Atlanta Hawks, Houston Rockets, Los Angeles Lakers, New York Knicks

Summer League Takeaways

Ein Blick auf die Prospects in Las Vegas
Screenshots: NBA League Pass

Die NBA Summer League zu analysieren, ist oft ein schwieriges Unterfangen, da Spieler meist gefragt werden, ihr Spiel zu erweitern, während das Niveau enorm unter dem NBA-Durchschnitt liegt. Zudem führt das Gemisch an Spielern, von jungen Phänomenen bis zu alten Veteranen, die ihre Karriere in Ligen auf der ganzen Welt verbracht haben, selten zu kohärentem Basketball. Da die meisten Teams nur 5 Spiele spielen, ist die Sample Size auch viel zu klein, um konkrete Schlüsse zu ziehen.

Dennoch kann man bei manchen Spielern bestimmte Tendenzen und Stärken erkennen, die auch auf hohem Niveau in der NBA funktionieren können. Ähnliches gilt auch für Schwächen und körperliche Limitationen, die manche Spieler trotz hohem Talent mit sich bringen.

Ziel dieses Artikels ist es, diese zu erkennen, hervorzuheben und zu analysieren. Dies soll keine Prognose sein, da die Sample Size und chaotische Natur dieses Turniers das wohl kaum erlaubt, sondern eher eine Bestandsaufnahme der Spieler, die positiv oder negativ auffielen, während der zweiwöchigen Try-Outs in Las Vegas.

Trae Young

Es hat wohl kein Spieler so viele Schlagzeilen gemacht wie Trae Young, weshalb er einer der interessanteren Prospects dieses Turniers war. Wer in der Top 5 des NBA Drafts gezogen wird, zieht natürlich immer viel Aufmerksam auf sich und muss mit den hohen Erwartungen, die Fans und Experten für ihn haben, umgehen können. Bei Young ist diese Situation jedoch etwas verschärft, da er in einem Tausch zwischen den Atlanta Hawks und Dallas Mavericks verwickelt war.

Die Hawks hatten die Gelegenheit Euroleague-Sensation Luka Dončić, der von den meisten Draft-Experten als bestes Talent der Draft Class galt, zu verpflichten. Stattdessen entschieden sie sich dafür, ihn gegen Trae Young und den 2019 First Round Pick der Dallas Mavericks (Top-5 geschützt) zu tauschen. Nun sind sie offensichtlich nicht das erste Team, dass sich gegen die Dončić-Selektion entschied, aber ihre Entscheidung fällt umso mehr ins Auge.

Die Summer League fing für Trae Young, der als einer der besten Schützen des Drafts galt, gerade auf dieser Ebene besonders schlecht an. Sein Spielstil erweckt eindeutige Vergleiche mit  dem 2-maligen MVP Steph Curry, denen er auf dieser Bühne leider nicht gerecht werden konnte.

Er nahm 55 Dreier, von denen er aber nur 15 traf – die meisten davon in den letzten beiden Spielen. Den Mangel an Daten muss man natürlich berücksichtigen, da man erst ab circa 700 Dreiern mit einer brauchbaren Sample Size arbeiten kann. Dennoch ist es immer besorgniserregend, wenn eine vermeintliche Stärke eines Spielers sich als gravierendes Minus erweist. Aufgrund dieser Quote ist es schwer zu beurteilen, wie flexibel sein Wurf auf NBA-Niveau sein kann, es ist jedoch gewissermaßen beruhigend, dass er keine Schwierigkeiten hatte im Schnitt acht Mal pro Spiel von der weiten Distanz abzudrücken.

Bedeutend ermutigender war sein Passspiel. Auch wenn es da noch ein wenig Politur bedarf, war es beeindruckend, wie schnell er sich frei laufende Spieler erkennen und offene Würfe kreieren konnte. Young behauptet, er spiele lieber wie Steve Nash als Steph Curry und obwohl sein Stil diese Aussage nicht wirklich unterstützt, wäre das für ihn womöglich eine sinnvolle Überlegung.

Die beiden obigen Ballbesitze illustrieren beide Youngs gutes Auge dafür, seine Teammates zu finden.

