ALBA Berlin, FC Bayern München

Berlins Shooting schlägt Bayerns Eindimensionalität

Taktische Erkenntnisse aus dem ersten Spiel der Finalserie zwischen dem FC Bayern und ALBA Berlin

Einen viel besseren Auftakt hätte man sich für diese Finalserie gar nicht vorstellen können. Spiel eins zwischen dem FC Bayern Basketball und ALBA Berlin ging gleich in die Verlängerung und brachte uns mit dem 106:95-Erfolg der Berliner eine erste kleine Überraschung. Das Team von Headcoach Aito Garcia Reneses bewies in der Overtime erneut seine Killer-Qualitäten und brachte, ohne den bereits ausgefoulten Marius Grigonis (30 Punkte), den Vorsprung über die Zeit. Diese 45 Minuten Basketball boten genug Themen, um diese vor dem nächsten Aufeinandertreffen am Donnerstag aufzuarbeiten und zu schauen, was sie uns für den weiteren Verlauf der Serie sagen können.

FC Bayern Basketball

Bayerns Quoten

Leider ist die Datenbank der Basketball-Bundesliga noch nicht so weit ausgebaut, dass man dies nachschauen könnte. Trotzdem bleibt nach dem Spiel die folgende Frage: Gab es schon mal ein Team, dass in den Playoffs/Finals mehr als 70 Prozent seiner Zweier getroffen und am Ende trotzdem verloren hat? Die Frage ist berechtigt, denn die Münchener trafen am Sonntag starke 71 Prozent aus dem Zweierbereich und gingen als Verlierer vom Feld. Normalerweise deuten solch hohe Quoten auf eine enorme Überlegenheit und somit meist auch auf einen klaren Sieg hin. Doch nicht so beim FCB, der sich mal wieder von der Dreier- (31%) und auch von der Freiwurflinie (65%) extrem schwer tat. Nur so ist es möglich, dass man eine Partie, in der man 25 von 35 Zweier trifft, am Ende nicht als Sieger beendet.

Der Quervergleich zur NBA zeigt ein ganz ähnliches Bild. So gab es in der besten Basketballliga der Welt in der Saison 2017/18 18 Spiele, in denen ein Team mehr als 70% seiner Zweipunktwürfe getroffen hat. In allen 18 Fällen ging dieses Team am Ende auch als Gewinner hervor. Noch mehr: Die hochprozentig treffenden Mannschaften gewannen im Schnitt mit 19,7 Punkten Differenz. Es handelte sich also bei der Mehrheit der Spiele um Blowouts.

Natürlich bleibt das Argument, dass Berlin einfach besser die Dreier verteidigte beziehungsweise selbst besser traf als die Gegner der NBA-Teams. Der erste Punkt kann allerdings durch die Betrachtung der Dreipunktwürfe der Bayern widerlegt werden. Hier waren einige offene Looks dabei, die einfach (mal wieder) nicht fallen wollten. Jared Cunningham (2/8), Nihad Djedovic (2/6) oder Reggie Redding (1/4) beendeten das Spiel nicht mit einer zufriedenstellenden Quote.
Nachdem im letzten Sommer alle, einschließlich Uli Hoeneß, nach einem „echten Point Guard“ lechzten, könnte sich in dieser Offseason alles um einen extrem treffsicheren Schützen drehen. Der wird in dieser Bayern-Mannschaft mittlerweile sehr schmerzlich vermisst.

Radonjics Rotation

Ein sehr hitzig diskutiertes Thema war nach der Partie auch die Minutenverteilung bei den Bayern. Zwar war es absehbar, dass mit Booker, Barthel und Cunningham die zentralen Akteure die meisten Minuten sehen, allerdings konnte man nicht mit lediglich drei Minuten Einsatzzeit für Braydon Hobbs rechnen. Die Rolle des US-Amerikaners ist bei den Bayern schon länger ein Thema und sollte laut Marko Pesic (im TelekomSport-Podcast) unter dem neuen Coach geklärt werden. Dies scheint nicht der Fall zu sein, denn Hobbs spielt seit dem Trainerwechsel fast noch weniger Minuten als vorher. 

