Draft, NBA

Draft Team Needs 2018: Picks 4-8

Grizzlies, Mavs, Magic, Bulls und Cavs

Pick 4: Memphis Grizzlies

Kein ein Team ist in der abgelaufenen Saison so weit unterhalb der Erwartungen geblieben wie die Grizzlies. Nach einem guten Start sorgte die Verletzung von Mike Conley für einen Absturz, der in Verbindung mit Marc Gasols Unzufriedenheit Head Coach David Fizdale den Job kostete. Unter dem jetzt zur Dauerlösung beförderten J. B. Bickerstaff lief es allerdings auch nicht besser. Immerhin steht dem Team so zum ersten Mal seit Hasheem Thabeet 2009 ein Top-10-Pick zur Verfügung. Die Lottery brachte Memphis allerdings kein Glück, so dass sie nur an Position 4 statt als nach Bilanz zweitschlechtestes Team ihre Wahl aufrufen dürfen.

Obwohl die Verletzungsprobleme von Conley und Dauerpatient Chandler Parsons einen Komplettrebuild einigermaßen sinnvoll erscheinen lassen, entschieden sich die Grizzlies praktisch schon mit der Fizdale-Entlassung dagegen. Gasol wurde gehalten und soll gemeinsam mit dem hoffentlich wieder fitten Conley an die alten Grit-and-Grind-Teams anknüpfen. Diese Überlegung dürfte klar die Draftentscheidung beeinflussen: Es ist sinnlos, einen Rookie ins Team zu holen, der dann hinter Win Now-Spielern vom Kaliber der beiden Stars auf Bank versauert. Selbst JaMychal Green ist aller Wahrscheinlichkeit nach in der kommenden Saison besser als jeder 19-Jährige Draftee. Positionell würden diese Überlegungen für einen Flügelspieler sprechen, wo nach aktuellem Stand praktisch keine Konkurrenz bestünde.

Ob der Druck einer hart umkämpften Western Conference für einen jungen Rookie die richtige Atmosphäre ist, wäre allerdings eine über den positionellen Fit hinausgehende Folgefrage. Wenn der Draftee seine Debütsaison größtenteils auf der Bank verbringt, ist den Grizzlies sicher nicht geholfen. Daher spricht viel für einen etwas erfahreneren, zumindest einigermaßen NBA-fertigen Spieler. Falls an Position 4 kein Flügel dieser Beschreibung entspricht, wäre ein Trade in beide Richtungen sinnvoll. Für kaum ein Team gilt so sehr: Einfach nur nach Talent zu entscheiden erhöht die Gefahr eines Busts erheblich.

Tendenz: Die Grizzlies haben sich eigentlich recht klar für eine Richtung entschieden und sollten diesen Weg jetzt auch konsequent fortsetzen.

Pick 5: Dallas Mavericks

Das Problem der Mavericks ist eindeutig, dass sie immer noch in der unklaren Situation der späten Nowitzki-Jahre stecken. Ein Teil des Kaders steht weiterhin für Playoffambitionen, mit Ausnahme Dennis Smith Juniors fehlen zudem die vielversprechenden Talente. Mit nicht gedrafteten Spielern gelingt der Schritt zurück zur sportlichen Relevanz wohl kaum, auch wenn einige einen vergleichsweise positiven Eindruck hinterließen.

Ziel der Mavericks am Drafttag sollte somit ein neuer Franchise Player sein. Das Lospech hat diese Aufgabe nicht einfacher gemacht, an Position 5 ist zumindest nicht mit einem sicheren Star zu rechnen. Daher müssen Mark Cuban und Co. im Zweifel zu einer riskanten Entscheidung bereit sein. Ohne eine klare erste Option ist ein Draftee mit relativ sicheren Starter-Aussichten, aber ohne größere Upside die falsche Entscheidung. Im Vergleich mit den Suns wird der Unterschied deutlicher: Für Phoenix geht es in erster Linie darum, die passenden Spieler um Devin Booker zu versammeln. Smith Jr. ist eindeutig noch nicht auf diesem Niveau und wird es vermutlich auch nicht erreichen, so dass er realistisch eher als zweite oder dritte Option vorstellbar ist. Der beste Spieler des nächsten Mavs-Playoffteams sollte erst dieses oder nächstes Jahr gedraftet werden.

