Brose Bamberg

PlayOff Breakdown – Brose Bamberg

Ist mit dem Serienmeister noch zu rechnen?

Das Team mit den zwei Gesichtern

Mit sieben Meisterschaften in den letzten acht Jahren, einschließlich den drei letzten, ist Brose Bamberg das erfolgreichste deutsche Basketballteam der jüngeren Vergangenheit.  Doch von den Meistermannschaften ist außer den Fans und dem Großteil der Verantwortlichen nichtmehr allzu viel geblieben. Nach dem Großumbruch am Ende der Spielzeit 2013/2014 als der 4-fache US-amerikanische Meistertrainer Chris Fleming und beinahe der komplette Spielerkader vom Bamberger Aufsichtsrat durch den Italiner Andrea Trinchieri und dessen neu zusammengewürfelte Truppe an hungrigen Spielern ersetzt wurde, fand Brose zurück in die Erfolgsspur und durfte den Pokal drei weitere Male auf dem Maxplatz in die Höhe reichen.  Im Laufe der aktuellen Saison endete das Erfolgskapitel-Trinchieri jedoch abrupt. Aufgrund sehr durchwachsener Leistungen (Rausrutschen aus den BBL Playoff Plätzen und erneutes deutliches Verfehlen der Euroleague Playoffs) wurde der Erfolgstrainer entlassen. Nachdem Assistant Coach Ilias Katzouris das Amt des Heach-Coaches vertretungsweise übernommen hatte, folgte Trinchieris Landsmann Luca Banchi als neuer Cheftrainer von Brose Bamberg. Er soll die Mannschaft zurück auf die Siegesstraße führen.

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Ist noch etwas zu retten beim Euroleagueteam?

Als Aufsichtsratsvorsitzender Michael Stoschek nach der gewonnenen Meisterschaft im vergangenen Sommer ankündigte in der kommenden Saison auf Qualität vor Quantität setzen zu wollen, hatten er und die Fans sich die Zukunft wohl rosiger vorgestellt als sie dann eingetreten ist. Bamberg musste zahlreiche Abgänge von hochkarätigen Leistungsträgern verkraften. Der Verlust der gesamten Starting Five war alles andere als vorherzusehen. Der lettische Scharfschütze Janis Strelnieks wechselte zu Olympiacos Piräus, der französische BBL-Finals MVP Fabien Causeur zu Real Madrid und der Italiener Nicolo Melli zu Euroleaguesieger Fenerbahce Istanbul. Daniel Theis (Boston Celtics) und Darius Miller (New Orleans Pelicans) zog es in die NBA. So blieben  vom ursprünglichen Kern des Teams nur noch einige Rollenspieler und die Verantwortlichen von Brose Bamberg versuchten vielleicht etwas zu hektisch das Team mit erfahrenen Euroleaguspielern adäquat zu ersetzen und gingen dabei teils großes Risiko ein. Denn einige hatten bereits längere Verletzungsgeschichte vorzuweisen und deswegen einen gesunkenen Marktwert, der für Bamberg somit bezahlbar war. Die Seuchensaison begann dann auch alles andere als positiv.  Die überraschenden Auftaktpleiten wurden sogar noch von der Personalie Quincy Miller in den Schatten gestellt. Der 25 jährige Strech-Four Spieler, eigentlich als Schlüsselspieler verpflichtet, wurde bereits nach nur einem Spiel (Niederlage gegen Würzburg) aus unbekannten Gründen aus dem Kader verbannt, bevor sein Vertrag wenige Wochen später schließlich aufgelöst wurde. Auch im weiteren Verlauf der Saison nahm die Achterbahnfahrt der Bamberger zu keinem Zeitpunkt Konstanz an. Mit dem vierten Platz nach der Hauprunde  kann der deutsche Meister aufgrund der Ereignisse nun  mehr als zufrieden sein. 

Check Up*

Brose führt in dieser Saison zwar keine wichtige Statistik an, ist aber trotzdem überall im oberen Bereich angesiedelt.

Sowohl beim Offensiv als auch beim Defensiv Rating rangieren die Franken in der easycredit Basketball Bundesliga auf Position vier. Auch beim NetRtg schrammt man nur knapp an den Top drei vorbei. 

Bei den Wurfquoten müssen sich die Oberfranken zwar ebenfalls in keinster Weise verstecken, aber auch hier reicht es nirgends ganz für eine Spitzenplatzierung. Bei den Freiwürfen (81,4%) war in der regulären Saison nur der MBC sicherer und nach Berlin trifft Bamberg am sichersten von jenseits der Dreipunktelinie (39,3%). Ein interessanter Fakt fällt beim Blick auf den Statistikbogen dann noch auf: Bamberg verzeichnet die wenigsten Ballgewinne aller Playoffmannschaften (6.1 Steals), passt gleichzeitig allerdings auch am besten auf das Spielgerät auf (11.0 Turnover).

