EWE Baskets Oldenburg

PlayOff Breakdown – EWE Baskets Oldenburg

Können die Donnervögel erneut überraschen?

Mit guten “Vibes” in die heiße Phase

Der amtierende Vizemeister  EWE Baskets Oldenburg konnte die Hauptrunde der diesjährigen BBL Saison 2017/18 als siebt platzierte Mannschaft abschließen. Dabei zeigten sie in den letzten 4 Partien allerdings zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Gegen Ulm und Göttingen wurde überzeugend gewonnen, während es beim MBC aus Weißenfels sehr knapp war und die letzte Partie der Hauptrunde  gegen die Fraport Skyliners aus Frankfurt gar verloren ging, so dass die Donnervögel diesbezüglich  ihre reguläre Saison nicht gerade als positives Ergebnis und Gefühl in die Playoffs mitnehmen können. Für diesen guten “Vibe” zeichnet nun die Führungsetage der Baskets verantwortlich. Auf der Pressekonferenz zum anstehenden Playoff-Viertelfinale gegen Alba Berlin verkündete Oldenburg die Vertragsverlängerung mit Headcoach Mladen Drijencic um zwei weitere Jahre. Dies ist sicherlich ein etwas überraschender Schritt zu diesem Zeitpunkt der Saison, da in der Regel oftmals Erfolg und Misserfolg für Vertragsverlängerungen mit den Ausschlag geben. Die EWE Baskets sehen dies ein wenig anders, denn für sie ist die tagtägliche Arbeit des Coaches mit seinen Spielern ein entscheidendes Kriterium. In der vorangegangen Saison konnte Oldenburg beweisen, dass Drijencic es versteht mit seinen Spielern eine passende Chemie zu finden. Dies führte bekanntlich zur Vizemeisterschaft 2017, bei der man gegen den Meister aus Bamberg unterlag. Im Halbfinale konnten die Männer von der Hunte überraschenderweise die in der Saison überragenden Ulmer ausschalten. 

Auf ähnlich verlaufende Playoffs dürften die Oldenburger und ihre Fans in dieser Spielzeit wohl wieder hoffen. Hier wartet bereits im Viertelfinale ein wirklich sehr schwerer Gegner mit Alba Berlin. Gute Stimmung im Team ist sicherlich eines der vielen kleinen Rädchen, die für  erfolgreichen Basketball verantwortlich sind. Ob am Ende aber für Oldenburg wieder eine Überraschung möglich ist, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Sternen des Basketballhimmels oder lässt sich in den folgenden Abschnitten des Kurzüberblicks zu den EWE Baskets nachlesen.

CheckUp*

Die Stärke und Schwäche der Mannschaft ist der Statistik relativ leicht zu entnehmen. 

  • ORtg: 118,36
  • DRtg: 114,57
  • NetRtg: 3,79 

Die Offensive der Oldenburger, die 118,36 Punkte pro 100 Ballbesitzen erzielen, wird ligaweit nur von den beiden Schwergewichten Berlin und München übertroffen. Dagegen lässt sich bei der Defensive mit 114,57 Punkten pro 100 Possessions ein erheblicher Unterschied feststellen. Es ist der klar schlechteste Wert aller Playoffteams.  Daraus resultiert dann selbstverständlich auch das, für diesen Angriffswert verhältnismäßig schlechte Net Rating.

Die Effizienz der Niedersachsen (97) bedeutet in der BBL einen starken 3.Rang.  Bei der 3er Quote belegt man am Ende der Hauptrunde ebenso wie bei der FG-Percentage ebenfalls Platz drei. Bei den zwei Punkte Würfen liegt man sogar hinter dem Pokalsieger auf Position zwei. Bei den anderen wichtigen Daten bewegt sich das Team im Mittelfeld.

  • 2P-Percentage  57,1%
  • 3P-Percentage  39,2%
  • FG-Percentage  50,2%
  • FT-Percentage  78,3%

*Stand zum 30. Spieltag der Hauptrunde

Kader & Verletzungen

Alle wichtigen Statistiken der Spieler von  den EWE Baskets aus Oldenburg findet man hier und dann nur noch auf Statistiken wechseln.