Allerdings ist DSJ immerhin so gut, dass die Entscheidung am 21.6. nicht ganz von ihm losgelöst werden kann. Auch wenn er aller Wahrscheinlichkeit nach ein vielseitiges Skillset entwickeln kann, das praktisch jeden Spielertypen neben ihm erlaubt: Zwei Guards unter 6‘4 sind in der modernen NBA vermutlich eine zu große Schwäche, Rick Carlisles Vorlieben für solche Lineups zum Trotz. Wenn die Mavs Smith Jr. im Kader behalten, sollten sie daher einen größeren Spieler wählen. Die (vermuteten) Unterschiede zwischen den Spielern sind meist ohnehin nur bei den ersten Picks so groß, dass eine leicht vom Fit beeinflusste Entscheidung zu vertreten ist.

Tendenz: Risikofreudigkeit ist Mark Cuban kaum abzusprechen – der Drang, jedes Jahr zu gewinnen aber auch nicht. Die Entscheidung der Mavs könnte von den Free Agency-Plänen abhängen: Falls DeMarcus Cousins auf dem Wunschzettel steht, fällt ein Center vermutlich aus. Zu empfehlen wäre dem Team allerdings etwas mehr Geduld.

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Pick 6: Orlando Magic

Für die Magic könnte man die letztjährige Ausgabe fast vollständig übernehmen. Statt einem Umbruch im Management wurde zwar diesmal der Coaching Staff ausgetauscht, Steve Clifford ersetzte Frank Vogel. Spielerisch hat sich allerdings nicht sonderlich viel geändert, und selbst der Pick ist wieder der gleiche. Im Kader stehen immer noch diverse Spieler, die zumindest als einigermaßen brauchbare Starter durchgehen. Aber auch sechs Jahre nach dem Dwight Howard-Trade fehlt der nächste Franchise Player. Aaron Gordon gelang ein Schritt nach vorne, der aber durch seine anstehende Restricted Free Agency seine Schattenseiten aufweist. Jonathan Isaac, der 6. Pick des letzten Jahres, verpasste einen Großteil der abgelaufenen Saison verletzungsbedingt.

Diese beiden Spieler schränken zusätzlich die Flexibilität der Magic im kommenden Draft ein. Gordon soll aller Wahrscheinlichkeit nach gehalten werden, auf Isaac liegen sicherlich auch noch große Hoffnungen. Daher wäre es fragwürdig, einen weiteren Forward zu ziehen. Durch den anhaltenden Trend zu Small Ball sollte auch ein Big nicht die erste Wahl darstellen – neben den zwei 6‘9 beziehungsweise 6‘10 großen Top-Talenten würden sich die Magic so eine attraktive Option nehmen. Dazu kommt: in Nikola Vucevic und Bismack Biyombo stehen bereits zwei teure und damit nur schwer vertradebare Center im Kader. Damit bleibt eigentlich nur noch das Draften eines Guards, was aber natürlich Zugeständnisse erzwingt. Ein Team, das so dringend einen Spitzenspieler benötigt, möchte an sich in der Auswahl nicht auf einen Bruchteil der verfügbaren Spieler beschränkt sein. Vielleicht könnte sich daher auch ein Trade anbieten.

Tendenz: John Hammonds Drafthistorie weist vor allem ein Charakteristikum auf: die außergewöhnlich hohe Wingspan praktisch aller gezogener Spieler. Gerade bei einem Guard als bestem Fit entsteht hier ein gewisser Widerspruch. Deswegen könnte die Entscheidung doch auf einen Big hinauslaufen, was jedoch wie beschrieben nicht die optimale Lösung darstellen dürfte.

