ALBA Berlin, FC Bayern München

Advance Scouting: FC Bayern Basketball – ALBA Berlin

Die offensiven und defensiven Schlüssel für beide Teams der BBL-Finalserie

Nach einem eher merkwürdigen Verlauf der BBL-Playoffs, kommt es nun letztendlich doch zum erwarteten Finale: der FC Bayern Basketball trifft auf ALBA Berlin. Der Erstplatzierte der Hauptrunde spielt also gegen den Tabellenzweiten die deutsche Meisterschaft aus. In dieser Spielzeit trafen die beiden Mannschaften bereits drei Mal aufeinander (2x Bundesliga, 1x Pokal), wobei München in zwei Fällen als Sieger hervorging. ALBA sicherte sich hingegen den Sieg im letzten Duell Ende März im Audi Dome. Somit dürften sich die deutschen Basketball-Fans auf eine extrem ausgeglichene und damit spannende Finalserie freuen. Um darauf bestens vorbereitet zu sein, zeigen wir die möglichen Gameplans der beiden Teams auf und analysieren, welche Mannschaft wo ihre Vorteile ausspielen kann.

FC Bayern Basketball

Für den FC Bayern Basketball geht mit den Finalspielen eine extrem turbulente Saison zu Ende, die man nach den ersten Saisonwochen wohl niemals so erwartet hätte. Nachdem die Münchener unter Headcoach Sasa Djordjevic die BBL nach Belieben dominierten und frühzeitig die Tabellenführung eroberten, schien die Meisterschaft fast entschieden. Doch ein unglückliches Auftreten im Halbfinale des Eurocups gegen Darussafaka Istanbul und die 19-Punkte-Pleite gegen ALBA verleiteten die Verantwortlichen zur überraschenden Entlassung von Djordjevic. Dejan Radonjic übernahm als Cheftrainer und brachte den ersten Tabellenplatz über die Ziellinie. Von der Souveränität der Wochen und Monate zuvor war aber nur noch sehr wenig zu sehen. 

Dementsprechend ging die Viertelfinalserie gegen die Fraport Skyliners auch über die volle Distanz (3-2). Der FC Bayern war plötzlich wieder verwundbar und die Hessen hatten einen guten Gameplan, um dies immer wieder auszunutzen. Am Ende setzte sich dann trotzdem Bayerns Klasse durch, sodass das Duell mit dem wiedererstarkten Meister Brose Bamberg wartete. Auch hier wurden die zwei Gesichter des FCB wieder deutlich. In der heimischen Arena gab es zwei Blowout-Siege (woran Bamberg auch einen gehörigen Anteil hatte) und in der Brose Arena lief man selbst teilweise deutlichen Rückständen hinterher. Von einer gefestigten und konstanten Leistung kann in diesen Playoffs also kaum die Rede sein. Umso interessanter dürfte deshalb das Duell mit den Berlinern werden, die wahrscheinlich die stärkste Post-Season aller Teams spielen.

Offensive keys: 

Viel Bewegung abseits des Balls ist gefordert. ALBA Berlin stellt eine extrem starke Defense und perfektionierte in dieser Saison die Hilfe abseits des Balls. Die Berliner helfen gerne im Low-Post aus oder verhindern die Middle Penetration durch einen weiteren Verteidiger. Wenn die Spieler abseits des Balls dann inaktiv bleiben, spielt das den Hauptstädtern in die Karten und es wird nur schwere Würfe für München geben.
Somit sind die Off-Ball-Spieler des FCB dazu aufgefordert immer wieder Cuts zu setzen, um die Berliner Verteidigung ständig unter Druck zu setzen. So sind zum einen leichte Punkte am Brett möglich, zum anderen könnte es ALBA dazu bringen weniger intensiv zu helfen. In der ersten Halbzeit beim letzten Aufeinandertreffen gelang den Bayern dies sehr gut.
In dieser Szene attackiert Nihad Djedovic die zu aggressive Hilfe beim Pick&Roll in der Mitte und wird von Stefan Jovic mustergültig bedient.