Auf den ersten Blick kann man bei den EWE Baskets Oldenburg einen sehr breit aufgestellten Kader erahnen, welcher zudem mit einem Ausländer über dem Kontingent, der in der BBL pro Spiel einsatzberechtigt ist, ausgestattet ist. Zuletzt mussten aber beim Team aus dem hohen Norden manche Spieler im Endspurt um die Playoff-Plätze pausieren, da sie verletzt waren bzw. angeschlagen spielen. Hierzu zählt zum Beispiel Maxime de Zeeuw, der in dieser Saison einige Partien in der Saison verletzt aussetzen musste. Im Spiel gegen die Fraport Skyliners aus Frankfurt war der Belgier mit fast 21 Minuten zwar in der Partie, musste aber zuvor noch in der Auswärtspartie bei ratiopharm Ulm passen, so dass seine Einsatzbereitschaft wohl nicht ohne Sorge betrachtet werden kann. Nach neustem Stand der Dinge steht beim Belgier wohl das Saisonaus im Raum, da er sich einer Operation unterziehen muss. Weiterhin fehlten mit Brad Loesing und Marcel Keßen den Oldenburgern zwei Deutsche Spieler im Kader. Gerade Loesing fehlt den Baskets als Entlastung für ihren Stamm-Pointguard Micky McConnell.  Die Ausfallzeit nach der Finger-OP von Brad Loesing wurde auf 3 Wochen beziffert.

Mit Armani Moore und Durand Scott verpflichteten die Oldenburger in der Saison zweimal nach. Dies war ein von Vereinsseite aus nötiger Schritt, da die Auflösung des Vertrages mit ihrem bis dato etatmäßigen SG Bryon Allen und die immer wiederkehrenden Verletzungen mancher Spieler, und den Oldenburgern somit keine große Wahl ließen. Aber auch bei Durand Scott haben die Donnervögel Sorgesfalten im Gesicht, denn auch hier sollen weitere Untersuchungen erst ergeben, ob der US-Amerikaner ausfällt oder spielen kann. 

Kann die Offensive der Niedersachsen auch in den Playoffs zur großen Stärke werden?

Dass die Oldenburger scoren können haben sie in dieser Spielzeit bereits zu Genüge bewiesen. Die Donnervögel versenken als Team durchschnittlich knapp 40% ihrer Würfe von Downtown und sind auch von innerhalb der Dreipunktelinie mit über 57% 2P-FG mehr als effizient. Natürlich haben sie das einmal mehr auch Rickey Paulding zu verdanken. Obwohl der mittlerweile 35 Jahre alte Small Forward auf der Topscorerliste der Oldenburger mit 14,65 Punkten pro Partie  derzeit “nur” auf Position zwei zu finden ist (den von den Oldenburgern  entlassenen Bryon Allen mal ausgenommen), ist er dennoch weiterhin das unumstrittene Gesicht und der MVP der Mannschaft. Paulding ist, wie er in der letzten Saison mehr als einmal eindrucksvoll bewiesen hat, gerade in wichtigen Begegnungen noch immer im Stande heißzulaufen und ein Spiel an sich zu reißen. 

Paulding besitzt zwar nicht mehr die Athletik aus jungen Jahren oder besser ausgedrückt, er lässt sie nur noch dosiert aufblitzen, dafür findet er mittlerweile andere Wege, um nicht nur als Scorer für sein Team in Erscheinung zu treten.

Im Spielaufbau hält Mickey McConnell fast alle Fäden in den Händen. Mit 11,3 Punkten pro Partie und zudem 5,3 Assists hat der 1,83m große US-Amerikaner offensiv gute Statistiken vorzuweisen und liegt bei den Vorlagen damit sogar unter den Top5 der Liga. Hierbei profitiert McConnell von den offensiven Fähigkeiten seiner Mitspieler, wie beispielsweise Rashad Mahalbasic, der im Pick and Roll eine gute Option für die Donnervögel darstellt und zudem über eine durchaus sehr solide Range bei seinem Wurf besitzt. Der Oldenburger Aufbauspieler zählt vielleicht nicht zu den überragenden Schützen dieser Liga, doch frei stehen lassen darf man ihn nicht. Selbst Würfe von einem Meter hinter der Dreierlinie können bei ihm durchaus fallen und dank seines schnellen Wurfrelease, schafft er es immer wieder auch ein Highlight gegen den Mann zu setzen, wenn er einen Wurf mit der Hand im Gesicht trifft.

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Was Paulding auf dem Flügel und McConnell auf der Aufbauposition ist, stellt der österreichischer Mahalbasic auf der Center-Position für den Vizemeister dar. Wie bereits erwähnt, kann er nicht nur aus dem Pick and Roll heraus agieren, sondern auch aus einem Pick and Pop, da er eine durchaus gute Reichweite und solide Wurfmechaniken besitzt. Der größte Trumpf sind aber seine Vielseitigkeit am Brett, wo er ein großes Repertoire an Bewegungen besitzt, sowie seine Übersicht: Mit 3,3 Assists gehört er bei den Centern zur Premiumklasse der Liga.

