Draft, NBA

Draft Team Needs 2018: Picks 1-3

Suns, Kings und Hawks

Wie in den letzten Jahren gibt es wieder ein Gegenstück zum Draft Power Ranking: die Team Needs. Die Idee dahinter findet sich in der ersten Ausgabe:

Das Go-to-Guys Draft Powerranking unterscheidet sich von den üblichen Mockdrafts vor allem dadurch, dass die Spieler nur nach der prognostizierten Qualität gerankt sind. Um eine möglichst große Aussagekraft bezüglich der spielerischen Möglichkeiten der Prospects zu erhalten, sind Team Needs nicht Teil des Rankings. Dieser dreiteilige Artikel setzt hier an und stellt das Gegenstück dar, eine Darstellung der Voraussetzungen und Rebuild-Pläne der Teams ohne Betrachtung der Draft Class.

Das mag auf den ersten Blick sinnlos erscheinen: Wie kann man das Draftverhalten eines Teams ohne die Draftees beschreiben? Und tatsächlich gibt es Fälle wie etwa 2012 Anthony Davis, wo jede Franchise zugreifen muss – unabhängig vom bisherigen Kader, den Plänen für die kommenden Jahre oder anderen Faktoren. Oft ist das Talentlevel jedoch vergleichbar, wie auch die Kategorien des GtG-Rankings zeigen. Hier werden dann die Voraussetzungen und Ziele der Franchise interessanter, die Draftstrategien unabhängiger von den Spielern. Die Grundlagen sind bereits hier dargestellt, für diesen Artikel wird ein etwas ausgeweitetes System eingesetzt: Zu den Kategorien der Entwicklung des Spielers (Upside vs. NBA-Ready) tritt noch die Möglichkeit Trade (siehe auch hier).

Den Anfang machen die drei Gewinner-Teams der Lottery:

Picks 1 und 16: Phoenix Suns

Mit den Suns gewann das vierten Jahr in Folge das schlechteste Team auch tatsächlich die Lottery, angesichts der 2019 in Kraft tretenden Reform möglicherweise vorerst das letzte Mal. Phoenix ist damit in einer äußerst angenehmen Situation: Mit dem zu Beginn der kommenden Saison gerade erst 22-Jährigen Devin Booker und dem Draftee sollte das Grundgerüst für die nächsten Jahre bereitstehen. Das gilt, obwohl die Suns in den letzten Drafts und in der anschließenden Spielerentwicklung ansonsten nicht sonderlich glücklich agierten. Dragan Bender, Marquese Chriss und Josh Jackson zeigten zwar bereits interessante Ansätze, könnten sich jedoch genauso wie Alex Len als Busts herausstellen. Für den ersten Pick bedeutet das immerhin, dass eigentlich keine echte Rücksicht auf den übrigen Kader genommen werden muss. Booker weist dank seiner Weiterentwicklung als Spielmacher in der vergangenen Saison keine zwingend beachtenswerten Schwächen auf und müsste mit praktisch jedem Spielertypen zusammenpassen. Der Rest des Kaders sollte daher möglichst wenig Einfluss auf die Draftentscheidung haben. Es wäre absurd, aufgrund eines Rollenspieler-Talents möglicherweise den bestmöglichen Spieler nicht zu ziehen. Einzige Einschränkung dieses Plädoyers für ‚BPA‘: Mit einem klaren Franchise Player-Talent im Kader sind die vergleichsweise sicheren Picks immer eine Überlegung wert. Bei großen Talent-Lücken muss die Qualität logischerweise Vorrang bekommen, bei vergleichbaren Prognosen für verschiedene Spieler gibt es allerdings keinen Grund für ein unnötiges Risiko. Die Suns sollten unbedingt vermeiden, dass außer Booker praktisch nur enttäuschende Lottery-Picks im Kader stehen. Mit dem ersten Pick ist diese Gefahr allerdings relativ klein, wenn man mal von seltenen Ausnahmen wie Anthony Bennett absieht.