Die Berliner können dies nicht mehr reparieren und geben zwei einfache Zähler ab.

Genauso sollte eine Faustregel des Basketballs befolgt werden: wenn man den Hinterkopf des Gegenspielers sieht, ist es ein guter Zeitpunkt zum cutten. Dies macht Djedovic auch im nächsten Beispiels, als er die Unkonzentriertheit von Marius Grigonis für ein Drei-Punkt-Spiel ausnutzt. 

Auch das Post-Up verteidigt ALBA sehr aktiv und schickt gerne einen zweiten Spieler, um keine einfachen Punkte zuzulassen. Devin Booker macht hier den richtigen Read und schneidet zum Korb, als er sieht, dass Luke Sikma sich stark zum aufpostenden Danilo Barthel bewegt. Der deutsche Nationalspieler spielt den schnellen Pass und Booker kann am Ring finishen. 

Der Dreipunktwurf. Es ist in dieser Saison fast schon ein leidiges Thema bei den Münchenern. Sie nehmen extrem wenige Distanzwürfe und treffen diese auch noch häufig sehr schlecht. Dies wurde ihnen besonders im Eurocup zum Verhängnis. In der BBL war dies kein Problem, denn sie waren einfach so dominant in der Zone, dass sie es ausgleichen konnten. Denn wenn man 40 Prozent von der Dreierlinie trifft, müsste man schon 60 Prozent aus dem Zweierbereich treffen, um auf denselben Points per Possession-Wert zu kommen. Diese 60 Prozent schaffen Teams nur ganz selten, weshalb viele Dreier häufig eine effizientere Offense darstellen. Doch der FCB war inside einfach so stark, dass sie über die 34 regulären Saisonspiele unfassbare 62,1% ihrer Zweier versenkt haben (Rang 2: EWE Baskets Oldenburg, 57,1%). So konnten sie sich schwächere Quoten von Außen erlauben und waren trotzdem sehr erfolgreich.

Gegen ALBA Berlin könnte es trotzdem etwas Anderes werden. Denn zum einen sind die Hauptstädter deutlich stärker als der Großteil der BBL-Teams. Zum anderen sind sie auch clever genug, um Bayern über eine Serie die starke Quote in der Zone wegzunehmen und sie zu mehr Würfen von jenseits er Dreipunktlinie zu zwingen. Bei der 72:91-Niederlage im Duell Ende März trafen die Münchener zwar gute 64 Prozent aus dem Zweierbereich, allerdings nur sechs von 15 Dreiern (31%). Dies kombiniert mit 54 Prozent von der Freiwurflinie sorgte für den deutlichen Unterschied an diesem Abend.

Fastbreak-Basketball. Grundsätzlich darf man sich auf ein sehr hohes Tempo in den Partien dieser Serie einstellen, denn auch ALBA spielt gerne schnell aus dem Rebound nach vorne. Trotzdem hat Bayern wohlmöglich den stärksten Fastbreak-Angriff der Liga. Die Highflyer Jared Cunningham und Devin Booker können im Schnellangriff häufig für einen Alley-Oop bedient werden und somit auch für Stimmung im Publikum sorgen. Doch logischerweise basiert der Fastbreak auf einer guten Defensivleistung zuvor, sodass der Fokus eher darauf liegen sollte.

Nur klare Passwege bespielen. ALBA Berlin ist in dieser Saison das zweitbeste Team, wenn es um die Anzahl an Steals pro Spiel geht. Gleich 9,5 Mal pro Partie klauen die Albatrosse ihrem Gegner den Ball. Dabei sind zwei Situationen auszumachen, in denen sie besonders erfolgreich sind und die somit eine Warnung für Bayern sein sollten. Zum einen schrecken sie nicht davor zurück sich in der Pick&Roll-Verteidigung sehr stark zusammen zu ziehen. Von beiden Seiten machen die Help-Defender die Schritte bis in die Zone, um so den Pass zum Roll-Man unmöglich zu machen. Wird dieser Ball trotzdem gespielt, habe die Berliner mit Sikma, Grigonis & Co. solch clevere Verteidiger, dass sie häufig eine Hand dazwischen bekommen und den Ball stehlen. Hier sollte der Fokus des Bayern-Ballhandlers darauf liegen die gegnerische Defensive genau zu lesen, möglicherweise auch einen Moment zu warten, um somit nur klare Passwege zu bespielen. Ansonsten können die Berliner dies mit Steals und auch schnellen eigenen Zählern bestrafen.