Ein Grund dafür ist sicher, dass Hobbs kreative und teilweise eigenwillige Spielweise nicht so ganz zum Radonjics Idee vom Basketball passt. In Ulm war es der Spielmacher noch gewohnt, dass er seine frühen Dreier ohne Bedenken abdrücken konnte. Hier hat man das Gefühl, dass der Bayern-Coach solche Aktionen gar nicht gerne sieht und lieber strukturiert spielen möchte. Dadurch gehen einige der Fähigkeiten von Hobbs unter und seine Spielzeit leidet darunter. 

Ob es allerdings die Lösung sein kann, stattdessen Anton Gavel fast 20 Minuten zu geben, muss auch in Frage gestellt werden. Gavel hat diese Saison enorme Probleme mit seinem Wurf von der Dreier- (27,8%) und der Freiwurflinie (53,9%) und würde die offensiven Probleme der Bayern somit in keiner Weise beheben. Am defensiven Ende des Feldes bringt Gavel natürlich noch die Voraussetzungen mit, um den gegnerischen Aufbauspieler unter Druck zu setzen, Angriffe zu verlangsamen oder mal einen Steal zu generieren. Aber reichen diese Argumente, um ihm zum klaren Backup von Jovic in dieser Serie zu machen? Spätestens Donnerstagabend bekommen wir neue Antworten auf diese Fragen.

Ein ähnliches Dilemma findet sich auf der Center-Position. Devin Booker spielte mit Abstand die meisten Minuten in Spiel eins (35), weil Maik Zirbes (acht Minuten) so seine Probleme hat mit der sehr aktiven Berliner Defense. Einzig, als er gleichzeitig mit Bogdan Radosavljevic auf dem Parkett stand, sah der deutsche Big Man gut aus. Radosavljevic erlebte selbst einen durchwachsenen Nachmittag und leistete sich gegen Zirbes einige Ballverluste. Das Tempo des Berliner Backups passt besser zu Zirbes, als wenn der sehr laufstarke Dennis Clifford auf dem Parkett steht. Luke Sikma sah sich der Bayern-Center nur kurz gegenüber, aber auch das könnte ein Matchup mit Problemen für Zirbes werden, wie wir bereits in der Preview-Analyse andeuteten. Radonjic wird also kaum etwas daran ändern können und Booker weiter viele Minuten geben müssen. Mit Radosavljevic auf dem Feld sollte es aber definitiv auch Möglichkeiten geben, um Zirbes effektiv zu nutzen. 

Danilo Barthel

Doch es war ja bei weitem nicht alles schlecht bei den Bayern, sonst wäre dieses Spiel kaum so verlaufen. Ein ganz großer Baustein des Münchener Spiels war wieder einmal Danilo Barthel. Der deutsche Nationalspieler beendete die Partie mit 17 Punkten, fünf Rebounds und zwei Assists. Doch die Zahlen alleine können gar nicht wiedergeben, welchen Einfluss Barthel auf die Partie hatte.

Da wäre zum einen das Spacing zu nennen, welches er Bayern besonders zu Beginn verschaffte. Mit Devin Booker haben sie bereits einen brettnahen Big Man, sodass es immer hilfreich ist, wenn der Vierer die Zone verlassen kann. Genau das tat Barthel auch und traf in der ersten Halbzeit zwei wichtige Dreipunktwürfe. Für seine weitere Entwicklung wird es wichtig sein, dass er seinen Distanzwurf konstant trifft und vor allem auch nimmt. In der Vergangenheit konnte man den Ex-Frankfurter häufig dabei beobachten, wie er selbst offene Würfe von Außen verweigerte und lieber den Ball zum Mitspieler weiterpasste. Mittlerweile nimmt er die Dreier aber mit mehr Selbstvertrauen und dies zahlt sich dann auch aus. Immerhin hat er über die Saison auch starke 40,6 Prozent von „Downtown“ geworfen, sodass er auch absolut das Recht dazu hat, diese Würfe zu nehmen.

Hier läuft er ein Pick & Pop mit Jared Cunningham, der aufgrund seines guten Wurfs von den beiden Berlinern kurz gedoppelt wird. Dies nutzt Barthel aus, um sich an der Dreierlinie zu postieren, bekommt den Pass und netzt den offenen Wurf ein. Mit solchen Moves kann er einer Verteidigung auf noch mehr Arten weh tun. 