Die beiden Neuzugänge Armani Moore und Durand Scott sind beide sehr athletische Spieler. Bei der Verpflichtung von Moore war jedoch eher der defensive Aspekt für die Oldenburger ausschlaggebend. Beide Spieler haben sich noch nicht komplett in der Offensive im Team von Drijencic eingefunden. Vor allem aber Durand Scott besitzt offensive gute 1 gegen 1 Fähigkeiten in der Isolation, bei denen er sich auf einen schnellen ersten Schritt, samt aggressiven Zug zum Korb verlassen kann, wo er am Ende dann noch hochprozentig abschließt.

Mit Maxime De Zeeuw haben die Oldenburger einen Stretch Spieler auf der Position des Power Forward in den Reihen, der aber in dieser Saison leider immer wieder unter Verletzungen zu leiden hat. Ein fitter Belgier würde den ansonsten eh schon starken offensiven Fähigkeiten der Oldenburger aber sicherlich gut tun.

Bleibt mit Franz Massenat noch der letzte internationale Spieler zu nennen. Er geht in Oldenburg in seine zweite Saison (3-Jahresvertrag). Seine Fähigkeiten liegen klar auf der Hand. Als sehr schneller Spieler kann Massenat gerade im Fastbreak ordentlich aufs Tempo drücken. Im zweiten Jahr hat er sich auch mehr an seine Point Guard-Aufgaben angepasst und findet hierbei seine Teammitglieder zielsicherer und häufiger.

Noch ein kurzer Blick auf die deutschen Positionen. Hier ist man mit Schwethelm, Philmore, Tadda und Loesing eigentlich sehr solide aufgestellt, wobei die deutschen Spieler gerade in der Offensive eher nur Aufgaben als Rollenspieler einnehmen. Schwethelm mit seinem guten Dreier spielt hierbei des öfteren auch mal in einer kleinen Aufstellung die vier an der 3er Linie. Bei seinem guten Wurf nicht wirklich verwunderlich.

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Insgesamt gesehen hat Oldenburg viele verschiedene Möglichkeiten, um dem Gegner Punkte einzuschenken. Gefahr in einer Playoff Serie ist hierbei teils die Berechenbarkeit der einzelnen Spielern selbst, die zwar in bestimmten Aspekten ihrer Spielanlage zu den besseren BBL Spielern zählen, aber daher teils auch ein Stück weit limitiert erscheinen. Gerade gut verteidigende Mannschaften könnten sich bei entsprechender Vorbereitung vielleicht einen Vorteil verschaffen. Nichtsdestotrotz zählt die Offensive des Vizemeisters mit zu den brandgefährlichsten der Liga und den Playoffs.

Die Oldenburger Defense könnte einen erfolgreichen Playoff Run verhindern

Wie im Check – Up bereits festgehalten wurde, rühmen sich die EWE Baskets Oldenburg nicht wirklich mit einer sehr guten Verteidigung. Das Team von Mladen Drijencic hat seine Stärken sicherlich auf der anderen Seite des Parketts, wo der Trainer mehr als nur eine offensive Option besitzt. 

Defensiv besitzen die Donnervögel gleich mehrere Baustellen. Mit durchschnittlich 83 zugelassenen Punkten pro Partie sind sie alleiniger Spitzenreiter unter den Playoffs Teams. Nur Bayreuth lässt im Schnitt ebenfalls über 80 Punkte pro Spiel zu. Der Rest, darunter auch der teils in der Konstanz schwankende Meister aus Bamberg, der in dieser Saison selbst nicht für eine im Vergleich zum Vorjahr herausragende Defense bekannt ist, lässt lediglich 76,3 Punkte zu. Auffallend ist hierbei, dass nicht nur übermäßig viele Punkte dem Gegner gestattet werden, sondern auch, dass die Gegner eine überaus erfolgreiche Wurfquote aus dem Feld vorweisen können. Mit knapp 48,5% liegen sie hier fast signifikante 5%-Punkte schlechter als die Spitzenteams der Liga. Gerade in intensiven Playoff Partien, die nicht nur durch etwas Nervosität, sondern gerade auch eher defensiv geprägt sind, kann dies zu einem großen Problem für die Baskets werden.