Der folgende Screenshot zeigt eine solche Situation, wo Jovic einen Block genutzt hat und sich die Berliner Defense anschließend komplett zusammenzieht. Hier wäre ein Anspiel in die Mitte, sofern Booker den Weg gemacht hätte, sehr gefährlich.

Achtsamkeit beim Drive + Ausnutzen. Die zweite Situation, in der ALBA immer wieder zu Ballgewinnen kommt, entsteht beim Drive des Gegners. Hier sind die Verteidiger abseits des Balls sehr aktiv und scheuen auch nicht davor zurück rein zu greifen. Insbesondere Peyton Siva kommt so zu Steals und kann sofort den Fastbreak aufnehmen. Hier müssen die Münchener, die zum Korb ziehen, sehr gut auf den Ball aufpassen. Andererseits könnte diese aggressive Berliner Verteidigungsart auch ein Vorteil für den FCB sein. Denn wenn der Gegenspieler des weghelfenden Akteurs aufmerksam ist, kann er sich in dem kurzen Moment davonstehlen und sich beispielsweise in der Ecke platzieren oder einen Cut vornehmen. So könnte Bayern letztendlich sogar Kapital aus dieser aggressiven ALBA-Defense schlagen.

Vladimir Lucic als X-Faktor. Vladimir Lucic machte sich beim letzten Spiel gegen Bamberg zwar wieder warm, sein genauer Gesundheitszustand ist aber noch unklar, sodass bei der Fertigstellung dieses Artikels nicht feststand, ob der Serbe gegen ALBA aufläuft. Sollte Lucic allerdings aufs Parkett zurückkehren, könnte er für Berlin ein Matchup-Problem darstellen. Denn er kann auf der drei und auf der vier spielen und wäre mit seiner Beweglichkeit und seiner Wurfstärke ein interessanter Gegenspieler für Luke Sikma. Der Liga-MVP hat zwar auch die Klasse das zu verteidigen, allerdings wäre es gegen Lucic nochmals eine ganz andere Aufgabe als beispielsweise gegen Alex King, der nur als Werfer eine Gefahr darstellt. Wenn Bayern auf der Vier Barthel mit Lucic ersetzen kann, würde dies definitiv ein Upgrade in der Rotation darstellen.

Freiwürfe. Es klingt zwar sehr simpel, aber beim FC Bayern muss dieser Punkt in dieser Saison erwähnt werden. Es wird wichtig, dass die Münchener ihre Freiwürfe treffen. In wichtigen Spielen ging die Quote von der Linie zuletzt stark nach unten, sodass es wieder ein Faktor werden könnte. Spieler wie Anton Gavel, Reggie Redding oder auch Jared Cunningham müssen zeigen, dass sie die Nerven haben, um in wichtigen Phasen des Spiels diese vermeintlich leichten Zähler zu markieren.

Defensive keys: 

Das Switchen. ALBA Berlin spielt eine sehr freie Offense, hat allerdings einige klare Muster im Angriff. Eines davon ist, dass sie ihre vielen guten Schützen durch Down- oder Flarescreens versuchen freizuspielen. Dabei setzen sie meist auf beiden Seiten des Feldes die Blöcke, sodass die Schützen sich ihre Wege aussuchen können und für Verwirrung in der gegnerischen Defense sorgen können (Floppy-Action).