Des Weiteren muss man Barthels Defense nennen. Er nahm es immerhin mit dem wertvollsten Spieler der regulären Saison, Luke Sikma, auf. Diesen ließ er kaum in sein normales Spiel kommen, sodass Sikma eher einen schwächeren Abend erlebte und sich insgesamt fünf Ballverluste leistete. Im Low-Post hielt Barthel enorm gut dagegen und gewährte dem US-Amerikaner keine einfachen Würfe am Brett. Sollte er diese Leistungen in den kommenden Spielen fortsetzen können, werden wir zum einen wohl eine eher ruhigere Serie von Luke Sikma erleben. Zum anderen gibt Barthel damit aber auch eine deutliche Visitenkarte bei allen Euroleague-Teams ab. 

Nihad Djedovic, der Raumdeuter

Der Topscorer der Münchener hieß am Ende nicht Jared Cunningham, Devin Booker oder Danilo Barthel. Es war Nihad Djedovic, der durch viele clevere Plays 18 Zähler ansammelte. Zu seiner Königsdisziplin an diesem Nachmittag zählte der Cut zum Korb, der noch viel häufiger mit einem Anspiel und leichten Punkten hätte belohnt werden können.
Denn während bei den Fußballern bei Thomas Müller häufig vom „Raumdeuter“ gesprochen wird, könnte man das in diesen Fällen bei Djedovic. Der Deutsch-Bosnier hat ein unheimlich gutes Gefühl für das Spiel und kann die Defense lesen. Dementsprechend bewegt er sich und schafft so immer wieder Räume für sich oder seine Mitspieler. In der Partie gegen ALBA tat er dies vor allem für sich, in dem er die teilweise schlafmützige Verteidigung der Berliner gnadenlos ausnutzte.

Im folgenden Beispiel laufen die Bayern ein Blocken und Abrollen mit einer komplett freien Seite. Jovic bemerkt den Raum, der sich öffnet und zieht zum Korb. So muss der tiefste ALBA-Verteidiger aushelfen, um den Korbleger zu verhindern. Djedovic bemerkt frühzeitig, dass es sich um seinen Gegenspieler handelt und setzt zum Cut an. Für Jovic ist es nun nur noch ein simpler Pass und Bayerns Nummer 14 kann vollenden. Hier hätte es zumindest die Aufmerksamkeit von Akeem Vargas gebraucht, der zur Mitte rücken und den Pass auf Djedovic verhindern sollte.

Auch gegen Berlin sehr aggressive Hedge-Verteidigung waren die Cuts von Djedovic ein probates Mittel. In dieser Szene wurde das Hedgen überspielt und der abrollende Maik Zirbes erhielt an der Freiwurflinie den Ball. Dies hat wieder das Rotieren in der ALBA-Defense zu Folge, was Djedovic als perfekten Moment nutzt, um zum Korb zu schneiden. Allerdings wird er hier von Zirbes für den offenen Korbleger nicht gefunden. 

Ballverluste und andere Probleme

Abgesehen von Barthel und Djedovic erwischten allerdings nur wenig Bayern-Spieler einen guten Tag. Dies hing vor allem auch mit den vielen Ballverlusten und anderen kleinen Fehlern zusammen, die sich die Münchener leisteten. So verlor Top-Star Jared Cunningham gleich sechs Mal an diesem Nachmittag den Ball und fand in der Folge auch offensiv kaum in die Partie. Er wirkte zeitweise etwas hektisch und unkonzentriert, was die Bayern gerade von einem Spieler dieses Formats nicht gebrauchen können. 

Hier schnappt er sich nach einem missglückten Outlet-Pass von Sikma den Ball und hat keine Not das Spielgerät sofort wieder loszuwerden. Trotzdem wirft er den Ball ohne hinzuschauen sofort zu Reggie Redding. Dieser blickt allerdings nach vorne, da er den Gegenangriff mit Cunningham laufen möchte. Die Folge ist der Ballgewinn durch Saibou und ein Korbleger für Dennis Clifford. 