  • 2P-Percentage  54,2%
  • 3p-Percentage  39,3%
  • FG-Percentage 48,5%
  • FT-Percentage  81,4% (Höchste aller Playoffteams) 

*Stand nach Ende der Hauptrunde bzw. dem 34. Spieltag.

Kader & Verletzungen

Alle weiteren Statistiken der Spieler von Brose Bamberg findet man hier und dann  einfach auf Statistiken wechseln. 

Bei den Bambergern lief in dieser Saison bekanntlich so einiges schief. Da wäre zum einen die durchaus fragwürdige Kaderzusammenstellung. Brose plante von Anfang an ohne wirkliches Spacing auf den großen Positionen. So ist Augustine Rubit der einzige Bigman der den offenen Dreier  mit einer halbwegs passablen Wurfquote nehmen kann. Allerdings ist auch der Ex-Ulmer alles andere als ein ausgewiesener Schütze und hat seine Stärken unter dem Korb und aus der Midrange. Desweiteren fehlt es dem Team an einem Leader, der in einer engen Phase auch zuverlässig das Heft in die Hand nehmen kann. Ricky Hickman wurde als ein solcher verpflichtet. Der Shooting Guard war zwar auch früher noch nie ein wirklich überragender Werfer, an seine Zeit bei Maccabi Tel Aviv (Euroleague Champion) kann er aber auch in Bamberg nicht anknüpfen. Daniel Hackett ist zwar auf beiden Seiten des Feldes ein Combo Guard auf höchstem europäischen Niveau,  für die Rolle des Go-to Guys und Crunchtimescorers ist seine Spielweise aber nicht wirklich geeignet. Der X-Faktor der Franken in den Playoffs ist aber ein ganz anderer. Nämlich Neuverpflichtung Dorell Wright. Der 32 jährige, der bereits 549 NBA Spiele auf dem Buckel hat, ist vom Namen her neben dem Ex-Bamberger und heutigen Houston Rockets Spieler P.J. Tucker sicherlich das beste, was die Bundesliga je gesehen hat. 2010/11 scorte er in der besten Liga der Welt für die Golden State Warriors als Starter an der Seite von Superstar Stephen Curry durchschnittlich 16,3 Punkte und 5,3 Rebounds pro Partie und wurde anschließend bei der Wahl zum Most Improved Player (MIP)  3. , hinter keinen geringeren als Kevin Love und LaMarcus Aldridge.  Trotzdem sind die Leistungen des Bruders von Toronto Raptors Guard Delon Wright seit seiner Ankunft in Deutschland passend zum Rest der Mannschaft,  mehr als schwankend. Immerhin seit Banchi übernommen hat, scheint der erfolgreichste Dreipunkteschütze der NBA Saison 2010/2011 immer besser in einen Rhythmus zu finden. Das größte Problem des Meisters ist aber mit Sicherheit sein Verletzungspech. Das Lazarett besteht zurzeit noch aus dem früheren Kapitän Elias Harris, Bryce Taylor (der vor kurzem deutscher Staatsbürger wurde und in Zukunft als Deutscher auflaufen wird) und Nationalspieler Patrick Heckmann. Es umfasste in dieser Saison aber auch noch die Personalien Daniel Hackett, Luka Mitrovic und Ricky Hickman. Die Starter von Brose Bamberg variieren von Spiel zu Spiel, was es unmöglich macht eine feste Startformation auszumachen.

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Die Offensive des  Serienmeisters – Hop oder Top