Für Bayern sollte es das beste sein diese Aktionen konsequent zu switchen. So können sie bei gegenläufigen Offensivbewegungen unter dem Korb den Gegenspieler tauschen und können so enger am Mann sein auf dem Weg zur Dreierlinie. Wenn die Abstimmungen unklar sind oder häufig wechseln, kann es vermehrt zu Fehlern und damit zu offenen Würfen für Berlin kommen.

In der folgenden Szene laufen die Berliner eins dieser Plays, wobei Joshiko Saibou durch einen Screen von Niels Giffey freigespielt werden soll. Die beiden Münchener Verteidiger, Reggie Redding und Vladimir Lucic, wechseln ihre Gegenspieler und machen somit einen offenen Wurf unmöglich. 

Als Konter versucht Giffey nun gegen Redding aufzuposten, allerdings hat der US-Amerikaner die physischen Voraussetzungen, um dort dagegen zu halten. 

Verteidigung gegen Cuts. Neben der Defense gegen die vielen Blöcke muss Bayern aber auch ansonsten höchst aufmerksam sein. In der ALBA-Offense gibt es für die Spieler immer Raum kreativ zu werden und auch anders den Abschluss zu suchen. Dabei haben sie einige Akteure, die es sehr gut verstehen, wann und wie gecuttet werden kann und so die Verteidigung immer wieder vor neue Probleme stellen. Dazu haben sie die nötigen guten Passer (Luke Sikma), um freiwerdende Spieler auch zu bedienen. Eine gute Kombination besteht beispielweise aus Sikma und Saibou, die sich durch starke Read und React-Aktionen finden können. Somit reicht es nicht aus nur klassisch die Plays zu verteidigen, sondern es ist über 24 Sekunden Konzentration erforderlich, um Berlin so viel wie möglich wegzunehmen.

Die ersten Sekunden des Angriffs. Während Bayern in der Offensive selbst stark im Fastbreak abschließt, sollten sie auf keinen Fall vergessen auch in der Defense in den ersten Sekunden des Angriffs hellwach zu sein. Die Albatrosse verstehen es sehr gut sich frühzeitig gute Wurfpositionen zu erspielen und leichte Zähler zu erzielen. Insbesondere in der Serie gegen die EWE Baskets Oldenburg nutzten die Berliner immer wieder eine schläfrige Oldenburger Defensive aus, um in der Early Offense zu punkten.

Solche einfachen Zähler wie aus dem simplen Give & Go hier möchte man besonders in einer Finalserie nicht abgeben. 

Genauso verteilen sich die Berliner auch immer schnell um die Dreipunktlinie, um durch einen ihrer guten Schützen zum Abschluss zu kommen. Hier sollte Bayern ebenfalls aus der Oldenburg-Serie lernen und jeder frühzeitig seinen Gegenspieler finden, anders als Oldenburg, die sich hier im ersten Fall zu sehr auf Siva konzentrieren und einen Alley-Oop-Layup vonm Clifford abgeben.  

Im zweiten Beispiel sind die Berliner Bigs einfach schneller vorne als Rasid Mahalbasic & Co., sodass ALBA letztendlich ein 4-gegen-1 hat, was für die EWE Baskets natürlich inakzeptabel ist. Siva kann sich hier am Dreier versuchen, da er mit Clifford einen starken Rebounder unter dem Korb hat, der bei einem Fehlversuch aufräumt. 

Druck auf Stefan Peno. Grundsätzlich ist der FC Bayern kein Team, welches den Gegner sehr früh aufnimmt und über das ganze Feld verteidigt. Dies dürfte gegen ein Team mit guten Passing-Big Men wie ALBA auch sehr schwer werden. Eine kleinere Ausnahme könnten die Münchener machen, wenn Stefan Peno für Berlin das Parkett betritt. Der 20-jährige Serbe spielte zwar eine gute Saison, fiel jedoch häufig mit enormen Problemen beim Ballhandling auf. Wenn ein enger Verteidiger, wie Anton Gavel, Peno beim Ballvortrag ständig unter Druck setzen würde, könnte man s möglicherweise einige Turnover provozieren und in eigene Punkte umwandeln. ALBA würde in der Folge wahrscheinlich einfach den Ballträger tauschen, jedoch hätte der FCB so ein erstes Zeichen gesetzt.