Ein großes Thema in unserem Advance Scouting der Münchener waren auch die ersten Sekunden des Berliner Angriffs. Denn dort versuchen die Hauptstädter schnell abzuschließen, wenn sie die entsprechenden Looks bekommen. So ist es in einer Final-Begegnung äußerst unverständlich, dass sich mehrere Münchener Spieler beim Zurücklaufen mit den Schiedsrichtern beschäftigen und dabei ihre Zuteilung vergessen. Dies hat zur Folge, dass Saibou die Mittellinie ohne Gegenspieler überqueren kann und plötzlich merkt, dass er so schnell wohl auch nicht mehr verteidigt wird. Schnell fordert der deutsche Guard den Ball und kann von dort aus unbedrängt zum Korb ziehen und den Layup versenken. Wenn man ALBA so einlädt, nehmen sie dies auch äußerst dankbar an. 

Was für die Korbleger gilt, trifft bei den Berlinern auch immer für den Wurf von jenseits der Dreierlinie zu. Denn dort sind sie ebenfalls nicht abgeneigt, schon früh im Angriff zum Wurf anzusetzen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Besonders nachdem Grigonis und Butterfield sehr gut ins Spiel starteten, hatten sie das nötige Selbstvertrauen, um frühe Dreier gegen eine nicht formierte Verteidigung zu nehmen. 

Im folgenden Beispiel spielt Sikma erneut einen langen Pass hinten raus, der vorne Butterfield erreicht. Sein nächster Gegenspieler ist Center Devin Booker, der sich aus Reflex erstmal in Richtung des Korbs bewegt. Diese Platz darf man dem Berliner Shooter aber nicht lassen, sodass er sofort abdrückt und trifft. 

Der Lucic-Effekt

Die Frage nach dem Gesundheitszustand von Vladimir Lucic beantwortete sich in dieser Partie ganz schnell. Denn bereits nach vier Minuten brachte Dejan Radonjic den Serben erstmals in Spiel. Insgesamt verbuchte Lucic über 23 Minuten Einsatzzeit und erzielte wichtige 13 Punkte. Dies hätten sogar noch einige mehr sein können, denn gleich zwei Mal stand der Forward bei einem Dreierversuch mit dem Fuß auf der Linie und bekam somit lediglich zwei Zähler gutgeschrieben. 

Trotzdem war zu sehen, welch andere Dimension er dem Münchener Offensivspiel geben kann, wenn er auf der Power Forward-Position Danilo Barthel ersetzt. Er strahlt noch mehr Gefahr von der Dreipunktlinie aus und kann zudem einen harten Closeout dank seiner Beweglichkeit noch besser attackieren. Als Sikma im unten stehenden Beispiel zu weit in die Zone rückte, um Booker unter Druck zu setzen, war es einfacher Pass nach außen, der Lucic einen offenen Wurf ermöglichte. Solche Szenen können sich die Berliner kaum erlauben, denn Bayerns Nummer elf trifft über die Saison starke 47,7 Prozent von der Dreierlinie und zeigt vor allem in wichtigen Spielen, welchen Killerinstinkt er hat. 

 


ALBA Berlin

Die Grigonis/Butterfield-Show

Während MVP Luke Sikma und Aufbauspielr Peyton Siva einen eher durchwachsenen Nachmittag erlebten, waren es die Schützen, die eine Show ablieferten. Marius Grigonis und Spencer Butterfield erzielten zusammen 49 Punkte und trafen starke elf ihrer 14 Dreipunktwürfe. Immer wieder, wenn das Spiel enger wurde, nahmen sie das Heft in die Hand und trafen wichtige Würfe.

Dazu trugen anfangs auch die Bayern einen großen Teil bei. Direkt im zweiten Berliner Angriff musste Grigonis Gegenspieler Nihad Djedovic tief unter dem Korb aushelfen und lud den Litauer so zum ersten Dreier des Abends ein. Center Devin Booker bemerkt hier zu spät, dass er einige Schritte runterrücken müsste, um auszuhelfen. So konnte sich Grigonis bereits früh warmschießen und versenkte dementsprechend wenige Sekunden später direkt den zweiten Wurf von jenseits der 6,75m-Linie. 

Dieses Selbstvertrauen nahmen die beiden mit in die Crunchtime und in der Folge auch in die Verlängerung. Spencer Butterfield hatte man in der zweiten Halbzeit zwar kaum noch gesehen, doch das sollte ihn nicht daran hindern, in der Schlussphase wie aus dem Nichts wieder aufzutauchen. So fasste er sich etwa zwei Minuten vor dem Ende bei dem Stand von 80:81 aus der Sicht von Berlin ein Herz und nahm den Acht-Meter-Dreier über die ausgestreckten Arme von Lucic. Dieser brachte ALBA wieder in Führung und setzte die Münchener im nächsten Angriff ordentlich unter Druck. 