Falls die Suns mit ihren zwei vielversprechenden jungen Spielern sofort wieder die Playoffs anpeilen, ist jedoch Vorsicht geboten. Besitzer Robert Sarver zeigte in den letzten Jahren nicht sonderlich viel Geduld. Der Gewinn der Lottery dürfte die Hoffnung auf baldige Erfolge noch mal gesteigert haben. Allerdings weist der Kader noch die Folgen früherer entsprechender Versuche auf: Brandon Knight steht noch zwei Jahre für je etwa 15 Millionen Dollar in den Büchern, Tyson Chandler bekommt noch einmal knapp 14 Millionen, Jared Dudley knapp 10. So sehr das Team kommende Saison Erfahrung gebrauchen kann, so wenig optimistisch stimmen die Leistungen der drei Veteranen in den letzten Jahren. Trotzdem sollte das Suns-Management um Ryan McDonough darauf verzichten, den zusätzlichen 16. Pick oder zukünftige Draftrechte für Salarydumps auszugeben. Stattdessen wäre ein weiterer junger Spieler wünschenswert, der dann mit dem ersten Pick und Booker langsam, aber sicher den Weg zurück in die Playoffs einschlagen kann.

Tendenz: Zumindest ein Trade des ersten Picks kommt wohl nicht in Frage, ob die Suns ihren Spielern aber tatsächlich die nötige Zeit geben, ist ein anderes Kapitel.

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Pick 2: Sacramento Kings

Der klare Gewinner der diesjährigen Lottery sind die Kings, die von der siebtschlechtesten Bilanz auf den 2 Pick hochgelost wurden. Allerdings kann die Franchise dieses Glück auch gut gebrauchen. In der abgelaufenen Saison zeigten die Management-Entscheidungen wie etwa die Verpflichtung verschiedener Veteranen kaum Resultate – bis darauf, dass sie die Lottery-Chancen verschlechterten. Die Entlassung des erst vor zwei Jahren an 13 gepickten Georgios Papagiannis in Folge des kaum Gegenwert erzielenden George Hill-Trades steht sinnbildlich für diese anhaltende Misere. Zwar zeigte Bogdan Bogdanovic eine gute Rookie-Saison und einige andere Spieler wie der 5. Pick 2017 De’Aaron Fox oder Buddy Hield könnten sich zumindest brauchbar entwickeln. Trotzdem sollte keiner von ihnen die Draftentscheidung beeinflussen: Die Kings brauchen dringend einen Franchise Player, so dass sie unbedingt den Draftee mit dem höchsten Potential wählen sollten. Eine riskante Entscheidung erscheint zwar angesichts der Resultate des Teams in der Spielerentwicklung in den letzten Jahren fragwürdig. Allerdings dürfte die Franchise aus Sacramento von Spielern auf solidem Starterniveau kaum profitieren. Es ist schließlich kaum zu erwarten, dass die Kings per Free Agency oder Trade ihren Star bekommen.

Bei dieser Überlegung gibt es nur einen Haken: Der nächste Erstrundenpick der Kings geht an die Celtics oder Sixers. Junge, talentierte Spieler wie der eigentlich optimale Draftee werden im nächsten Jahr kein Playoffteam anführen. Stattdessen läuft das Team Gefahr, einen sehr hohen Pick abzugeben. Dieses Risiko müssen die Kings allerdings eingehen, statt erneut durch ungeduldige Entscheidungen die Weiterentwicklung der eigenen Spieler zu gefährden. Insbesondere ein Trade des Picks nur aus diesem Grund wäre aller Wahrscheinlichkeit nach ein Fehler.

Tendenz: Die Kings zeigten in den letzten Jahren recht eigenwillige Entscheidungen, so dass eine Prognose schwer ist. Allerdings ist nicht unwahrscheinlich, dass Vivek Ranadivé sich vom Potential eines der Spieler überzeugen lässt: „For me, it‘s …“

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Picks 3 und 19: Atlanta Hawks

Nach zehn Jahren in den Playoffs gingen die Hawks im vergangenen Frühling und Sommer nicht ganz freiwillig in den Rebuild. Die wichtigsten Free Agents Al Horford, Jeff Teague und Paul Millsap entschieden sich 2016 beziehungsweise zweimal 2017 für einen Wechsel, die Neuverpflichtung Dwight Howard und der teuer verlängerte Kent Bazemore schlugen nicht ein wie erhofft. So blieb nur noch ein Grundgerüst an Veteranen ohne wirklich vielversprechende Talente, da die Free Agency-Abgänge natürlich keine Assets eingebracht hatten. Dennis Schröder ist zwar an sich noch jung genug, um über den Rebuild hinaus gehalten zu werden, hat aber bereits deutlich Wechselwünsche geäußert. Ohnehin entwickelte er sich in den letzten Jahren kaum noch weiter, so dass die Hawks vermutlich mit einem Trade bei vertretbarem Gegenwert keine Probleme hätten. Ansonsten stehen im Hawks-Kader praktisch nur noch Journeymen mit teils fragwürdigen Verträgen wie der für Howard aufgenommene Miles Plumlee und Bazemore.