Setplay des Gegners:

Wie bereits oben angemerkt spielen die Berliner grundsätzlich eine sehr freie Offense und erzielen auch viele Punkte in der Early Offense oder durch gute Laufwege und Pässe im Halbfeld. Trotzdem sollte München auf einige einstudierte Aktionen vorbereitet sein. Dazu zählt beispielsweise die Floppy-Action, die bereits unter den „defensive keys“ vorgestellt wurde.

Genauso spielte ALBA im letzten Duell gegen München auch viel das folgende Screen-the-Screener-Play. Dabei wurde der Ball zunächst entlang des Perimeters auf eine Seite gepasst. Danach stellte ein kleiner Spieler einen Block für Luke Sikma, der dann zum Low-Pot cuttete, um dort den Ball erhalten zu können. Danach bekam der Blocksteller selbst einen Screen und lief zur Dreierlinie. So entstanden zwei Passoptionen für den Ballführer und ALBA konnte die Ballbewegung fortsetzen. 

Ein weitere beliebte Action der Berliner dreht sich rund um Most Valuable Player Luke Sikma. Dabei erhält der US-Amerikaner den Ball oben an der Dreierlinie und soll nun seine Passfähigkeiten einsetzen, um seine Mitspieler für leichte Zähler zu bedienen. Diese werden dazu von ihren Teamkollegen entsprechend freigeblockt und schneiden in Richtung des Korbs. In diesem Fall bedient Sikma den flinken Peyton Siva, der seinen Gegnerspieler mit einer Täuschung stehen ließ.  

 


ALBA Berlin 

ALBA Berlin kann auf eine sehr erfolgreiche Spielzeit zurückblicken, die nun mit der deutschen Meisterschaft gekrönt werden soll. Der erste und wichtigste Fang gelang im letzten Sommer mit Headcoach Aito Garcia Reneses, der die ganze Organisation scheinbar positiv verändert hat. Mit seinem freien Spielstil hat er zum einen die Profimannschaft wieder zu einem Spitzenteam in Deutschland gemacht. Zum anderen zeigt er viel Vertrauen in junge Spieler und hat so beispielsweise Tim Schneider zu einem der Shootingstars der Saison gemacht. Außerdem verschaffte er auch Jonas Mattisseck (2000), Hendrik Drescher (2000) und Franz Wagner (2001) die erste Einsatzzeit in der höchsten deutschen Spielklasse.

Das Konzept ging vollkommen auf und so steigerte sich das Team während der Spielzeit und dominierte die restlichen BBL-Teams teilweise deutlich. So kam es plötzlich, dass ALBA kurz vor Saisonende den Bayern doch noch den sicher geglaubten ersten Platz streitig machen konnten. Doch eine Niederlage gegen Gießen beendete die Träume, sodass Berlin in dieser Finalserie nicht mit Heimrecht startet. Trotzdem lässt sich festhalten, dass sich nach zuletzt einigen durchwachsenen Jahren in der Hauptstadt wieder ein echtes Top-Team geformt hat. Dies dürfte der Basketball-Bundesliga, auch mit Blick auf 2020, extrem gut tun. Denn so hat die deutsche Profiliga neben Bayern und Bamberg mit Berlin nun noch ein drittes mögliches Euroleague-Team. Bei einem Gewinn der anstehenden Serie könnte dies sogar schon im Sommer 2018 Wirklichkeit werden. 

