Fraport Skyliners Frankfurt

PlayOff Breakdown – Fraport Skyliners

Frankfurt springt im Endspurt noch auf den Playoff-Zug auf!

Frankfurt schafft als Tabellenachter den Sprung in die Playoffs

Die Playoffplätze der Saison sind verteilt: Es dauerte bis zum allerletzten Spieltag bis alle Teilnehmer in den Playoffs feststanden. In einem Fernduell lieferten s.Oliver Würzburg im fränkischen Duell gegen Medi Bayreuth und die Fraport Skyliners aus Frankfurt in Oldenburg bei den EWE Baskets einen interessanten letzten Spieltag mit dem besseren Ausgang für die Hessen. Würzburg scheitert knapp, trotz überzeugendem Sieg gegen Bayreuth.

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Mit dem überzeugenden Sieg am letzten Spieltag treffen die Männer von Trainer Gordon Herbert nun auf den FC Bayern München im Viertelfinale. Über die Saison gesehen wechselten sich starke Auftritte, wie der Sieg gegen Alba Berlin in der Hinrunde mit eher durchwachsenen Leistungen teils stetig ab. Auch zum Ende der Hauptrunde machte es eher den Anschein, dass Frankfurt Nerven zeigt und den Playoff-Zug noch verpasst. So kassierte man am 32. Spieltag noch eine deutliche Schlappe gegen grandios aufspielende Berliner mit  fast 40 Punkten Differenz. Und auch der knappe Sieg im Heimspiel gegen Jena am darauffolgenden Spieltag war nichts für schwache Nerven und konnte erst in den letzten 30 Sekunden der Partie entschieden werden. 

Check – Up*

Wie in jeder kurzen Übersicht über die Playoff-Vereine gibt es an dieser Stelle auch die reinen Zahlen von den Fraport Skyliners. Frankfurt qualifizierte sich mit 20 Siegen gegenüber 14 Niederlagen für die anstehende heiße Phase der Saison. Sie erzielten hierbei folgende Werte in den unterschiedlichen Ratings:

Die Zahlen mögen nicht wirklich überraschen, da Frankfurt unter Gordon Herbert bisher nie als immens starkes Offensivteam bekannt war in den letzten Jahren. Und so verhält es sich auch in dieser Saison. In Anbetracht, dass die Fraport Skyliners zudem noch einen eher langsameren Halbfeld-Basketball spielen lassen, erscheint die Zahl dann umso logischer. Blickt man weiter auf die Trefferquoten aus dem Nah- und Dreipunktebereich, schließt sich das Bild der offensiven Fähigkeiten Frankfurts noch besser zusammen. Im Vergleich zu den MHP Riesen aus Ludwigsburg legen die Frankfurter am offensiven Brett nicht so gute Zahlen auf, wie das Team von John Patrick. Insgesamt stellt Frankfurt damit die schlechteste Offensive der Playoffs dar.

Defensiv gesehen, spielen andere Teams rein statistisch betrachtet auch eine bessere Saison, doch kann man behaupten, dass phasenweise Frankfurt sicherlich auch den sogenannten Beton in der eigenen Defense anrühren kann. Die Skyliners stechen hier zwar nirgends aus der Masse signifikant heraus, einzig bei den erzielten Blocks pro Spiel schneiden sie mit einem Wert von 2,5 nur knapp schlechter als Bonn, aber auf einem Niveau mit dem FC Bayern ab. 

Die wichtigsten Wurfquoten zur Vollständigkeit im Überblick:

  • 2P Percentage: 53,0%
  • 3P Percentage: 36,7%
  • FG Percentage: 46,5%
  • FT Percentage: 74,5%

*Stand zum 30. Spieltag der Hauptrunde (Off-, Def-, Net-Rating)

Kader & Verletzungen

Alle wichtigen Statistiken der Spieler von Fraport Skyliners aus Frankfurt findet man hier und dann nur noch auf Statistiken wechseln.

Im Endspurt um den letzten Playoffplatz konnte Gordon Herbert auf dem Spielberichtsbogen auf einen vollbesetzten Kader zählen. Die Leistungsträger um ihren Routinier Quantez Robertson spielten allesamt fleißig Minute um Minute gegen die EWE Baskets Oldenburg. Über die Saison gesehen hatte Frankfurt mit dem Ausfall von Philip Scrubb zu kämpfen, zudem fiel auch Niklas Kiel länger verletzt aus. Laut einem teamnahen Fanblog sollen Tai Webster, Quantez Robertson und Shawn Huff zuletzt nicht trainiert haben. Im Vorfeld zur Partie gegen Oldenburg erklärte Trainer Gordon Herbert auf der Vereinsseite, dass die mentale Regeneration gerade wichtiger als die physische sei. Außer einem Wurftraining gab es hier als Vorbereitung keine weiteres Training, so dass man momentan etwas im unklaren ist, wie fit Frankfurts Spieler zur Zeit sind.