Die einzige echte Ausnahme stellt Taurean Prince dar. Angesichts des ausgedünnten Kaders übernahm er über sein eigentliches 3&D-Profil hinausgehende Aufgaben und zeigte dabei vielversprechende Ansätze. Allerdings sollte er damit ähnlich wie Bogdanovic bei den Kings keinen echten Einfluss auf die Wahl der Hawks im kommenden Draft nehmen. Nicht nur aufgrund der begrenzten Upside des schon 24 Jahre alten Prince – fast alle Flügelspieler sollten sich miteinander kombinieren lassen, und kein Guard oder Big passt überhaupt nicht zum Skillset des Wings. Angesichts der mit Ausnahme der eigenen Picks recht mageren Asset-Situation der Hawks brauchen sie unbedingt den bestmöglichen Spieler. Für den im Jamal Crawford-Trade eingenommenen 19. Pick gilt das ähnlich, wobei außerhalb der Lottery natürlich immer Zugeständnisse notwendig sind. Aber auch hier sollten Upside-Draftees Vorrang vor sichereren Picks haben.

Tendenz: Die Entscheidung für den Rebuild im letzten Jahr war deutlich. Auch die  Entlassung von Mike Budenholzer spricht für eine Fortsetzung des eingeschlagenen Kurses, so dass es am 21.6. klar auf BPA hinauslaufen sollte.

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3 comments

  1. Jonathan Walker

    Schöner Überblick, wie immer. :tup:

    Bezüglich der Suns hätte ich noch zwei Anmerkungen.

    1. Devin Booker wird erst Anfang der nächsten Saison 22. Wir haben also den seltenen Fall, dass ein Spieler seinen ersten Max-Deal bereits mit 21 Jahren unterschreiben könnte.

    2. Die Zahlen sehen zwar aufgrund des katastrophalen Starts in die Saison nicht so toll aus, aber Josh Jackson hat sich in der zweiten Saisonhälfte derartig gemacht, dass er von den Suns (Fans und Management) meist zum Core (mit Booker und #1) hinzugezählt wird. Die Frage stellt sich zwar in dieser Draft nicht, aber man würde daher an #1 eher keinen Jackson zu ähnlichen Spieler draften (athletischer Wing mit wackeligem Wurf).

  2. Julian Lage

    |Author

    Schöner Überblick, wie immer. :tup:

    Bezüglich der Suns hätte ich noch zwei Anmerkungen.

    1. Devin Booker wird erst Anfang der nächsten Saison 22. Wir haben also den seltenen Fall, dass ein Spieler seinen ersten Max-Deal bereits mit 21 Jahren unterschreiben könnte.

    2. Die Zahlen sehen zwar aufgrund des katastrophalen Starts in die Saison nicht so toll aus, aber Josh Jackson hat sich in der zweiten Saisonhälfte derartig gemacht, dass er von den Suns (Fans und Management) meist zum Core (mit Booker und #1) hinzugezählt wird. Die Frage stellt sich zwar in dieser Draft nicht, aber man würde daher an #1 eher keinen Jackson zu ähnlichen Spieler draften (athletischer Wing mit wackeligem Wurf).

    Den Hinweis aufs Alter hatte ich ja ziemlich genau so drin. Zu 2.: Ich glaube, man sollte mit dem ersten Pick in den seltensten Fällen einen Wing mit wackeligem Wurf nehmen, unabhängig vom eigenen Team… Ansonsten sehe ich Jacksons Potential durchaus, aber ihn so deutlich mit zum Core zählen würde ich nicht. Muss das Management natürlich und den Fans sei ihr Optimismus gegönnt, halte ich aber genauso für eine Überreaktion, wie ihn zum Bust abzustempeln. Außerdem sollte er, wenn er sich zu einem wirklich brauchbaren Spieler entwickelt, eigentlich so flexibel sein, dass es eh kein Problem ist.

  3. Jonathan Walker

    Den Hinweis aufs Alter hatte ich ja ziemlich genau so drin.

    Tatsache. Hatte ich beim Kommentieren irgendwie anders im Kopf – sorry.


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