Kein Wunder also, dass er sich in der Verlängerung nicht davor scheute einen ähnlichen Wurf zu nehmen, nachdem Sikma ihm einen Block stellte. Dass Lucic, der erst Minuten vorher exakt diesen Wurf über sich ergehen lassen musste, hier gegen einen der besten Dreierschützen der Liga (5/6 zu diesem Zeitpunkt) unter dem Block hergeht, wird allerdings auch nicht als eine der cleversten Defensivaktionen in die BBL-Geschichte eingehen.

Defensives Overhelping

Bereits in der Vorschau warfen wir die Frage auf, wie aggressiv die Berliner in ihrer Verteidigung wohl helfen würden, um einfache Würfe zu verhindern. Nach dem ersten Spiel kann dies mit „sehr aggressiv“ beantwortet werden. Dies geschah allerdings nicht immer zu ihrem Vorteil, sodass eher von „overhelping“ gesprochen werden kann. Es war in manchen Fällen schlicht nicht nötig so hyperaggressiv zu verteidigen und gleich mit mehreren Spielern bestimmte zu verhindern. Hier bleibt die Frage, ob es wirklich so gewollt war oder ob es nur an der Abstimmung scheiterte.
So passierte es mehrmals, dass gleich zwei Albatrosse auf einen Münchener zuliefen, um dessen Wurf zu erschweren. Dies sorgte auf dem restlichen Feld dann natürlich für eine Überzahlsituation für Bayern, die sie auch immer wieder ausspielten und dementsprechend bestraften.
In dieser Szene wird Redding an der Dreierlinie bedient und Grigonis und Saibou sprinten ohne klare Abstimmung beide nach oben, um den US-Amerikaner am Wurf zu hindern. Dies klappt auch, allerdings kann der dann auf den nächsten freien Mitspieler passen und den Vorteil aufrechterhalten.

Als der Ball dann auf der anderen Seite ankommt, ist es Siva, der überreagiert und hochspringt, sodass Anton Gavel keine Probleme hat am Berliner Spielermacher vorbei zu ziehen. Hier hätte es vollkommen gereicht die Füße beim Closeout auf dem Boden zu halten. Vor allem wenn bedacht wird, dass Gavel in den ganzen Playoffs einen einzigen Dreier genommen hat und somit keinerlei Gefahr von dort ausstrahlt. Doch stattdessen kommt er in die Zone, zieht mehr Albatrosse auf sich, passt auf Cunningham, der anschließend beim Dreipunktwurf gefoult wird.

Eine vergleichbare Situation ist die folgende. Wieder löst der Bayern die aggressive Hedge-Defense der Berliner auf und Barthel befindet sich mit dem Ball an der Dreierlinie. Von dort hat er, wie bereits erwähnt, zuletzt solide Quoten aufgelegt. Trotzdem ist dies kein Grund gleich mit zwei Mann den Closeout zu machen und damit die komplette Zone für den Gegner zu öffnen. Der deutsche Nationalspieler kann hier sowohl Booker in der Mitte als auch Cunningham auf der anderen Seite bedienen. 

Dasselbe Bild ergibt sich auch hier. Redding wird zwei Meter hinter der Dreierlinie ohne Grund gedoppelt und kann dies mit einem Pass auf Zirbes überspielen.

Gleich zwei Berliner Verteidiger stürzen sich nun auf den Bayern-Center, sodass sie damit beide Ecken öffnen. Djedovic cuttet von links wieder clever, wird aber nicht angespielt. Stattdessen findet Zirbes den offenen Vladimir Lucic in der rechten Ecke für den Distanzwurf. 

Hier muss sich ALBA für die kommenden Spiele überlegen, ob es wirklich nötig ist, so aggressiv die Closeouts und die Pick & Roll-Defense zu vollziehen und damit die Münchener in die eigene Zone einzuladen. Immerhin trafen die Bayern erneut nur schwache 31 Prozent von der Dreipunktlinie. Vielleicht stimmt in diesen Fällen aber auch einfach die Abstimmung nicht und das Problem wäre mit mehr Kommunikation schon gelöst.

