie defensiv die berühmten “kleinen Dinge” zu tun.

Doch dieses Versprechen vermochte der Forward nie ganz einzulösen. Er blieb in seinen zehn Spielzeiten in der NBA (2011/12 zwangen ihn Herzproblemen zu einer Pause) ein unkonstanter Distanzschütze (33 Prozent 3P%), ein unterdurchschnittlicher Rebounder (8,6 Prozent TRB%) und Playmaker (8,4 Prozent AST%) und ein insgesamt ineffizienter Offensivspieler (ORtg 104). Im Trikot der Cleveland Cavaliers war Green in der vergangenen Saison allerdings zum ersten Mal in seiner Karriere wirklich effizient und legte ein hervorragendes Offensivrating von 115 Punkten pro 100 Ballbesitzen auf. Den Luxus, zwei Drittel seiner Minuten an der Seite von LeBron James auf dem Feld zu stehen, wird er künftig bei den Washington Wizards jedoch nicht mehr genießen. Und trotz seiner individuellen Effizienz war die Team-Offensive der Cavs mit Green sogar  0,9 Punkte schlechter (pro 100 Ballbesitze) als ohne den inzwischen 31-Jährigen.

Die Tatsache, dass seine Teams in den vergangenen Jahren meist erfolgreicher spielten, während er auf der Bank saß, verbindet Green mit Michael Carter-Williams. Der Rookie des Jahres 2014 hat zwei katastrophale Jahre hinter sich. Mit Wurfquoten von rund 35 Prozent aus dem Feld und 24 Prozent aus der Distanz sowie einem ORtg von 94 war der Point Guard seit seiner Ankunft in Chicago 2016 wohl einer der offensivschwächsten Rotationsspieler der gesamten Liga. Diesen negativen Einfluss kann Carter-Williams trotz seiner Größe von 1,98 Metern auch am defensiven Ende des Feldes nicht annähernd ausgleichen.

Dabei versprachen sich zu Beginn seiner Karriere manche nicht weniger von ihm als eine Mischung aus Celtics-Rondo und Jason Kidd: einen großen Spielgestalter mit hervorragender Übersicht und ordentlicher Verteidigung, eine perfekte Ergänzung zu einem offensiven Star im Backcourt oder auf dem Flügel. Der einzige Star an seiner Seite war bislang allerdings der damals kaum 20-Jährige und ebenfalls Wurfschwache Giannis Antetokounmpo in Milwaukee. Die Chance, sich in der Rolle als nützlicher Teil eines erfolgreichen NBA-Teams zu beweisen, bietet sich Carter-Williams in der kommenden Saison in Houston nun also vielleicht zum allerersten Mal. Solange er seinen Wurf jedoch nicht wenigstens auf einem Niveau stabilisiert, auf dem er abseits des Balles nicht mehr vollkommen ignoriert werden kann (als Spot-Up-Schütze machte er 2017/18 ganze 0,62 PPP), dürfte er für ein ambitioniertes Team wie die Rockets nahezu unspielbar sein. 

Monroe: Mehr Mammut als Moose

Auch ein völlig anderer Spielertyp hat auf der Suche nach einer Rolle in der modernen NBA vor allem mit dem fehlenden (Distanz-)Wurf zu kämpfen: der “klassische Big Man”. Noch vor wenigen Jahren dominierten Spieler wie Zach Randolph, Amar’e Stoudemire, Al Jefferson, Carlos Boozer oder Pau Gasol in der Offensive, ohne auch nur an die Dreierlinie zu denken. Im Jahr 2018 haben solche Spieler ihren Platz in der Liga (beinahe) verloren, existieren meist nur noch als exotische Variante von der Bank. Dabei ist es nicht nur das fehlende Spacing, das es ihnen schwer macht, einen positiven Einfluss auszuüben. Oft haben traditionelle Big Men auch Probleme beim Switchen auf kleinere Gegenspieler und verringern so die defensive Flexibilität ihrer Teams. Können sie dann die oft guard- und flügellastigen Offensiven ihrer Gegner nicht wenigstens durch herausragende Rim Protection bremsen, werden sie für Coaches schnell zum Problem.