Offensive keys: 

Der Dreipunktwurf. Auch bei den Berlinern muss der Dreipunktwurf als Schlüssel genannt werden, allerdings aus einem anderen Grund. ALBA war in der regulären Saison mit Abstand das beste Team von jenseits der 6,75m mit einer Trefferquote von 42,2 Prozent. Damit trafen sie mehr als zehn Dreier pro Spiel, was ihrer Offense natürlich extrem weiterhalf. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass dadurch eine gewisse Abhängigkeit zum Dreier entstand und ALBA Probleme bekam, wenn der Wurf aus der Distanz nicht so fiel. So zum Beispiel in Spiel vier gegen Oldenburg oder in der dritten Partie gegen die MHP Riesen Ludwigsburg. Wenn die Berliner sich jedoch in einen Rausch spielen und viel aus der Distanz treffen, wie beim Sieg gegen den FC Bayern, ist die Offense kaum zu stoppen. Hier wird es interessant zu sehen sein, wie München dies verteidigt und ob die Albatrosse die richtige Balance zwischen Inside- und Outside-Spiel schaffen.

Smallball-Lineups. ALBA Berlin verfügt auf den Big Man-Positionen mit Dennis Clifford und Bogdan Radosavljevic über zwei klassische Center, die sich in der Rotation meist abwechseln. Allerdings können die Hauptstädter auch mal kleinere Lineups aufs Parkett bringen und dann beispielsweise Luke Sikma auf die Fünf stellen. Dies könnte auch in der Finalserie gegen Bayern eine interessante Variante werden, denn der Tabellenführer hat mit Devin Booker und Maik Zirbes zwei sehr unterschiedliche Center-Typen.

Insbesondere gegen Zirbes könnte Sikma eine Möglichkeit sein, denn der US-Amerikaner kann aufgrund seiner Cleverness und Stärke defensiv grundsätzlich schon gegen Zirbes dagegehalten. In der Offensive würde er den deutschen Nationalspieler aufgrund seiner Beweglichkeit vor ganz neue Probleme stellen. Zudem spielt Sikma viel vom Perimeter aus und würde Zirbes so vom Korb fernhalten und seinen Mitspielern mehr Räume verschaffen. Es wird also interessant zu verfolgen sein, wie sich Zirbes Minuten im Verlauf der Serie entwickeln und ob ALBA es schafft auch München zu mehr Smallball zu zwingen. So wäre Barthel auf der Fünf beispielsweise eine Option für die Münchener.

Die Ballbewegung. Bereits im oberen Abschnitt wurde aufgezeigt, wie Berlin mit den vielen Blöcken für die Shooter für Verwirrung in der gegnerischen Defensive sorgen kann. Auch die Münchener sind in den letzten Wochen defensiv nicht so gefestigt, dass sie diese Plays ohne Fehler verteidigen werden. Hier wird es für die Albatrosse von Wichtigkeit sein, dass sie dementsprechend ihre gute Ballbewegung aufziehen und so die Fehler schnell bestrafen können. Ein Beispiel dafür sind die Abstimmungen beim Switchen bei den Screens abseits des Balls. Wenn zwei Spieler sich nicht abstimmen und auf einen Berliner zu rennen, muss der schnell den Extrapass spielen, um diesen Vorteil aufrecht zu erhalten. 

Im folgenden Beispiel kommt Grigonis um den Block von Giffey an die Dreierlinie und wird von Siva bedient. Da Grigonis als sehr guter Schütze bekannt ist, stürzen die Bayern gleich nach außen, vergessen aber den Blocksteller. 

Dies zeigt sich dann im nachfolgenden Screenshot, als Grigonis bemerkt, dass Lucic und Jovic auf ihn fokussiert sind. So kann er den freistehenden Giffey bedienen, der sogar nochmal weiter zu Tim Schneider spielen kann, um zwei leichte Punkte zu erzielen. 