Die erste Possession ist natürlich in jeder Hinsicht super, die zweite bringt jedoch einige Probleme mit sich. Zunächst äußert sich das Problem, dass er selber vermutlich an dieser Stelle nicht abschließen kann, was für viele NBA-Spieler kein allzu großes Problem darstellen sollte. Zum Glück erkennt er das, trifft aber eine grauenvolle Entscheidung, was seinen Anspielpartner angeht. Abgesehen von der Tatsache, dass 3 Gegenspieler um ihn herum stehen, sind 4 der 5 Hawks unter der Freiwurflinie was die Defense in Transition erheblich erschwert.

Zu diesem Zeitpunkt sind die Pässe, die er wirft, oft noch nicht ganz sauber, was dem Gegenspieler stellenweise ermöglicht, die Distanz zu verkürzen und den Wurf zu erschweren. Trotz dieses Mankos ist es jedoch selten, dass Spieler in seinem Alter so ein gutes Auge haben und mit genug Übung und Erfahrung könnte er sich zu einem hervorragenden Aufbauspieler entwickeln.

Traes größtes Problem ist womöglich sein kleiner und drahtiger Körperbau. Er war zwar recht erfolgreich darin Freiwürfe zu ziehen, aber die Fouls waren nicht immer sehr überzeugend und es stellt sich die Frage, wie das gegen größere, schnellere und stärkere Spieler funktionieren soll. Er ist nicht der erste Spieler, der solche Schwierigkeiten überwinden muss, um Erfolg zu haben, jedoch ist sein Weg in dieser Hinsicht besonders erschwert, da seine Armspannweite besonders kurz ist für eine Selektion in der Top 5.

Defensiv war er zwar nicht katastrophal, hat aber auch wenig gezeigt, dass auf mehr als einen durchschnittlichen Verteidiger hoffen lässt. Über die letzten beiden Playoffs hinweg ist Mismatch-Basketball auch wieder in Mode geraten, was für einen kleinen Spieler mit drahtiger Statur besonders problematisch werden könnte.

Es sollte nicht allzu überraschend sein, dass sein Wurf der Schlüssel zu seiner Karriere sein sollte und seinen Erfolg bestimmen wird. Zu diesem Zeitpunkt sieht der Young-Dončić Trade nicht unbedingt nach einer guten Entscheidung aus, Young hat aber genug Fähigkeiten angedeutet oder auch bestätigt, dass man ihn auf keinen Fall abschreiben sollte.

Kevin Knox

Einer der Topscorer der NBA Summer League hat viele Augen geöffnet und sich sogar bei den Knicks-Fans beliebt machen können, die bei der Draft Michael Porter Jr viel lieber in einem New York-Trikot gesehen hätten. Knox ist ein interessanter Fall, da er in Kentucky in einer Situation spielte, die für sein Skillset nicht sonderlich förderlich war.

Besonders ermutigend für Knox war, dass er 35% seiner Dreier mit hohem Volumen traf und auch an der Freiwurflinie sehr effizient agierte. Diese Leistungen schienen aber auch dringend nötig, da er zum Ende des Turniers hin immer ungenauer wurde und er letztendlich 19 Feldwürfe und 6 Freiwürfe pro Spiel brauchte, um an 21 Punkte zu gelangen. Viel seines frühen Erfolges basierte darauf, dass er bereits einen NBA-Körper hat. In der Summer League ist das gerade für Flügelspieler eine Seltenheit und er hat diesen Vorteil maximal ausgeschöpft. Gepaart mit seinem schnellen ‘First Step’, war er in vielen Spielen einfach zu physisch für die Defensive.

Im Grunde kann man also positiv gestimmt sein, wenn man versucht, Kevin Knox einzuschätzen, leider hatte er aber auch schlechte Momente. In der Eliminationsphase traf er zum Beispiel auf Semi Ojeleye, jemanden mit ähnlich imposantem Körperbau. Nun ist es vermutlich unfair, ihn dafür allzu sehr zu kritisieren, denn Ojeleyes Verteidigung gegen NBA-Superstar Giannis Antetokounmpo war einer der Hauptgründe dafür, dass die Boston Celtics überhaupt in die 2. Runde gelangten.

Diese Possessions machen seine Highlightplays nicht weniger beeindruckend, aber zeugen davon, dass er gegen Spieler ähnlicher Statur gewisse Schwierigkeiten hat. Er wird sein Ballhandling und seinen Wurf verbessern müssen, um auch in diesen Situationen Punkte zu generieren.