Auf den Guard Positionen haben sie mit Mickey McConnell einen Guard, der mit seinen 1,83m Körpergröße zu den kleineren Starting Pointguards der Liga zählt. Vielen Teams mit physischeren Aufbauspielern bietet sich somit ein klares Mismatch an, indem gegen McConnell am seitlichen Rand der Zone gerne aufgepostet wird. Oldenburg bleibt hier letztendlich nichts anderes übrig, als dass die Hilfe für McConnell gespielt wird. Ein passstarkes Team, wie es der Gegner der Oldenburger im Viertelfinale mit Alba Berlin ist, könnte hier mit einer schnellen Ballstafette den freien Mann finden. Oldenburg darf froh sein, dass Berlin mit Siva und Saibou bzw Peno ebenfalls nicht über die physisch stärksten Guards verfügt.

Betrachtet man den Kader des Teams von der Hunte, lässt sich eigentlich nur ein wirklicher Defensivspezialist in Ex-Bamberger Karsten Tadda ausmachen. Mit Armani Moore und Durand Scott besitzt Oldenburg jedoch zwei weitere Spieler, die in der Defense eigentlich über gute Anlagen verfügen: Beide Spieler besitzen eine gute Athletik, beide haben für ihre Positionen eine gute physische Ausgangslage. Hinzu kommen eine gute laterale Geschwindigkeit und  ein überdurchschnittlicher Wingspan, der es ermöglicht den Gegner vor sich zu halten bzw. mit flinken Händen auf den Steal zu gehen.

Doch mit den drei genannten Namen lichtet sich auch schon die Reihe an defensiven, überdurchschnittlichen Möglichkeiten beim Vizemeister. Spieler wie Schwethelm, Massenat und der österreichische Center Mahalbasic sind nicht für ihre ausgeprägten defensiven Fähigkeiten bekannt. Hier werden häufiger die teils nötige Hilfen und Rotationen verschlafen oder aber der Schritt zum Close-Out an die Dreipunktelinie, das dem gegnerischen Teams oftmals leichte Punkte und eben die guten Quoten gegen den Vizemeister beschert.

Hinzu kommt, dass Oldenburg als Team auch im Vergleich schlecht reboundet. Die Statistiken belegen dies auch zum Teil: Nicht nur, dass das Team insgesamt bei den absoluten Zahlen im unteren Drittel der Tabelle zu finden ist, nein, auch die Defensivreboundquote, die sich aus der Summe der eigenen Defensivrebounds geteilt durch die eigenen Rebounds plus der zugelassen gegnerischen Offensivrebounds berechnet, weist mit einem Wert von 71,8 einen eher mäßigen Wert bei den Playoff Teams auf. Erfolgreiche Playoffs und eine erfolgreiche Serie benötigen in aller Regel aber auch eine vernünftigen Verteidigung, die Oldenburg unter Coach Drijencic bisher schuldig geblieben ist in dieser Saison. Ob sich die am kommenden Wochenende gerade auswärts gegen Alba Berlin ändern kann, bleibt sehr fraglich.

Gute Stimmung wird für eine weitere Überraschung nicht ausreichend sein!

Die positive Stimmung im Team der Oldenburger, die mit der Weiterverpflichtung von Coach Mladen Drijencic auch nochmal ganz offiziell vor den Playoffs verbreitet wird, kann sicherlich einen kleinen Schub in das Rennen geben, aber letztendlich entscheiden die Qualitäten auf dem Parkett über Sieg und Niederlagen, Weiterkommen oder Ausscheiden. Oldenburg zeigt hier zwei unterschiedliche Gesichter: Offensiv zählen sie zu den besseren Teams der Liga und haben viele Waffen, die sie zum Scoring einsetzen können. Doch defensiv klaffen oft große Lücken an der Hunte. Und jeder kennt die Phrase: “Offense wins games, defense wins championships!” Für einen Sieg ist Oldenburg immer zu haben, das dürfte auch in diesen Playoffs außer Frage stehen, aber um gegen ALBA Berlin einen Seriensieg landen zu können und die Überraschung aus der Vorsaison zu wiederholen, braucht es mehr als nur positive “Vibes”. Das weiß auch der gerade verlängerte Coach der Oldenburger und wird sicherlich versuchen defensive Anpassungen vorzunehmen und die richtigen Stellschrauben zu finden, um hier die Lücke zu den Topteams verringern zu können. Nichtsdestotrotz sind die Chancen für den Vizemeister wieder ins Finale einziehen zu können denkbar schlecht, aber besonders gut waren sie vor den letztjährigen Playoff eigentlich auch nicht.

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