Deny-Defense

Doch die Defense der Albatrosse hatte natürlich auch einige positive Possessions zu verzeichnen. Besonders die folgende blieb in Erinnerung, da sie all das wiederspiegelt was ALBA in bester Verfassung auszeichnet. Bayern versucht hier das Play zu laufen, dass wir bereits in unserer Preview vorgestellt haben. Dazu werden Djedovic und Barthel freigeblockt, um an der Seite ein Pick&Roll zu laufen. Dazu kommt es aber gar nicht erst, da Butterfield so einen starken Job in der Deny-Defense macht. Der Spielzug ist zerstört, sodass München gleich zum Blocken und Abrollen in der Mitte übergeht, was aber erneut sehr gut verteidigt wird. Der Wurf von Booker am Ende entsteht eher aus Verzweiflung und trifft dementsprechend nicht mal den Ring.

Die Peno-Problematik 

Nachdem die Bayern ins erste und auch zweite Viertel eher mäßig starteten, wurden sie gegen Ende der Viertel jeweils besser und wirkten auch defensiv stabiler. Dies traf zum Teil auch zu, allerdings war es auffällig, dass gerade der zweite Punkt in beiden Fällen mit der Einwechslung von Stefan Peno auf Berliner Seite einherging. Er ist auf keinen Fall alleine dafür verantwortlich zu machen, aber es war auffällig, wie sehr sich das Spiel veränderte, nachdem er für Peyton Siva eingewechselt wurde. 

Die Berliner Offense wurde nämlich deutlich langsamer. Der 20-Jährige hatte nach dem Ballvortrag große Probleme den ersten Pass zu spielen und behielt den Spalding deshalb sehr lange in seinen Händen. Die Spieler abseits des Balls versuchten zwar die Plays zu laufen, allerdings fand Peno selten seine Mitspieler und dribbelte lieber selbst weiter. Erst kurz bevor die Uhr runterlief bediente er dann seine Teamkollegen, die natürlich keine guten Würfe mehr loswurden. 

Das folgende Bild zeigt eine typische Szene. Peno hat den Ball schon eine ganze Zeit in den Händen und versucht dann ein Blocken und Abrollen mit Bogdan Radosavljevic zu laufen. Doch dann stoppt er ab und dribbelt rückwärts wieder bis fast zur Mittellinie zurück. Radosavljevic ist sich unsicher und es kommt kaum was zustande, während die drei anderen Berliner ohne jegliche Bewegung auf der ballfernen Seite verweilen. So beraubt sich ALBA den eigenen Stärken und für die Bayern ist es nun auch nicht mehr sonderlich schwer diesen Angriff zu verteidigen.

 

Fazit

Die Analyse zeigt, dass das Spiel beider Teams sehr fehlerbehaftet war. Doch genau das macht Sport eben aus und diese Partie so enorm spannend. Beim FC Bayern Basketball wird es nun interessant zu sehen sein, ob sich an der Rotation nach der Niederlage etwas ändert oder ob Radonjic denselben „acht“ Mann vertraut. Die Probleme rund um den Dreipunktwurf und den Freiwurf werden bestimmt ebenso nochmals angesprochen, doch viel ändern kann man nicht, außer eben diese Würfe in den entscheidenden Phasen zu treffen. Genauso wissen die Münchener aber auch, dass bei ALBA mit Grigonis und Butterfield zwei Rollenspieler einen überragenden Tag erwischten und Bayern trotzdem einen Gleichstand nach 40 Minuten erzielen konnte. Natürlich kann es passieren, dass Berlin einfach über drei Spiele so unglaublich gut trifft und so als deutscher Meister hervorgeht. Sollte dies aber nicht der Fall sein, müssen die Hauptstädter beweisen, dass sie den FCB auch mit anderen Mitteln schlagen können. Was passiert wenn der Dreipunktwurf nicht so gut fällt wie am Sonntag? Kann dann Luke Sikma übernehmen? Wie schwer wiegt der Ausfall von Tim Schneider auf den großen Positionen? Alles interessante Fragen, die in den nächsten zehn Tagen noch beantwortet werden. Dieses erste Spiel hat auf jeden Fall schonmal extrem viel Spaß und Lust auf mehr gemacht.

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