Pick 7: Chicago Bulls

Ähnlich wie die Hawks entschieden sich die Bulls letzten Sommer zum Komplettrebuild. Der Trade Jimmy Butlers am Drafttag zu den Wolves brachte zwar einen ziemlich mageren Gegenwert ein, aber immerhin ein Top-10-Pick ging nach Chicago. Rookie Lauri Markkanen war dann auch der größte Lichtblick der Bulls-Saison, während Kris Dunn und Zach LaVine mit Offensivratings von unter 100 wohl nicht den Erwartungen des Teams entsprachen. Mit Nikola Mirotic gaben die Bulls zur Deadline einen weiteren etwas älteren Spieler ab, so dass jetzt außer Markkanen und dem aus den Playoff-Jahren übriggeblieben Robin Lopez praktisch nur noch begrenzt talentierte Rollenspieler Anfang 20 im Kader stehen.

Das heißt: Für die ihre Entscheidung am Drafttag sollte das Bulls-Management sich eigentlich nur von Markkanens Skillset beeinflussen lassen. Dieser Punkt betrifft allerding sowohl die Position als auch die Spielweise: Ein weiterer Big Man wäre vermutlich nicht die beste Entscheidung, weil Markkanens optimale Rolle noch nicht klar ersichtlich ist. Sein Spacing macht einen Spieler mit gutem Zug zum Korb naheliegend, ein 3&D-Wing würde dagegen weniger passen. Mit dem 7. Pick sollten die Talentunterschiede allerdings nicht mehr so groß sein, dass diese Kriterien zu schwer wiegen.

Tendenz: Die Bulls haben sich in den letzten Jahren zu einigen fragwürdigen Transaktionen hinreißen lassen. Momentan sieht jedoch alles nach fortgesetztem Rebuild aus, so dass ein gut passender Draftee eigentlich machbar sein sollte.

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Pick 8: Cleveland Cavaliers

Dank des Kyrie Irving-Trades geht der 8. Pick der Nets dieses Jahr an die Cavs statt an die Celtics. Allerdings hat Cleveland vermutlich auf einen etwas besseren Pick gehofft, nachdem Brooklyn erneut mit einem nicht gerade beeindruckenden Team auftrat. Nachdem die anderen Lottery-Teams jedoch mehr Anreiz am Verlieren hatten, reichte es nur für einen Pick in der unteren Hälfte der Lottery. Position 8 verstärkt die ohnehin schon bestehende Unsicherheit aufgrund von LeBron James‘ Vertragssituation: Mit einem früheren Pick hätten realistische Chancen auf einen sofort einsetzbaren zukünftigen Franchise Player bestanden, der in jedem Fall weitergeholfen hätte. Ein Pick am Ende der Lottery wäre den Cavs die Entscheidung für einen Trade sicher leichter gefallen. So müssen Koby Altman und Co. sich entscheiden: Entweder sie ziehen einen talentierten jungen Spieler mit Upside, der allerdings keine Argumente für einen Verbleib James‘ liefern würde– oder sie ziehen einen NBA-fertigen älteren College-Spieler, der vermutlich in keine Richtung den Optimalfall darstellen dürfte. Die vergleichsweise besten Chancen auf weitere Contender-Jahre mit James böte vermutlich ein Trade des Picks. Der 8. Pick ist allerdings zu wertvoll, um ihn für einen ohne Playoffambitionen vermutlich wenig hilfreichen Spieler abzugeben. Eine echte Lösung für dieses Dilemma wird sich nicht finden, so dass nur die Hoffnung auf die am wenigsten schlechte Option bleibt. Derzeit spricht vieles dafür, dass die Cavs sich mit dem Verlust ihres Superstars abfinden müssen – dann wäre der bestmögliche Spieler für den anstehenden Rebuild die richtige Wahl.

Tendenz: Viel hängt davon ab, was die Cavs über die anstehende Entscheidung von LeBron James wissen oder zu wissen glauben. Entsprechend wird das Verhalten der Cavs am Drafttag die Spekulationen weiter anheizen.