Es fiel auf, wie limitiert Knox’ Ballgefühl zu diesem Zeitpunkt noch ist und wie viel Schwierigkeiten ebenbürtige Verteidiger ihm bereiten können. Er schloss die Summer League ab mit 16 Turnovers zu nur 9 Assists, eine schlechte Quote, die er anheben muss, wenn er gegen NBA Defenses spielt und effizient bleiben will.

In Las Vegas waren der Dreier und Abschluss am Korb mehr oder weniger sein ganzes Spiel und er wird entweder durch Würfe aus der Mitteldistanz oder als Passer seine Offensive variieren müssen, wenn er ein gefährlicher Offensivspieler werden will.

Defensiv ist Knox für sein Alter adäquat, zeigte aber nicht das Feuer, das All-NBA Verteidiger mit sich bringen. Mit seinen Tools hat er sicherlich die Chance, um in diese Konversation zu gelangen, zeigte aber auch nicht unbedingt ein erhöhtes Aufmerksamkeitsniveau oder Instinkte, die auf eine solche Zukunft schließen lassen. In einer kleineren Rolle als Offensivspieler ist hier aber definitiv einiges möglich.

Sein heißer Start trügt vermutlich ein wenig, was seine Aussichten als Spieler angehen, dennoch war dort einiges zu beobachten, was man in der NBA umsetzen kann. Abhängig von Porzingis’ Rehabilitation befindet Knox sich außerdem auch in einer Situation, wo er eine sekundäre oder sogar tertiäre Rolle in der Offensive haben würde, was seine Effektivität anheben sollte. Zu guter letzt kann man einfach nicht bestreiten, dass er die meisten NBA-würdigen Highlights der Summer League hatte. Diese geben natürlich nicht den tatsächlichen Wert eines Spielers wieder, aber sind dennoch ein gute Bewährungsprobe für Lotterypicks in der Anfangsphase ihrer Karriere.

Josh Hart

Nach einer soliden und erstaunlich effizienten Rookie Saison war Harts Auftritt in Las Vegas nicht unbedingt eine Überraschung, aber auf jeden Fall eine starke Leistung. Als 4-jähriger College-Spieler war er in vielerlei Hinsichten erfahrener als der herkömmliche Rookie, spielte aber dennoch besser als sein Profil vermuten ließ.

Seine Kampagne kann man gut mit ehemaligem Rookie of the Year Sieger Malcolm Brogdon vergleichen, jedoch ist Hart 2 Jahre jünger und ihm jetzt schon fast ebenbürtig. Ihr Spielerprofil ist recht ähnlich; sie überkommen ihre athletischen Limitationen beide mit einem starken Körperbau und weisen solide Größe für einen NBA Guard auf. Außerdem haben sich beide bisher als gute Schützen erwiesen, was für langsamere Spieler eine große Stütze sein kann.

In der Summer League gewann er den MVP unumstritten, und schaffte es erstaunlicherweise, einer der effizientesten Spieler mit hohem Volumen zu sein. Als Playmaker besteht bei ihm noch Luft nach oben, aber für ein Lakers-Team, das Off-Ball Spieler und Shooting braucht, scheint er der perfekte Spielertyp zu sein. In der Hinsicht ist er sogar interessanter als Spieler mit höherem Profil wie Rajon Rondo oder Lonzo Ball, die beide trotz ihres hohen Cachets gewisse Schwierigkeiten für Coach Luke Walton mit sich bringen.

Seine Instinkte als Scorer konnten in Las Vegas glänzen und seine Erstsaison lässt auch darauf schließen, dass seine Herangehensweise in der NBA gut funktionieren kann. Dennoch ist es ein wenig schade, dass er in Las Vegas augenscheinlich nicht wirklich viel an seinen Passing- und Playmaking Skills gearbeitet hat und das Turnier mit nur 2,3 Assists pro Spiel beendete. Die Tatsache, dass seine Turnoverrate solide war, lässt auch darauf schließen, dass dies für die Lakers in diesem Sommer kein Fokus war.

Für die kommende Saison macht diese Herangehensweise natürlich Sinn, jedoch ist es bei Spielern in ihrem zweiten Jahr generell üblich in der Summer League gerade solche Mängel auszubügeln oder immerhin die Grenzen zu ertasten.