“Two-Men Offense” – Scrubb und Webster tragen die Frankfurter in der Offensive

Die Skyliners aus Frankfurt besitzen zwei prägende Spieler in ihrer Offensive. Die beiden internationalen Guards sind in der Liga eines der stärksten Scoring Duos. Gerade der Kanadier Philip Scrubb, der vor kurzem erst zum besten Offensivspieler der Liga gewählt wurde, sticht hier signifikant hervor. Er nimmt nicht nur mit dem Neuseeländer Tai Webster die mit Abstand meisten Würfe im Team der Hessen, sondern trifft diese in der laufenden Saison auch hochprozentig. So kann er mit durchschnittlich fast 3 getroffenen Dreipunktewürfen pro Partie einen hervorragenden Wert jenseits der 3-Punkte Linie bei einer Quote von 44,1% vorweisen. Fast 20 Punkte pro Partie und somit fast 25% der gesamten Frankfurter Punkte erzielt Scrubb für sein Team. Beachtet man hierbei noch die über 15 Punkte im Schnitt von Tai Webster, stellt dies einen immensen Anteil an der Gesamtpunktzahl dar. Dies ist zum einen natürlich eine sehr beachtliche Leistung, da beide Spieler zudem gute Quoten auflegen können, birgt aber gerade in einer Playoff Serie die Gefahr der Berechenbarkeit. 

Sicherlich ist die Combo aus Scrubb und Webster nie völlig aus dem Spiel zu nehmen, dennoch bedarf es offensiv für erfolgreiche Playoffs der Unterstützung der Teamkameraden. Frankfurt hat hier mit Quantez Robertson einen Dauerbrenner der Liga in ihren Reihen, der immer zuverlässig in der Defensive zupackt und an guten Tagen, wie beim Sieg über Oldenburg auch mal offensiv durchaus heiß laufen kann. Die 6 von 7 erfolgreichen Würfe jenseits der 6,25m Linie sollten aber nicht als Dauerzustand aufgefasst werden. Robertsons Stärken liegen eher näher am Brett. Mit seinen 1,88m ist er zwar ein relativ kleiner Spieler, kann dies aber durch seine hervorragende Einstellung und seinem bullig wirkenden Körper wieder ausgleichen und schließt mit viel Energie am gegnerischen Brett ab. 

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Der Eingangs genannte Tai Webster, der neben Scrubb brilliert, ist ein überaus flinker Ballhandler, der durch seine Schnelligkeit immer wieder Lücken findet und somit Löcher im Team seiner Gegner findet. Dabei kann er aufgrund seiner Athletik und guten Körperbalance selbst den Abschluss suchen, besitzt aber darüber hinaus auch noch ein gutes Auge für seine Mitspieler, die er entweder in einem Pick and Roll bedient oder den Kick-Out Pass an die Dreipunktelinie sucht, wo mit Scrubb, aber auch mit Huff und Freundenberg sichere Schützen warten.

Auf den Big Men Positionen ist Frankfurt mit dem US-Amerikaner Mike Morrison und Jonas Wohlfahrt-Bottermann sehr variabel besetzt. Verkörpert der 28-jährige Deutsche eher den klassischen Typ Center, so ist bei Mike Morrison die Athletik, teils mit sehr spektakulären Abschlüssen, im Vordergrund zu nennen. Beide stellen harte, teils aber auch etwas unsaubere Blöcke für ihre Guards, die aber hierbei einen entscheidenden Teil für die Initiierung der Setplay Systeme von Herbert innehaben. 

Zuletzt noch ein Blick auf die Talente der Frankfurter: Mit Isaac Bonga und Richard Freudenberg haben sich gleich zwei Frankfurter Hoffnungen für den NBA Draft in diesem Jahr angemeldet. Gerade auch ersterer spielt eine solide Saison mit seinen gerade mal 18 Jahren. Bonga agiert hierbei aber vermehrt auch auf dem Flügel statt als sehr großer Aufbauspieler. Beide gaben den Team über die Saison hinweg immer mal wieder offensive Impulse, wie bei den Season-Highs mit 16 Punkten (Bonga gegen Bremerhaven) und 16 bzw 19 Punkten (Freudenberg gegen Ulm und Berlin). Über die Saison gesehen lassen sie es aber auch aufgrund ihres jungen Alters noch an Konstanz vermissen.