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4 comments

  1. Hans Reinhard

    Den Vergleich zwischen Mavs und Suns sollte man vielleicht nicht machen: immerhin sind die Suns schon seit Nashs Wechsel zu den Lakers im Rebuild die Mavs aber erst seit eineinhalb Jahren. Glaub auch nicht daß sie hinter Cousins her sind. Wenn sie dann auch noch den vor seiner NBA-Laufbahn an Wirbelsäule und Becken vorgeschädigten Porter draften dann würden sie zwar die geforderte Bereitschaft zu einer riskanten Entscheidung (was dann wie damals bei den Blazers enden könnte) zeigen, aber gewiß nicht die erwartete Geduld. Mit Letzterem ist es schon deutlich besser geworden. Der Mavs-Rebuild hat noch einen weiten Weg vor sich.

    Ansonsten stimme ich der Analyse zu.

  2. Jonathan Walker

    Den Vergleich zwischen Mavs und Suns sollte man vielleicht nicht machen: immerhin sind die Suns schon seit Nashs Wechsel zu den Lakers im Rebuild die Mavs aber erst seit eineinhalb Jahren.

    Das stimmt so nicht.

    Die Suns sind auch erst seit 2015-16 im Rebuild, als Bledsoe sich verletzte, man Hornacek feuerte und am Ende den 4. Pick bekam. Es dauerte sogar noch etwas länger, bis das Team offiziell von der “Timeline” und Playoffs im Jahr 2020 sprach. Davor waren immer die Playoffs das ausgegebene Ziel, woran man 2014, also 2 Jahre nach Nashs Abgang, mit 48 Siegen ja auch nur extrem knapp scheiterte. Im Jahr darauf holte man mit 39 Siegen auch noch deutlich mehr, als die Mavs in den letzten eineinhalb Jahren. Dass man sich nicht im Rebuild befand, erkennt man ja auch schön daran, dass für alternde Rollenspieler wie Tyson Chandler viel Geld in die Hand genommen wurde und günstige, jüngere Spieler wie Marcus Morris gedumpt wurden, um Platz für Stars wie LaMarcus Aldridge zu machen. Das ist alles erst 3 Jahre her.

    Die Suns sind nur aus einem Grund schon weiter in ihrem Rebuild: Man hatte das unglaubliche Glück, in Devin Booker an Platz 13 einen künftigen Star zu picken, obwohl man in diesem Jahr eigentlich um die Playoffs spielte.

  3. Avatar

    STAT

    Nicht zu vergessen, der historisch geniale Move für Brandon Knight. Ein Rebuilding Team gibt zum damaligen Zeitpunkt nicht das beste Asset (Lakers Pick) für einen Spieler wie Brandon Knight ab und verlängert ihn danach für 70/5.

    Auf Bledsoe/Knight hatten sich die Suns festgelegt und gingen dann auf die Jagd nach Free Agents. Bledsoe/Knight waren zwar noch relativ jung, aber lange keine Prospects mehr. Man wusste schon was man mehr oder weniger bekommt. In dem Fall eher “weniger”. :mrgreen:

    Sollte Ayton einschlagen, muss man sagen: Die Suns haben alles richtig gemacht in dem sie alles falsch gemacht haben. Völlig verrückt. :lol:

  4. Julian Lage

    |Author

    Mavs und Suns vergleiche ich vor allem deswegen, _weil_ die Mavs im Rebuild noch nicht so weit sind ;) Ich würde die Jahre im Rebuild auch gar nicht als Hauptkriterium sehen, weil es eigentlich einfach nur um das Talentlevel geht. Hätten die Mavs Donovan Mitchell gezogen, wären sie jetzt (bei einer genauso guten Rookie-Saison Mitchells) an nem ähnlichen Punkt wie die Suns.
    Ansonsten würde ich es auch eher so sehen, dass die Teams sich ähneln, weil sie die letzten ~5 Jahre den Rebuild immer weiter rausgezögert haben, ohne echte Chancen auf einen Playoff-Seriensieg zu haben. Nowitzki macht da natürlich einen Unterschied, aber so groß ist der nicht.


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