Andrea Trinchieri entwickelte in seiner Bamberger Zeit zahlreiche sehr komplexe und schwierig zu erlernende Systeme, die er seinen Spielern “einimpfte”. Die Meisterteams der vergangenen Jahre perfektionierten diese und waren europaweit für ihr fast einzigartiges Ballmovement, das immer daraus aus war den noch freieren Mann in der Ecke zu finden, berüchtigt. Die neue Mannschaft setzte die Pläne des Italieners dann bei weitem nicht mehr so gut um. Der Topscorer der Mannschaft, Dorell Wright, um ein Beispiel zu nennen, stand häufig einfach angewurzelt wie ein Baum irgendwo am Perimeter herum und wartete darauf einen Pass zu empfangen,  um dann den verteidigten Dreipunktewurf zu nehmen. Kein Vergleich zu Janis Strelnieks, der auf der Suche nach der freien Wurfposition ständig zirkulierte. Umso verwunderlicher ist also die zweitbeste 3er Quote aller Mannschaften, die das Team stellt.  Vielleicht hatte das alles aber  auch etwas mit der Tatsache zu tun, dass die Konkurrenz den Euroligisten immer besser analysierte und dadurch besser in den Laufwegen stand, als das noch in der Vergangenheit der Fall war. Trinchieri selbst meinte in einem Interview vor einiger Zeit mal, dass seine Art Basketball zu spielen an einem Standort ungefähr drei Jahre erfolgreich ist, bevor sie ineffektiv wird. Diese Zeitspanne wurde mit dem Beginn der laufenden Saison überschritten. Luca Banchi, der keine Möglichkeit mehr hatte am Kader noch Veränderungen vorzunehmen, lässt dagegen nun sehr vereinfachte Systeme spielen, die allerdings trotzdem oftmals zum Erfolg führen. Das 1-vs-1-“Gezocke”, das unter Trinchieri in dieser Spielzeit gerade von Wright gespielt wurde und häufiger zu Misserfolgen als zu Korberfolgen führte, ist jetzt wesentlich seltener zu sehen. Die wenigsten Turnover der BBL zeugen außerdem von Sicherheit im Ballvortrag. Nichtsdestotrotz bleibt Bamberg in der Offensive eine Wundertüte, die produzieren kann, aber auch manchmal dazu neigt ins Stocken zu geraten und sich dann in erfolglosen Iso Plays verläuft.

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Die Defensive – Alles andere als konstant und gefestigt

Auch die andere Seite des Parketts ist kein echter Grund Hoffnung für die Titelverteidigung zu schöpfen. Die 1-vs-1-Verteidigung die manche Brose-Spieler im Repertoire haben, ist in manchen Spielen nahezu undurchdringlich, hängt allerdings wie es scheint von dem Willen der Spieler je nach Tagesform ab. Einzig der Italo-Amerikaner Daniel Hackett wirkt in jedem Spiel bis in die Haarspitzen motiviert sein gesamtes Herzblut auf dem Platz zu lassen. Dazu kommt, dass die Help Defense der Bamberger phasenweise nicht existent ist, obwohl sie in manchen Spielen, als Beispiel dient hier das Euroleague Heimspiel gegen Olympiacos Piräus, mehr als überzeugen konnte. Die wenigsten Steals aller Playoff Teilnehmer sind bei der Qualität der Einzelspieler ein Armutszeugnis.    

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Bamberg holte bisher nur 31,8 Rebounds pro Begegnung, was nur noch von Absteiger Tübingen unterboten wird. Wenn man jetzt daran denkt, dass der Wille beim Rebounding im Basketball neben der Größe und Athletik der Spieler einer der drei wichtigsten Faktoren ist, ist das der nächste Grund zur Sorge für Freak City. Generell können die Bamberger sehr gut verteidigen, wie sie schon mehr als einmal unter Beweis gestellt haben, sie tun es nur nicht immer und lassen somit auch in der Defense Konstanz vermissen. Bei den Blocks liegt man ebenfalls nur im unteren Mittelfeld.

Kann Bamberg bei der Titelvergabe auch in diesem Jahr ein Wörtchen mitsprechen?

Um die Antwort auf die Frage vorwegzunehmen, natürlich können sie das. Obwohl die Saison sicherlich nicht ansatzweise so verlaufen ist, wie die Beteiligten sich das vorgestellt haben, hat der deutsche Meister, wenn man von Berlin und München absieht, immer noch mit weitem Abstand den nominell stärksten Kader. Zudem ist die Doppelbelastung aus der Euroleague mittlerweile kein Thema mehr und der Fokus voll und ganz auf die Playoffs gerichtet. Bamberg ist mit Erfahrung pur im Kader gespickt, hat eine ganze Reihe an Spielern die besser Basketball spielen können als sie das bisher gezeigt haben und es ist trotz einiger Rückschläge seit der Ankunft von Banchi ein Aufwärtstrend erkennbar. Dazu kann das Team auf die Unterstützung einer der lautesten, wenn nicht sogar der lautesten Basketballhalle in Deutschland, die fast immer ausverkaufte Frankenhölle und ihre Fans zählen. Das alles löst zwar noch lange nicht die Probleme der Mannschaft, es macht das Team aber, gerade weil viele sie gar nicht mehr wirklich auf der Rechnung haben, zur mit Abstand gefährlichsten Außenseitermannschaft. 

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