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Insgesamt betrachtet dürfte Frankfurt aber in ihrer Offensive limitierter sein als manch anderes Playoff-Team. Dies liegt nicht zuletzt auch ein wenig am Altersdurchschnitt der Spieler von Gordon Herbert. Mit 23,4 Jahren im Durchschnitt stellen die Frankfurter eines der jüngsten Teams in den Playoffs. Hinzu kommt, dass hier viel Wert auf die Talententwicklung wert gelegt wird und den Spielern somit auch überdurchschnittliche Einsatzzeit trotz ihres jungen Alters zugetraut wird. In der nun heißen Phase müssen aber die Veteranen im Team einen Schritt voraus machen und die jungen Spieler etwas mit an die Hand nehmen, dass sie auch in intensiveren Phasen, als Kollektiv offensive Lösungen finden, die nicht nur Philip Scrubb oder Tai Webster heißen.

Defensivspezialist – Quantez Robertson

Der US-Amerikaner ist bei den Frankfurtern schon ein Urgestein im Team, der mittlerweile seine 9. Saison in Hessen spielt. Spricht man über Frankfurts Defensive, dann spricht man in einem Atemzug natürlich auch über “Tez” Robertson. In dieser Saison ging der Award für den besten Verteidiger der Liga zwar nicht an Robertson, der sich knapp dem Bonner Bartolo geschlagen geben musste, aber der Frankfurter konnte in der Saison 2015/16 diese Auszeichnung sichern. Auch in den restlichen Jahren war sein Name immer aussichtsreich im Rennen. 

Für Frankfurt ist er eine Art defensive Allzweckwaffe: Trotz der überschaubaren Größe, versteht es Robertson seinen Körper gegen zum Teil körperlich überlegene Gegner geschickt einzusetzen. Dabei spielt seine Physis und Athletik eine Rolle, er besitzt zudem sehr schnelle Hände und ein hervorragendes Antizipationsvermögen, welches ihm zu vielen “einfachen” Steals verhilft. Da er zudem von Gordon Herbert ab und an als Ballhandler eingesetzt wird, kann Robertson aus solch defensiven Aktionen ein schnelles Umschaltspiel praktizieren. 

Alleine kann aber auch Robertson defensiv keine Mannschaft tragen. Gerade mit Mike Morrison hat er auf den großen Positionen einen variablen Big Man in der Defense an der Seite. Morrison besitzt ebenfalls über eine überdurchschnittliche Athletik und kann hier auch gegen wendige Gegner bestehen. Aber nicht nur das, er kann nach einem Switch aufgrund eines gestellten Blockes auch den Guard der gegnerischen Mannschaft übernehmen und den Zug zum Korb erschweren, da er mit seiner Wingspan Würfe verändern und somit schwieriger machen kann. Sein Partner auf der Position, Wohlfahrt-Botterman hingegen stellt den Gegenpart dar. Seine Schwächen sind eher bei Mismatches nach einem Switch zu finden und wenn er gegen schnelle Lange spielen muss.

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Insgesamt basiert Frankfurts defensives System auf viel Einsatzbereitschaft, hierzu zählen das leichte Anpressen, vor allem aber schnelle, in sich greifende Rotationen, die vor allem am Ende noch einmal schnelle Close-Outs verlangen, wenn der Gegner es schafft, den freien Mann zu finden.

Das Viertelfinale als Erfolg ansehen

Frankfurt kann an guten Tagen sicherlich jedem Team gefährlich werden, das dürfte ohne Zweifel feststehen. Greifen die defensiven Mechanismen und liefern Scrubb und Webster offensiv ihr Potenzial ab, dann kann Frankfurt auch die Bayern aus München in einer Partie schlagen. Dies geschah tatsächlich fast vor kurzem im Rückrundenspiel als die Fraport Skyliners bis spät ins vierte Viertel hinein sogar führten und die Partie erst in der Schlussminute zu Gunsten der Münchner ausging. Doch man darf diesen Beinahe-Erfolg nicht auf eine Serie ummünzen. Bei Frankfurts jungen Team muss schon mehr als noch manches zusammenkommen, um in den Playoffs ein gefährlicher Seriengegner zu sein. Die Teilnahme an den Playoffs haben sich die Hessen aber redlich verdient, da es die Verantwortlichen und Trainer Herbert verstehen, aus jungen Talenten ein schlagkräftiges Team zu formen und dabei vor allem auch vielen deutschen Hoffnungsträgern wichtige BBL Minuten zu geben. Frankfurt wird versuchen sich so teuer wie möglich zu verkaufen und dies ist durchaus ein Erfolg in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Mittel.

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