Defensiv war die Summer League nicht unbedingt sehr aufschlussreich für Josh Harts Zukunft, aber er konnte Pick and Rolls klug navigieren, bei seinem Mann bleiben und war auch in Rotationen und in der Kommunikation engagiert.

Im Gegensatz zu den beiden zuvor genannten Rookies, ist Harts Rolle bei den Lakers noch ziemlich unklar und viel wird davon abhängig sein, wie viel Coach Walton ihm in seinem zweiten Jahr zutraut. Er hat aber auf jeden Fall das Fundament, um über einige Jahre hinweg ein solider Rotationsspieler zu sein und eventuell kann er auf Dauer in die Starting Lineup des ein oder anderen Teams einziehen.

De’Anthony Melton

Houston Rockets Zweitrunden-Pick De’Anthony Melton hat sein Profil während der Summer League womöglich am meisten gehoben und schaffte es bei vielen Leuten, die Frage aufzuwerfen, ob er kein First Rounder hätte sein sollen.

Er ist zwar nur 6’3”, was auch für einen Point Guard nicht unbedingt ideal ist, hat aber mit 6’8” eine große Spannweite und spielt viel größer, als er tatsächlich ist. So holte er sich während des Sommerturniers zum Beispiel 7.2 Rebounds pro Spiel, womit er nur knapp außerhalb der Top 10 in dieser Statistik landete. Wenige Spieler zeigten so viel Intensität wie er, was gerade in der Verteidigung auffiel.

Seine Verbissenheit auf dieser Seite des Feldes zeigte sich auch statistisch, denn er führte die Summer League mit 3 Steals pro Spiel an und war unter den Guards mit 0.8 der zweitbeste Shotblocker. Für Houston, die diese Offseason eine Menge gute und vor allen Dingen flexible Verteidiger verloren haben, ist dies sicherlich eine sehr willkommene Entwicklung, auch wenn er womöglich noch eine Weile braucht, bis er richtige NBA-Minuten spielen kann.

Offensiv könnte das ganze für ihn jedoch etwas problematischer sein. Für seine erste Begegnung mit NBA-Talenten sollte man sein Playmaking nicht unbedingt zu sehr kritisieren, aber es ist klar, dass er noch an seiner Ballkontrolle arbeiten muss und dem Gegner den Ball in Zukunft weniger zuspielen sollte.

Auch sein Wurf, der für seine späte Draftposition sicherlich mitverantwortlich war, bedarf noch einiges an Verbesserung. Es besteht Optimismus, da er nach einem fürchterlichen ersten Spiel aus der Distanz, in dem er alle 6 Würfe verfehlte, zielgenauer wurde. Doch kann man nach 5 Spielen wenige Schlüsse ziehen, auch wenn er unter den Rookies die meisten Dreier pro Spiel nahm – was man natürlich auf Houstons Philosophie zurückführen kann.

Leider hat sich jedoch nicht nur sein Distanzwurf als problematisch erwiesen, da er weder vom Feld noch von der Freiwurflinie den NBA-Durchschnitt an Effizienz erzielen konnte. Glücklicherweise kann Houston es sich leisten auf seine Entwicklung zu warten, falls er noch nicht rechtzeitig das nötige Niveau erreichen kann.

Diese 3 Würfe bedeuten für seine Zukunft zwar recht wenig, aber es ist für Houston ermutigend, dass Melton bereits verschiedene Arten von 3ern in seinem Repertoire hat. Wie sich das auf NBA-Niveau umsetzen lässt, bleibt abzuwarten.

Außerdem hätte er bei den Rio Grande Valley Vipers genug Chancen, um seinen Wurf und dessen Flexibilität zu üben und er wäre auch nicht der erste Spieler, dem diese Übung in einer noch extremeren Form von Houstons System helfen würde.

Melton ist gerade einmal 20 Jahre alt und es sieht sehr danach aus, als hätte Houston Rockets General Manager Daryl Morey einen weiteren Steal in der zweiten Runde des NBA Drafts gefunden. Houston ist Contender, was eine große Rolle für Melton dieses Jahr zumindest unwahrscheinlich macht, aber defensiv ist er jetzt schon so stark, dass er innerhalb der nächsten Jahre vermutlich seinen Weg aufs Parkett finden wird.

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