Jared Cunningham attackieren. Jared Cunningham hat zweifellos eine starke Saison für die Bayern gespielt und ist einer der Gründe warum die Münchener Offense so unberechenbar ist. Trotzdem fiel bei dem Ex-NBA-Spieler vor allem eins auf: wenn er sich schnell Fouls einfing, erlebte er teilweise enorm schwache Abende. Dazu trug auch seine Körpersprache bei, die bei kritischen Schiedsrichter-Entscheidungen gegen ihn sehr schlecht ist.
Er lässt schnell den Kopf hängen oder macht eine abfällige Bewegung, wenn er mehrere Entscheidungen gegen sich bekommt. Dies kann ALBA zum Vorteil nutzen, wenn sie Cunningham früh im Spiel attackieren und versuchen, ihm zwei Fouls anzuhängen, sodass er wieder ausgewechselt werden muss. So nimmt sich der US-Amerikaner letztendlich selbst aus dem Spiel, wodurch Berlin eine Sorge weniger hätte.

Cliffords Halbdistanzwurf. Wenn bei ALBA im Angriff die ersten Optionen nicht greifen, haben sie eine elegante Variante um die Possession trotzdem noch erfolgreich abzuschließen. Dafür wird gerne Center Dennis Clifford in der Mitteldistanz gesucht, der aus dieser Entfernung eine respektable Quote auflegt. Es wird interessant zu sehen sein, wie stark die Bayern Bigs diesen Wurf von Clifford respektieren oder ob sie ihn gerne abgeben. 

Defensive keys:

Inside-Präsenz. Wie bereits im Abschnitt zu den Bayern beschrieben, schlägt der FCB seine Gegner vor alle über das Spiel in der Zone. Sie besitzen so viele Waffen in Korbnähe, dass sie den Dreipunktwurf in dieser Saison kaum benötigten. Dies ist natürlich auch den Berlinern bewusst, weshalb der Fokus in der Verteidigung wohl ganz klar auf der Präsenz im bemalten Bereich liegen wird. Hier dürfte, ähnlich wie in den oben gezeigten Screenshots, wieder viel Hilfe für Dennis Clifford, Luke Sikma & Co. kommen, um den Münchener Bigs das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Dies könnte auf der anderen Seite zur Folge haben, dass die Berliner das Risiko eingehen den ein oder anderen Münchener an der Dreierlinie auch mal offen stehen zu lassen. Bei den Quoten, die einige Bayern-Spieler auflegen, ist das auch keine ganz schlechte Idee. ALBA sollte also mit der Devise an die Serie gehen, sich inside so gut es nur geht gegen die Bayern zu wehren und sich nur von Außen schlagen zu lassen. Wenn der FCB letztendlich 50 Prozent oder mehr seiner Dreier trifft, muss man seinen Hut ziehen und sich für das nächste Spiel eine neue Taktik überlegen. Grundsätzlich dürfte man sich aber nicht wundern, wenn man Anton Gavel (27,8%), Alex King (32,7%) oder auch mal Nihad Djedovic (33,1%) offener an der Dreipunktlinie sieht, nachdem in der Zone der Wurf verhindert wurde. 

Balance bei der Help-Defense. Für ALBA Berlin wird es in der Verteidigung auch darauf ankommen, wie gut sie die Balance in ihrer normalerweise aggressiven Help-Defense schaffen. Immerhin ist der FC Bayern mit seiner offensiven Klasse ein Team, welches kleinste Fehler oder zu aggressive Defense durch gute Cuts ausnutzen kann. Hier ist eine gute Abstimmung zwischen den Spielern gefordert, sodass klar ist, wer wie weit absinken soll und ab welchem Grad dies möglicherweise zu gefährlich wird.

Stefan Jovic. Natürlich ist Basketball ein Teamsport und es macht nie Sinn sich nur auf einen Spieler zu konzentrieren. Trotzdem ist Stefan Jovic der Spieler, der seit der Übernahme von Dejan Radonjic am konstantesten performt und zum klaren Dreh- und Angelpunkt der Bayern-Offense wurde. Seine Pässe geben dem Münchener Spiel nochmal eine neue Dimension und sind vor allem aus dem Pick&Roll heraus sehr gefährlich. Hier gilt es für die Berliner sehr aufmerksam zu sein und mögliche Passwege durch (angetäuschte) Hilfe zu versperren. Am ehesten kann man Jovic da den Dreipunkwurf geben, den er in den Playoffs zwar verbessert trifft aber trotzdem immer noch kein Knock-Down-Shooter ist.