Auch Greg Monroe, der den Milwaukee Bucks im Sommer 2015 noch einen Dreijahres-Maximalvertrag über 50 Millionen Dollar wert war, bekam diese Entwicklung schmerzhaft zu spüren. In der Saison 2013/14 stand er bei den Detroit Pistons in allen 82 Spielen als Starter auf dem Feld (33 Minuten/Spiel). In Boston reichte es im vergangenen Jahr gerade noch für 19 Minuten von der Bank, in den Playoffs schrumpfte diese Zahl auf 9,5. Dabei ist “Moose” weiterhin ein effizienter Scorer (112er ORtg bei fast 25 Prozent USG%) und hervorragender Rebounder (25 Prozent DRB%). Er ist noch immer der Spieler, der vor drei Jahren einen Maximalvertrag bekam – die NBA hat sich dagegen verändert.

Im Gegensatz zu Monroe hat sich manch anderer Spieler diesen Veränderungen angepasst, zahlreiche Big Men eigneten sich auch spät in ihrer Karriere noch einen respektablen Distanzwurf an. Brook Lopez traf zwischen 2008 und 2016 ganze drei seiner 31 Dreierversuche, in den vergangenen beiden Jahren dann insgesamt 246 von 712 (34,6 Prozent). Marc Gasol versenkte in der gleichen Zeit 213 Würfe aus der Distanz (36,2 Prozent), auch Nikola Vucevic, Dewayne Dedmon und Jonas Valanciunas nehmen inzwischen mehr als einen Dreier pro Spiel. Monroes Bilanz in der vergangenen Saison: 0 Treffer, 0 Versuche. In Kombination mit der fehlenden Schnelligkeit und Rim Protection in der Defensive macht diese Wurfauswahl das Moose zum Mammut – einem Spielertyp, der in der Liga nahezu ausgestorben ist.

Aber welche Spielertypen verdrängen Volume-Scorer wie Rose oder Jennings, Sprungwurf-Allergiker wie Carter-Williams oder Oldschool-Bigs wie Monroe aus den Rotationen der meisten NBA-Teams? Welche besonderen Fähigkeiten und Skillsets sind ganz besonders gefragt und wie muss ein Rollenspieler aussehen, um auch in den Playoffs einen positiven Einfluss zu haben? Diese Fragen beantworten wir in den kommenden Wochen in unserer kleinen Serie “Know your role!”

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1 comment

  1. Avatar

    lemanu

    guter artikel. :tup:

    nur jeff green wird nach dieser sasion etwas zu unrecht gebashed.
    finde er hat dieses jahr durchaus gezeigt, dass er auch ein solider roleplayer sein kann.
    er hat die geforderte rolle(n) ohne murren erfüllt, ist nicht “aus der rolle gefallen” und hat mehr gemacht als er sollte und war in einem ganz miesen cavs team (das aber immerhin in die finals gekommen ist :D) ein wichtiger rotationspieler.

    du sprichst es ja selbst an:

    “Im Trikot der Cleveland Cavaliers war Green in der vergangenen Saison allerdings zum ersten Mal in seiner Karriere wirklich effizient und legte ein hervorragendes Offensivrating von 115 Punkten pro 100 Ballbesitzen auf.”

    klar neben lebron james, aber den luxus hatten jae crowder, jr smith, iman shumpert und rodney hood auch…
    green hat solide 23min gespielt das muss man einfach sagen und auch positiven impact in den adanced stats angedeutet (sowohl offensive als auch defensive RPM oder Win Shares)

    ich glaube bei green war zu beginn seiner karriere auch das problem dass er eben lange mehr als ein kleiner roleplayer sein sollte sondern immer wieder die hoffnung gehegt wurde, dass er mit seinen analgen doch auch einen guten 3-4ten man abgeben würde der 16/6/4 oder so auflegt

    mal sehen in einem jahr kann deine kritik durchaus wieder aktuell sein :D nach diesem jahr fide ich muss man das relativieren.


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