Ein gutes Beispiel für Jovics Fähigkeiten als Playmaker ist das Folgende. Nachdem Zirbes hier abrollte, sieht es zunächst nicht danach aus als wäre er eine mögliche Anspielstation für Jovic. Doch der Serbe bleibt geduldig und nutzt seine unglaublichen Passing-Skills um den Ball um Maodo Lo herum zum Bayern-Center zu schleudern. Nur ganz wenige Spieler in der BBL bringen diese Pässe an den Mann. 

Setplay des Gegners: 

ALBA Berlin wird den Fokus darauf legen in der Offensive des FC Bayern Basketball vor allem das Blocken und Abrollen zu stoppen. Mit Devin Booker und Danilo Barthel haben die Münchener zwei gute Blocksteller, die schnell abrollen und am Ring finishen können. Zusätzlich sind Stefan Jovic und Braydon Hobbs starke Passgeber, die ihre Big Men finden. 

Im folgenden Setplay werden gleich mehrere Ballscreens gesetzt, um die Bewegung im Angriff aufrecht zu erhalten. Zuerst bekommen Jared Cunningham und Danilo Barthel Blöcke gestellt, um zur Seite zu laufen. Dort erhält Cunningham dann den Ball von Jovic. 

Barthel kommt im Vollsprint an die Seite und stellt einen Block zur Mitte für den US-Amerikaner. Dieser kann kurz schauen, ob Barthel beim Abrollen frei wird, wählt aber normalerweise sofort den Pass zurück zu Jovic.

Nun sprintet Booker aus der Zone nach oben und stellt sofort einen Ballscreen für Jovic, der nun eine in Bewegung gebrachte Defensive vor sich hat und seine Optionen prüfen kann. In diesem Beispiel kommt Booker sogar etwas zu spät, sodass er das Tempo aus dem Angriff nimmt. Wenn Jovic sofort nach dem Ballerhalt den Block nutzen kann, wird dieses Play nochmal effektiver und die Bayern können auch die Fähigkeiten ihres Aufbauspielers noch besser einsetzen. 

Fazit

So intensiv wir die beiden Finalisten nun auch untergesucht haben, eine klare Prognose lässt sich im Bezug auf den Gewinner der deutschen Meisterschaft nicht machen. Der FC Bayern Basketball ist aufgrund des Kaders und der entsprechenden Tiefe sicher die qualitativ hochwertigste Mannschaft der Liga. Doch dass dies nichts heißen muss, haben sie spätestens in diesen Playoffs gegen die Fraport Skyliners erfahren. ALBA Berlin hingegen besticht vor allem durch eine ausgezeichnete Teamchemie und hat sich im Laufe der Saison immer weiter verbessert. Zum jetzigen Zeitpunkt sind sie als stärker einzuschätzen, da ihre Leistungen in den letzten Wochen schlicht konstanter waren. In einer Finalserie kann sich aber auch das wieder ganz schnell ändern. Es ist somit kaum zu sagen, wer hier die Nase vorne haben wird. Nur eines ist sicher: Wir haben endlich wieder eine ausgeglichene und hoffentlich auch spannende Finalserie in der Basketball-Bundesliga. Alleine deswegen lohnt es sich schon bei den (gerne fünf) Spielen einzuschalten. 

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2 comments

  1. Mabusian

    Toller Artikel, auch wenn ich gerne einen Tipp gesehen hätte. Aber nur halb so toll wie das Spiel heute. Wer nicht genug Basketball sieht, hat heute fast so viel Unterhaltung wie in Spiel 1 der Finals gehabt.

  2. ChrisSchmidt

    |Author

    Toller Artikel, auch wenn ich gerne einen Tipp gesehen hätte.

    Vielen Dank. Einen Tipp hatte ich bereits vor einigen Wochen auf Twitter abgegeben (mache ich in Artikeln ungerne): ALBA in 5.


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